Schachtar Donezk: Mehr als nur Fußball – Ein Verein im Exil und sein Kampf in der Champions League

Für den ukrainischen Traditionsverein Schachtar Donezk ist der Ausnahmezustand seit vielen Jahren Alltag. Bereits 2014, als Russland die Krim annektierte und der Krieg im Donbass begann, musste der Klub seine Heimat verlassen. Seitdem ist an ein normales, sicheres Leben, geschweige denn an professionellen Fußball, nicht mehr zu denken. Die Teilnahme an Wettbewerben wie der Champions League wird so zu einem mächtigen Statement und einer Plattform, um die Welt auf die anhaltende Situation in der Ukraine aufmerksam zu machen. Während sich die Fußballwelt auf den wm 2022 beginn konzentrierte, kämpften Vereine wie Schachtar Donezk um ihre bloße Existenz und Identität.

Donezk: Eine Heimat, die unerreichbar scheint

Die Donbass Arena, das frühere Stadion von Schachtar Donezk, wurde kurz nach der Vertreibung des Vereins im Jahr 2014 von Bomben getroffen. Zwar keimte 2016 die Hoffnung auf eine Rückkehr, als Schäden am Stadion repariert und der Rasen restauriert wurden, doch die Situation verschlechterte sich zusehends. In der einstigen EM-Spielstätte rollt seit über einem Jahrzehnt kein Ball mehr. Die Heimspiele in der heimischen Liga werden nun in Lwiw und Kiew ausgetragen, während für internationale Begegnungen Städte wie Hamburg und Gelsenkirchen zu temporären Zufluchtsorten werden. Der fünfzehnfache ukrainische Meister empfängt seine Gegner, darunter auch Top-Klubs wie den FC Bayern München, auf deutschem Boden – eine bittere Realität, die das Ausmaß der Vertreibung verdeutlicht.

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Strapazen und Herausforderungen: Ein “Heimspiel” fern der Heimat

Ein Champions-League-Spiel ist in Zeiten des Krieges für Schachtar Donezk alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Serhij Palkin, der Fußballchef des Vereins, beschreibt die immensen Reiseanstrengungen: “Allein um in Deutschland anzukommen, brauchen wir locker eineinhalb Tage.” Das Team muss zwölf Stunden mit dem Bus nach Polen fahren und von dort mit dem Flugzeug nach Düsseldorf, um ein Spiel zu bestreiten, das eigentlich ein Heimspiel sein sollte. Diese Strapazen zehren an den Kräften: “Wenn du dann ankommst, bist du bereits weniger stark als der Gegner. Für uns ist das sehr, sehr schwierig. Aber wenn du dann ein positives Ergebnis erzielst, bedeutet das für uns natürlich enorm viel”, so Palkin. Neben den Reisestrapazen werden Ligaspiele in der Ukraine regelmäßig durch Luftalarm unterbrochen, was Spieler, Trainer und Unparteiische dazu zwingt, in Schutzbunker zu flüchten. Der Mut und die Ausdauer, mit denen Spieler wie die der italienische fußballnationalmannschaft spieler auf dem Platz stehen, sind für Schachtar Donezk auch ein Kampf ums Überleben.

Menschliche Tragödien: Der Krieg im Alltag eines Fußballvereins

Die physischen Belastungen sind jedoch bei Weitem nicht das Schlimmste, womit die Menschen bei Schachtar Donezk zu kämpfen haben. Der Krieg fordert menschliche Opfer, und diese Schicksale sind im Alltag des Vereins allgegenwärtig. Sportdirektor Darijo Srna berichtete von Torhüter Denys Twardowski, der kürzlich seinen Vater im Krieg verloren hat. “So etwas ist traumatisch und passiert in der Ukraine jeden Tag. Niemand weiß, was in jemandem vorgeht, dem so etwas widerfährt. Da weißt du auch nicht, was du dem Betroffenen sagen sollst”, so Srna. Er betonte, dass in solchen Momenten nur Zusammenhalt und gemeinsame Stärke helfen. Srna sieht sich selbst nicht mehr nur als Sportdirektor, sondern auch als Psychologe, und bezeichnet Schachtar Donezk als eine Familie, die in diesen schweren Zeiten fest zusammensteht.

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Schachtar als Botschafter der Ukraine: Die große Bühne der Champions League

Der Kader von Schachtar Donezk spiegelt die Vielfalt und die Herausforderungen des Vereins wider. Neben 18 Ukrainern sind auch internationale Spieler wie der Kroate Bartol Franjic, Irakli Azarovi (Georgien), Alaa Ghram (Tunesien), Lassina Traore (Burkina Faso) und sieben junge Brasilianer Teil des Teams. Doch wenn Schachtar in der Champions League antritt, werden sie alle zu Botschaftern der Ukraine. Die riesige Bühne des europäischen Spitzenfußballs rückt an jedem Spieltag den Krieg in den Fokus, der weiterhin in ihrer Heimat tobt. Die Spiele, die Ergebnisse und die Geschichten der Spieler von Donezk tragen dazu bei, dass die Welt die Situation nicht vergisst. Gerade in Spielen, wo ein Underdog gegen eine Großmacht antritt, wie es zum Beispiel bei südkorea gegen portugal der Fall war, wird die menschliche Komponente des Sports besonders deutlich.

Sportliche Ziele mit politischer Dimension

Während es für den FC Bayern München in ihrem 300. Champions-League-Spiel der Geschichte darum geht, einen Platz unter den besten Acht zu erreichen und die erste K.o.-Runde zu umgehen, geht es für Schachtar Donezk um weit mehr. Mit aktuell vier Punkten in der Gruppe droht den Ukrainern das direkte Aus in der Königsklasse. Dieses soll verhindert werden – aus sportlichen wie aus politischen Gründen. Trainer Marino Pusic betonte vor dem Wettbewerb: “Wir werden für unseren Klub, unsere Fans und unser Land alles versuchen, uns so gut wie möglich in Europa zu präsentieren.” Jedes Spiel ist ein Akt des Widerstands und eine Gelegenheit, die ukrainische Flagge auf internationaler Ebene hochzuhalten.

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Schachtar Donezk ist mehr als nur ein Fußballverein; es ist ein Symbol für Widerstand, Resilienz und die unermüdliche Hoffnung eines Landes im Krieg. Ihre Reise durch die Champions League ist eine Geschichte von sportlichem Ehrgeiz, tiefen menschlichen Tragödien und der unbedingten Entschlossenheit, eine Stimme für die Ukraine zu sein. Die Spiele dienen nicht nur der Punktejagd, sondern auch dazu, die Welt an das Schicksal ihrer Heimat zu erinnern. Fans, die sich über aktuelle Fußballgeschehnisse informieren möchten, können dies beispielsweise bei zdf fußball heute tun, aber die Geschichte von Schachtar Donezk lehrt uns, dass hinter jedem Spiel eine tiefere Bedeutung stecken kann.