Die Bedeutung der Sporternährung für Ausdauersportler, insbesondere im Radsport, ist unbestreitbar. Kohlenhydrate dienen als primäre Energiequelle, während Proteine für die Muskelreparatur und -regeneration essentiell sind. In den letzten Jahren haben Studien die mögliche Leistungssteigerung durch die Kombination von Kohlenhydraten und Proteinen in Sportgetränken untersucht. Einige dieser Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die Zugabe von etwa 2 % Protein zu einem Kohlenhydratgetränk die Ausdauerleistungsfähigkeit beim Radfahren verbessern könnte. Diese vielversprechenden Ergebnisse weckten großes Interesse bei Athleten und Trainern, doch die praktischen Auswirkungen dieser früheren Studien waren oft durch bestimmte Einschränkungen gehemmt.
Zu diesen Limitationen gehörte häufig eine Kohlenhydratzufuhr, die unter dem für optimale Ausdauerleistung empfohlenen Wert lag. Zudem basierten viele Leistungstests auf einem “Erschöpfungstest” (Zeit bis zur Ermüdung), welcher nicht die Art und Weise widerspiegelt, wie Radfahrer typischerweise im Wettkampf agieren. Im realen Wettkampf geht es darum, eine feste Distanz oder eine vorgegebene Arbeitsmenge so schnell wie möglich zu absolvieren – ein Szenario, das durch ein Zeitfahren genauer simuliert wird. Um diese Lücken zu schließen und die tatsächliche Relevanz von Kohlenhydrat-Protein-Getränken für die Radsport-Leistung zu bewerten, wurde eine gezielte Studie durchgeführt.
Untersuchung der Leistungssteigerung durch Kohlenhydrat-Protein-Getränke
Die vorliegende Studie verfolgte die Hypothese, dass die Zugabe von 2 % Protein zu einem 6 % Kohlenhydratgetränk (CHO-PRO) die Leistung in einem 80-km-Radzeitfahren verbessern würde. Diese Verbesserung sollte sich im Vergleich zu einem reinen 6 % Kohlenhydratgetränk (CHO) und einem nicht-energetischen, gesüßten Placebo (PLAC) zeigen. Die Forscher wollten damit klären, ob die Proteinergänzung einen zusätzlichen Vorteil bietet, wenn die Kohlenhydratzufuhr bereits im optimalen Bereich liegt und der Leistungstest ein realistisches Rennszenario abbildet.
Methodik der Studie: Ein realistisches Zeitfahren
An der doppelblinden Crossover-Studie nahmen zehn trainierte männliche Radfahrer teil, deren Durchschnittsalter bei 24 ± 2 Jahren lag und die eine hohe maximale Sauerstoffaufnahme (VO2peak = 63 ± 2 mL·kg⁻¹·min⁻¹) aufwiesen. Jeder Proband absolvierte an drei verschiedenen Terminen, jeweils im Abstand von sieben Tagen, ein 80-km-Zeitfahren im Labor. Diese mehrfache Testung in einem Crossover-Design minimiert individuelle Unterschiede und erhöht die Aussagekraft der Ergebnisse.
Während der Zeitfahrten nahmen die Probanden im Doppelblindverfahren eines der drei Getränke zu sich: das Kohlenhydrat-Protein-Getränk (CHO-PRO), das reine Kohlenhydratgetränk (CHO) oder das Placebo (PLAC). Die Flüssigkeitszufuhr erfolgte in regelmäßigen Intervallen von 250 ml alle 15 Minuten, was einer Rate von 1 Liter pro Stunde entsprach. Um die Objektivität der Messungen zu gewährleisten und psychologische Effekte auszuschließen, erhielten die Teilnehmer während der Tests keinerlei zeitliches, verbales oder physiologisches Feedback. Die Zusammensetzung der Getränke war so gewählt, dass die Kohlenhydratkonzentration von 6 % als optimal für die Absorption während des Trainings gilt, während die 2 % Proteinzusatz in der CHO-PRO-Gruppe den Mengen früherer Studien entsprachen, die positive Effekte zeigten.
