Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) über eine Direktversicherung wird oft als attraktiver Zusatz zur gesetzlichen Rente beworben. Doch wie bei jeder Finanzentscheidung gibt es auch hier Vor- und Nachteile, die Arbeitnehmer sorgfältig abwägen sollten. Insbesondere die Frage, ob sich eine direktlebensversicherung oder eine andere Form der Direktversicherung lohnt, hängt von individuellen Umständen ab. Als führender Experte für Finanzthemen in Deutschland beleuchten wir bei Shock Naue die wichtigsten Aspekte, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.
Eine Direktversicherung bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, einen Teil ihres Bruttoeinkommens über den Arbeitgeber in eine Altersvorsorge einzuzahlen. Dies geschieht in der Regel durch eine Entgeltumwandlung, bei der die Beiträge direkt vom Gehalt abgezogen werden. Staatliche Förderungen und steuerliche Vorteile sollen die Attraktivität erhöhen. Doch wie sehen die konkreten Vorteile und Nachteile aus, wenn man eine Direktversicherung ins Auge fasst?
Vorteile einer Direktversicherung für Arbeitnehmer
Die Direktversicherung kann unter bestimmten Voraussetzungen eine sehr lohnenswerte Ergänzung Ihrer Altersvorsorge sein. Hier sind die Hauptgründe, die dafür sprechen:
Höhere Renditechancen durch Arbeitgeberzuschuss
Einer der größten Vorteile ist der Arbeitgeberzuschuss. Wenn Ihr Chef Ihre geförderten Beiträge mit mindestens 20 Prozent bezuschusst und die Direktversicherung für mehrere Mitarbeiter gleichzeitig abschließt, ist diese aus Renditegesichtspunkten in aller Regel vorteilhafter als eine privat abgeschlossene Rentenversicherung. Die zusätzliche Finanzspritze des Arbeitgebers steigert die Effizienz Ihrer Sparleistung erheblich. Dies kann dazu führen, dass sich eine lebensversicherung lohnt sich im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge besonders, da der Zinseszinseffekt durch den Zuschuss verstärkt wird.
Attraktive Steuervorteile während der Ansparphase
Wurde Ihre Direktversicherung im Jahr 2005 oder später abgeschlossen, sind Ihre Beiträge während der Ansparphase steuer- und sozialabgabenfrei. Die Besteuerung der Rente erfolgt dann erst im Rentenalter. In den allermeisten Fällen ist der persönliche Steuersatz im Rentenalter niedriger als während der Berufszeit, was einen spürbaren Steuervorteil mit sich bringt. Diese Steuerstundung kann über die Jahre zu einer erheblichen Ersparnis führen.
Hohe Sicherheit der Beiträge
Alle Arbeitnehmer-Einzahlungen in die Direktversicherung sind sicher, das heißt, sie sind “unverfallbar”. Dies gilt auch bei einem Wechsel des Arbeitsplatzes. Für Arbeitgeberbeiträge gelten seit 2018 spezifische Regelungen: Sie sind gesichert, wenn ein Mitarbeiter mindestens drei Jahre im Unternehmen tätig war und beim Jobwechsel mindestens 21 Jahre alt war. Viele Arbeitgeber räumen jedoch schon von Beginn an eine Unverfallbarkeit der eigenen Beiträge ein, was zusätzliche Sicherheit schafft.
Flexibilität bei seltenem Jobwechsel
Wechseln Sie im Laufe Ihres Berufslebens nur ein- oder zweimal den Arbeitgeber, lässt sich die Direktversicherung gut handhaben. Im Idealfall übernimmt der neue Arbeitgeber den bestehenden Vertrag. Alternativ können Sie das angesparte Guthaben auf einen neuen Vertrag übertragen oder den alten Vertrag beitragsfrei stellen und bei einem neuen Anbieter weitersparen. Diese Optionen bieten eine gute Anpassungsfähigkeit an veränderte Lebensumstände.
Möglichkeit der Integration einer Berufsunfähigkeitsversicherung
Ein weiterer Pluspunkt ist die Option, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) in die Direktversicherung zu integrieren – oft sogar ohne erneute Gesundheitsprüfung. Dies ist besonders vorteilhaft für Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen bei einer regulären BU-Versicherung nur eingeschränkten Schutz erhalten würden. Es bietet eine zusätzliche Absicherung für den Fall, dass Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können.
Keine Beiträge für privat Krankenversicherte
Wer privat krankenversichert ist, muss im Rentenalter keine zusätzlichen Krankenkassenbeiträge auf die betriebliche Rente oder eine mögliche Einmalauszahlung aus der Direktversicherung zahlen. Dies stellt einen deutlichen Vorteil gegenüber gesetzlich Krankenversicherten dar, für die im Alter Sozialversicherungsbeiträge auf die Betriebsrente fällig werden.
