Europas Antwort auf Krypto: Banken planen eigenen Euro-Stablecoin

Die Finanzlandschaft Europas steht vor einer bemerkenswerten Entwicklung: Neun führende europäische Banken haben sich zusammengeschlossen, um eine an den Euro gebundene Kryptowährung auf den Markt zu bringen. Dieses ambitionierte Vorhaben zielt darauf ab, dem stark vom US-Dollar dominierten Kryptomarkt eine robuste europäische Alternative entgegenzusetzen. Unter den beteiligten Instituten finden sich namhafte Akteure wie die niederländische ING, die italienische UniCredit (Muttergesellschaft der Bank Austria) und die österreichische RBI. Das gemeinsame Unternehmen, dessen Name und der der Kryptowährung voraussichtlich im Oktober bekannt gegeben werden, wird seinen Sitz in den Niederlanden haben und unter europäischer Regulierung stehen. Der Start ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.

Christian Wolf, Head of Strategic Partnerships and Ecosystems bei der RBI, betont im KURIER die strategische Bedeutung dieses Euro-Stablecoins. Es geht darum, nicht nur eine technologische Innovation zu etablieren, sondern auch einen Beitrag zur strategischen Eigenständigkeit Europas im globalen Zahlungsverkehr zu leisten.

Was sind Stablecoins und wie unterscheiden sie sich?

Stablecoins stellen eine einzigartige Kategorie im Spektrum der Kryptowährungen dar. Ihr primäres Merkmal ist die Preisstabilität, die dadurch erreicht wird, dass ihr Wert an einen festen Referenzwert gebunden ist – in diesem Fall den Euro. Diese Bindung soll die extremen Kursschwankungen vermeiden, die bei ungebundenen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether häufig auftreten. Technologisch basieren Stablecoins jedoch wie andere digitale Assets auf der Blockchain, einer dezentralen Datenbank, in der Transaktionen unveränderlich aufgezeichnet und für alle Teilnehmer transparent einsehbar sind.

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Die vielfältigen Vorteile von Euro-Stablecoins im digitalen Zahlungsverkehr

Die Einführung von Stablecoins, insbesondere eines Euro-Stablecoins, verspricht erhebliche Vorteile für den modernen Finanzsektor. Christian Wolf hebt hervor, dass sie sowohl bei den Kosten als auch bei der Geschwindigkeit von Transaktionen überzeugen. Die Abwicklung erfolgt nahezu in Echtzeit, was insbesondere im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr von Bedeutung ist. Hier entfällt die oft aufwendige und kostenintensive Konvertierung in andere Währungen.

Ein weiterer innovativer Aspekt ist die Programmierbarkeit von Zahlungen. Geldtransfers können automatisiert und an bestimmte Bedingungen geknüpft werden. So könnten Zahlungen beispielsweise erst freigegeben werden, wenn ein vordefiniertes Ereignis eintritt. Darüber hinaus eignen sich Stablecoins hervorragend dazu, Erträge aus Krypto-Investitionen vorübergehend zu “parken”, ohne diese sofort in Fiatwährungen umzuwandeln. Dies ermöglicht es Anlegern, Gewinne zu sichern, während Steuern auf Kursgewinne erst bei der endgültigen Konvertierung in Fiatwährungen wie den Euro anfallen. Solche innovativen Finanzinstrumente können auch dazu beitragen, langfristige finanzielle Strategien zu planen und Vermögenswerte zu sichern, ähnlich wie es bei der langfristigen Vorsorge für rentenversicherungspflicht selbstständige der Fall ist, indem sie neue Wege der Wertanlage und -verwaltung eröffnen.

Herausgeber und die europäische Ambition

Stablecoins werden typischerweise von privaten Unternehmen wie Fintechs oder Kryptofirmen emittiert, nicht von Zentralbanken. Der Sektor wird derzeit maßgeblich von US-Dollar-gebundenen Stablecoins wie Tether (USDT) dominiert. Die europäischen Banken streben mit ihrem Euro-Stablecoin an, eine souveräne und sichere europäische Alternative zu diesem überwiegend US-zentrierten Markt zu etablieren. Diese Initiative ist ein klares Statement für mehr strategische Eigenständigkeit im europäischen Zahlungsverkehr.

