Mit ihrer flinken Art, dem buschigen Schwanz und dem niedlichen Gesicht ziehen Eichhörnchen schnell alle Blicke auf sich. Viele Naturfreunde erleben die putzigen Nager hautnah in Gärten und Parks, und auch in den sozialen Medien erfreuen sich Videos von Eichhörnchen als tierische Mitbewohner großer Beliebtheit. Dies wirft jedoch eine wichtige Frage auf: Kann man Eichhörnchen in Deutschland überhaupt als Haustier halten und welche Voraussetzungen müssten dafür erfüllt sein? Die Antwort ist komplexer, als man zunächst vermuten mag, denn die private Haltung dieser Wildtiere unterliegt strengen Regeln.
Dürfen Eichhörnchen in Deutschland als Haustier gehalten werden?
Grundsätzlich ist es in Deutschland möglich, ein Eichhörnchen als “Tier” zu halten, wobei der Begriff “Haustier” hier irreführend ist. Eichhörnchen sind Wildtiere, deren natürliche Bedürfnisse kaum in einem typischen Haushalt erfüllt werden können. Es gibt zwar spezialisierte Züchter, die in Deutschland legal Eichhörnchen zum Verkauf anbieten dürfen, doch die Haltung dieser Nager muss bei den zuständigen Behörden gemeldet werden. Zudem ist ein lückenloser Herkunftsnachweis unerlässlich, um sicherzustellen, dass es sich nicht um ein der Natur entnommenes Tier handelt.
Man darf Eichhörnchen nicht wie klassische Haustiere im Haus halten. Sie benötigen ein speziell angepasstes, großzügiges Außengehege, das ihnen ausreichend Platz zum Klettern, Graben und Spielen bietet und ihren natürlichen Lebensraum so gut wie möglich nachbildet. Ein solches Gehege muss nicht nur wetterfest sein, sondern auch eine Vielzahl von Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten bieten, die den Tieren Sicherheit geben. Die Anforderungen an ein solches Zuhause sind immens und gehen weit über das hinaus, was für die meisten domestizierten Haustiere notwendig ist.
Sollten Sie tatsächlich mit dem Gedanken spielen, sich ein Eichhörnchen anzuschaffen, ist eine umfassende Vorabinformation unerlässlich. Informieren Sie sich gründlich über alle Aspekte der Haltung: von der Gestaltung des geeigneten Außengeheges über spezielle Futterbedürfnisse bis hin zur Suche nach einem erfahrenen Tierarzt, der sich mit Wildtieren auskennt. Auch die Eigenheiten des Verhaltens, wie der sogenannte „Winterschlaf“ (der bei Eichhörnchen eher eine Winterruhe ist, bei der sie mehrmals aufwachen), müssen berücksichtigt werden. Die Kosten für die artgerechte Haltung von Wildtieren können erheblich sein und ein Eichhörnchen ist, selbst wenn es aus einer Zucht stammt, kein Schmusetier. Es wird niemals die Zuneigung eines Hundes oder einer Katze zeigen und erfordert Respekt vor seiner wilden Natur.
Beliebte Alternativen zum Eichhörnchen als Haustier
Wer von einem kleinen, flinken Haustier träumt, aber die hohen Anforderungen und rechtlichen Bestimmungen für Eichhörnchen scheut, findet eine Vielzahl an liebenswerten Alternativen. Neben den etablierten Familienmitgliedern wie Hund und Katze gibt es zahlreiche andere Säugetiere, Nagetiere, aber auch Reptilien und Amphibien, die als Haustiere geeignet sind und weniger spezialisierte Pflege benötigen. Die Auswahl ist groß und bietet für jeden Lebensstil und jede Wohnsituation das passende Tier.
Chinchillas erfreuen sich beispielsweise großer Beliebtheit als exotischere Nager. Ihre weichen Felle und ihre verspielte Art sind faszinierend. Allerdings sind Chinchillas nachtaktiv und schlafen tagsüber, was nicht für jeden Tierhalter ideal ist. Auch wenn sie zahm werden können, gehören sie nicht zu den typischen Kuscheltieren. Ähnlich verhält es sich mit Hamstern, die ebenfalls nachtaktiv sind und eher zur Beobachtung einladen. Wenn Sie sich für exotischere Nager interessieren, erfahren Sie hier mehr über den Zobel als Haustier.
