Die Englische Lebensversicherung lockt mit hohen Renditechancen, birgt aber auch spezifische Risiken und unterliegt seit dem Brexit veränderten Rahmenbedingungen. Dieses Modell, das traditionell einen hohen Aktienanteil vorsieht, unterscheidet sich grundlegend von konservativeren deutschen Lebensversicherungen. In diesem Artikel beleuchten wir die Funktionsweise, die steuerliche Behandlung und die Auswirkungen des Brexit auf englische Lebensversicherungen und vergleichen sie mit ihren heimischen Pendants. Wir analysieren die Vor- und Nachteile, die Anlagestrategie “Smoothing” und geben einen Überblick über die Optionen, die Kunden nach dem Brexit zur Verfügung stehen.
Das Wichtigste in Kürze
Die englische Lebensversicherung zeichnet sich durch das Potenzial für hohe Renditen aus, die durch das “Smoothing”-Verfahren zur Abfederung von Kursschwankungen unterstützt werden. Die steuerliche Behandlung orientiert sich weitgehend an deutschen Regelungen, was bedeutet, dass in der Regel nur 50 Prozent des Ertrags besteuert werden, sofern bestimmte Kriterien erfüllt sind. Nach dem Brexit haben viele britische Versicherer die Verträge ihrer europäischen Kunden auf ihre Niederlassungen innerhalb der EU, beispielsweise in Irland oder Luxemburg, übertragen.
Vor- und Nachteile der englischen/britischen Lebensversicherung
Höhere Rendite, höhere Risiken
Ein charakteristisches Merkmal der englischen Lebensversicherung ist die Investition eines signifikanten Teils der Beiträge, typischerweise zwischen 50 und 80 Prozent, in Aktien. Dieses Vorgehen birgt einerseits ein höheres Verlustrisiko, da eine Kapitalgarantie, wie sie bei deutschen Lebensversicherungen üblich ist, meist fehlt. Andererseits eröffnet es die Möglichkeit, deutlich höhere Renditen zu erzielen als mit klassischen deutschen Lebensversicherungen. Langfristige Anleger können zudem von der Fähigkeit profitieren, Marktschwankungen auszugleichen. Historische Vergleiche deuten darauf hin, dass englische Lebensversicherungen tendenziell höhere Erträge erwirtschaften als deutsche Produkte.
Rendite im Vergleich und solide Anbieter
Frühere Vergleiche von Stiftung Warentest zeigten eine überlegene Rendite englischer Lebensversicherungen im Vergleich zu deutschen. Internationale Ratingagenturen wie Standard & Poor’s und Moody’s bewerten britische Anbieter regelmäßig. Unternehmen wie Clerical Medical erhielten in der Vergangenheit gute Bewertungen von diesen Agenturen. Weitere als solide eingestufte Anbieter waren Royal London, Prudential, Canada Life, Standard Life und MGM International. Einige dieser Anbieter, wie Canada Life oder Standard Life, sind mittlerweile auch mit eigenen Niederlassungen und Produkten in Deutschland präsent. Aktuelle Testergebnisse zu spezifischen Versicherungsprodukten liegen uns jedoch derzeit nicht vor. Interessierte können sich über den Testsieger der Lebensversicherung (allgemein) informieren.
Vorteile im Überblick
- Sehr gute Ertragschancen durch Aktieninvestitionen.
- Möglichkeit der Rürup-Fähigkeit.
- Langjährige Erfahrung britischer Versicherer im Lebensversicherungsmarkt.
- Das “Smoothing”-Verfahren gleicht Kursschwankungen aus.
- Kombination aus Kapitalaufbau und Todesfallabsicherung.
Nachteile im Überblick
- Keine Ertrags- oder Kapitalgarantie, was ein höheres Risiko bedeutet.
- Keine Riester-Fähigkeit.
- Reduzierter Insolvenzschutz nach dem Brexit.
