Eingerissene Mundwinkel: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Eingerissene Mundwinkel, medizinisch als Mundwinkelrhagaden, Cheilitis angularis, Faulecken oder Perlèche bekannt, sind ein weit verbreitetes und oft schmerzhaftes Symptom, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Die Ursachen für diese unangenehmen Risse sind vielfältig und reichen von einfachen Umweltfaktoren bis hin zu komplexeren gesundheitlichen Problemen. Oftmals ist es eine Kombination mehrerer Faktoren, die zur Entstehung und Persistenz von eingerissenen Mundwinkeln führt. Das Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen ist entscheidend für eine effektive Behandlung und Prävention.

Beanspruchungen der Haut als Auslöser

Die empfindliche Haut an den Mundwinkeln ist besonders anfällig für äußere Einflüsse und mechanische Belastungen. Eingerissene Mundwinkel entstehen häufig bei extrem trockener und spröder Haut, die ihre natürliche Barrierefunktion verliert. Paradoxerweise kann aber auch eine ständige Feuchtigkeitseinwirkung oder ein vermehrter Speichelfluss die Haut aufweichen und anfälliger für Risse machen.

Ein erhöhter Speichelfluss kann beispielsweise durch schlecht sitzende Zahnprothesen oder Zahnspangen verursacht werden, die den Speichelfluss in den Mundwinkeln stauen. Im Gegensatz dazu kann auch ein verringerter Speichelfluss zu trockenen Lippen und infolgedessen zu eingerissenen Mundwinkeln führen. Ursachen hierfür sind unter anderem Rauchen, die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antidepressiva oder Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom, welche die Speicheldrüsen beeinträchtigen.

Mechanische Reize spielen ebenfalls eine Rolle. Beim Zahnarzt kommt es oft zu einer Dehnung und Beanspruchung der Haut im Mundbereich durch das weite Öffnen des Mundes und den Einsatz von Instrumenten. Selbst die Anwendung von Zahnseide kann in manchen Fällen die empfindlichen Stellen reizen. Ein weiterer Faktor kann der Verlust von Seitenzähnen sein. Durch die fehlende Abstützung kann die Bisshöhe absinken, was nicht nur ästhetisch störend wirkt („Greisengesicht“), sondern auch zu einer Verkürzung und Vorverlagerung der Kinnpartie führt. Dies schafft eine feuchte Kammer in den Mundwinkeln, die die Haut belastet und Rhagaden begünstigt.

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Mangel an Vitaminen und Spurenelementen

Eingerissene Mundwinkel können ein deutliches Zeichen für bestimmte Mangelzustände im Körper sein, insbesondere wenn sie länger anhalten oder wiederkehrend auftreten. Die Versorgung mit essenziellen Vitaminen und Spurenelementen ist für die Hautgesundheit und ein intaktes Immunsystem von großer Bedeutung.

Besonders häufig sind folgende Mängel mit eingerissenen Mundwinkeln assoziiert:

  • Vitamin B2 (Riboflavin): Ein Mangel an diesem Vitamin äußert sich oft durch schuppende Hautveränderungen, entzündete Mundschleimhaut und eben auch eingerissene Mundwinkel.
  • Eisen: Eisenmangelanämie ist eine weitere häufige Ursache. Neben Müdigkeit und Blässe können eingerissene Mundwinkel ein erstes Symptom sein, da Eisen für die Sauerstoffversorgung und Regeneration der Hautzellen unerlässlich ist.

Seltener, aber dennoch möglich, sind ein Vitamin-C- oder Zinkmangel. Ein chronischer Vitamin-C-Mangel kann langfristig zu Skorbut führen, dessen Symptome eingerissene Mundwinkel und Zahnfleischbluten umfassen. Meist entsteht dies durch schwere Magen-Darm-Erkrankungen und weniger durch eine alleinige Fehlernährung. Zink ist entscheidend für ein funktionierendes Immunsystem und die Wundheilung. Ein Zinkmangel kann daher die Abwehrschwäche fördern und die Entstehung von lästigen, schmerzenden Einrissen an den Mundwinkeln begünstigen.