Nachteile einer Direktversicherung für Arbeitnehmer
Trotz der vielen Vorteile birgt die Direktversicherung auch einige potenzielle Nachteile, die Sie kennen sollten, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Volle Krankenkassenbeiträge auf die Betriebsrente für GKV-Versicherte
Dies ist ein oft unterschätzter Nachteil für gesetzlich Krankenversicherte. Wer als Rentner in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, muss auf Versorgungsbezüge, zu denen auch die Zahlungen aus der Direktversicherung zählen, volle Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung leisten. “Volle Beiträge” bedeutet, dass der Rentner sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil tragen muss, was derzeit gut 19 Prozent der Betriebsrente ausmacht (Stand 2023).
Es gibt jedoch seit 2020 eine wichtige Entlastung für pflichtversicherte Rentner in der GKV: Krankenkassenbeiträge auf die Betriebsrente fallen nur für Beträge an, die den Freibetrag für Versorgungsbezüge in Höhe von aktuell knapp 197,75 Euro pro Monat (Stand 2023) übersteigen. Werden die Versorgungsbezüge auf einen Schlag ausgezahlt, müssen die Abgaben über zehn Jahre verteilt gezahlt werden, sofern die hochgerechnete Betriebsrente über 160 Euro pro Monat liegt. Diese Regelung ist in § 226 Abs. 1 und 2 SGB V verankert und umfasst auch andere Bezüge aus einem früheren Dienstverhältnis, wie Ruhegehälter oder Hinterbliebenenrenten.
Reduzierung der Sozialversicherungsleistungen
Durch die Entgeltumwandlung wird Ihr Bruttolohn während der Ansparphase reduziert. Da die Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen (Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung) auf der Grundlage des Bruttolohns berechnet werden, kann dies zu geringeren Leistungen aus diesen Sozialsystemen führen. Dies betrifft beispielsweise geringere Ansprüche bei Arbeitslosigkeit oder eine niedrigere gesetzliche Rente im Alter.
Mangelnde Kostenübersicht
Da der Arbeitgeber die Direktversicherung abschließt, haben Arbeitnehmer oft nur einen eingeschränkten Überblick über die tatsächlichen Kosten des Vertrages. Versicherungsgesellschaften sind nicht verpflichtet, Ihnen die genauen Abschluss- und Verwaltungskosten transparent auszuweisen. Um dies zu erfahren, müssen Sie aktiv nachfragen und detaillierte Informationen anfordern. Diese Intransparenz kann es erschweren, die Wirtschaftlichkeit des Vertrages vollständig zu beurteilen.
Herausforderungen bei häufigem Jobwechsel
Für Arbeitnehmer, die häufiger den Arbeitsplatz wechseln möchten, kann die Direktversicherung eher problematisch sein. Jeder Jobwechsel erfordert eine erneute Auseinandersetzung mit dem Verbleib der bisherigen Direktversicherung. Das Übertragen des Guthabens auf einen neuen Vertrag beim neuen Arbeitgeber ist oft mit schlechteren Konditionen oder zusätzlichen Übertragungsgebühren verbunden. In solchen Fällen könnten andere Formen der Altersvorsorge, wie zum Beispiel ein flexibler ETF-Sparplan oder ein Riester-Vertrag, die bessere Wahl sein.
Fazit: Die Direktversicherung im Kontext Ihrer Altersvorsorge
Die Direktversicherung ist ein wertvolles Instrument der betrieblichen Altersvorsorge, das sowohl attraktive Vorteile als auch spezifische Nachteile mit sich bringt. Sie bietet besonders hohe Renditechancen durch Arbeitgeberzuschüsse und Steuervorteile, kann aber für gesetzlich Krankenversicherte im Rentenalter zu höheren Belastungen durch Krankenkassenbeiträge führen und erfordert bei häufigen Jobwechseln erhöhten Verwaltungsaufwand.
Bevor Sie sich für eine Direktversicherung entscheiden, ist es daher essenziell, Ihre persönliche Situation genau zu analysieren: Wie stabil ist Ihr Arbeitsverhältnis? Wie ist Ihr Krankenversicherungsstatus? Welche langfristigen finanziellen Ziele verfolgen Sie? Eine individuelle Beratung kann Ihnen helfen, alle Aspekte zu beleuchten und die für Sie optimale Vorsorgelösung zu finden. Informieren Sie sich umfassend und treffen Sie eine Entscheidung, die zu Ihren Lebensumständen passt und Ihre finanzielle Zukunft optimal absichert.
