Mit ihrem flinken Wesen, dem buschigen Schwanz und den neugierigen Knopfaugen erobern Eichhörnchen die Herzen im Sturm. In Parks und Gärten sind sie ein faszinierender Anblick, und in den sozialen Medien wächst die Zahl der Videos, in denen die Nager von Menschen umsorgt werden. Schnell kommt da der Gedanke auf: Kann man ein Eichhörnchen als Haustier halten? Dieser Ratgeber klärt umfassend über die rechtlichen Rahmenbedingungen, die hohen Anforderungen und die sinnvollen Alternativen auf.
Die rechtliche Lage: Darf man ein Eichhörnchen in Deutschland halten?
Die kurze Antwort ist kompliziert: Ja, aber unter strengsten Auflagen, die es für die meisten Menschen unmöglich machen. Das heimische Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine besonders geschützte Art. Es ist streng verboten, ein Tier aus der Natur zu entnehmen, um es als Haustier zu halten. Eine Ausnahme stellen hilfsbedürftige Fundtiere dar, die jedoch nach ihrer Genesung von einer anerkannten Wildtierstation wieder ausgewildert werden müssen.
Die Haltung eines Eichhörnchens ist nur dann legal, wenn das Tier nachweislich aus einer genehmigten Zucht stammt. Hierfür gelten strikte Regeln:
- Herkunftsnachweis: Sie müssen lückenlos belegen können, dass Ihr Eichhörnchen von einem legalen Züchter stammt.
- Meldepflicht: Die Haltung muss bei der zuständigen unteren Naturschutzbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt angemeldet werden.
- Artgerechte Haltung: Sie müssen die Fähigkeit und die Mittel nachweisen, das Tier artgerecht unterzubringen.
Die Bezeichnung „Haustier“ ist hierbei irreführend. Ein Eichhörnchen ist und bleibt ein Wildtier, das niemals die Bindung eines Hundes oder einer Katze aufbauen wird.
Die artgerechte Haltung: Weit mehr als ein Käfig
Wer die rechtlichen Hürden nimmt, steht vor der noch größeren Herausforderung der artgerechten Haltung. Ein Eichhörnchen in einer Wohnung zu halten, ist Tierquälerei und verboten.
Das Außengehege: Ein Muss für jedes Eichhörnchen
Ein Eichhörnchen benötigt eine große Außenvoliere, die seinen natürlichen Lebensraum so gut wie möglich nachbildet. Die Mindestanforderungen sind hoch: Die Voliere sollte mehrere Meter hoch, breit und lang sein und eine Fläche von mindestens 12 Quadratmetern pro Tier bieten. Zur Ausstattung gehören zwingend:
- Klettermöglichkeiten: Dicke Äste, Seile und Stämme zum Klettern, Springen und Toben.
- Schlafplätze: Mehrere wetterfeste Kobel (Nester) in unterschiedlichen Höhen als Rückzugsorte.
- Witterungsschutz: Ein Teil des Geheges muss überdacht und windgeschützt sein.
- Sicherung: Das Gehege muss absolut ausbruchsicher sein und auch vor Fressfeinden wie Mardern oder Katzen schützen.
Ernährung und Verhalten: Die Bedürfnisse eines Wildtiers
Die Ernährung eines Eichhörnchens ist komplex und saisonabhängig. Sie besteht aus einer Mischung von Nüssen, Samen, Knospen, Beeren, Obst und gelegentlich auch Insekten oder Vogeleiern. Falsches Futter kann schnell zu schweren gesundheitlichen Problemen führen.
Zudem sind Eichhörnchen keine Schmusetiere. Selbst von Hand aufgezogene Tiere behalten ihre wilden Instinkte. Sie können beißen, sind scheu und ertragen Stress durch menschliche Nähe nur schlecht. Ihre tagaktive und extrem bewegungsfreudige Art erfordert ständige Beschäftigung, die ein Mensch kaum bieten kann.
Sinnvolle Alternativen zum Eichhörnchen als Haustier
Wenn Sie von der Haltung eines agilen Nagetiers fasziniert sind, gibt es deutlich geeignetere Alternativen, die als Haustiere anerkannt sind und deren Haltung artgerecht möglich ist.
- Degus: Diese tagaktiven Nager aus Chile sind sehr sozial und können bei richtiger Haltung recht zahm werden. Sie benötigen ein großes Gehege mit viel Platz zum Graben und Klettern.
- Chinchillas: Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere sind bekannt für ihr extrem weiches Fell. Sie sind eher Beobachtungstiere als Kuschelpartner und brauchen eine hohe, mehrstöckige Voliere sowie ein Sandbad zur Fellpflege.
- Streifenhörnchen (Burunduks): Sie ähneln Eichhörnchen optisch, sind aber kleiner. Ihre Haltung ist ebenfalls anspruchsvoll und erfordert eine sehr große Voliere, da sie einen enormen Bewegungsdrang haben.
Von exotischen Tieren wie Flughunden, Wildkatzen oder gar Faultieren sollte man als Privatperson aus Tierschutz- und Sicherheitsgründen grundsätzlich Abstand nehmen.
Fazit: Tierliebe anders zeigen
Die Haltung eines Eichhörnchens ist ein extrem anspruchsvolles Unterfangen, das enormes Fachwissen, viel Platz und erhebliche finanzielle Mittel erfordert. Es ist keine Aufgabe für Tierliebhaber, sondern für absolute Spezialisten mit den entsprechenden Genehmigungen.
Anstatt zu versuchen, ein Wildtier zu domestizieren, gibt es bessere Wege, Ihre Faszination für diese Tiere auszuleben. Unterstützen Sie lokale Eichhörnchen-Auffangstationen mit einer Spende oder einer Patenschaft. Engagieren Sie sich im Tierschutz oder werden Sie Gassigänger im Tierheim. So helfen Sie Tieren wirklich und stellen sicher, dass Wildtiere dort bleiben können, wo sie hingehören: in der Freiheit.
