Die frühkindliche Bildung und Erziehung legt den Grundstein für die gesamte Entwicklung eines Kindes. In Deutschland wird dieser Prozess umfassend gefördert, wobei der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung die vielfältigen Förderbereiche in sechs essenzielle Bildungs- und Entwicklungsfelder unterteilt. Diese strukturierte Herangehensweise gewährleistet, dass alle Aspekte der kindlichen Persönlichkeit Beachtung finden und optimal unterstützt werden. Ein tiefes Verständnis dieser bildungs und entwicklungsfelder ist entscheidend für Eltern und Pädagogen gleichermaßen, um Kinder auf ihrem Weg zu selbstbewussten und kompetenten Individuen zu begleiten.
1. Körper: Bewegung, Gesundheit und Wohlbefinden
Der Körper ist das primäre Werkzeug, mit dem ein Kind seine Umwelt entdeckt und begreift. Durch vielfältige Bewegungsformen und die Erkundung unterschiedlicher Bewegungsräume erschließen sich Kinder ihre Welt. Hierbei spielen nicht nur körperliche Aktivität, sondern auch grundlegende Aspekte wie Gesundheit, eine ausgewogene Ernährung sowie der bewusste Umgang mit Ruhe, Erholung, Anspannung und Entspannung eine zentrale Rolle. Ein gesundes Körperbewusstsein und die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, sind essenziell für das Wohlbefinden. Die Erfahrungen in diesem Feld fördern nicht nur das körperliche Gleichgewicht, sondern wirken sich auch positiv auf die kognitive, seelische und soziale Entwicklung aus. Regelmäßige Bewegung im Freien und das Angebot von Sportaktivitäten sind dabei unerlässlich.
2. Sinne: Die Welt erleben und verstehen
Kinder nehmen ihre Umwelt über ihre Sinne wahr – sie sehen, hören, riechen, schmecken und tasten, um sich zu orientieren und die Welt zu begreifen. Daher benötigen sie vielfältige Gelegenheiten für sinnlich wahrnehmende Erfahrungen. Dies umfasst Raum und Zeit zum Erforschen, Experimentieren und Ausprobieren im konkreten Umgang mit Dingen des Alltags, der Natur, Kunst, Musik, Kultur und Medien. Sensorische Erfahrungen sind grundlegend für die Entwicklung von Lernprozessen und helfen Kindern, Zusammenhänge zu erkennen und die Welt um sich herum aktiv zu gestalten. Ob beim Matschen im Garten oder beim Hören unterschiedlicher Musikrichtungen – die Anregung aller Sinne ist von großer Bedeutung.
3. Sprache: Kommunikation und Ausdruck
Sprachkompetenz ist der Schlüssel zur sozialen Interaktion und zum Lernen. Kinder lernen sprechen, indem sie sprechen. Die Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen wird daher nicht als isoliertes Training verstanden, sondern als gezielte Erweiterung der Sprachkompetenz, die tief in den Alltag integriert ist. Eine sprachanregende Umgebung ist dabei von größter Wichtigkeit. Dazu gehören vor allem Menschen, die aktiv mit den Kindern reden, singen, Geschichten erzählen und vorlesen. Die Beherrschung der Sprache spielt eine herausragende Rolle für alle weiteren Lernprozesse und bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
4. Denken: Kognition und Problemlösung
Das kindliche Denken beginnt oft in Bildern und drückt sich auch über diese aus. Das Feld des Denkens umfasst alle Fähigkeiten, die dabei helfen, Phänomene zu erklären und Vorhersagen zu treffen. Es geht um das Verständnis von Ursachen- und Wirkungszusammenhängen, um schlussfolgerndes Denken, Problemlösungskompetenzen und logisches Denken. Naturphänomene, technische Abläufe und mathematische Konzepte sind ein fester Bestandteil der kindlichen Lebenswelt und begegnen uns überall. Kinder brauchen eine Umgebung, die sie dazu ermutigt, diese Zusammenhänge als Ganzes zu betrachten, neugierig zu erforschen und kritisch zu hinterfragen. Experimentierfreude und das Entdecken eigener Lösungswege stehen hier im Vordergrund.
5. Gefühl und Mitgefühl: Emotionale Intelligenz entwickeln
Menschliches Handeln ist untrennbar mit Emotionen verbunden. Die Grundlage dieses Feldes ist das Bewusstsein der eigenen Emotionen – sowohl positiver als auch negativer Gefühle – und der angemessene Umgang damit. Daraus entwickelt sich die Fähigkeit, die Gefühle anderer wahrzunehmen und darauf zu reagieren, was als Einfühlungsvermögen und Mitgefühl bezeichnet wird. Im Umgang mit anderen Kindern, Personen, Tieren und der Natur haben Kinder vielfältige Möglichkeiten, Gefühle und Mitgefühl zu erfahren und zu erlernen. Es gilt, Prozesse anzuregen und Grundsteine zu legen, um eine ausgeprägte Sensibilität für sich selbst und andere zu entwickeln und kontinuierlich zu erweitern. Dies fördert die soziale Kompetenz und Konfliktfähigkeit.
6. Sinn, Werte und Religion: Orientierung im Leben finden
Kinder begegnen der Welt grundsätzlich mit Offenheit und einer natürlichen Neugier. Sie müssen sich jedoch in der Fülle von Eindrücken, Erfahrungen, Anforderungen und Begegnungen zurechtfinden und sich mit fundamentalen Sinn- und Wertfragen auseinandersetzen. Die Begleitung von Kindern bei der Suche nach Orientierung, Struktur und Lebenssinn bedeutet, jedes Kind als eigenständige Persönlichkeit wahr- und ernst zu nehmen sowie es wertzuschätzen. In vielen Einrichtungen werden christliche Werte in der alltäglichen Arbeit und im Umgang miteinander in der Gemeinschaft aktiv gelebt, wodurch Kinder frühzeitig ein Wertesystem entwickeln können, das ihnen Halt und Orientierung im Leben gibt und ihre moralische Entwicklung fördert.
Die sechs Bildungs- und Entwicklungsfelder bilden ein eng verzahntes System, das die ganzheitliche Förderung von Kindern in Deutschland sicherstellt. Indem jede dieser Dimensionen bewusst gefördert wird, erhalten Kinder die besten Voraussetzungen, um ihre Potenziale voll auszuschöpfen, resilient zu werden und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Es ist die gemeinsame Aufgabe von Familie und Bildungseinrichtungen, diese Felder aufmerksam zu begleiten und zu unterstützen, damit jedes Kind einen starken Start ins Leben bekommt.
