Die Känguru-Chroniken: Ein anarchischer Ritt durch Berlin-Kreuzberg

Berlin-Kreuzberg, ein typisches Mehrfamilienhaus. Die Türklingel schrillt. Ein zerzauster Mann öffnet und blickt in die Schnauze eines Kängurus. „Ich bin gerade nebenan eingezogen und miete… naja, eigentlich nicht. Ich mache Pfannkuchen. Haben Sie Eier?“ So beginnt eine skurrile Wohngemeinschaft, die bald um Milch, Mehl und eine Schüssel erweitert wird und schließlich die Küche übernimmt. Die Idylle wird jäh durchbrochen, als die Polizei nach kiffenden Kängurus sucht. Doch in Kreuzberg, dem alternativen Herz Berlins, hat der Mann – Mark-Uwe – von nichts gehört. Das Känguru, das sich als Kommunist outet, während Mark-Uwe ein Anarchist ist, zieht kurzerhand ein: „Wir werden uns blendend verstehen. Bis zur Revolution, dann wird’s erst richtig interessant.“

Nach dem Eröffnungs-Vorspann und der Einblendung „Ein Jahr später“ entfaltet sich die Handlung der Verfilmung von Mark-Uwe Kling’s Bestsellern. Die Bücher, bekannt für ihren gutmütigen, humorvollen und politisch radikalen Ton, werden hier auf die Leinwand gebracht, wobei Dimitrij Schaad die Rolle des Mark-Uwe verkörpert. Der Film versucht, den anarchischen Spieltrieb der Vorlage einzufangen und richtet sich dabei an ein Publikum, das die einzigartige Mischung aus Satire und Alltagsabsurdität schätzt.

Im Kern des Films steht der Konflikt zwischen Mark-Uwe und dem Känguru gegen Jörg Dwigs, einen Immobilien-Spekulanten und einflussreichen Kopf der rechtspopulistischen Partei „Alternative zu Demokratie“ (AzD). Dwigs plant, auf einem Großteil des Görlitzer Parks in Kreuzberg einen monumentalen „Europaturm“ zu errichten. Dieses Vorhaben bedroht die Wohnungen von Mark-Uwe und seinen Nachbarn: den türkischen Brüdern Friedrich Wilhelm und Otto von, deren Eltern sich sichtlich um Integration bemüht haben, und der schönen Maria, für die Mark-Uwe heimlich schwärmt, aber nie den Mut findet, sie anzusprechen. Dwigs wird dabei von einer Gruppe jugendlicher Rechtsextremer mit Baseballschlägern unterstützt, die als bloße Antagonisten ohne tiefere Charakterzeichnung fungieren.

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Die Handlung mag in den Hintergrund treten, wenn die Guten mit Hilfe eines Soundtracks, der David Hasselhoff zitiert, und eines Cameos des Kult-Sängers Helge Schneider, gegen die Bösen antreten. Gerade in Momenten purer Albernheit zeigt der Film seine Stärken. Dwigs pflegt regelmäßige Videoanrufe mit internationalen Kontakten, darunter Doubles von Nigel Farage und Geert Wilders, was die globale Vernetzung populistischer Kräfte persifliert. Der Film liefert stets zahlreiche Details im Hintergrund, die dem Zuschauer entgehen mögen, ohne dass die Handlung darunter leidet. Anspielungen auf „Pulp Fiction“, „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Fight Club“ dienen eher als Hommage oder Selbstironie denn als dramaturgisches Mittel.

Bei der Weltpremiere gab es im Publikum einige, die von Anfang bis Ende brüllend lachend die Vorstellung verfolgten. Auch wenn man selbst nicht ganz so enthusiastisch war, so bot der Film doch genügend gute Gags, um das Publikum durchgehend zu unterhalten. Eine durchdringende Spielfreude und ein Wohlwollen für die sympathischen Protagonisten sind spürbar, die es schwer machen, dem Film etwas entgegenzusetzen, außer vielleicht ernüchterndem Humor. Der Film positioniert sich klar auf der Seite der Guten und thematisiert relevante Themen wie Gentrifizierung, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Er porträtiert ein Kreuzberg, wie es vielleicht kaum noch existiert – mit Eckkneipen, lokalen Geschäften und einer Gemeinschaft, die sich kennt und gegenseitig unterstützt.

Wie sein Hauptcharakter wirkt „Die Känguru-Chroniken“ zuweilen ziellos und ungerichtet. Mark-Uwe möchte zwar insgeheim Marias Herz gewinnen, doch seine Lebensplanung, die das Aufstehen am frühen Nachmittag und den Rest des Tages im Pyjama auf dem Sofa vorsieht, passt kaum zu solchen Ambitionen. Seine mangelnde Zielstrebigkeit ist bewundernswert, besonders im Kontrast zum gierigen und manipulativen Dwigs. Dennoch kann diese Trägheit manchmal auf den Film abfärben.

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Einige Witze zünden besser als andere, und manche Charaktere bleiben stereotypisch und grob gezeichnet, insbesondere die eindimensionalen Nazis, die sich ständig wiederholen. Während der Film an manchen Stellen mit cleverem Wortspiel glänzt, stolpert er an anderen Stellen und wirkt dadurch seiner selbst eine Ungerechtigkeit an.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Die Känguru-Chroniken“ ein ehrenwerter Versuch ist, der einige sehr gute Szenen enthält, die als eigenständige Stücke besser funktionieren als Teil einer kohärenten Handlung. Allein für diese Momente ist der Film sehenswert, auch wenn sie nie ganz zu einem befriedigenden Ganzen zusammenzufügen. Der Film ist gut, hinterlässt aber das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre.

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