Wussten Sie, dass in Deutschland rund 140 verschiedene Rebsorten kultiviert werden? Die unbestrittenen Stars sind dabei der elegante Riesling und die vielfältigen Burgunder-Sorten. Die deutsche Weinlandschaft hat in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen und knüpft heute wieder an ihre glorreiche Vergangenheit an.
Weinbau in Deutschland
Ein Blick auf Weinkarten renommierter Händler und Restaurants des 19. Jahrhunderts verrät, dass deutscher Riesling einst höher bewertet wurde als Bordeaux, Burgunder oder Champagner. Doch das 20. Jahrhundert brachte einen Abstieg mit sich: Die Folgen der Reblauskatastrophe, zwei Weltkriege mit einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise, mangelnde Innovationskraft in den 1950er Jahren, die zunehmende Industrialisierung und Chemisierung des Weinbaus, sowie das Weingesetz und die Flurbereinigung der 1970er, bei der traditionsreiche kleine Lagen zu großen Einheiten zusammengefasst wurden, markierten Tiefpunkte. Der Glykol-Skandal der 1980er Jahre setzte dem Image des deutschen Weins zusätzlich zu.
Ab den 1970ern war deutscher Wein international oft als “süß und billig” verschrien. Was einst teuer und hoch angesehen war, fand sich nun in Flaschen wie “Blue Nun” oder “Liebfrauenmilch” in Supermarktregalen weltweit wieder. Doch mit einer neuen Generation, die nach der Jahrtausendwende die Führung der Weingüter übernahm, setzte ein grundlegender Wandel ein. Das Weinbauland Deutschland hat einen umfassenden Struktur- und Kulturwandel vollzogen. Heute sind deutsche Rieslinge und Spätburgunder wieder auf den Weinkarten renommierter Restaurants von London über Kopenhagen bis New York zu finden. Das Weinland Deutschland ist wieder aufregend geworden – insbesondere im Bereich ökologisch erzeugter Weine.
Die Wurzeln des Weinbaus: Von den Römern zu den Mönchen
Die Geschichte des Weinbaus in Deutschland beginnt dort, wo sich auch heute noch die bedeutendsten Zentren des deutschen Weins befinden: entlang von Rhein, Neckar und Mosel. Während es vereinzelte germanische Stämme gegeben haben mag, die bereits Reben kultivierten, waren es vor allem die Römer, die mit der Eroberung Galliens unter Julius Cäsar bis an den Rhein vorstießen und dort – wie überall, wo sie sich niederließen – Weinreben pflanzten. Kaiser Probus (276–282 n. Chr.) förderte in seiner sechsjährigen Regierungszeit den Weinbau erheblich.
Später waren es fränkische Könige wie Dagobert I. (610–639), die den Weinbau vorantrieben. Die entscheidende Phase hin zum Qualitätsweinbau wurde jedoch von Karl dem Großen (742–814) eingeleitet und später von den Zisterzienser-Mönchen fortgesetzt. Diese gründeten von Burgund aus zahlreiche Klöster in ganz Europa und ließen sich unter anderem im Rheingau nieder. Im Kloster Eberbach (gegründet 1136) und am Johannisberg lagen die Wiegen der deutschen Weinkultur. In den folgenden 100 Jahren entstanden zwischen Worms und Köln über 200 weitere Klöster mit dazugehörigen Gutshöfen und Rebanlagen. Ihr ausgedehnter Besitz an Weinbergen machte die Klöster zu den größten Weinproduzenten ihrer Zeit. Im 15. Jahrhundert erreichte der Weinbau seine größte Ausdehnung mit rund 400.000 Hektar, wobei das Elsass damals noch dazugerechnet wurde und über ein Drittel dieser Fläche umfasste.
