Deutschland, ein Land reich an Kultur, Geschichte und Innovation, bietet auch im Bereich der Bildung spannende Einblicke. Während viele die malerischen Landschaften oder pulsierenden Städte erkunden, lohnt sich auch ein Blick hinter die Kulissen des deutschen Bildungssystems. Ein besonders fortschrittlicher Ansatz, der maßgeblich zur Stärkung der Schülerkompetenzen beiträgt, ist das Konzept der multiprofessionellen Teams im Gemeinsamen Lernen. Dieses Modell, insbesondere in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen vorbildlich umgesetzt, revolutioniert die Art und Weise, wie Schulen auf die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes eingehen.
Das Gemeinsame Lernen ist ein zentraler Pfeiler der inklusiven Bildung in Deutschland. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, gemeinsam zu lernen und sich gegenseitig zu bereichern. Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, sind Lehrer oft auf die Unterstützung spezialisierter Fachkräfte angewiesen. Hier kommen die multiprofessionellen Teams ins Spiel, die mit ihrem breiten Spektrum an Expertise den Unterricht bereichern und eine umfassende Förderung gewährleisten. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Schulgemeinschaft und tragen entscheidend dazu bei, dass jeder Schüler sein volles Potenzial entfalten kann.
Was sind multiprofessionelle Teams im Gemeinsamen Lernen?
Multiprofessionelle Teams bestehen aus Fachkräften verschiedener pädagogischer Berufsgruppen, die eng mit den Lehrerinnen und Lehrern zusammenarbeiten. Ihr primäres Ziel ist es, den Unterricht zu unterstützen und durch ihre spezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten einen nachhaltigen Lernerfolg für alle Schülerinnen und Schüler zu sichern. Diese Teams sind weit mehr als nur zusätzliche Helfer; sie agieren selbstständig und eigenverantwortlich in der Vermittlung von Inhalten und der Förderung individueller Entwicklungspfade. Die übergeordnete Verantwortung einer Lehrkraft mit Lehramtsstudium bleibt dabei stets gewahrt, doch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist der Schlüssel zum Erfolg.
Ein besonders interessanter Aspekt ist der Einsatz von Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeistern, insbesondere an weiterführenden Schulen. Ihre Expertise ist von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht, Schülerinnen und Schüler praxisnah auf den Übergang von der Schule in den Beruf vorzubereiten. Sie bringen nicht nur fachliches Wissen, sondern auch reale Einblicke in die Arbeitswelt mit, die für die Berufsorientierung junger Menschen entscheidend sind. Dieser praktische Ansatz ergänzt die theoretische Bildung ideal und öffnet den Schülern neue Perspektiven.
Vielfältige Aufgaben für umfassende Unterstützung
Die Aufgabenbereiche der multiprofessionellen Teams sind breit gefächert und spiegeln die Komplexität inklusiver Bildung wider. Sie gehen weit über die reine Unterrichtsunterstützung hinaus und umfassen essenzielle Beiträge zur individuellen Förderung jedes Lernenden.
Unterstützung im Lernprozess
Die Fachkräfte wirken aktiv bei der Ermittlung von Lernständen und Lernentwicklungen mit, indem sie die Schülerinnen und Schüler im Unterricht kontinuierlich und professionell beobachten. Diese detaillierten Beobachtungen sind die Grundlage für eine präzise Lernausgangslagen- und Lernprozessdiagnostik. Basierend darauf helfen die Teams bei der Erstellung maßgeschneiderter Förderpläne, die gezielte Maßnahmen zur inneren und äußeren Differenzierung vorsehen. Dies ist besonders wichtig für Schülerinnen und Schüler, die besondere Entwicklungsbedarfe in ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Verhaltensweisen zeigen.
Beratung und Zusammenarbeit
Eine enge Zusammenarbeit mit den Lehrkräften bei der Elterninformation und -beratung ist ein weiterer zentraler Pfeiler. Die multiprofessionellen Teams sind wichtige Ansprechpartner, um Eltern über die Lernfortschritte und Fördermaßnahmen ihrer Kinder zu informieren und sie kompetent zu beraten. Darüber hinaus bieten sie Arbeitsgruppen für Schülerinnen und Schüler an, die auf den schrittweisen Aufbau von Schlüsselqualifikationen abzielen – Kompetenzen, die weit über das schulische Lernen hinaus für das spätere Leben von Bedeutung sind.
Berufliche Orientierung und Praxisbezug
Gerade an weiterführenden Schulen spielen die Teams eine entscheidende Rolle bei der beruflichen Orientierung. Sie akquirieren, bereiten vor, betreuen und nachbereiten Praxisphasen der Schülerinnen und Schüler, ermöglichen so wertvolle Einblicke in verschiedene Berufsfelder und erleichtern den Übergang in die Arbeitswelt. Diese prozessorientierte Begleitung und Beratung ist ein Standardelement im Gemeinsamen Lernen und wird durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Betrieben, Institutionen der Wirtschaftsregion, der Agentur für Arbeit und der Jugendberufshilfe weiter verstärkt. Die Teams dokumentieren sogar den Verbleib der Absolventinnen und Absolventen nach der Schulentlassung, was ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit im deutschen Bildungssystem zeigt.
