Eisenmangel verstehen: Symptome, Ursachen und Behandlung

Eisenmangelanämie, auch bekannt als Blutarmut durch Eisenmangel, betrifft schätzungsweise fast ein Drittel der Weltbevölkerung. Diese weit verbreitete Erkrankung entsteht, wenn dem Körper nicht ausreichend Eisen zur Verfügung steht, um genügend roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Knochenmark zu produzieren. Hämoglobin ist jedoch essenziell für den Sauerstofftransport zu den Zellen und Organen, wodurch ein Mangel weitreichende Folgen für die Gesundheit haben kann.

Welche Symptome treten bei Eisenmangel auf?

Bei einer unzureichenden Versorgung der Organe mit Sauerstoff aufgrund von Blutarmut zeigen sich vielfältige Symptome. Die häufigsten Anzeichen für Eisenmangel sind:

  • Blässe: Insbesondere an Haut und Schleimhäuten.
  • Müdigkeit und Erschöpfung: Ein anhaltendes Gefühl der Mattigkeit, selbst nach ausreichend Schlaf.
  • Schwindel: Oft begleitet von einem allgemeinen Schwächegefühl und einem deutlichen Leistungsabfall.
  • Kurzatmigkeit: Besonders bemerkbar bei körperlicher Anstrengung.
  • Herzklopfen: Ein spürbar beschleunigter oder unregelmäßiger Herzschlag.
  • Restless-Legs-Syndrom: Unruhige Beine, oft mit Kribbeln oder ziehenden Schmerzen verbunden, die den Schlaf stören können.

Neben diesen typischen Beschwerden können auch seltenere Symptome auftreten, die auf einen Eisenmangel hinweisen:

  • Raue, rissige Haut und rissige Mundwinkel.
  • Brüchige Nägel, die sich mitunter nach innen wölben (Hohlnägel).
  • Glanzloses, sprödes Haar und Haarausfall.
  • Zungenbrennen und Schmerzen beim Schlucken.
  • Ungewöhnliche Essgelüste auf Substanzen wie Kalk, Erde oder Eiswürfel (Pica-Syndrom).

Ursachen von Eisenmangel: Warum der Körper zu wenig Eisen hat

Eisenmangel entsteht immer dann, wenn der Eisenbedarf des Körpers höher ist als die Eisenaufnahme über die Nahrung oder wenn ein übermäßiger Eisenverlust vorliegt. In Europa ist ein chronischer Blutverlust die häufigste Ursache für Eisenmangel. Weitere Gründe können eine gestörte Eisenaufnahme im Darm oder eine unzureichende Zufuhr über die Ernährung sein.

Häufige Ursachen für Blutverlust

  • Menstruation: Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist der Eisenverlust durch die monatliche Regelblutung die primäre Ursache. Auch gutartige Wucherungen in der Gebärmutter (Myome) oder Krebserkrankungen können zu verstärkten Blutungen führen.
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt: Diese sind bei Männern und Frauen nach den Wechseljahren die häufigste Ursache. Sie können durch Magenschleimhautentzündungen (Gastritis), Magen-Darm-Geschwüre (Ulkuskrankheit) oder Hämorrhoiden ausgelöst werden. Ebenso können Krebserkrankungen im Magen-Darm-Trakt zu chronischem Blutverlust führen.
  • Blutverlust über die Harnwege: Entzündungen, Tumoren oder Hämoglobinurie (Ausscheidung von rotem Blutfarbstoff über den Urin) können hierfür verantwortlich sein.
  • Dialyse: Patienten mit Nierenerkrankungen verlieren durch die Dialyse jährlich bis zu 2,5 Liter Blut, was einen erheblichen Eisenverlust darstellt.
  • Weitere Blutverluste: Chronisches Zahnfleisch- oder Nasenbluten, Blutverlust durch Operationen oder regelmäßige Blutspenden tragen ebenfalls bei.
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Gestörte Eisenaufnahme und unzureichende Zufuhr

  • Ungenügende Eisenzufuhr über die Ernährung: Dies ist besonders häufig bei fleischfreier Kost (Vegetarier, Veganer) oder sehr einseitigen Diäten der Fall, da tierisches Häm-Eisen vom Körper besser verwertet werden kann als pflanzliches Eisen.
  • Gestörte Eisenaufnahme: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis), die teilweise Entfernung des Magens (Magenteilresektion) oder die dauerhafte Einnahme von Protonenpumpenhemmern (Medikamente gegen übermäßige Magensäureproduktion) können die Aufnahme von Eisen im Darm beeinträchtigen.