Von der Blütezeit zum Niedergang: Herausforderungen des 20. Jahrhunderts
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Weinbaufläche auf etwa ein Zehntel der Fläche des 15. Jahrhunderts geschrumpft. Der Dreißigjährige Krieg hatte verheerende Verwüstungen hinterlassen, die Kleine Eiszeit von 1450–1850 erschwerte den Anbau, und Bier löste Wein als Massengetränk ab. Der Wiederaufschwung des Weines erfolgte nach der Säkularisierung der Klöster durch Napoleon sowie dem Aufstieg des Adels und einiger bürgerlicher Familien, besonders im Rheingau und in der Pfalz. Sie investierten in den Weinbau und schufen neue Qualitäten, die zu Höchstpreisen auf Weinauktionen versteigert wurden.
Mit dem Verband der Naturweinerzeuger, aus dem in den 1970er Jahren der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) hervorging, gaben sich die führenden Winzer strenge Qualitätsrichtlinien. Diese wurden insbesondere ab 1971 noch einmal überarbeitet und verstärkt, als der offizielle deutsche Weinbau die Qualität des Weines anhand des Zuckergehaltes der Trauben einstufte und ein neues Weingesetz schuf.
Damals wurden viele der deutschen Weinberge einer umfassenden Flurbereinigung unterzogen. Das bedeutete, dass kleine Parzellen mit oft hohem Renommee zu großen Weinlagen zusammengefasst wurden. Dabei wurden Lagennamen neu vergeben und Weinberge neu angelegt, um eine mechanische Bewirtschaftung zu ermöglichen. Die Folge war ein weiterer Niedergang des deutschen Qualitätsweinbaus, der bereits unter den Kriegen, Exportverboten und der Wirtschaftskrise stark gelitten hatte.
Weinberg in der Pfalz*Weinberg in der Pfalz*
Gleichzeitig führten die Veränderungen zum Erfolg der einfachen, anspruchslosen Rebsorte Müller-Thurgau, die in vielen Gebieten den Riesling verdrängte. Der simple, meist fruchtig und restsüß ausgebaute “Müller” entsprach dem Zeitgeschmack. Was im Weingarten bei der Massenproduktion fehlgesteuert wurde, versuchte man im Keller passend zu machen. So wurde neben dem massiven Einsatz von Chemie und Kunstdünger im Weinberg auch die Kellertechnik immer ausgefeilter. Erst der Glykol-Skandal, der 1985 vom benachbarten Österreich aus auch in Deutschland Kreise zog, machte all dies etwas offensichtlicher. Der Erfolg der einfachen süßen Weine war auch der Erfolg der großen Abfüller. Allein zwischen 1972 und heute sank die Zahl der Weinbaubetriebe von rund 100.000 auf die Hälfte. Um dem entgegenzuwirken, begannen zunehmend Winzer, auf biologischen Anbau umzustellen, was in der Szene lange belächelt wurde.
Die große Renaissance deutscher Weine
Es sollte noch bis in die späten 1990er Jahre bzw. bis zur Jahrtausendwende dauern, bis eine neue Generation junger Winzer das Ruder übernahm. Diese Generation war weltoffen, verband moderne Technik mit dem Besten der Tradition und vinifizierte zunehmend Weine, die trocken ausgebaut wurden. Seitdem hat es eine wahre Renaissance des deutschen Weins gegeben, die nicht nur den Riesling erfasst hat, sondern auch den deutschen Spätburgunder.
Rieslingtrauben an der Mosel*Rieslingtrauben an der Mosel*
Der Aufstieg des Spätburgunders (französisch “Pinot Noir”) begann etwas früher, und zwar an der Ahr. Das Gebiet war in den 1980er Jahren für restsüße, fast roséfärbige Rotweine bekannt, die von Horden von Wochenendurlaubern, insbesondere aus dem Ruhrgebiet und Holland, konsumiert wurden. Damals reisten die ersten Winzer ins Burgund, um zu lernen, wie guter Pinot hergestellt wird. Das setzten sie nach und nach an der Ahr um. Heute entstehen die besten Pinots in der Pfalz, in Baden, in Churfranken und an der Ahr. Auch an der Mosel, wo es früher viel Spätburgunder gab, erlebt diese Rebsorte heute ein Revival.