Eine weitere beliebte Nagetierart sind Degus. Mit einer Größe von etwa 10 cm sind sie deutlich kleiner als Eichhörnchen und benötigen ebenfalls ein besonderes Gehege, das ihren Kletterbedürfnissen gerecht wird. Der große Vorteil von Degus ist, dass sie tagaktiv sind und somit besser in den Rhythmus ihrer menschlichen Mitbewohner passen. Sie können sehr zahm werden und entwickeln oft eine enge Bindung zu ihren Bezugspersonen. Auch Farbmäuse oder Rennmäuse sind dankbare Haustiere für Einsteiger, da sie relativ pflegeleicht sind, aber dennoch soziale Interaktion und ein artgerechtes Gehege benötigen.
Von wirklich ausgefallenen Haustieren wie Faultieren, Wildkatzen oder gar Flughunden sollte man grundsätzlich Abstand nehmen. Diese Tiere haben extrem spezifische Bedürfnisse, sind oft geschützt und ihre Haltung ist in Deutschland in der Regel streng reguliert oder sogar verboten. Auch die Haltung von sehr exotischen Vögeln, wie beispielsweise Kolibri als Haustier, erfordert spezielle Genehmigungen und ein hohes Maß an Fachwissen.
Das richtige Haustier finden: Verantwortung und Möglichkeiten
Die Entscheidung für ein Haustier ist eine langfristige Verpflichtung, die gut überlegt sein sollte. Bevor Sie sich für ein Tier entscheiden, stellen Sie sich kritische Fragen: Habe ich ausreichend Zeit für die tägliche Pflege und Beschäftigung? Bin ich bereit, die anfallenden Kosten für Futter, Tierarztbesuche und artgerechte Ausstattung zu tragen? Und passt das Wesen des Tieres wirklich zu meinem Lebensstil?
Wenn Sie sich unsicher sind oder erst einmal testen möchten, ob die Tierhaltung generell etwas für Sie ist, bietet sich eine Freizeit-Tierbetreuung an. Hierbei können Sie wertvolle Erfahrungen sammeln, ohne sich sofort langfristig binden zu müssen. Eine Möglichkeit ist es, in Ihrem örtlichen Tierheim nachzufragen, ob dort Hilfe benötigt wird. Viele Tierheime freuen sich über ehrenamtliche Helfer, die beim Spazierengehen mit Hunden, Reinigen von Gehegen oder Spielen mit Katzen unterstützen. Dies bietet nicht nur den Tieren eine willkommene Abwechslung, sondern gibt Ihnen auch einen authentischen Einblick in die Bedürfnisse und Verhaltensweisen verschiedener Tierarten.
Alternativ können Sie sich als Tiersitter bei Plattformen wie blepi anmelden. Hier finden Sie eine Vielzahl von Angeboten, um auf die Haustiere anderer Menschen aufzupassen – sei es für einen Tag, ein Wochenende oder auch während des Urlaubs. Diese Erfahrung ist unbezahlbar, da Sie die Verantwortung für ein anderes Lebewesen übernehmen und dabei herausfinden können, welche Tierart am besten zu Ihnen passt und ob Sie bereit sind, sich auch langfristig auf ein Haustier einzulassen. Es ist eine hervorragende Möglichkeit, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln und zu erkennen, welche Freude, aber auch welche Pflichten mit der Haltung eines Tieres verbunden sind.
Fazit
Eichhörnchen sind faszinierende Wildtiere, die mit ihrer Anmut und Lebensfreude begeistern. Obwohl die Haltung in Deutschland unter sehr spezifischen Bedingungen und mit entsprechender Genehmigung theoretisch möglich ist, handelt es sich nicht um klassische Haustiere im herkömmlichen Sinne. Die Anforderungen an ein artgerechtes Außengehege, die spezielle Ernährung und die Berücksichtigung ihrer wilden Natur sind immens und erfordern ein außergewöhnliches Engagement.
Bevor Sie sich für ein exotisches Tier entscheiden, ist eine umfassende Recherche und Reflexion unerlässlich. Informieren Sie sich gründlich über die Bedürfnisse des jeweiligen Tieres und stellen Sie sicher, dass Sie alle Voraussetzungen für eine artgerechte und verantwortungsvolle Haltung erfüllen können. Falls die Haltung eines Wildtieres nicht in Frage kommt, gibt es zahlreiche domestizierte Alternativen, die ebenfalls viel Freude bereiten und eine tiefgehende Mensch-Tier-Bindung ermöglichen. Erwägen Sie auch, durch Tierbetreuung oder ehrenamtliche Arbeit im Tierheim praktische Erfahrungen zu sammeln. So finden Sie den besten tierischen Begleiter, der zu Ihnen und Ihrem Leben passt.