Studienergebnisse: Kohlenhydrate ja, Protein nicht zusätzlich
Die Analyse der Daten zeigte, dass die Zeit zum Absolvieren des 80-km-Zeitfahrens sowohl mit dem Kohlenhydratgetränk (CHO) als auch mit dem Kohlenhydrat-Protein-Getränk (CHO-PRO) signifikant niedriger war als mit dem Placebo (PLAC). Konkret benötigten die Radfahrer für die Distanz im Durchschnitt 135 ± 9 Minuten mit CHO und CHO-PRO, während sie mit dem Placebo 141 ± 10 Minuten benötigten. Dies entspricht einer Leistungsverbesserung von 4,4 % (P < 0.002) durch die Zufuhr von Kohlenhydraten im Vergleich zum Placebo.
Interessanterweise gab es jedoch keinen signifikanten Unterschied in der Leistungszeit zwischen dem reinen Kohlenhydratgetränk und dem Kohlenhydrat-Protein-Getränk (P = 0.92). Dies deutet darauf hin, dass die zusätzliche Proteinzufuhr unter den gegebenen Bedingungen keinen weiteren Vorteil für die 80-km-Zeitfahrleistung erbrachte. Die Radsportler profitierten eindeutig von der Kohlenhydratzufuhr, jedoch nicht von der Ergänzung mit Protein, wenn die Kohlenhydratmenge bereits optimal war.
Diskussion der Implikationen für Radfahrer
Die Ergebnisse dieser Studie untermauern die entscheidende Rolle von Kohlenhydraten für die Ausdauerleistung im Radsport. Die Zufuhr von 6 % Kohlenhydraten mit einer Rate von 1 Liter pro Stunde (entspricht 60 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde) führte zu einer signifikanten Verbesserung der 80-km-Zeitfahrleistung bei trainierten männlichen Radfahrern. Dies bestätigt bestehende Empfehlungen zur Kohlenhydratzufuhr während längerer Belastungen und unterstreicht, dass eine adäquate Kohlenhydratversorgung die Ermüdung verzögert und die Leistungsfähigkeit aufrechterhält.
Der wichtigste Befund ist jedoch das Ausbleiben eines zusätzlichen Leistungsnutzens durch die Zugabe von 2 % Protein zum Kohlenhydratgetränk. Dies steht im Gegensatz zu früheren Studien, die positive Effekte der Proteinzugabe feststellten, jedoch oft bei sub-optimalen Kohlenhydratmengen oder in weniger wettkampfspezifischen Tests. Die aktuelle Untersuchung, die ein realistisches 80-km-Zeitfahren simulierte und eine optimale Kohlenhydratzufuhr gewährleistete, legt nahe, dass bei bereits ausreichender Kohlenhydratversorgung die Proteinergänzung während der Belastung keinen direkten kurzfristigen Leistungsboost liefert. Es ist denkbar, dass die Vorteile von Protein eher in der Erholung nach dem Training oder bei extrem langen Belastungen sichtbar werden, die über 80 Kilometer hinausgehen. Für ein Zeitfahren dieser Distanz scheinen Kohlenhydrate der entscheidende limitierende Faktor zu sein.
Fazit und Empfehlungen für die Sporternährung
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Zufuhr von 6 % Kohlenhydraten mit einer Rate von 1 Liter pro Stunde (60 g/h) die Leistung in einem 80-km-Zeitfahren bei trainierten Radfahrern signifikant verbessert. Die Zugabe von 2 % Protein zu diesem Kohlenhydratgetränk brachte jedoch keinen zusätzlichen Leistungsnutzen bei dieser spezifischen Wettkampfsimulation.
Für Radsportler, die ihre Leistung in vergleichbaren Zeitfahren oder Rennen optimieren möchten, ist es daher primär entscheidend, eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr während der Belastung sicherzustellen. Konzentrieren Sie sich auf Sportgetränke, die eine effektive Kohlenhydratkonzentration liefern, um Ihre Energieversorgung zu gewährleisten. Während Protein für die langfristige Anpassung und Erholung unerlässlich ist, scheint eine zusätzliche Einnahme während einer Belastung von bis zu zwei Stunden, wenn die Kohlenhydratzufuhr optimal ist, keinen direkten, unmittelbaren Leistungsvorteil zu bieten. Konsultieren Sie immer einen Sporternährungsberater, um Ihre individuelle Ernährungsstrategie auf Ihre spezifischen Bedürfnisse und Wettkampfanforderungen abzustimmen.