Diagnose der Eisenmangelanämie: Den Mangel erkennen

Bevor sich eine Blutarmut entwickelt, leert der Körper zunächst seine Eisenspeicher. Eine Eisenmangelanämie wird daher oft zufällig bei einer routinemäßigen Blutbildkontrolle festgestellt. Bei Verdacht auf Eisenmangel wird der Arzt eine genaue Klärung der Ursachen einleiten. Eine ausführliche Anamnese, die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme dokumentiert, ist hierbei entscheidend. Bei jungen Frauen wird die Häufigkeit, Dauer und Stärke der Regelblutung erfragt, bei älteren Menschen nach Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt oder den Harn- und Geschlechtsorganen. Eine definitive Aussage über den Eisenhaushalt liefern spezielle Blutuntersuchungen:

  • Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten): Eine reduzierte Anzahl deutet auf eine Anämie hin.
  • Menge des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobinwert, Hb-Wert): Ein verminderter Hb-Wert bestätigt das Vorliegen einer Anämie.
  • Hämatokritwert (HKT): Dieser Wert gibt den Anteil der festen Blutbestandteile am Gesamtblutvolumen an. Ein niedriger HKT kann auf Blutarmut hindeuten, kann aber auch durch Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt beeinflusst werden.
  • Mittleres Erythrozytenvolumen (MCV): Bei Eisenmangelanämie ist das Volumen der einzelnen roten Blutkörperchen typischerweise vermindert.
  • Mittleres Erythrozytenhämoglobin (MCH): Dieser Wert zeigt, wie viel roter Blutfarbstoff durchschnittlich in einem einzelnen Erythrozyten vorhanden ist. Bei Eisenmangel ist auch der MCH-Wert vermindert.
  • Retikulozyten: Unreife Vorstufen der roten Blutkörperchen. Eine hohe Zahl deutet darauf hin, dass der Körper versucht, schnell neue rote Blutkörperchen zu bilden, um Verluste auszugleichen. Nach Eisengabe steigt die Retikulozytenzahl bei Eisenmangelanämie an.
  • Transferrin/Transferrinsättigung: Transferrin ist ein Transportprotein für Eisen. Eine verminderte Transferrinsättigung kann auf Eisenmangel hinweisen, kann aber auch bei Entzündungen im Körper sinken.
  • Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR): Bei Eisenmangelanämie steigt die Anzahl dieser Rezeptoren im Blut an, da der Körper versucht, mehr Eisen in die Zellen aufzunehmen.
  • Ferritin (Speichereisen): Dies ist der wichtigste Indikator für die Eisenspeicher des Körpers. Ein verringerter Ferritinwert ist ein starker Hinweis auf Eisenmangelanämie. Bei gleichzeitiger Entzündung kann der Wert jedoch fälschlicherweise erhöht sein.
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Eisenhaltige Lebensmittel: Die besten Quellen für Ihren Körper

Der menschliche Körper ist auf die Zufuhr von Eisen über die Nahrung angewiesen. Eine ausgewogene Ernährung deckt in der Regel den Tagesbedarf von 10 bis 15 Milligramm. Allerdings kann der Körper nur etwa fünf bis zehn Prozent des Eisens aus der Nahrung über die Darmzellen aufnehmen; der Rest wird ausgeschieden. Häm-Eisen aus tierischen Produkten wird dabei besser resorbiert als Eisen aus pflanzlichen Quellen. Daher sollten insbesondere Vegetarier und Veganer auf eine bewusste und ausreichende Eisenzufuhr achten.

Tierische Eisenquellen

Reich an Eisen sind:

  • Rotes Fleisch: Schweinefleisch, Rindfleisch, Lammfleisch.
  • Innereien: Leber (besonders eisenreich), Niere.
  • Geflügel: Ente, Gans, Huhn.
  • Fisch: Sardinen, Lachs, Austern, Miesmuscheln.

Geringere Mengen an Eisen enthalten auch:

  • Eier (Eigelb)
  • Milchprodukte (allerdings wird die Eisenaufnahme durch Kalzium gehemmt)

Pflanzliche Eisenquellen

Eisenreiche pflanzliche Lebensmittel sind:

  • Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Soja, weiße Bohnen.
  • Nüsse, Kerne und Samen: Kürbiskerne, Sesam, Leinsamen, Pistazien, Mandeln, Haselnüsse.
  • Vollkornprodukte: Haferflocken, Roggenbrot, Hirse.
  • Trockenfrüchte: Aprikosen, Datteln, Feigen.
  • Grünes Gemüse und Kräuter: Spinat, Mangold, Grünkohl, Petersilie, Schnittlauch (enthalten jedoch auch Oxalsäure, die die Aufnahme hemmen kann).

Diese Lebensmittel behindern die Eisenaufnahme

Nicht alle Inhaltsstoffe fördern die Eisenaufnahme; einige können sie sogar erschweren.