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So funktioniert die britische Lebensversicherung
Smoothing: Ein besonderes Verfahren zur Absicherung von Schwankungen
Das sogenannte Smoothing ist ein zentrales Instrument britischer Lebensversicherungen zur Stabilisierung der Anlagerenditen. Dieses Glätteverfahren zielt darauf ab, die Volatilität des Aktienmarktes auszugleichen. Überschüssige Gewinne aus Aktien werden zurückgehalten und als Reserven angespart. Sollte der Wert von Aktien drastisch fallen, kann dieses Rückhaltevermögen eingesetzt werden, um den Wert der Lebensversicherung zu stabilisieren. Bei positiver Marktentwicklung führt dies zu einem signifikanten Kapitalaufbau für den Versicherten, was sowohl die Rendite steigert als auch zur Absicherung beiträgt. Die staatliche Finanzaufsicht spielt hierbei eine kontrollierende Rolle.
Steuerliche Behandlung im Vergleich zur deutschen Lebensversicherung
Ähnlich wie bei deutschen Lebensversicherungen unterliegt auch bei britischen Policen nur 50 Prozent des Ertrags der Besteuerung, vorausgesetzt, die Versicherung erfüllt bestimmte Kriterien. Dies macht die steuerliche Behandlung britischer Lebensversicherungen mit der deutschen Lebensversicherung vergleichbar. Versicherte profitieren somit in beiden Fällen von vorteilhaften Steuervorteilen, unabhängig vom Herkunftsland des Versicherers. Weitere Details zur Lebensversicherung und Steuern finden Sie unter Lebensversicherung in der Steuer: Beiträge absetzen und Auszahlung versteuern.
Der Zweitmarkt für gebrauchte englische Lebensversicherungen
Auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen ist es in England üblich, Verträge zu verkaufen, anstatt sie zu kündigen. Ziel ist es, einen höheren Rückkaufswert zu erzielen als bei einer regulären Kündigung. In Deutschland ist der Handel mit gebrauchten Lebensversicherungen auf kapitalbildende Policen beschränkt.
So wirkt sich der Brexit auf englische Lebensversicherungen aus
Übertragung von Verträgen auf europäische Niederlassungen
Als Konsequenz des Brexit haben viele britische Lebensversicherer die Verträge ihrer Kunden in Deutschland auf europäische Niederlassungen, beispielsweise in Irland oder Luxemburg, übertragen. Dies hat zur Folge, dass der Insolvenzschutz, der zuvor durch das Financial Services Compensation Scheme gewährleistet wurde, nun weniger stark ausgeprägt ist. Dennoch sehen Experten von Stiftung Warentest keinen dringenden Handlungsbedarf für Kunden (Quelle: test.de). Die Verträge unterliegen nun der Regulierung durch die Finanzaufsichtsbehörden der jeweiligen EU-Länder, in denen sich die Niederlassungen befinden.
Besondere Probleme ergaben sich für Bezieher von Renten, die statt ihrer fortlaufenden Auszahlungen eine einmalige Kapitalabfindung erhielten.
Optionen für Kunden nach dem Brexit
Kunden hatten und haben verschiedene Möglichkeiten, mit ihren Verträgen umzugehen:
- Fortführung des Vertrags: Die Policen laufen unter den neuen Bedingungen weiter.
- Verkürzung: Anpassung der Vertragslaufzeit.
- Kündigung: Beendigung des Vertrags, was jedoch zu finanziellen Einbußen führen kann.
- Beitragsfreie Stellung: Aussetzung der Beitragszahlungen, während der Vertrag bestehen bleibt.
- Rückabwicklung: Bei fehlerhaften Widerspruchsbelehrungen (häufig bei Verträgen zwischen 1994 und 2007) ist eine Rückabwicklung möglich.
- Verkauf: Nutzung des Zweitmarktes zur Veräußerung des Vertrags.
Es ist ratsam, vor einer Entscheidung die finanziellen Konsequenzen einer Kündigung im Vergleich zu einer beitragsfreien Stellung oder einem Verkauf sorgfältig abzuwägen.
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