Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Entzündung der Schilddrüse, geht oft mit Müdigkeit, Unwohlsein und Gewichtszunahme einher. Auch eine Behandlung mit L-Thyroxin kann die Beschwerden nicht immer vollständig lindern. Glücklicherweise lässt sich der Verlauf der Autoimmunerkrankung durch eine angepasste Ernährung positiv beeinflussen. Der Schlüssel liegt darin, das Immunsystem zu stärken und wieder ins Gleichgewicht zu bringen, indem man entzündungshemmend isst.
Gewichtskontrolle bei Hashimoto: Abnehmen trotz Schilddrüsenunterfunktion
Viele Betroffene kämpfen mit einer unerwünschten Gewichtszunahme, die auf die Schilddrüsenunterfunktion zurückzuführen ist. Diäten zeigen oft wenig Erfolg. Eine kohlenhydratarme Ernährung in Kombination mit Intervallfasten kann jedoch auch bei Hashimoto-Patienten helfen, überschüssige Pfunde zu verlieren. Ein gängiges Modell ist die 16:8-Methode, bei der zwischen Abendessen und der ersten Mahlzeit des nächsten Tages 16 Stunden Fastenzeit liegen. Während dieser Zeit sind zuckerfreie Getränke wie Wasser und ungesüßter Tee erlaubt, die Nahrungsaufnahme beschränkt sich auf zwei Mahlzeiten.
Magenschonende Ernährung bei zusätzlicher Gastritis A
Bei etwa der Hälfte aller Hashimoto-Patienten liegt zusätzlich eine Autoimmungastritis (Gastritis A) vor. Das Immunsystem greift dabei auch die Magenschleimhaut an, was zu einem dramatischen Säureabfall und einer erhöhten Gastrinbildung führen kann. Langfristig kann dies das Risiko für Tumore erhöhen. Betroffene sollten daher eine besonders magenschonende Ernährungsweise verfolgen.
Gluten und Weizen: Eine kritische Betrachtung
Darmgesundheit und Schilddrüsenfunktion sind eng miteinander verknüpft. Bei Hashimoto-Betroffenen sollte daher immer die Glutenverträglichkeit überprüft werden, da hier gehäuft Marker für Zöliakie auftreten können. Im Falle einer Zöliakie ist der Verzicht auf glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste unerlässlich. Stattdessen bieten sich glutenfreie Pseudogetreide wie Buchweizen, Quinoa und Amarant an. Auch eine Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität ist bei Hashimoto-Patienten nicht selten.
Die wichtigsten Ernährungsempfehlungen bei Hashimoto
Eine entzündungshemmende und sättigende Ernährung bildet die Grundlage für das Wohlbefinden bei Hashimoto.
- Gemüse und Obst: Reichlich Gemüse, zubereitet mit hochwertigen Ölen, bildet die Basis. Ergänzend dazu sind zuckerarmes Obst, wie Beeren, empfehlenswert.
- Eiweiß: Jede Mahlzeit sollte ausreichend Eiweiß enthalten, um ein langanhaltendes Sättigungsgefühl zu fördern. Gute Quellen sind Milchprodukte, Fisch, mageres Fleisch, Hülsenfrüchte und Pilze.
- Entzündungshemmende Fettsäuren und Pflanzenstoffe: Omega-3-Fettsäuren, enthalten in Leinöl, Hanföl, Algenöl und Lachs, sowie antioxidative Pflanzenstoffe aus buntem Gemüse und Gewürzen wie Kurkuma, Ingwer und Zimt, wirken entzündungshemmend.
- Selen: Dieses Spurenelement ist essenziell für das Immunsystem und die Schilddrüsenfunktion. Gute Lieferanten sind Fisch, Fleisch, Eier, Pilze, Linsen, Kohl- und Zwiebelgemüse sowie Nüsse, insbesondere Paranüsse (1-2 Stück täglich).
- Präbiotika und Probiotika: Zur Stärkung der Darmflora eignen sich fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Joghurt und Miso-Suppen. Eine gesunde Darmflora kann auch das Abnehmen erleichtern.
- Glutenfreie Getreidealternativen: Hirse, Quinoa und Buchweizen liefern als Müsli, Brot oder Beilage wichtige Mineralstoffe und Eiweiß und sind glutenfrei.