Geografie, Klima und Böden der deutschen Weinbaugebiete
Die deutschen Weinbaugebiete gehören zu den nördlichsten der Welt, auch wenn sich der Weinbau durch den Klimawandel langsam verschiebt. Zwölf der 13 Anbaugebiete liegen in der Weinbauzone A und werden noch spürbar vom Golfstrom beeinflusst. Das Anbaugebiet Baden liegt bereits in der Weinbauzone B, wo es deutlich wärmere Durchschnittstemperaturen gibt. Die heute rund 102.000 Hektar Rebfläche verteilen sich auf unterschiedlichste Bodenformationen.
Allein im Anbaugebiet Nahe zählt man 180 Varianten. Die berühmteste ist sicherlich der Schiefer, den man als grauen, blauen, grünen oder roten Schiefer an Mosel, Ruwer und Saar, aber auch teilweise noch an der Nahe findet. Dazu kommen vulkanische Basalt-, Porphyr- und Melaphyrböden, Buntsandstein, Löss, Lehm, Muschelkalk und Kalkstein.
Was deutschen Wein von Weinen aus anderen Anbaugebieten unterscheidet, ist die Kombination aus Leichtigkeit, Fruchtigkeit und Finesse, die der Wein gleichzeitig besitzen kann. Nirgendwo sonst entstehen Weine, die sehr komplex werden können, über Jahrzehnte reifen und dabei einen moderaten Alkoholgehalt von um die 10 % aufweisen, wie etwa ein Riesling Kabinett. Dies liegt auch an der langen Vegetationszeit, der moderaten Sommerhitze und den teilweise hohen Tag-Nacht-Amplituden in den Tälern von Rhein und Mosel. Kaum irgendwo anders bezeichnet man Weine daher als “rassig”.
Die Vielfalt der Rebsorten in Deutschland
Mehr als 140 Rebsorten sind in Deutschland zugelassen oder befinden sich im Versuchsanbau. Das mag nach viel klingen, doch wenn man dies mit der Zeit vor der Reblauskatastrophe vergleicht, so findet man heute nur noch etwa ein Viertel der damaligen Sorten. Viele davon sind Neuzüchtungen, die es im 19. Jahrhundert noch nicht gab. Hinzu kommt, dass von den 140 Sorten nur ein gutes Dutzend wirtschaftlich eine relevante Rolle spielt, allen voran Riesling, Müller-Thurgau, Spätburgunder und Dornfelder. Gerade der Müller-Thurgau hat jedoch im Zuge des Wandels in den letzten 20 Jahren rund 50 % seiner Fläche verloren, während der Riesling wieder fast ein Viertel des gesamten Anbaus erreicht.
Besonders auffällig ist, dass ein großer Teil der Flächen auf vergleichsweise noch junge Neuzüchtungen fällt. Das sind neben Müller-Thurgau und Dornfelder auch Scheurebe, Regent und St. Laurent. In den biologisch arbeitenden Betrieben, die heute 7,9 % der Fläche bewirtschaften, werden auch die Piwis, die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, immer beliebter. Sie reduzieren die Notwendigkeit, Kupfer und Schwefel in die Weinberge auszubringen. Dies ist auch ein wichtiger Teil der Delinat-Methode, die bei immer mehr Winzern Anklang findet. Stark im Kommen sind außerdem französische Rebsorten, die lange Zeit so gut wie keine Rolle gespielt haben. Doch Chardonnay befindet sich bereits auf Platz 16, Sauvignon Blanc auf Platz 20 und Merlot auf Platz 24. Insgesamt werden konstant 65 % weiße Rebsorten und 35 % rote Rebsorten angebaut.