Sicherheit und Regulierung: Ein solider Rechtsrahmen

Die Sicherheit des europäischen Stablecoins wird durch eine 1:1-Hinterlegung in Euro durch die herausgebenden Banken gewährleistet. Die Regulierung erfolgt nach den strengen Vorgaben der neuen EU-Kryptowährungsverordnung MiCAR („Markets in Crypto-Assets Regulation“), die seit Ende 2024 in Kraft ist, sowie durch die E-Geld-Richtlinie. Wolf betont die Existenz eines “sicheren und guten Rechtsrahmens”. Die Aufsicht über das Gemeinschaftsunternehmen wird durch die niederländische Zentralbank erfolgen, was ein hohes Maß an Vertrauen und Stabilität schaffen soll.

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Verfügbarkeit: Zugang zum Euro-Stablecoin

Das digitale Geld der europäischen Banken soll möglichst breitflächig zugänglich gemacht werden. Erwerben kann man Stablecoins traditionell auf bekannten Kryptobörsen wie Bitpanda oder Coinbase, über dezentralisierte Börsen (DEX) oder direkt von Marktteilnehmern bzw. dem Emittenten. Das Konsortium plant eine weitreichende Verfügbarkeit, potenziell auch über etablierte Kryptobörsen, da dort “die Volumina” liegen. Zukünftig streben die teilnehmenden Banken den Aufbau eigener Infrastrukturen und Services an, darunter Wallets, Verwahrungslösungen und weitere Mehrwertdienste, um das Ökosystem rund um den Euro-Stablecoin zu erweitern.

Die Abgrenzung zum digitalen Euro der EZB

Christian Wolf sieht den geplanten Euro-Stablecoin der Banken nicht als Konkurrenz, sondern als “komplementäres Produkt” zum angestrebten digitalen Euro der Europäischen Zentralbank (EZB). Der digitale Euro befindet sich noch in der Planungsphase, und eine endgültige Umsetzungsentscheidung steht aus. Der RBI-Manager ist überzeugt, dass es “notwendig ist, möglichst rasch eine digitale Form des Bargelds zur Verfügung zu stellen”, da die Nachfrage im Markt bereits deutlich spürbar ist. Das Bankenkonsortium sieht seinen Stablecoin als eine pragmatische Antwort auf diese unmittelbare Notwendigkeit.

Wachstum und Kooperation: Offenheit für weitere Banken

Um ein möglichst breites Fundament und eine umfassende Akzeptanz zu gewährleisten, steht das Konsortium auch anderen Banken offen. Wolf unterstreicht, dass Stablecoins nur dann ihr volles Potenzial entfalten können, wenn eine weitreichende Anwendung gegeben ist. Mit der aktuellen Gesamtkundenzahl der bereits beteiligten Banken sei man bereits in der Lage, ein “signifikantes Volumen” zu erzeugen und so eine starke Basis für den Euro-Stablecoin zu schaffen.

Der Stablecoin-Markt: Gigantisches Potenzial

Der globale Stablecoin-Markt wird derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 290 Milliarden US-Dollar geschätzt. Prognosen gehen davon aus, dass dieses Volumen bis Ende 2028 auf beeindruckende 1,4 Billionen US-Dollar anwachsen könnte. Das europäische Bankenkonsortium ist optimistisch, mit seiner Euro-Lösung einen “ordentlichen Teil des Kuchens” dieses wachsenden Marktes für sich beanspruchen zu können und so die Position Europas in der digitalen Finanzwelt nachhaltig zu stärken.

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Die Initiative der europäischen Banken, einen Euro-Stablecoin zu lancieren, markiert einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung digitaler Währungen und des europäischen Finanzsektors. Indem sie eine stabile, regulierte und euro-gebundene Kryptowährung anbieten, reagieren die Banken nicht nur auf die wachsende Nachfrage nach digitalen Zahlungsmitteln, sondern stärken auch die finanzielle Autonomie Europas im globalen Kontext. Dieser Schritt ist nicht nur eine technische Innovation, sondern ein klares Bekenntnis zu einer zukunftsorientierten und eigenständigen europäischen Finanzarchitektur, die den Weg für weitere digitale Transformationen ebnet und neue Möglichkeiten für Unternehmen und Privatpersonen schafft.