Ein Vorfall in einer kleinen deutschen Stadt hat kürzlich für landesweite Empörung gesorgt und die anhaltende Herausforderung des Rechtsextremismus in Deutschland erneut ins Bewusstsein gerufen. Es geht um den Verkauf eines offen rechtsextremen Bieres, das nicht nur in einem Getränkemarkt auftauchte, sondern dort auch schnell ausverkauft war. Diese beunruhigende Entwicklung wirft Fragen über die Verbreitung rechtsextremer Symbolik und deren Akzeptanz in Teilen der Bevölkerung auf, die für das Magazin “Shock Naue” von besonderem Interesse sind, da es um das Erkunden verschiedenster Facetten Deutschlands geht – auch der weniger erfreulichen.
Neonazi-Bier "Deutsches Reichsbräü" in einem deutschen Geschäft
Der Fall Bad Bibra: Ein schockierender Ausverkauf
Die Polizei wurde in der vergangenen Woche zu einem Getränkemarkt in Bad Bibra, einer kleinen Gemeinde im Bundesland Sachsen-Anhalt, gerufen. Der Grund: Dort wurde ein Bier mit dem Namen „Deutsches Reichsbräu“ verkauft, das von einem bekannten Neonazi hergestellt wird und mit Symbolen aus der Zeit des nationalsozialistischen Deutschen Reiches versehen war. Die deutschen Behörden leiteten daraufhin umgehend eine Untersuchung ein. Es war der lokale konservative Politiker Götz Ulrich, der auf seiner Facebook-Seite Bilder der Auslage postete und seine Scham über den Vorfall ausdrückte.
Was die Situation besonders beunruhigend machte, war die Tatsache, dass das Bier – trotz oder gerade wegen seiner umstrittenen Botschaft – offenbar reißenden Absatz fand. „Das Schlimmste ist aber: Das Bier lief gut und ist ausverkauft!“, fügte Ulrich hinzu. Er äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur DPA bestürzt: „Es ist ein verheerendes Zeichen, dass so viele Leute keine Scham empfinden, dies anzufassen und ihr Geld einem Neonazi zuzuwerfen.“ Die Ironie der Situation: Ulrich selbst kaufte eine der letzten Flaschen, um sie zu einer Gedenkveranstaltung in einem Konzentrationslager mitzunehmen – als Mahnung an die fortbestehende Bedrohung durch den Rechtsextremismus in Deutschland, wie die Zeitung Tagesspiegel berichtete.
Der Produzent und seine Ideologie
Hinter der Marke „Deutsches Reichsbräu“ steht Tommy Frenck, ein extremistischer ehemaliger Politiker. Frenck war im Jahr 2014 Kandidat der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) bei der Landtagswahl in Thüringen. Er ist bekannt für seine rechtsextreme Gesinnung und vertreibt neben seinem Bier auch eine Vielzahl anderer rechtsradikaler Artikel über seinen Online-Shop. Die Einführung des „Deutschen Reichsbräu“ Anfang des Jahres war ein weiterer Schritt, um seine Ideologie und damit verbundene Produkte in Umlauf zu bringen, die auf die Verherrlichung vergangener Epochen abzielen, die von Nationalsozialismus und Krieg geprägt waren. Solche Produkte dienen der Verbreitung rechtsextremer Botschaften und der Finanzierung der Szene.
Rechtliche Grauzone: Warum ein Verbot schwierig ist
Obwohl die Empörung groß war, stellten die thüringischen Behörden nach ihrer Untersuchung fest, dass das „Deutsches Reichsbräu“-Bier nicht einfach verboten werden kann. Der Grund liegt darin, dass die verwendeten Symbole – der Reichsadler und das Eiserne Kreuz – nicht auf der Liste der in Deutschland „verbotenen Symbole“ stehen, wenn sie nicht in Verbindung mit verfassungsfeindlichen Zeichen wie dem Hakenkreuz verwendet werden. „Der Reichsadler und auch das Eiserne Kreuz sind keine verbotenen Symbole“, erklärte die Polizei als Reaktion auf Beschwerden in den sozialen Medien. Es wäre anders, wenn das Hakenkreuz in den Kontext gestellt würde. Diese rechtliche Grauzone ermöglicht es Herstellern wie Frenck, am Rande der Legalität zu agieren und nationalsozialistische Ästhetik zu nutzen, ohne direkt gegen das Gesetz zu verstoßen. Dies unterstreicht die Komplexität im Kampf gegen rechtsextreme Propaganda in der deutschen Gesellschaft.
Die Reaktion der Getränke-Kette
Der Getränkemarkt in Bad Bibra, der das Bier verkaufte, war Teil der Einzelhandelskette Getränke-Quelle. Am Freitag nach Bekanntwerden des Vorfalls veröffentlichte das Franchise eine Erklärung, in der es sich von dem Bad Bibraer Geschäft distanzierte und die Partnerschaft mit dem Laden beendete. In der Stellungnahme hieß es: „Die Getränke-Quelle in Bad Bibra wird nicht von unseren Mitarbeitern geführt… Der örtliche Franchise-Nehmer ist unabhängig und darf Produkte ohne Rücksprache mit uns verkaufen. Bis heute wussten wir nichts über den Verkauf des Bieres ‚Deutsches Reichsbräu‘. Wir haben sofort Kontakt mit dem Geschäftsführer aufgenommen und die Entfernung des Artikels aus dem Laden gefordert… Wir werden unser Branding am kommenden Montag entfernen lassen.“ Diese schnelle Reaktion zeigt den Druck, dem Unternehmen in Deutschland ausgesetzt sind, wenn sie – auch unbeabsichtigt – mit rechtsextremen Inhalten in Verbindung gebracht werden.
Fazit: Ein Weckruf gegen Rechtsextremismus
Der Fall des „Deutsches Reichsbräu“-Bieres in Bad Bibra ist weit mehr als nur ein lokaler Vorfall. Er ist ein beunruhigendes Symptom für die anhaltende Präsenz und gelegentliche Akzeptanz rechtsextremer Ideologien in Deutschland. Die schnelle Reaktion der Öffentlichkeit und die Distanzierung der Handelsketten sind zwar wichtige Signale, doch die rechtliche Einschätzung, dass die Symbole allein nicht für ein Verbot ausreichen, zeigt die Herausforderungen im Umgang mit dieser Art von Propaganda. Es bleibt eine ständige Aufgabe, wachsam zu sein, gegen jede Form von Extremismus aufzustehen und die Werte einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu verteidigen. Für alle, die Deutschland erkunden, ist es wichtig, auch diese Schattenseiten der Geschichte und Gegenwart des Landes zu kennen und zu verstehen.
