Die berufliche Bildung in Deutschland ist seit jeher ein Eckpfeiler unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sichert den Fachkräftenachwuchs, fördert Innovationen und bietet jungen Menschen sowie erfahrenen Berufstätigen exzellente Karrierechancen. Doch um im globalen Wettbewerb bestehen zu können und den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen, ist eine konsequente Weiterentwicklung und Förderung von Exzellenz in allen Bereichen der beruflichen Bildung unerlässlich. Dies betrifft die Erstausbildung, die höhere Berufsbildung und das lebenslange Lernen im Berufsleben.
Exzellenz von Anfang an: Die Erstausbildung stärken
Die Basis für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn wird bereits in der Erstausbildung gelegt. Um hier höchste Qualität zu gewährleisten, müssen besondere Talente und Leistungsträger gezielt gefördert werden.
Vielfältige Angebote für Leistungsträger
Exzellenz manifestiert sich in einer Vielzahl hochwertiger Zusatzangebote, die über das reguläre Curriculum hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise das Berufsabitur, das ambitionierten Auszubildenden den Weg zu einem Hochschulstudium ebnet, ohne den Praxisbezug zu verlieren. Zusatzqualifikationen in speziellen Fachbereichen oder neuen Technologien machen Absolventen noch attraktiver für den Arbeitsmarkt. Auslandspraktika erweitern nicht nur den fachlichen Horizont, sondern fördern auch interkulturelle Kompetenzen, die in einer zunehmend globalisierten Welt von unschätzbarem Wert sind. Darüber hinaus sind duale oder triale Studiengänge, die eine praktische Ausbildung mit einem akademischen Studium verbinden, ideale Modelle, um Theorie und Praxis optimal zu verzahnen. Berufswettbewerbe wie die Deutsche Meisterschaft im Handwerk, WorldSkills oder EuroSkills bieten jungen Talenten eine Bühne, ihr Können unter Beweis zu stellen und sich mit den Besten ihres Fachs zu messen. Solche Wettbewerbe inspirieren nicht nur die Teilnehmer, sondern erhöhen auch die Wertschätzung für die berufliche Bildung insgesamt.
Gleichwertige Unterstützung wie in der akademischen Bildung
Damit diese exzellenten Angebote ihre volle Wirkung entfalten können, bedarf es einer gleichwertigen Unterstützung im Vergleich zur akademischen Bildung. Ein Deutscher Beruflicher Austauschdienst (DBAD) könnte hier eine Schlüsselrolle spielen. Ähnlich dem DAAD für Studierende und Wissenschaftler würde der DBAD berufliche Austauschprogramme und Förderungen für Auszubildende und junge Fachkräfte anbieten, um ihnen internationale Erfahrungen zu ermöglichen und ihre individuellen Potenziale zu entfalten. Diese Gleichstellung ist entscheidend, um die Attraktivität der beruflichen Bildung zu steigern und die besten Köpfe für handwerkliche und technische Berufe zu gewinnen.
Der Weg nach oben: Die Höhere Berufsbildung als Karrierefaktor
Nach der Erstausbildung eröffnen sich vielfältige Wege in der Höheren Berufsbildung, die eine kontinuierliche Karriereentwicklung ermöglichen. Exzellente Qualifikationen in diesem Bereich sind entscheidend für den Aufstieg und die Spezialisierung.
Kooperationen und innovative Lernorte
Um die Qualität in der Höheren Berufsbildung weiter zu steigern, sind enge Kooperationen zwischen Weiterbildungseinrichtungen der Wirtschaft, Hochschulen und Forschungseinrichtungen von großer Bedeutung. Initiativen wie die Einrichtung von FabLabs und MakerSpaces, die in InnoVET-Projekten bereits erfolgreich erprobt werden, schaffen innovative Lernumgebungen. Dort können Lernende praktische Erfahrungen mit neuesten Technologien sammeln, Prototypen entwickeln und ihre Kreativität unter Beweis stellen. Solche Verknüpfungen fördern den Wissens- und Technologietransfer und bereiten Fachkräfte optimal auf die Anforderungen einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt vor.
