Gicht: Ernährungsumstellung als Schlüssel zur Linderung

Gicht, eine Volkskrankheit, die durch erhöhte Harnsäurespiegel im Körper gekennzeichnet ist, erfordert vor allem eine angepasste Ernährung. Die effektivste Therapie zielt darauf ab, den Harnsäurespiegel dauerhaft zu senken, um erneute Anfälle zu verhindern und Langzeitschäden vorzubeugen. Dies lässt sich durch eine Kombination aus Gewichtsmanagement, der Meidung von Fruchtzucker und einer purinarmen Ernährung erreichen.

Purinarme Kost – Kein vollständiger Verzicht

Purine sind natürliche Bestandteile vieler Lebensmittel, die im Körper zu Harnsäure abgebaut werden. Menschen mit einer Veranlagung zu Gicht können diese purinhaltigen Nahrungsmittel oft schlechter verstoffwechseln, was zu einem Anstieg des Harnsäurespiegels führt. Insbesondere Fleisch- und Fischprodukte sind bekannt für ihren hohen Purinanteil.

Auch einige pflanzliche Lebensmittel wie Spargel, Pilze und Hülsenfrüchte gelten als verhältnismäßig purinreich. Dennoch ist ein vollständiger Verzicht auf diese Lebensmittel nicht notwendig und oft auch nicht ratsam, da sie wichtige Nährstoffe wie Proteine, Vitamine und Ballaststoffe liefern. Stattdessen ist eine moderate Aufnahme im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung zu empfehlen. Eine Ausnahme bilden die Haut von Fleisch und Fisch sowie Innereien, die als echte “Purinbomben” gelten und gemieden werden sollten. Ebenso ist Vorsicht bei Bier und anderen alkoholischen Getränken geboten, da sie sowohl Purine als auch Fruchtzucker enthalten können.

Fruchtzucker (Fruktose) einschränken

Jüngste Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Gicht und Fruktosekonsum hin. Fruchtzucker kann die Ausscheidung von Harnsäure beeinträchtigen und somit Gichtanfälle begünstigen. Fruktose ist nicht nur in Obst und Fruchtsäften enthalten, sondern auch in zahlreichen verarbeiteten Produkten wie Keksen, Eiscreme, Pizza sowie in süßen Getränken. Eine genaue Prüfung der Zutatenlisten auf Begriffe wie Fruktose-, Glukose-Fruktose- oder Maissirup ist ratsam. Generell empfiehlt sich die Reduzierung des Konsums von Zucker, Weißmehlprodukten und Fertiggerichten.

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Die Vorteile einer ovo-lacto-vegetabilen Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung, die auf Eiern (ovo), Milchprodukten (lacto) und viel Gemüse (vegetabil) basiert, wird bei Gicht als besonders günstig angesehen. Eine breite Palette an Gemüse liefert pflanzliche Proteine, Ballaststoffe, Vitamine und Antioxidantien. Vollkornprodukte, Nüsse und Samen sowie hochwertige Pflanzenöle ergänzen diese Basis optimal.

Milch, fettarme Milchprodukte und Eier sind nicht nur purinarm, sondern auch eine wertvolle Proteinquelle. Zudem wird ihnen nachgesagt, die Harnsäureausscheidung über die Nieren zu fördern und das Gichtrisiko zu senken. Ausreichendes Trinken ist ebenfalls essenziell: Zwei bis drei Liter Wasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees oder auch frisch gebrühter Kaffee können den Flüssigkeitshaushalt positiv beeinflussen.

Übergewicht abbauen – aber richtig

Ein Normalgewicht spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Harnsäurespiegels und schont die Gelenke. Studien deuten darauf hin, dass Übergewicht das Risiko für Gichtanfälle signifikant erhöht. Dennoch ist Vorsicht bei radikalen Diäten oder Fastenkuren geboten, da diese zur Bildung von Ketonkörpern führen können, welche die Harnsäureausscheidung behindern und einen akuten Gichtanfall auslösen können. Eine langfristige Ernährungsumstellung mit einem langsamen, aber stetigen Gewichtsverlust von ein bis zwei Kilogramm pro Monat ist hier der sicherere Weg.

Lebensmittel im Überblick für Gicht-Patienten:

  • Getreideprodukte: Bevorzugen Sie Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, ungesüßtes Müsli, Vollkornnudeln und -reis. Kartoffeln in Pell- oder Stampfform sind ebenfalls eine gute Wahl. Hülsenfrüchte wie Buchweizen oder Grünkern sollten in Maßen genossen werden, da sie als eher purinreich gelten. Stark verarbeitete Produkte wie Pommes frites, Fertiggerichte und Fast Food sind zu meiden.
  • Süßwaren: Der Konsum von Süßigkeiten, süßen Backwaren und gesüßten Milchprodukten sollte stark eingeschränkt werden.
  • Obst: Fast alle Obstsorten sind empfehlenswert, bei Übergewicht jedoch auf den Fruchtzuckergehalt achten. Stark gezuckerte Obstkonserven und Trockenfrüchte sind nicht ratsam.
  • Gemüse: Eine breite Auswahl an Gemüse ist sehr gut verträglich, insbesondere Salate, Gurken und Möhren. Hülsenfrüchte, Spinat, Spargel und Pilze sollten in Maßen verzehrt werden.
  • Nüsse und Samen: Mandeln und Walnüsse sind empfehlenswert. Kürbis- und Sonnenblumenkerne in Maßen genießen.
  • Fette und Öle: Hochwertige Pflanzenöle wie Leinöl, Olivenöl, Rapsöl und Walnussöl sind gut geeignet. Wenig Butter ist in Ordnung. Tierische Fette wie Schweine- und Gänseschmalz sollten vermieden werden.
  • Getränke: Wasser und ungesüßte Tees sind die beste Wahl. Kaffee und schwarzer Tee in Maßen sind ebenfalls in Ordnung. Fruchtsäfte, Softdrinks und Alkohol sollten gemieden werden.
  • Fisch: Magerer Fisch wie Kabeljau, Lachs oder Scholle ist in Ordnung, jedoch ohne Haut und in Maßen. Fettreiche Fische und bestimmte Fischprodukte wie Sardinen in Öl sind weniger empfehlenswert.
  • Fleisch: Mageres Fleisch wie Hühner- oder Putenfleisch ohne Haut ist zu bevorzugen. Rind-, Kalb- oder Wildfleisch in Maßen. Innereien und fettreiches Fleisch sowie stark verarbeitete Wurstwaren sollten vermieden werden.
  • Milchprodukte: Eier, Milch, Buttermilch, Quark und Käse sind gute Proteinquellen und gut verträglich. Gesüßte Fertigprodukte wie Pudding oder Fruchtjoghurt sind zu meiden.
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Diese Empfehlungen ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung. Eine fachkundige Beratung kann dazu beitragen, die Ernährung optimal auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen und Gichtanfällen effektiv vorzubeugen.