Die Leber spielt eine entscheidende Rolle in unserem Körper, indem sie eine Vielzahl von Funktionen übernimmt. Sie ist maßgeblich am Abbau, der Speicherung, der Versorgung, der Sortierung, der Reinigung, der Regulierung und der Entsorgung von Substanzen beteiligt. Bei Erkrankungen dieses lebenswichtigen Organs ist der Gastroenterologe, ein Spezialist für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen, der richtige Ansprechpartner. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Hepatologie, der Lehre von den Leberkrankheiten, die sich mit Erkrankungen der Leber, der Gallenblase und der Gallenwege beschäftigt. Univ.-Prof. Dr. med. Christian Trautwein, Leiter der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen, beleuchtet im Gespräch mit apropos die Bedeutung unseres zentralen Stoffwechselorgans.
Warum Lebererkrankungen oft spät erkannt werden
Lebererkrankungen sind tückisch, da die Leber selbst keine Schmerzrezeptoren besitzt. Schmerzen treten meist erst auf, wenn die Leberkapsel gespannt wird oder das Organ so vergrößert ist, dass es auf umliegende Strukturen drückt. Typische Anzeichen für Leberprobleme sind Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche – daher der Fachbegriff „Müdigkeit als der Schmerz der Leber“. Die Leber ist bemerkenswert widerstandsfähig und kann auch bei teilweisen Schäden noch funktionieren. Sie besitzt eine hohe Regenerationsfähigkeit, solange die Schäden nicht zu gravierend sind. Werden Leberschäden jedoch zu spät erkannt, können sie irreversibel werden und zur Vernarbung (Fibrose oder Zirrhose) führen. Wenn etwa zwei Drittel des Lebergewebes zerstört sind, versagt die Leber ihren Dienst.
Ursachen von Leberschäden
Alkohol ist zweifellos ein bedeutender Faktor, der die Leber schädigt. Doch auch die Einnahme bestimmter Medikamente, Virusinfektionen (wie Hepatitis) oder eine Fettleber, die oft mit Diabetes mellitus oder starkem Übergewicht einhergeht, können chronische Leberschäden verursachen. Sogar vermeintlich harmlose Genussmittel wie Zucker, weißes Mehl, Schokolade und frittierte Speisen belasten die Leber bei regelmäßigem und übermäßigem Konsum. Eine gesunde Lebensweise mit bewusster Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und gegebenenfalls Phasen des Fastens kann die Leber entlasten und ihre Regeneration unterstützen.
Mögliche Folgen einer erkrankten Leber
Eine ausführliche ärztliche Untersuchung ist entscheidend, da die Therapie von der spezifischen Lebererkrankung abhängt. Blutuntersuchungen der Leberwerte können frühzeitig auf Probleme im Entgiftungsorgan hinweisen und eine gezielte Behandlung ermöglichen. Zu den häufigsten und potenziell gefährlichen Lebererkrankungen zählen Leberentzündungen, Tumore und die Fettleber. Eine Fettleber entsteht, wenn die Aufnahme von Fetten die Kapazität der Leber zur Speicherung und zum Abtransport übersteigt. Auch bestimmte Zuckerarten können in Fettsäuren umgewandelt und in der Leber gespeichert werden, was zur Verfettung führt. Bleibt die Fettleber unbehandelt, kann dies zu Entzündungen und einer strukturellen Veränderung des Lebergewebes führen. Fettleber ist eine weit verbreitete Erkrankung, die ernsthafte Konsequenzen haben kann.
Was bedeuten erhöhte Leberwerte?
Leberwerte sind Messgrößen für die Konzentration bestimmter Enzyme im Blut. Vier Enzyme sind für leberspezifische Blutuntersuchungen besonders relevant: GOT, GPT, Gamma-GT und AP. Diese Enzyme unterstützen die Stoffwechselfunktion der Leber. Bei einer Leberschädigung werden sie vermehrt freigesetzt, was durch eine Blutuntersuchung messbar ist. Erhöhte Leberwerte können somit auf eine Lebererkrankung hindeuten. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass erhöhte Enzymwerte auch harmlose Ursachen haben können. Eine genaue Diagnose und individuelle Beurteilung obliegt stets dem behandelnden Arzt.
Ratschläge für eine gesunde Leber
Um erhöhte Leberwerte zu senken und die Lebergesundheit zu fördern, sind folgende Lebensstiländerungen ratsam:
- Verzicht auf Alkohol: Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum, idealerweise ganz.
- Fettarme Ernährung: Nehmen Sie täglich nicht mehr als 60 Gramm Fett zu sich.
- Ausreichend Trinken: Flüssigkeit unterstützt die Entgiftungsfunktion der Leber.
- Medikamenteneinnahme nur nach ärztlicher Absprache: Auch scheinbar harmlose Medikamente können bei unsachgemäßer Anwendung Leberschäden verursachen.
- Stressreduktion: Chronischer Stress erhöht den Cortisolspiegel und belastet die Leber.
Ein bewusster Lebenswandel ist der Schlüssel zur Vorbeugung und Behandlung von Lebererkrankungen. Die Leber ist ein zentrales Organ, dessen Gesundheit für unser allgemeines Wohlbefinden unerlässlich ist. Achten Sie auf die Signale Ihres Körpers und zögern Sie nicht, bei Beschwerden einen Arzt aufzusuchen, denn ein frühzeitiges Erkennen von Problemen kann langfristige Gesundheit sichern.