- Bei zusätzlicher Gastritis A: Verzicht auf Kaffee, stark Gewürztes, Geräuchertes und Gebratenes. Stattdessen kann ein Glas Zitronenwasser vor jeder Mahlzeit (1 EL Zitronensaft in 150 ml Wasser) wohltuend sein.
- Bitterstoffe: Eine Tasse bitterer Wermuttee kann den Appetit zügeln und die Verdauung anregen. Auch andere Bitterstoffe aus Gemüse wie Chicorée oder Mangold sind empfehlenswert. Vorsicht ist bei der Dosierung von Wermut geboten: Nur kurz ziehen lassen und sparsam verwenden.
- Tabus: Alkohol und Rauchen sollten unbedingt vermieden werden.
Empfehlenswerte und zu meidende Lebensmittel im Überblick
Die folgende Auflistung gibt eine Orientierung, welche Lebensmittel bei Hashimoto besonders zu empfehlen sind und welche eher gemieden werden sollten.
- Getreideprodukte: Empfehlenswert sind Vollkornprodukte, insbesondere aus Hafer, Gerste, Dinkel und Roggen (glutenhaltig) oder Pseudogetreide wie Buchweizen, Amarant und Quinoa (glutenfrei). Weniger empfehlenswert sind Weißbrot, Toast, Croissants und Hartweizennudeln.
- Süßigkeiten und Snacks: In Maßen sind zuckerarme Obstsorten erlaubt. Stark zuckerhaltige Früchte wie Bananen, Mangos oder Weintrauben sowie Süßigkeiten, süße Backwaren und Fertiggerichte sollten gemieden werden.
- Obst: Alle zuckerarmen Obstsorten wie Äpfel, Beeren und Zitrusfrüchte sind empfehlenswert. Zuckerreiches Obst und Obstkonserven sollten reduziert werden.
- Gemüse: Fast alle Gemüsesorten sind empfehlenswert, mit Ausnahme von Mais aufgrund seines hohen Zuckergehalts.
- Nüsse und Samen: Ungesalzene Nüsse, Samen und Kerne sind in kleinen Mengen (ca. 40 g/Tag) empfehlenswert. Gesalzene Varianten sollten vermieden werden.
- Öle und Fette: Hochwertige Öle wie Olivenöl, Rapsöl und Leinöl (kaltgepresst und lichtgeschützt) sind zu bevorzugen. Schweinefett, Gänseschmalz und stark verarbeitete Pflanzenöle wie Sonnenblumen- oder Distelöl sollten gemieden werden.
- Getränke: Wasser und ungesüßte Kräutertees sind ideal. Kaffee sollte, insbesondere bei Gastritis A, nur in Maßen konsumiert werden. Fruchtsäfte, Softdrinks und alkoholische Getränke sind nicht empfehlenswert.
- Fisch: Empfehlenswerte Fischarten sind Forelle, Lachs und Hering. Fisch in Mayonnaise oder Sahne sowie sehr jodreicher Fisch sollten vermieden werden. Bei Gastritis A sind zudem Räucher- und Bratfisch tabu.
- Fleisch: Mageres Fleisch wie Putenbrustaufschnitt und Hühnerfleisch sind empfehlenswert. Paniertes Fleisch, Wurstwaren und generell Schweinefleisch sollten reduziert werden. Bei Gastritis A gelten zusätzliche Einschränkungen.
- Milchprodukte: Fettarme Milchprodukte wie Naturjoghurt und Speisequark sind in Maßen empfehlenswert. Fettreiche Produkte wie Sahne und Schmand sowie gesüßte Fertigprodukte sollten gemieden werden.
Diese Informationen ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung.
Hashimoto: Entzündung mindern und Lebensqualität verbessern
Eine angepasste Ernährung spielt eine zentrale Rolle im Management von Hashimoto-Thyreoiditis. Durch die Wahl entzündungshemmender Lebensmittel und die Vermeidung von Triggern können Betroffene nicht nur ihre Symptome lindern, sondern auch ihre allgemeine Lebensqualität nachhaltig verbessern. Es lohnt sich, die Ernährungsumstellung als einen wichtigen Baustein für mehr Wohlbefinden zu betrachten.