Infektionen als Komplikation oder Ursache

Bestehen eingerissene Mundwinkel über einen längeren Zeitraum, schaffen sie einen idealen Nährboden für Krankheitserreger. Bakterien und Pilze können sich in den feuchten, offenen Hautstellen leicht ansiedeln und die Problematik verschlimmern oder sogar primär verursachen.

Besonders häufig ist eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans, der sich oft durch stark gerötete, eingerissene Mundwinkel äußert. Charakteristisch hierfür ist oft ein weißlicher, abstreifbarer Belag. Solche Pilzinfektionen treten gehäuft bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem auf, beispielsweise bei Menschen mit einer AIDS-Erkrankung oder unter Chemotherapie, da deren Abwehrkräfte reduziert sind und der Körper Pilzinfektionen schlechter kontrollieren kann.

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Erkrankungen mit Auswirkungen auf die Mundwinkel

Über die bereits genannten Faktoren hinaus gibt es eine Reihe von systemischen Erkrankungen, die sich unter Umständen durch eingerissene Mundwinkel manifestieren können. Diese reichen von Hauterkrankungen über Autoimmunerkrankungen und Allergien bis hin zu chronischen Leiden wie Diabetes mellitus oder Leberzirrhose.

Hauterkrankungen

Bestimmte Hauterkrankungen können die gesamte Gesichtshaut, einschließlich der Lippen und Mundwinkel, betreffen. Bei Allergien, Neurodermitis oder dem seborrhoischen Ekzem – einem chronisch-entzündlichen Ausschlag, der oft am Kopf auftritt – bilden sich schuppende, juckende Hautausschläge, die auch die Mundwinkel in Mitleidenschaft ziehen und zu Rissen führen können.

Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen greifen körpereigenes Gewebe an. Das Sjögren-Syndrom, von dem vor allem Frauen betroffen sind, führt zur Zerstörung der Speicheldrüsen. Dies äußert sich nach den Wechseljahren oft in einem extrem trockenen Mund und trockenen Augen, was die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Neben eingerissenen Mundwinkeln können Sprach- und Schluckstörungen, Geschmacksveränderungen und allgemeine Trockenheit der Lippen auftreten. Eine weitere Autoimmunerkrankung, die mit eingerissenen Mundwinkeln einhergehen kann, ist die Sklerodermie.

Allergien

Auch Kontaktallergien können Ursache für die Rhagaden sein. Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe in Zahnpasta oder Kosmetika, die mit den Mundwinkeln in Berührung kommen, verursachen mitunter entzündliche Reaktionen und Risse. Eine Überempfindlichkeit auf Nickel, beispielsweise durch eine Zahnspange, kann ebenfalls zu diesen unangenehmen Mundwinkelrhagaden führen.

Spezifische Erkrankungen

Chronische Erkrankungen wie die Leberzirrhose (Schrumpfleber) gehen mit einer fortschreitenden Vernarbung und Funktionsverlust des Lebergewebes einher. Im Endstadium äußert sich dies unter anderem mit Gelbsucht, Bauchwassersucht (Aszites), einer Lackzunge (einer geröteten, brennenden Zunge) sowie eingerissenen Mundwinkeln.

Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, kann ebenfalls zu trockener Haut und eingerissenen Mundwinkeln führen, besonders in frühen oder schlecht eingestellten Stadien. Diabetiker sind zudem aufgrund ihres geschwächten Immunsystems besonders anfällig für Pilzinfektionen im Bereich der Mundwinkel.

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Fazit und Handlungsempfehlungen

Eingerissene Mundwinkel sind ein häufiges Problem mit einer Vielzahl von möglichen Ursachen. Von mechanischen Reizen über Nährstoffmängel bis hin zu systemischen Erkrankungen – die zugrunde liegenden Faktoren sind divers. Eine sorgfältige Beobachtung der Begleitsymptome und gegebenenfalls eine ärztliche Abklärung sind entscheidend, um die genaue Ursache zu ermitteln und eine zielgerichtete Behandlung einzuleiten.

Neben der Behandlung der Ursache spielen eine gute Mundhygiene und eine konsequente Lippenpflege eine wichtige Rolle. Produkte mit Dexpanthenol können die Heilung unterstützen und die Hautbarriere stärken. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Sollten die Symptome trotz eigener Maßnahmen anhalten oder sich verschlimmern, suchen Sie bitte einen Arzt auf, um weitere Schritte zu besprechen. Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen!