Die Ankunft eines neuen Lebens ist ein tiefgreifendes und individuelles Erlebnis. Für werdende Eltern stellt sich oft die Frage: Wann ist der richtige Moment, um sich auf den Weg ins Krankenhaus zu machen? Diese Entscheidung ist sehr persönlich, da sich manche Gebärende in der vertrauten Umgebung ihres Zuhauses am wohlsten fühlen, während andere die kontrollierte und sichere Atmosphäre einer Klinik bevorzugen, um wirklich loslassen zu können. Eine gute Vorbereitung und das Wissen um die Abläufe können hier viel Sicherheit geben und Ängste nehmen, damit Sie diesen besonderen Übergang mit Vertrauen erleben können.
Die ersten Anzeichen der Geburt: Zuhause bleiben oder aufbrechen?
Die Wehen sind das Hauptzeichen für den Geburtsbeginn. Am Anfang sind sie oft noch unregelmäßig und schwach. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jede Wehe sofort eine Fahrt ins Krankenhaus erfordert. Viele Frauen empfinden es als angenehmer, die frühen Wehen zu Hause zu verarbeiten. Hier können Sie sich frei bewegen, eine warme Dusche oder ein Bad nehmen, leichte Mahlzeiten zu sich nehmen und sich so entspannen, wie es Ihnen am besten tut. Ablenkung durch leichte Tätigkeiten oder ein Gespräch mit dem Partner kann ebenfalls hilfreich sein. Die Faustregel besagt oft, dass es Zeit wird, wenn die Wehen regelmäßig, kräftiger und schmerzhafter werden und in immer kürzeren Abständen auftreten – typischerweise alle 5-7 Minuten über einen längeren Zeitraum von mindestens einer Stunde. Auch ein Blasensprung oder Blutungen sind klare Signale, die eine sofortige Fahrt ins Krankenhaus rechtfertigen.
Ankunft in der Klinik: Der erste Kontakt mit der Hebamme
Sobald Sie im Krankenhaus ankommen, werden Sie und Ihre Begleitperson von einer erfahrenen Hebamme in Empfang genommen. Dieser erste Kontakt ist entscheidend, denn die Hebamme wird Sie durch die nächsten Stunden begleiten und unterstützen. Sie wird Ihnen einfühlsam begegnen, Ihre Fragen beantworten und eine erste Einschätzung Ihrer Situation vornehmen. Es ist ihr Ziel, Ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln und den Übergang von Zuhause in die Klinik so angenehm wie möglich zu gestalten. Oftmals findet ein kurzes Gespräch statt, in dem Sie Ihre bisherigen Erfahrungen und Wünsche äußern können.
Die umfassende Erstuntersuchung
Nach der Begrüßung erfolgt eine sorgfältige Erstuntersuchung, die mehrere Komponenten umfasst:
Vaginale Tastuntersuchung zur Beurteilung des Geburtsfortschritts
Die Hebamme wird eine vaginale Tastuntersuchung durchführen, um festzustellen, wie weit der Muttermund bereits geöffnet ist und wie die Konsistenz des Gebärmutterhalses ist (Verstreichung). Dies gibt Aufschluss über den Fortschritt der Geburt. Zudem wird geprüft, ob ein Blasensprung stattgefunden hat und wie die Position des Babys im Becken ist. Diese Untersuchung liefert wertvolle Informationen für die weitere Planung und den voraussichtlichen Geburtsverlauf.
Das CTG: Herzfrequenz des Babys und Wehenaktivität im Blick
Parallel dazu wird meist ein CTG (Cardiotokographie) durchgeführt. Die Abkürzung steht für Cardio (Herz) – Toko (Wehen) – Graphie (Aufzeichnung). Dieses Gerät verfügt über zwei flache Sensoren, die sanft an Ihrem Bauch angebracht werden: Einer misst den Druck der Wehen, der andere zeichnet die Herztöne Ihres Babys mittels Dopplerverfahren auf. Die Messung ist völlig schmerzfrei und erfordert lediglich etwas Geduld, da sie in der Regel mindestens 30 Minuten dauert, um aussagekräftige Daten zu liefern. Das CTG hilft dabei, das Wohlbefinden des Babys zu überwachen und die Intensität und Regelmäßigkeit Ihrer Wehen genau zu erfassen.
Basierend auf den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird gemeinsam entschieden, ob der Zeitpunkt für den Verbleib im Krankenhaus gekommen ist oder ob Sie unter Umständen noch einmal nach Hause fahren können, falls die Geburt noch nicht weit genug fortgeschritten ist.
Die Wehenphase aktiv gestalten: Methoden zur Schmerzlinderung und Entspannung
Sobald Sie in der Klinik bleiben, beginnt die aktive Phase der Geburtsarbeit. Jetzt ist es an der Zeit, verschiedene Körperpositionen, Entspannungsmethoden, Massagetechniken und Atemmuster anzuwenden, um die Wehen zu bewältigen und den Geburtsprozess zu unterstützen.
- Bewegung und Positionen: Gehen, Stehen, Vierfüßlerstand, auf dem Pezziball sitzen – Bewegung kann helfen, die Schwerkraft zu nutzen und das Baby tiefer ins Becken zu bewegen.
- Entspannungstechniken: Atemübungen, progressive Muskelentspannung, visualisierte Vorstellungen oder ruhige Musik können dazu beitragen, Anspannung abzubauen und Schmerzen zu lindern.
- Massagen: Ihr Partner oder die Hebamme kann Ihnen gezielte Massagen am Rücken oder an den Schläfen geben, die oft als sehr wohltuend empfunden werden.
- Wärme und Wasser: Eine warme Dusche, ein entspannendes Bad (wenn medizinisch unbedenklich) oder warme Kompressen können ebenfalls schmerzlindernd wirken und die Muskulatur entspannen.
Sollten die Pausen zwischen den Wehen noch lange genug sein, nutzen Sie diese Zeit bewusst, um sich auszuruhen, zu dösen und Ihre Kräfte für die bevorstehende Arbeit zu sammeln. Der Geburtsverlauf ist ein Marathon, kein Sprint, und ein bewusster Umgang mit den eigenen Energiereserven ist essenziell.
Das Vertrauen in den eigenen Körper
Die Geburt ist ein natürlicher Prozess, der meist viele Stunden dauert und Geduld erfordert. Machen Sie sich keine Sorgen: Der weibliche Körper ist für die Geburt eines Kindes geschaffen – er ist kraftvoll und stark. Jede Frau hat die natürliche Fähigkeit, ihr Kind zu gebären, und es ist ein immer wieder zu beobachtendes Phänomen: Frauen wachsen bei der Geburt ihres Kindes weit über sich hinaus. Vertrauen Sie auf Ihre innere Stärke und die Unterstützung der Hebammen und Ärzte. Sie sind in guten Händen, um diesen einzigartigen Moment sicher und begleitet zu erleben.