Die 13 Weinbaugebiete Deutschlands im Überblick
- Ahr, 545 ha, bekannt für Spätburgunder, Frühburgunder
- Baden, 15.429 ha, bekannt für Burgunder-Sorten
- Franken, 6.040 ha, bekannt für Silvaner, Müller-Thurgau, Scheurebe
- Hessische Bergstraße, 431 ha, bekannt für Riesling
- Mittelrhein, 450 ha, bekannt für Riesling
- Mosel (inkl. Saar, Ruwer), 8.594 ha, bekannt für Riesling
- Nahe, 4.063 ha, bekannt für Riesling, Weißburgunder
- Pfalz, 22.885 ha, bekannt für Riesling, Burgunder-Sorten
- Rheingau, 3.076 ha, bekannt für Riesling, Spätburgunder
- Rheinhessen, 26.685 ha, bekannt für Riesling, Silvaner, Scheurebe, Burgunder
- Saale-Unstrut, 775 ha, bekannt für Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner, Weißburgunder
- Sachsen, 456 ha, bekannt für Elbling, Goldriesling
- Württemberg, 11.140 ha, bekannt für Trollinger, Lemberger, Samtrot, Spätburgunder
Im Norden: Mittelrhein, Ahr und Mosel
Der Mittelrhein erstreckt sich linksrheinisch über 100 Kilometer von der Nahemündung bis Koblenz und rechtsrheinisch von Kaub bis zum Siebengebirge. Obwohl das Anbaugebiet ideale Bedingungen und eine große Tradition aufweist, ist es heute wenig bekannt. Es umfasst 450 Hektar mit einer Großlage und 40 Einzellagen. Die bekanntesten sind der Bopparder Hamm, der Oberdiebacher Fürstenberg und der Bacharacher Hahn. Die wichtigste Rebsorte ist der Riesling, der auf Schiefer- und Grauwackeverwitterungsböden wächst. Manches Gestein im Siebengebirge ist auch vulkanischen Ursprungs.
In den Weinbergen an der Ahr entstehen einige der besten Früh- und Spätburgunder Deutschlands. Die steilen Lagen werden teilweise treibhausartig warm und profitieren vom besonderen Klima der Köln-Bonner Bucht. Die Rebfläche von 545 Hektar teilt sich in eine Großlage und 40 Einzellagen wie den Dernauer Pfarrwingert oder die Walporzheimer Gärkammer. Neben Burgundersorten wachsen dort auch Portugieser, Dornfelder, Riesling und Müller-Thurgau.
Die Mosel ist bis heute das Kerngebiet des deutschen Weinbaus. Dort gibt es sowohl eine große Tradition als auch eine Reputation für einzigartige Rieslinge vom Schiefergestein, die trocken, restsüß oder edelsüß ausgebaut werden. Zur Mosel gehören außerdem die Nebenflüsse Saar und Ruwer. Die 8.549 Hektar teilen sich in sechs Bereiche, 18 Großlagen und 524 Einzellagen, von denen viele weltberühmt sind. Beispiele sind der Bernkasteler Doctor, die Brauneberger Juffer oder auch der Ürziger Würzgarten. Eine Besonderheit stellt die Obermosel im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und Luxemburg dar. Dort findet sich statt des üblichen Schiefers reiner Muschelkalk und Keuperboden. Entsprechend gibt es dort kaum Riesling, sondern weiße Burgundersorten und Elbling. Neben dem allgegenwärtigen Riesling und dem immer populärer werdenden Spätburgunder werden immer noch viel Müller-Thurgau und andere Massenträger angebaut.
Die mittleren Gebiete: Rheingau, Rheinhessen, Nahe und Pfalz
Mit 3.076 Hektar ist der Rheingau zwar kein großes Anbaugebiet, dafür aber eines der angesehensten. Namen wie Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg oder Robert Weil stehen für Riesling auf höchstem Niveau. Auf 79 % der Anbaufläche ist diese Sorte zu finden, auf weiteren 12 % der Spätburgunder. Die Reben stehen auf Mergelböden, Schieferverwitterung, Quarzit, Kiesel und Löss. In diesem Bereich, der südlich von Wiesbaden beginnt und bis auf die Höhe von Rüdesheim reicht, gibt es elf Großlagen und 129 Einzellagen. Dazu gehören der Assmannshäuser Höllenberg, der Erbacher Marcobrunn, der Kiedricher Gräfenberg und der Winkeler Hasensprung.
