James Dyson: Die größten Misserfolge des Staubsaugermagnaten

James Dyson steht heute für innovative Produkte und einen hohen Preis. Doch der Weg zum weltbekannten Erfinder und Unternehmer war von zahlreichen Rückschlägen geprägt. Dieses Review beleuchtet fünf entscheidende Misserfolge in der Karriere von James Dyson, die trotz ihres Scheiterns wertvolle Lektionen für seinen späteren Erfolg lieferten.

Die Ballbarrow: Ein unfreiwilliges Lehrstück im Vertrieb

Zu Beginn seiner Karriere, in den frühen 1970er Jahren, kämpfte James Dyson mit seiner ersten großen Erfindung: der Ballbarrow, einer Weiterentwicklung der herkömmlichen Schubkarre. Angesichts der Mängel seiner eigenen Schubkarre bei der Renovierung eines Farmhauses, entwickelte Dyson eine aus Kunststoff gefertigte Schubkarre mit einem luftgefüllten Ball anstelle eines Rades. Dieser sollte die Stabilität erhöhen und die Handhabung auf weichem Untergrund verbessern.

Dyson versuchte zunächst, seine Ballbarrow direkt an Gartencenter zu verkaufen, stieß dort jedoch auf Unverständnis und Spott. Erst durch den Direktvertrieb gelang es ihm, die Produkte an den Mann zu bringen. Dennoch blieb die Ballbarrow wirtschaftlich ein Misserfolg. Dyson selbst gab später an, den Preis zu niedrig angesetzt zu haben. Ein weiterer Fehler, so seine Erkenntnis, war die Einbeziehung externer Investoren. Aus dieser Erfahrung heraus entschied sich Dyson später, seine Firma zu 100 Prozent in Familienbesitz zu halten, um die volle Kontrolle über die Unternehmensstrategie zu behalten. Die innovative Idee des Ballrades fand jedoch später eine erfolgreiche Wiederverwendung im Staubsaugermodell DC15 “The Ball”.

Weiterlesen >>  Haustiere in der Mietwohnung: Was Mieter in Deutschland wissen müssen

Das Dyson-Auto: Ein risikoreiches, aber lehrreiches Unterfangen

Einer der kostspieligsten Rückschläge in der Unternehmensgeschichte war das ambitionierte Projekt eines Elektroautos. Seit 2014 arbeiteten rund 400 Ingenieure an einem Fahrzeug, das den Markt revolutionieren sollte. Dyson investierte mehr als 500 Millionen Pfund in dieses Vorhaben. Ende 2019 wurde das Projekt jedoch eingestellt, da es als zu risikoreich eingestuft wurde. Der geschätzte Verkaufspreis von etwa 150.000 Euro pro Fahrzeug hätte nur knapp die Verlustgrenze erreicht.

Trotz des finanziellen Fehlschlags ist Dyson stolz auf die erzielten Fortschritte, insbesondere im Bereich der Batterietechnologie. Die Vision, eine Reichweite von nahezu 1.000 Kilometern mit einer einzigen Ladung zu ermöglichen, soll nun in zukünftigen Haushaltsprodukten zum Einsatz kommen. Der Prototyp des Elektroautos dient heute im Forschungszentrum als Motivationsquelle für Mitarbeiter, Risiken einzugehen und aus Fehlern zu lernen.

Die Waschmaschine “Contrarotator”: Komplexität als Stolperstein

Der Schritt in den Haushaltsgeräte-Markt mit einer Waschmaschine schien logisch. Doch James Dyson sah auch hier Verbesserungspotenzial. Im Jahr 2000 brachte er die CR01 “Contrarotator” auf den Markt, die mit zwei gegenläufig rotierenden Trommeln arbeitete. Dieses Design sollte die Reibung zwischen den Kleidungsstücken erhöhen und so eine bessere Reinigungswirkung erzielen. Zum Zeitpunkt ihrer Einführung war die Contrarotator mit einem Preis von rund 1.000 Pfund mehr als doppelt so teuer wie herkömmliche Waschmaschinen.

Obwohl die Maschine gut wusch, erwies sie sich als fehleranfällig und schwer zu reparieren. Insbesondere die gegenläufige Rotation der Trommeln führte zu technischen Problemen. Dyson bot sogar ein Software-Update an, um diese Funktion abschalten zu können. Fünf Jahre nach ihrer Markteinführung wurde die Contrarotator ohne große Ankündigung aus dem Verkauf genommen.

Weiterlesen >>  Tibet Terrier in Not: Ein Blick auf die "Heiligen Hunde Tibets" und die Adoption

Der Staubsaugroboter DC06: Zu teuer, zu komplex

Die Entwicklung von Saugrobotern gilt als Königsdisziplin für Staubsaugerhersteller. Dyson beschäftigte sich bereits Ende der 1990er Jahre mit diesem Thema, und der DC06 wurde erstmals 2003 als Prototyp vorgestellt. Obwohl der Roboter 2004 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, kam er nie in den regulären Verkauf. Es dauerte weitere zehn Jahre, bis Dyson einen Saugroboter auf den Markt brachte.

Die Hauptgründe für das Scheitern des DC06 waren sein extrem hoher Preis von ursprünglich 2.500 Pfund (inflationsbereinigt heute fast 5.000 Euro) und das unausgewogene Konzept. Dyson beschrieb das Gerät als 5 Prozent Staubsauger und 95 Prozent Roboter, was von der späteren Unternehmensstrategie abwich, bei der die Saugqualität stets im Vordergrund steht.

5.127 Prototypen für den beutellosen Staubsauger: Der Weg zum Erfolg

Der wohl bekannteste und härteste Kampf von James Dyson war die Entwicklung seines beutellosen Staubsaugers. Unglaubliche 5.127 Prototypen waren nötig, bis er sein Ziel erreichte. Anfänglich stieß das Modell “G-Force” bei britischen Staubsaugerunternehmen auf Desinteresse. Erst die japanische Firma Apex erkannte das Potenzial und brachte den Staubsauger in Japan auf den Markt.

Mit den Einnahmen aus der Lizenzierung des damals 2.000 US-Dollar teuren Geräts gründete Dyson 1993 sein eigenes Unternehmen und brachte den Dyson DC01 auf den Markt. Mit einem Preis von rund 200 Pfund war er doppelt so teuer wie die Konkurrenzprodukte, entwickelte sich jedoch innerhalb von zwei Jahren zum meistverkauften Staubsauger Großbritanniens. Dieser Erfolg ebnete den Weg für die weltweite Dominanz von Dyson im Bereich der Staubsaugertechnologie.