Dortmund gegen RB Leipzig: Ein ideologischer Kampf im deutschen Fußball

Die Bundesliga, oft geprägt von Rivalitäten, die auf geografischer Nähe, langer Geschichte oder politischen Gegensätzen beruhen, weist eine besondere Konstellation auf: Die Begegnung zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig. Obwohl ihre Stadien über 400 Kilometer voneinander entfernt liegen und ihre erste offizielle Begegnung erst 2016 stattfand, wurzelt die Anspannung zwischen diesen beiden Vereinen vor allem in der Ideologie. Viele Dortmunder Fangruppen boykottieren regelmäßig die Auswärtsspiele in Leipzig, um gegen die Besitzstruktur des vom Energiegetränkehersteller Red Bull unterstützten Vereins zu protestieren und um die traditionelle Vorstellung vom Fußball als “Volkssport” zu verteidigen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe dieser besonderen Rivalität anhand der bisherigen fünf Bundesligaspiele.

Die Entstehung einer umstrittenen Rivalität

RB Leipzig, als relativ junger Verein, hat von Beginn an für Kontroversen gesorgt. Die Art und Weise, wie der Verein die 50+1-Regel umgeht, die eigentlich den Einfluss von Investoren begrenzen und die Kontrolle über die Vereine bei den Mitgliedern belassen soll, stößt auf breite Ablehnung in vielen deutschen Fan-Szenen. Die Verflechtung mit dem Red-Bull-Imperium und die Transferpolitik, die oft Spieler aus anderen Red-Bull-Clubs rekrutiert, tragen zusätzlich zur Skepsis bei. Selbst prominente Fanlager anderer Vereine, wie die von Bayern München und dem 1. FC Köln, weigern sich bis heute, Auswärtsspiele in Leipzig zu besuchen.

Die ersten Duelle: Ein Spiegelbild der Spannungen

10. September 2016: RB Leipzig 1 – 0 Borussia Dortmund
Das erste Aufeinandertreffen in der Bundesliga endete mit einem knappen Sieg für den Aufsteiger RB Leipzig. Naby Keïta erzielte in der letzten Minute der regulären Spielzeit das entscheidende Tor. Trotz der kontroversen Natur des Vereins waren die 4.300 Gästetickets im Leipziger Stadion schnell vergriffen, doch die prominentesten Dortmunder Fangruppen boykottierten die Partie und verfolgten stattdessen ein Spiel der Dortmunder Reservemannschaft.

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4. Februar 2017: Borussia Dortmund 1 – 0 RB Leipzig
Das Rückspiel in Dortmund war von erheblichen Auseinandersetzungen auf den Rängen geprägt. Fans von RB Leipzig wurden auf dem Weg zum Stadion mit Gegenständen beworfen, was zu Strafanzeigen führte. Auf der berühmten Südtribüne von Dortmund wurden Banner entrollt, von denen einige illegale Inhalte enthielten. Dies führte zu einer Strafe des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Die Südtribüne musste für ein Heimspiel gesperrt werden, und der BVB erhielt eine Geldstrafe von 100.000 Euro. Leipzig beendete die Saison auf dem zweiten Tabellenplatz, drei Punkte vor Dortmund.

14. Oktober 2017: Borussia Dortmund 2 – 3 RB Leipzig
Vor dem Spiel fand eine Tausende umfassende Anti-RB-Leipzig-Demonstration in Dortmund statt, die weitgehend friedlich verlief. Auf dem Spielfeld entwickelte sich ein umkämpftes Spiel. Dortmund ging zwar früh durch Pierre-Emerick Aubameyang in Führung, doch Leipzig drehte das Spiel und führte nach der Halbzeitpause mit 3:1. Aubameyang konnte per Elfmeter verkürzen, doch die 2:3-Niederlage war die erste nach einem starken Saisonstart für Dortmund unter Trainer Peter Bosz, dessen Amtszeit kurz darauf endete.

3. März 2018: RB Leipzig 1 – 1 Borussia Dortmund
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Dortmund unter Interimstrainer Peter Stöger stabilisiert, während Leipzig mit dem “zweiten Jahr”-Syndrom zu kämpfen hatte. Die meisten Dortmunder Fan-Gruppen blieben dem Spiel erneut fern. Die Partie verlief weniger turbulent als die vorherigen, und die Treffer von Jean-Kévin Augustin für Leipzig und Marco Reus für Dortmund sorgten für ein Unentschieden. Ein leichtfertig vergebener Hochkaräter von Michy Batshuayi verhinderte den ersten Dortmunder Auswärtssieg in Leipzig. Beide Teams beendeten die Saison enttäuschend auf den Plätzen sechs (Leipzig) und vier (Dortmund).

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26. August 2018: Borussia Dortmund 4 – 1 RB Leipzig
Zum Auftakt der aktuellen Saison trafen die Teams mit neuen Trainern aufeinander: Ralf Rangnick fungierte als Interimslösung bei Leipzig, während Lucien Favre die Verantwortung bei Dortmund übernahm. Auf der Südtribüne wurde erneut ein Banner mit der Botschaft “Hier geht’s weiter! Jeder kriegt seine Chance, doch für RB Leipzig: Null Toleranz!” enthüllt, um die traditionellen Werte des Vereins von dem Franchise-Modell Leipzigs abzugrenzen. Trotz eines schnellen Rückstands nach einem Tor von Augustin drehte Dortmund das Spiel durch einen Treffer von Mahmoud Dahoud, ein Eigentor von Marcel Sabitzer, einen spektakulären Fallrückzieher von Axel Witsel und ein spätes Tor von Marco Reus. Dieser Sieg markierte den Beginn einer starken Hinrunde für den BVB.

Fazit und Ausblick

Die Rivalität zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig ist ein faszinierendes Phänomen, das über den sportlichen Wettkampf hinausgeht und tief in ideologischen Fragen des deutschen Fußballs verwurzelt ist. Während RB Leipzig seinen Platz in der Bundesliga gefunden hat und sich als feste Größe etabliert hat, bleibt der Widerstand vieler Traditionalisten bestehen. Die Spiele zwischen beiden Mannschaften sind daher nicht nur sportliche Auseinandersetzungen, sondern auch Ausdruck eines fortwährenden Diskurses über die Zukunft des Fußballs in Deutschland. Fans von Borussia Dortmund hoffen, dass der jüngste Sieg im direkten Duell den Grundstein für eine erfolgreiche Saison und die Rückkehr zur Tabellenspitze legt und die anhaltende Debatte über die Integrität des Sports weiter anheizt.