Rheinhessen ist das größte der deutschen Anbaugebiete. In Nierstein am Roten Hang entstanden im Mittelalter die ersten Weine mit Lagenbezeichnung. Doch das Gebiet hat wie kein anderes unter der Flurbereinigung der 1970er Jahre gelitten. So wurden Millionen Liter zu restsüßer Liebfrauenmilch zusammengemischt und weltweit zum Synonym für deutschen Wein. Heute gibt es hingegen zwischen Bingen, Worms, Mainz und Alzey wieder hervorragende Winzer und Weine von unterschiedlichsten Böden wie Löss, Mergel, Kalkstein, Ton, Rotliegend, Quarzit oder Porphyr. Das Gebiet teilt sich in die Bereiche Bingen, Wonnegau und Nierstein. Vorherrschende Rebsorten sind Müller-Thurgau, Riesling und Silvaner, dazu Burgundersorten, Scheurebe und Dornfelder.
Auch die Nahe hat unter den Veränderungen der 1970er Jahre gelitten. Sie gehörte lange Zeit zu den unterschätzten deutschen Anbaugebieten. Dabei findet man auf rund 4.000 Hektar über 180 verschiedene Bodenvarianten mit Quarzit, Schiefer, Porphyr, Melaphyr oder Buntsandstein. Mittlerweile aber werden die Weine, die von Bingen bis nach Bad Kreuznach entstehen, wieder sehr geschätzt, allen voran der Riesling. Stammen die Weine aus dem Monzinger Halenberg oder dem Monzinger Frühlingsplätzchen, dem Norheimer Dellchen, der Niederhäuser Hermannshöhle oder der Schlossböckelheimer Kupfergrube, dann zählen sie häufig zu den besten der Welt. Neben dem Riesling erlauben die Bodenvarianten den Anbau fast aller anderen in Deutschland üblichen Sorten. Besonders gute Ergebnisse erzielt dabei der Weißburgunder.
Ähnlich wie der Nachbar Rheinhessen hat auch die 22.885 Hektar umfassende Pfalz die Höhen und Tiefen des deutschen Weinbaus erlebt. Im 19. Jahrhundert waren Rieslinge aus Ruppertsberg, Forst und Deidesheim weltberühmt. Dann kam die Zeit, in der Pfälzer Weine vor allem aus dem Dubbeglas als Schoppenweine getrunken wurden. Heute ist die Pfalz eine dynamische Gegend mit einigen wieder weltberühmten Weingütern und vielen jungen, unkonventionellen Winzern. Die Pfalz teilt sich in die beiden großen Gebiete Mittelhaardt/Deutsche Weinstraße und den Bereich Südliche Weinstraße. Die Mittelhaardt beginnt südlich von Worms an der Grenze zu Rheinhessen im mit Kalkböden gesegneten Zellertal. Von Bad Dürkheim bis Neustadt an der Weinstraße dominieren eher sandige und lehmige Lössböden, teilweise durchsetzt mit Kalk. Weltberühmte Lagen sind der Kallstadter Saumagen, das Forster Ungeheuer, der Deidesheimer Hohenmorgen, der Ruppertsberger Reiterpfad und der Königsbacher Idig. Auf den 323 Einzellagen entstehen teilweise große Rieslinge und teilweise auch sehr gute Spätburgunder. Die Südliche Weinstraße hingegen ist wärmer, verfügt aber ebenso vor allem über Löss- und Lehmböden.
Die Hessische Bergstraße zwischen Neckar, Rhein und Main im Schutz des Odenwaldes ist als Anbaugebiet kaum bekannt. Das liegt an der geringen Hektarzahl von 431, vor allem aber auch daran, dass die Weine aus Riesling, Müller-Thurgau, Grau- und Spätburgunder fast alle in der Region selbst getrunken oder nach Frankfurt gebracht werden.
Im Süden: Württemberg, Baden und Franken
Württemberg, das Anbaugebiet rund um Stuttgart und Heilbronn, steht immer noch als Synonym für den Anbau leichter und oft maischeerhitzter und restsüßer Trollinger. Auf den 11.140 Hektar wird bis heute Massenanbau durch große Genossenschaften und Kellereien betrieben. Doch daneben hat sich ein kleiner, aber feiner Weinbau von privaten, oftmals biologisch-organisch arbeitenden Betrieben entwickelt
