Dirk Rossmann, bekannt als Gründer der gleichnamigen Drogeriemarktkette, wagt sich mit seinem Roman „Der Neunte Arm Des Oktopus“ in die Welt der politischen Thriller. Das Werk, das in Zusammenarbeit mit einem Team von Schreibern entstand, widmet sich einem der drängendsten Themen unserer Zeit: dem Klimawandel und der Rettung des Planeten. Doch wie erfolgreich ist dieser ambitionierte Versuch, Fiktion und drastische Fakten zu vereinen? Rainer Rönsch von literaturkritik.de hat den „Polit-Märchen“ auf den Zahn gefühlt.
Ein ungewöhnlicher Autor und sein globales Anliegen
Der Titel des Buches mag zunächst verwirren, denn ein Oktopus hat bekanntermaßen acht Arme. Der „neunte Arm“ steht symbolisch für ein Wunder, ein unerwartetes Element der Hoffnung in der drohenden Klimakatastrophe. Rossmann, dessen Unternehmen ROSSMANN über 4.000 Filialen umfasst, engagiert sich persönlich für den Klimaschutz und nutzt dieses Buch als Plattform für sein Anliegen. Ähnlich wie Alexandre Dumas der Ältere, der sich an Lohnschreiber bediente, setzte auch Rossmann auf ein Team, um seine Vision zu realisieren. Sein Ziel ist es, Nachruhm und Aufmerksamkeit für die Klimarettung zu gewinnen, auch wenn die Vergleiche mit Klassikern wie dem „Grafen von Monte Christo“ wohl zu hoch gegriffen sind.
Zwischen Datenflut und Erzählfluss: Die Struktur des Romans
Rönsch kritisiert, dass das Buch auf den ersten rund einhundert Seiten ein Übermaß an Fakten und Rechercheergebnissen zum Klimaschutz präsentiert, was den Lesefluss einer Romanhandlung erheblich stört. Dies führt dazu, dass der Einstieg in die Geschichte mühsam ist und der Eindruck entsteht, die Autoren hätten „nicht das rechte Maß zwischen Argumentation und Romanhandlung“ gefunden.
Erst etwa ab der Mitte des Buches entfaltet sich der eigentliche Plot. Eine Allianz der G3-Staaten (China, Russland, USA) formiert sich, um die Welt vor der Ökokatastrophe zu bewahren. Diese Allianz geht mit Härte gegen jene vor, die weiterhin am „tödlichen Raubbau“ verdienen wollen, und schafft sich dadurch mächtige Feinde. Dieser Wendepunkt markiert eine deutliche Verbesserung im Erzählstil und der Spannungsentwicklung.
Schurken, Verrat und fragwürdige Szenen
Die Spannung des Thrillers entsteht durch abtrünnige Figuren wie den brasilianischen Präsidenten Batista, den russischen Marschall Bykow und den chinesischen Technokraten Dr. Yuan Zhiming, die ihre Regierungen hintergehen, um den Weltuntergang zu befördern. Rönsch merkt an, dass es verwunderlich ist, warum nur in Russland und China solche „schlimmen Finger“ existieren, während kein abtrünniger Amerikaner auftaucht.
Besonders kritisiert wird eine „extrem unglaubhafte“ Balkonszene in Brasilien, in der zwei chinesische Geheimdienstexperten vertrauliche Informationen auf einem abhörbaren Balkon austauschen, während ein Koch lauscht. Solche Passagen erinnern den Rezensenten an „unteres Niveau“ von Fernsehserien und mindern die Glaubwürdigkeit des Plots erheblich.
Der Funken Hoffnung: Ricardo und die Majorin
Erst mit der Einführung des Kochs Ricardo, der um sein Leben bangt, als er die abgefangenen Informationen weitergeben will, entsteht eine emotionale Bindung für den Leser. Ricardo verkörpert den Durchschnittsmenschen, der in einen globalen Konflikt gerät und um sein Überleben kämpfen muss. Die brasilianische Geheimdienst-Majorin, die im entscheidenden Moment eingreift und Ricardo sowie die Welt rettet, sorgt für ein glückliches Ende. Diese Figuren schaffen es, dem Roman eine dringend benötigte Portion Mitfiebern zu verleihen und die Schwächen in der Umsetzung teilweise auszugleichen.
Fazit: Ein Roman mit wichtigem Anliegen und holpriger Ausführung
„Der neunte Arm des Oktopus“ ist ein Roman mit einem zweifellos wichtigen und ehrlichen Anliegen: die Dringlichkeit des Klimaschutzes hervorzuheben. Dirk Rossmann und sein Team liefern eine detaillierte Materialsammlung, die die Ernsthaftigkeit der Bedrohung unterstreicht. Allerdings leidet die literarische Qualität unter einem unausgewogenen Start und einigen unglaubwürdigen Handlungselementen. Trotz dieser Mängel bietet das Buch ab der Mitte eine fesselnde Entwicklung und einige spannende Momente, die das zentrale Thema auf eine breitere Bühne heben. Für Leser, die sich für Klimaschutz und politische Thriller interessieren und bereit sind, über einige erzählerische Schwächen hinwegzusehen, könnte Rossmanns Debüt dennoch eine lohnende Lektüre sein. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung zu diesem engagierten Werk.
