Der Meister und Margarita: York Höllers monumentale Oper nach Bulgakow

Als Michail Bulgakows Roman Der Meister und Margarita (1928–1940) im Jahr 1967 endlich zur Veröffentlichung freigegeben wurde, erregte dies weltweites Aufsehen. Der Autor, seit den späten 1920er Jahren von der offiziellen Literaturkritik geächtet, erlebte posthum eine triumphale Anerkennung. Sein Opus Ultimum ist jedoch weniger ein politisches Statement als vielmehr ein zutiefst religiöser und philosophischer Roman – eine moderne Interpretation der Faust-Legende. Die komplexe Handlung verwebt meisterhaft drei Erzählstränge: das Verhör Jesu durch Pontius Pilatus, die grotesken Lebensumstände im Moskau der 1930er Jahre und die tragische Liebesgeschichte des zweifelnden Schriftstellers, des „Meisters“, und seiner unerschütterlich an ihn glaubenden Geliebten, Margarita. Diese literarische Vorlage in eine Oper zu verwandeln, ist eine Herkulesaufgabe, der sich der Kölner Komponist York Höller annahm und mit seiner Der Meister Und Margarita Oper ein Schlüsselwerk des modernen Musiktheaters schuf.

Von der Faust-Legende zum modernen Musiktheater

In den Jahren 1984 bis 1989 widmete sich York Höller der gewaltigen Aufgabe, die verschlungene Handlung des Romans in ein Opernlibretto zu fassen. Das Ergebnis ist ein Textbuch, das die zahlreichen Charaktere des Romans durch eine differenzierte Nutzung aller Nuancen des menschlichen Gesangs und des Sprechgesangs zum Leben erweckt. Höller knüpft hierbei an eine Technik an, die Alban Berg in seinem Meisterwerk Wozzeck zur Perfektion entwickelt hatte. Die musikalische Umsetzung ist ebenso beeindruckend: Eine dramatische Bühnenmusik untermalt, umgibt, konterkariert oder betont die gesungenen und deklamierten Passagen.

Die Musik treibt die Handlung unaufhaltsam voran, ist reich an Bildern und nutzt das gesamte Spektrum des Orchesterklangs, um eine permanente Spannung zu erzeugen. Sie fängt die Qualen des Meisters über seinen Christus-Roman ebenso ein wie die diabolischen Interventionen des Teufels Woland, die von ihm inszenierten klärenden Verwicklungen und die surrealen Vorfälle im Künstlerhaus, in der verfluchten Wohnung, in der Psychiatrie, auf Satans Ball, auf Golgatha und auf den Sperlingsbergen. Jede Szene erhält dabei ihr eigenes, unverwechselbares musikalisches Kolorit – ein beeindruckender kreativer Akt.

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Ein Fest für die Sinne: Die spektakulären Bühnenmomente

Natürlich bewahrt Höller in seiner Oper die großen spektakulären Szenen des Romans, die zu den dramaturgischen Höhepunkten werden. Wolands magische Vorstellung, die den ersten Akt beschließt, und Margaritas Flug durch die Lüfte zu Beginn des zweiten Akts sind Momente von atemberaubender musikalischer Gestaltung. Der Höhepunkt ist zweifellos der satanische Ball, der schließlich in die Flucht der Liebenden in die Ewigkeit mündet.

Gerade in diesen Szenen entfaltet Höller seine Meisterschaft im Umgang mit elektronischer Musik. Die von ihm geschaffenen Klangtexturen sind betörend – ätherisch und schwebend für die übernatürlichen Reisen, und für den Ball eine erstaunliche, zeitreisende Collage aus Musikstilen von der Renaissance bis in die 1960er Jahre. In einem genialen Schachzug gipfelt der Ball im Song Sympathy for the Devil der Rolling Stones. Höller entwickelte ein eigenes Kompositionssystem, das ihm die nahtlose Integration von elektronischen und instrumentalen Klängen ermöglicht.

Musikalische Sprache und Rezeption

In ihrer vokalen und orchestralen Sprache erinnert die Oper stark an Alban Bergs Lulu, das offensichtlich einen wesentlichen Einfluss auf Höllers Werk hatte. Die Partitur ist außerordentlich sangbar, was die Kölner Besetzung bei der deutschen Erstaufführung eindrucksvoll unter Beweis stellte. Angeführt von Richard Salter als Meister und Marilyn Schmiege als Margarita, mit Franz Mazura als unheilvollem Woland, meisterte das Ensemble die anspruchsvollen Partien hervorragend.

Die Uraufführung fand 1989 an der Pariser Opéra Garnier statt, gefolgt von der deutschen Erstaufführung an der Oper Köln im Jahr 1991, deren Aufnahme die Grundlage für die CD-Veröffentlichung bildete. Unter der Leitung von Lothar Zagrosek wurde die komplexe Partitur luzide und klar umgesetzt. Die Aufnahme schafft es, die Balance zwischen Live-Instrumenten und Elektronik originalgetreu abzubilden. Die Kritik war sich einig: Höllers Werk ist eine kraftvolle, enorm fantasievolle und faszinierende Oper, die auf einem wunderbaren Buch basiert und einen wichtigen Platz in der modernen Operngeschichte einnimmt.

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Fazit: Ein Meilenstein der deutschen Oper

York Höllers Der Meister und Margarita ist mehr als nur eine Vertonung eines literarischen Meisterwerks. Es ist eine eigenständige künstlerische Leistung, die die Tiefen der Vorlage mit den Mitteln des modernen Musiktheaters auslotet. Die Oper verbindet eine reiche Orchestrierung mit innovativer Elektronik und anspruchsvoller Vokalkunst zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wer sich für die Entwicklung der deutschen Oper im 20. Jahrhundert interessiert, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese außergewöhnliche Komposition zu entdecken, sei es durch eine der seltenen Aufführungen oder durch die exzellente Kölner Aufnahme.