Benedict Wells: Ein Leseerlebnis, das fesselt und tief berührt

Manchmal fehlen einfach die Worte. So ergeht es mir, nachdem ich dieses Buch von Benedict Wells beendet habe – und das ist ein herausragend gutes Zeichen. Meine Schwester las es letztes Jahr und schob es dann in ihr Bücherregal. Nachdem ich „Hard Land“ mit nach Frankreich genommen hatte und sie uns letzte Woche in Nizza besuchte, brachte sie mir dieses andere Werk mit. Ein wenig schade, ich hätte es gerne noch länger genossen, aber es war einfach zu gut. Ich habe es in nur sieben Stunden verschlungen und muss wohl 30 Minuten auf der letzten Seite verweilt haben, bevor ich realisierte, dass hier … nichts … mehr … kommt. (Ob er wohl gewonnen hat?) Ich frage mich immer noch, wie Benedict Wells so viele Ideen aus dem Kopf bekommt und dann so viele gute Ideen. Das Buch hat mir außerordentlich gut gefallen, und nun erkenne ich eine gewisse Ähnlichkeit zu seinen anderen Werken. Die Abfolgen, die Rollen, das Ende und der unglaublich gute Schreibstil. Man konnte Francis einfach nur bemitleiden; nichts passt zusammen, rein gar nichts.

Die Magie von Wells’ Erzählweise: Eine emotionale Achterbahnfahrt

Dieses Buch war ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Werden sie ankommen? Finden sie die richtige Person? (Wir wollen hier nicht spoilern.) Ist das Geld nach dem Stopp in Las Vegas weg? Ich hatte ständig die unbestimmte Angst, dass die Mutter in seiner Gegenwart etwas tun könnte, keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil sie nur einmal die falsche Entscheidung getroffen hat – eine falsche Entscheidung gegen das System, aber für die Informationen über Francis’ Vater. Ich glaube, das Schlimmste für ihn war die Erkenntnis, dass all dies wegen seiner Geburt geschehen war, auch wenn es natürlich nicht wahr ist. Doch irgendwie ist es das eben doch, und er kann nichts dafür.

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Zwischen Verzweiflung und Hoffnung: Die Geschichte von Francis und seiner Mutter

Die Figuren, die Wells erschafft, sind von einer seltenen Tiefe. Francis’ innere Zerrissenheit, seine Suche nach Wahrheit und seine verzweifelte Liebe zu seiner Mutter bilden das emotionale Rückgrat der Geschichte. Jede Seite offenbart neue Facetten seiner Persönlichkeit und macht ihn zu einem Protagonisten, dessen Schicksal man hautnah miterlelebt. Die Darstellung der Mutter, einer Figur, die zwischen Fehltritten und aufopfernder Liebe changiert, ist ebenso nuanciert und menschlich. Wells gelingt es meisterhaft, die komplexen Beziehungen und die unausgesprochenen Ängste, die in Familien oft schlummern, greifbar zu machen. Man fühlt mit Francis, der mit der Last seiner Herkunft ringt und sich fragt, inwieweit er für die Geschehnisse verantwortlich ist. Diese emotionale Dichte ist es, die Wells’ Bücher so unvergesslich macht.

Die unverwechselbare Handschrift: Wells’ einzigartiger Stil

Dieses Buch ist irgendwie anders, und doch typisch Benedict Wells. Die Geschichte könnte zwar auch in der Welt der „Fünf Freunde“ angesiedelt sein (und die Jagd nach der Wahrheit oder so ähnlich haha), aber dann fügt man den Benedict Wells-Stil hinzu, und es wird zu einem fabelhaften Roman. Sein Talent, komplexe Emotionen und Schicksale mit einer leichten, aber eindringlichen Sprache zu verweben, ist unübertroffen. Er schafft es, den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen deutschen Autoren, die sich ebenfalls durch tiefgründige Erzählungen auszeichnen, wie etwa in [juli zeh unterleuten](https://shocknaue.com/juli-zeh-unterleuten/), behält Wells stets seine ganz eigene, unverwechselbare Note bei, die sich in jedem Satz, jeder Szene manifestiert.

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Mehr als nur Worte: Tiefgang und intellektueller Reichtum

In diesem Buch steckt so viel Wissen, so viel Klugheit. Und ja, vielleicht wird nicht jeder alles sehen, was ich in diesem Buch sehe, und ich werde niemals alles sehen können, was andere sehen – aber im Grunde macht genau das dieses Buch so besonders. Wells hat die einzigartige Fähigkeit, universelle Fragen nach Identität, Familie und Schicksal in eine persönliche Geschichte zu kleiden, die gleichzeitig zum Nachdenken anregt und tiefe Gefühle weckt. Es ist ein Roman, der über die letzte Seite hinaus nachhallt und zum Nachdenken über das eigene Leben und die Entscheidungen, die man trifft, anregt. Die sorgfältig konstruierte Handlung, die überraschenden Wendungen und die psychologische Präzision der Figurenzeichnung zeugen von einem Autor, der sein Handwerk in Perfektion beherrscht und seinen Lesern eine intellektuell wie emotional bereichernde Erfahrung bietet.

Ich denke, weitere Informationen würden das Leseerlebnis derjenigen beeinflussen, die es noch nicht geschafft haben, es zu lesen.

Also, machen Sie sich selbst ein Bild, und ja, vielleicht werden Sie dann verstehen, warum ich immer noch nicht die richtigen Worte gefunden habe.

„Sie war ihm wirklich zu klug.“ (223)

Eine großartige Empfehlung für diesen Sommer! 5/5 ⭐