Deutscher Frauenfußball: Eine Ära der Dominanz und der Weg zurück an die Spitze

Der deutsche Frauenfußball blickt auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurück, geprägt von Titeln und Triumphen, die weltweit ihresgleichen suchen. Als Olympiasieger, zweimaliger Weltmeister und achtfacher Europameister hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft, liebevoll “DFB-Frauen” genannt, über Jahrzehnte hinweg die internationale Bühne dominiert. Doch seit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille in Rio im Jahr 2016, konnte kein weiterer großer Titel errungen werden. Diese unerwartete Durststrecke hat eine Debatte über die Zukunft und Entwicklung des deutschen Frauenfußballs ausgelöst. Während die Konkurrenz stärker wird, arbeitet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) intensiv daran, die Weichen für eine erfolgreiche Rückkehr an die Weltspitze zu stellen.

Von Glanzzeiten zur Durststrecke: Die Historie des deutschen Frauenfußballs

Die Historie des deutschen Frauenfußballs ist eine Geschichte beispielloser Erfolge. Zwischen 1989 und 2013 gewannen die DFB-Frauen acht Europameistertitel und stellten damit einen Rekord auf, der die Vormachtstellung Deutschlands in Europa unterstrich. Auch auf globaler Ebene konnte man mit zwei Weltmeistertiteln glänzen. Diese Ära der Dominanz endete jedoch jäh nach dem olympischen Gold in Rio. Seither gab es Rückschläge, darunter das Ausscheiden im Viertelfinale der EM 2017 und der WM 2019 sowie die verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio.

Doris Fitschen, selbst vierfache Europameisterin und heute Funktionärin beim DFB, führt diese Entwicklung auf die zunehmende Professionalisierung des Frauenfußballs weltweit zurück. Sie betont: “Andere Nationen investieren immer mehr in den Frauenfußball und machen Fortschritte. Es gibt also nicht mehr nur ein oder zwei Teams, die diese Wettbewerbe gewinnen können.” Dieser verschärfte Wettbewerb ist eine große Herausforderung für den Deutscher Frauenfußball.

Hinzu kommt eine Stagnation in der Entwicklung des Sports im eigenen Land. Während andere europäische Länder einen Boom erleben, verzeichnet der DFB seit zehn Jahren sinkende Zahlen bei den registrierten Frauenmannschaften (von 5.742 im Jahr 2012 auf 5.385) und eine stagnierende Zahl weiblicher Spielerinnen von rund 820.000. Selbst die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2011 konnte nicht den erhofften Schub bringen, da das deutsche Team im Viertelfinale ausschied. Die Erwartungen waren hoch, doch der große Sprung nach vorne, auf den viele gehofft hatten, blieb aus, wie die ARD-Journalistin Christina Graf anmerkt.

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Die ‘Strategie 2027’ des DFB: Ein umfassender Plan zur Rückkehr an die Weltspitze

Um diesem Trend entgegenzuwirken und den Deutscher Frauenfußball wieder auf Kurs zu bringen, hat der DFB im Dezember 2021 die “Strategie 2027” ins Leben gerufen. Das Jahr 2027 ist dabei nicht zufällig gewählt: Deutschland bewirbt sich gemeinsam mit den Niederlanden und Belgien um die Austragung der Frauen-Weltmeisterschaft in diesem Jahr. Ziel der Strategie ist es, “den deutschen Frauenfußball wieder an die Weltspitze zu führen und dort dauerhaft zu etablieren”, so der DFB auf seiner offiziellen Website.

Die Strategie ist vielschichtig und umfasst mehrere Bereiche, wie Doris Fitschen erklärt: “Es gibt einen sportlichen Teil, mit dem Ziel, dass unsere Nationalmannschaft und die Vereine internationale Titel gewinnen.” Darüber hinaus soll die Basis gestärkt werden, indem mehr Mädchen für den Fußball begeistert und mehr Frauen als Trainerinnen und Schiedsrichterinnen gewonnen werden. Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist die Förderung von Frauen in Führungspositionen, mit dem Ziel, 30 % Frauen in den Leitungsgremien zu haben, sowie die Verbesserung der Medienpräsenz des Frauenfußballs. Eine gesunde Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga der Frauen ist hierbei unerlässlich. Vereine wie BVB Adeyemi oder Hummels Mats sind gute Beispiele für große deutsche Clubs, die auch im Männerfußball eine wichtige Rolle spielen, und deren Engagement im Frauenfußball wünschenswert wäre.

Fitschen hofft zudem, dass bald wieder ein deutscher Verein die Women’s Champions League gewinnen wird. Seit 2016 haben es nur zwei Teams der Frauen-Bundesliga ins Finale geschafft, und keines konnte den Titel holen – eine deutliche Abnahme im Vergleich zu den ersten 15 Ausgaben des Turniers (2002-2016), in denen Deutschland 13 Mal im Finale stand. Für eine stärkere Liga, die als Motor für die Nationalmannschaft dient, ist die Professionalisierung der Schlüssel. Während Bayern München, Eintracht Frankfurt und der VfL Wolfsburg bereits hervorragende Arbeit leisten, wäre es wünschenswert, wenn weitere große Vereine ihrem Beispiel folgen würden, wie etwa Borussia Dortmund oder RB Leipzig.

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Eine Goldene Generation formt die Zukunft

Trotz der momentanen Herausforderungen blickt der Deutscher Frauenfußball mit Hoffnung in die Zukunft. Auch wenn das Team bei der EM in England nicht als der klare Favorit galt, wie es früher der Fall war – Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sah sieben oder acht Teams als Titelanwärter – konnte die Frauen-Nationalmannschaft auf vielversprechende junge Talente setzen. Lena Oberdorf ist hier ein prominentes Beispiel: Mit nur 21 Jahren verfügt sie bereits über Erfahrungen bei einer Weltmeisterschaft (2019 in Frankreich).

Sie ist Teil einer sogenannten “goldenen Generation”, die Deutschland zu Siegen bei den U17-Europameisterschaften 2017, 2019 und 2022 verhalf. Christina Graf hebt hervor: “Diese jungen Spielerinnen spielen bereits in der höchsten Liga und profitieren von den Investitionen und der Infrastruktur großer Vereine. Sie sind in der Lage, sehr schnell das Top-Niveau zu erreichen und internationale Erfahrung zu sammeln.” Diese Spielerinnen, die bereits an die Tür der Nationalmannschaft klopfen, werden in Zukunft den Kern der DFB-Frauen bilden und maßgeblich dazu beitragen, den Trophäenschrank des deutschen Frauenfußballs wieder mit neuem Glanz zu füllen.

Der Weg zurück an die absolute Spitze ist zweifellos anspruchsvoll und erfordert kontinuierliche Anstrengungen auf allen Ebenen, von der Nachwuchsförderung bis zur Professionalisierung der Bundesliga. Doch mit der klaren Vision der “Strategie 2027”, dem Engagement des DFB und einer vielversprechenden Generation von Talenten scheint der Deutscher Frauenfußball gut positioniert, um seine stolze Tradition fortzusetzen und neue Erfolge zu feiern. Die Zukunft verspricht Spannung und die Hoffnung, dass die DFB-Frauen bald wieder die Pokale in die Höhe stemmen werden. Unterstützen Sie den deutschen Frauenfußball auf seinem Weg – jede Partie zählt!

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