Das Aufstiegs-BAföG als Motor für Weiterbildung
Die Sicherung des Unternehmernachwuchses und die Motivation junger Handwerkerinnen und Handwerker zur Weiterbildung erfordern eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Aufstiegs-BAföG. Es ist essenziell, dass Teilnehmer von Kurs- und Prüfungsgebühren entlastet werden, um finanzielle Hürden abzubauen. Zudem sollte die Förderung einer zweiten Fortbildung pro Fortbildungsstufe in Zukunft möglich sein. Dies würde individuelle Bildungswege flexibler gestalten und die Anpassung an neue berufliche Herausforderungen erleichtern. Das Aufstiegs-BAföG muss als Investition in die Zukunft der Fachkräfte und damit in die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft verstanden werden.
Chancengleichheit in der Begabtenförderung
Eine langfristig engere Verzahnung der Angebote in der beruflichen und akademischen Begabtenförderung ist dringend geboten. Das aktuelle Missverhältnis in der finanziellen Förderung – mit ca. 70 Millionen Euro jährlich in der beruflichen Begabtenförderung gegenüber ca. 340 Millionen Euro in der akademischen Begabtenförderung – muss aufgelöst werden. Eine Gleichstellung bei den finanziellen Mitteln ist ein starkes Signal für die Wertschätzung beruflicher Karrieren. Zusätzliche Weiterbildungsstipendien können gezielt attraktive Berufslaufbahnen individuell fördern und so die Durchlässigkeit und Attraktivität der beruflichen Bildung weiter erhöhen.
Lebenslanges Lernen: Exzellenz in der Berufstätigkeit fördern
Exzellenz endet nicht mit dem Abschluss einer Ausbildung oder Weiterbildung. Auch für Betriebsinhaberinnen und -inhaber, Führungskräfte sowie Ehrenamtsträgerinnen und -träger sind passgenaue Exzellenzangebote entscheidend, um ihre Fähigkeiten kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Maßgeschneiderte Angebote für Unternehmer und Führungskräfte
Solche Angebote helfen nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, sondern auch die Unternehmensnachfolge zu sichern. Sie ermöglichen es, von Technologie- und Innovationstransfer mit Hochschulen und Bildungszentren der Wirtschaft zu profitieren. Dies ist besonders wichtig in Zeiten des schnellen technologischen Wandels und der Notwendigkeit, Geschäftsmodelle kontinuierlich anzupassen. Die Fähigkeit zur Innovation und zur Anpassung an neue Marktbedingungen ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Unternehmertum und gesellschaftliche Verantwortung schon in der Schule
Eine frühe Sensibilisierung für Unternehmertum sowie die Befähigung für gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln muss bereits in den schulischen Curricula verankert werden. Dies legt den Grundstein für eine innovative und verantwortungsbewusste Unternehmenskultur. Junge Menschen sollten ermutigt werden, unternehmerisch zu denken und soziale Verantwortung zu übernehmen, um zukünftig erfolgreiche und nachhaltige Unternehmen zu führen.
Zugang zum DBAD für Berufstätige
Der Zugang zum Deutschen Beruflichen Austauschdienst (DBAD) sollte auch für Berufstätige offenstehen. Dies würde es erfahrenen Fachkräften und Führungskräften ermöglichen, internationale Erfahrungen zu sammeln, sich mit globalen Best Practices vertraut zu machen und so ihre Kompetenzen auf höchstem Niveau zu halten. Lebenslanges Lernen und die Bereitschaft zur ständigen Weiterentwicklung sind die Eckpfeiler einer zukunftsfähigen beruflichen Bildung in Deutschland.
Fazit
Die Förderung von Exzellenz in der beruflichen Bildung ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit für Deutschlands Zukunftsfähigkeit. Durch die Stärkung der Erstausbildung mit vielfältigen Zusatzangeboten, die Förderung der Höheren Berufsbildung durch Kooperationen und angepasste finanzielle Unterstützungen sowie maßgeschneiderte Programme für Berufstätige schaffen wir die Voraussetzungen für eine leistungsstarke und innovative Wirtschaft. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die berufliche Bildung auf ein Niveau zu heben, das ihrer Bedeutung für das Land gerecht wird und den Fachkräften von heute und morgen die besten Chancen eröffnet.