Mitwirkung an Schulprojekten
Neben diesen Kernaufgaben beteiligen sich die multiprofessionellen Fachkräfte auch aktiv an der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung schulischer Projekte im Rahmen des Unterrichts oder bei der Öffnung von Schule sowie bei schulkulturellen Veranstaltungen. Ihre Expertise bereichert das Schulleben und fördert eine vielfältige Lernumgebung.
Wer kann Teil eines multiprofessionellen Teams werden?
Die Einstellung von Fachkräften in multiprofessionellen Teams folgt klaren Qualifikationsvorgaben, um die hohe Qualität der pädagogischen Arbeit zu gewährleisten.
Erforderliche Qualifikationen
Typischerweise werden Personen mit Hochschulabschlüssen in Sozialer Arbeit (Sozialpädagogik, Sozialarbeit), Diplom-Pädagogik oder Heilpädagogik eingestellt. Auch staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher sowie Personen mit vergleichbaren Hochschulabschlüssen und pädagogischen Ausbildungen sind qualifiziert. Diese breit gefächerte Palette an Qualifikationen stellt sicher, dass die Teams multidisziplinär aufgestellt sind und verschiedene pädagogische Perspektiven einbringen können.
Handwerksmeister und Quereinsteiger
Für weiterführende Schulen können, wie bereits erwähnt, auch Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister eingestellt werden. Darüber hinaus können vergleichbare Ausbildungen oder andere Abschlüsse zugelassen werden, sofern umfangreiche pädagogische Kompetenzen durch Berufserfahrungen, Fortbildungen oder anderweitige Ausbildungsnachweise belegt werden. Dies öffnet das Feld für erfahrene Praktiker, die ihr Wissen und ihre Fertigkeiten an die nächste Generation weitergeben möchten. Die Einstellungsbehörden achten darauf, dass das Personal grundsätzlich an verschiedenen Schulen des Gemeinsamen Lernens eingesetzt werden kann, um eine flexible Ressourcenplanung zu ermöglichen.
Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen
Die im Landesdienst tätigen Beschäftigten in multiprofessionellen Teams unterliegen den Bestimmungen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Sie gelten als pädagogisches Personal gemäß § 58 des Schulgesetzes NRW und als Lehrkräfte im Sinne des § 44 TV-L. Ihre Eingruppierung erfolgt nach dem Tarifvertrag über die Eingruppierung und die Entgeltordnung für die Lehrkräfte der Länder (TV EntgO-L). Für nicht erfasste Beschäftigte erfolgt die Eingruppierung einzelfallbezogen in eine Entgeltgruppe des TV-L unter Berücksichtigung der relevanten Qualifikation.
Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt für Vollzeitbeschäftigte im Jahresdurchschnitt 41 Stunden. Davon entfallen 28 Unterrichtsstunden auf die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten im Unterricht, während der verbleibende Arbeitszeitanteil für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie andere Aufgaben im Rahmen der im Erlass definierten Punkte zur Verfügung steht. Auch altersbedingte oder schwerbehindertenbedingte Ermäßigungen der Unterrichtsstunden sind analog zu den geltenden Vorschriften vorgesehen, was die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers unterstreicht.
Fazit: Ein Blick in die Zukunft der Bildung
Die multiprofessionellen Teams im Gemeinsamen Lernen sind ein Paradebeispiel dafür, wie Deutschland seine Bildungslandschaft kontinuierlich weiterentwickelt, um den Herausforderungen einer inklusiven Gesellschaft gerecht zu werden. Sie verkörpern den Geist der Zusammenarbeit und der individuellen Förderung, der im Zentrum eines modernen und gerechten Bildungssystems stehen sollte. Durch die Integration verschiedener Expertisen, von pädagogischen Fachkräften bis hin zu Handwerksmeistern, wird ein Lernumfeld geschaffen, das Vielfalt als Stärke begreift und jedem Schüler die besten Chancen für seine persönliche und berufliche Zukunft bietet.
Dieser Einblick in die Bildungslandschaft ist nur ein kleiner Teil dessen, was es in Deutschland zu entdecken gibt. Das deutsche Engagement für Qualität und Inklusion erstreckt sich über viele Bereiche und macht das Land zu einem faszinierenden Ziel für alle, die tiefer in seine Strukturen eintauchen möchten. Entdecken Sie selbst, wie Deutschland Bildung neu denkt und gestalten Sie mit uns die Zukunft des Lernens!