  • Phytinsäure: Diese ist in den Randschichten von rohem Getreide (z. B. Vollkorn) und in unverarbeiteten Sojabohnen enthalten. Sie bindet Eisen so stark, dass es vom Körper kaum aufgenommen werden kann. Einweichen, Keimen oder Fermentieren kann den Phytinsäuregehalt reduzieren.
  • Oxalsäure: Vorkommend in Rhabarber, Mangold, Spinat, Weizenkleie und Mandeln, kann Oxalsäure ebenfalls die Eisenaufnahme beeinträchtigen.
  • Gerbstoffe (Tannine): Diese finden sich in Kaffee, Kakao, Grün- und Schwarztee sowie Rotwein. Sie hemmen die Eisenaufnahme erheblich. Es empfiehlt sich, solche Getränke mindestens 30 Minuten vor oder frühestens zwei Stunden nach einer eisenhaltigen Mahlzeit zu konsumieren.

Auch die gleichzeitige Einnahme von Eisen mit bestimmten Medikamenten kann die Aufnahme reduzieren. Dazu gehören einige Antibiotika (z. B. Tetracycline) oder Protonenpumpenhemmer, die die Magensäureproduktion hemmen.

Vitamin C fördert die Eisenaufnahme entscheidend

Im Gegensatz zu den hemmenden Substanzen verbessert Vitamin C die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung erheblich. Fruchtsäfte aus Sanddorn oder Orange sowie Vitamin-C-reiches Obst und Gemüse (wie Paprika, Brokkoli, Beeren) sollten daher idealerweise zusammen mit eisenhaltigen Mahlzeiten verzehrt werden, um die Bioverfügbarkeit des Eisens zu maximieren.

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Was tun bei einer Eisenmangelanämie?

Reicht eine Umstellung der Ernährung nicht aus und liegt bereits eine Eisenmangelanämie vor, ist eine gezielte Behandlung mit Eisenpräparaten (z. B. Eisendragees oder Eisentabletten) notwendig. Diese Präparate sollten in der Regel täglich oder jeden zweiten Tag auf nüchternen Magen mit Wasser oder Fruchtsaft eingenommen werden, um die Aufnahme zu optimieren.

Eisenmangel-Behandlung nicht ohne ärztlichen Rat

Obwohl Eisenpräparate frei verkäuflich sind, sollten größere Mengen keinesfalls in Eigenregie ohne ärztliche Abklärung eingenommen werden. Der Körper kann überschüssiges Eisen nicht aktiv ausscheiden und speichert es stattdessen in den Organen. Sind die Eisenspeicher überfüllt, kann dies zu Organschäden führen, insbesondere an Herz, Leber und Bauchspeicheldrüse. Ein zu hoher Eisenspiegel kann beispielsweise zu schlechte leberwerte führen.

Eisenpräparate müssen unbedingt außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden, da das Verschlucken großer Mengen lebensgefährliche Vergiftungen zur Folge haben kann.

Rücksprache bei Nebenwirkungen der Eisenpräparate

Die Einnahme von Eisenpräparaten kann Nebenwirkungen verursachen, darunter Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfälle und eine Schwarzfärbung des Stuhls. Bei Auftreten dieser Beschwerden sollte nach ärztlicher Rücksprache die Dosis angepasst oder die Einnahme zu den Mahlzeiten versucht werden, auch wenn dies die Eisenaufnahme leicht verringern kann.

Bei schweren Nebenwirkungen oder einer Unverträglichkeit gegenüber oralen Präparaten kann Eisen auch intravenös (direkt in die Vene) verabreicht werden. Nach einer intravenösen Eisengabe sollte eine Kontrolle der Eisenspeicher frühestens zwei bis drei Monate später erfolgen, um verfälschte hohe Ferritin-Werte zu vermeiden.

Sollte die Behandlung nicht anschlagen, könnte die Ursache der Blutarmut auch eine Aufnahmestörung von Vitamin B12 oder ein Folsäuremangel sein, die ebenfalls ähnliche Symptome hervorrufen können.

Fazit: Eisenmangel erkennen und handeln

Eisenmangel ist eine weit verbreitete Erkrankung mit vielfältigen Symptomen, die von Müdigkeit und Blässe bis hin zu Haarausfall und Herzklopfen reichen können. Eine frühzeitige Diagnose und eine angepasste Behandlung sind entscheidend, um schwerwiegendere gesundheitliche Folgen zu vermeiden. Durch eine bewusste Ernährung, die reich an eisenhaltigen Lebensmitteln ist und die Aufnahme durch Vitamin C fördert, kann vielen Fällen vorgebeugt werden. Bei Verdacht auf Eisenmangel ist jedoch immer ein Arztbesuch ratsam, um die genaue Ursache abzuklären und eine sichere sowie wirksame Therapie einzuleiten. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um Ihre Gesundheit zu schützen und Ihr Wohlbefinden zu steigern.