Einblick in die deutsche Finanzwelt: Wichtige Begriffe und Konzepte

Die Welt der Finanzen kann komplex und undurchsichtig wirken, doch das Verständnis grundlegender Begriffe ist der Schlüssel, um sich sicher auf den Märkten zu bewegen. Von der Börse bis zu speziellen Wertpapieren – in Deutschland und weltweit werden spezifische Konzepte verwendet, die Investoren, Bankern und jedem, der sich mit Geldanlagen beschäftigt, geläufig sein sollten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Einblick in zentrale Finanzbegriffe, die für das Verständnis des deutschen Finanzmarktes unerlässlich sind.

Grundlagen und Marktmechanismen

Der Finanzmarkt ist ein dynamisches System, das von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Verschiedene Phänomene und Begriffe beschreiben die Bewegungen und Trends, die sich dort abspielen.

Baby Bonds werden Schuldverschreibungen genannt, wenn ihre Stückelung sehr klein ist, was sie auch für Kleinanleger zugänglich macht. Im Gegensatz dazu beschreibt der Begriff Backwardation eine Situation, in der der Terminkurs tiefer ist als der entsprechende Kassakurs – ein Indikator für bestimmte Markterwartungen. Das Gegenteil davon wird als Contango bezeichnet.

Die allgemeine Stimmung am Markt wird oft durch Tiernamen symbolisiert: Eine Baisse ist eine Phase länger anhaltender Kursverluste, die umgangssprachlich auch als Bear Market oder Bärenmarkt bekannt ist. Hier sind die Bären am Ruder – Börsianer mit pessimistischer Einstellung, die mit fallenden Kursen rechnen. Der Bär als Symbol schlägt mit der Pranke von oben nach unten und visualisiert so den Abwärtstrend. Steigen die Kurse hingegen an, spricht man von einer Hausse, die durch den Bullen versinnbildlicht wird, der mit dem Kopf von unten nach oben stößt. Eine tückische Situation ist die Bärenfalle: Anleger erwarten einen fallenden Markt und bleiben untätig, während die Kurse überraschend steigen.

In der Charttechnik gibt es weitere spezifische Begriffe, die Marktbewegungen beschreiben. Eine Bärenflagge ist ein nach oben gerichtetes Parallelogramm, das als bärisch interpretiert wird, da es einen Abwärtstrend unterbricht, bevor der Kurs weiter fällt. Solche Flaggen markieren oft die Mitte einer Kursbewegung und deuten auf das weitere Abwärtspotenzial hin. Sie sind meist nur wenige Tage gültig; länger gültige Flaggen werden als Trendkanäle bezeichnet. Eine Bärische Divergenz tritt auf, wenn ein Indikator abwärts tendiert, während der Kurs steigt. Solche Divergenzen werden häufig als Vorzeichen einer bevorstehenden Trendwende gedeutet.

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Weitere wichtige Marktindikatoren sind der Bid-ask-Spread, die Differenz zwischen Brief- und Geldkurs, und Kurszusätze wie Behauptet, was bedeutet, dass sich die Kurse unwesentlich über dem Vortagesniveau bewegt haben. Die Börse selbst ist der Ort, an dem sich Angebot und Nachfrage für handelbare Güter treffen und Preise nach Maß, Zahl oder Gewicht gefunden werden. Der reibungslose Ablauf wird von der Börsenaufsicht überwacht, die auch Insidergeschäfte verhindern soll. Die Börsennotierung ist die Kursfestsetzung eines Wertpapiers, die durch Gegenüberstellung von Angebot und Nachfrage nach dem Meistausführungsprinzip erfolgt. Der Börsenplatz ist der Sitz einer Wertpapierbörse, und der Börsenschluss markiert das Ende der Handelszeit. Die Börsensegmente sind die Teilmärkte im Wertpapierhandel, die sich in vertikale (Handelsverfahren, Zulassung) und horizontale (Termin-, Kassamärkte) Segmente unterteilen. Der Börsenumsatz, die Summe aller an einer Börse gehandelten Wertpapierumsätze, hat in der technischen Analyse eine besondere Bedeutung.

Plötzliche und unerwartete Preis- oder Kurseinbrüche werden als Break bezeichnet. Ein Breakaway Gap hingegen tritt am Ende eines Seitwärtstrends auf und signalisiert den Beginn starker Kursbewegungen, wobei die Kurslücken oft längere Zeit unausgefüllt bleiben.

Wertpapiere und Emissionen

Der Handel mit Wertpapieren bildet das Herzstück der Finanzmärkte. Hierbei spielen verschiedene Arten von Wertpapieren und Prozesse ihrer Ausgabe eine Rolle.

Eine Aktie von sehr hoher Qualität, die einen hohen Bekanntheitsgrad und eine gute Bonität aufweist, wird als Blue Chip bezeichnet. Jede Aktie oder jedes festverzinsliche Wertpapier enthält einen Bogen mit Dividenden- oder Zinsscheinen. Bei Fälligkeit wird ein Coupon abgetrennt. Ein Erneuerungsschein, der sogenannte Talon, berechtigt bei Einlösung des letzten Coupons zum Bezug eines neuen Bogens. Die Verwahrung und Verwaltung von Bogen und Mantel übernehmen meist Banken.

Der englische Begriff Bond steht für ein festverzinsliches Wertpapier, im engeren Sinne oft für staatliche, langfristige Treasury Bonds. Brady Bonds sind langfristige, durch Staatsanleihen gesicherte Verbindlichkeiten von Schwellenländern. Branchenfonds sind Investmentfonds, die ausschließlich in bestimmte Industriezweige oder Wirtschaftssektoren investieren.

Wenn ein Unternehmen das Aktienkapital aus eigenen Mitteln erhöht, erhalten Aktionäre für eine bestimmte Zahl von Aktien eine zusätzliche neue Aktie, die als Berichtigungsaktie oder auch Gratisaktie bekannt ist. Dadurch sinkt der Aktienkurs, doch das Gesamtvermögen des Aktionärs bleibt durch die zusätzlichen Aktien identisch. Bei Kapitalerhöhungen erhalten Altaktionäre ein Bezugsrecht, mit dem sie entsprechend ihres Anteils neue Aktien erwerben können. Dieses Recht kann auch an der Börse verkauft werden. Der Zeitraum, in dem dieses Recht ausgeübt werden kann, ist die Bezugsfrist, die in der Regel zwei Wochen beträgt. Das Bezugsverhältnis gibt das Verhältnis alter zu neuen Aktien an, z.B. 2:1, was bedeutet, dass auf zwei alte Aktien eine neue fällt. Die Angabe der Konditionen, zu denen Altaktionäre neue Aktien erwerben können, wird als Bezugsangebot bezeichnet.

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Bei Emissionen mit großem Volumen wird oft ein Bankenkonsortium gebildet, um die Emission aufzuteilen. Eine führende Bank agiert dabei als Konsortialführer. Für die Platzierung solcher Neuemissionen erhalten Banken eine Vermittlungsprovision, die Bonifikation genannt wird. Eine moderne Form der Platzierung ist Bookbuilding, bei der Investoren direkt an der Preisfindung mitwirken, indem sie Zeichnungsmenge und -preise angeben. Der Konsortialführer ermittelt daraus den endgültigen Ausgabepreis innerhalb einer vorgegebenen Bookbuilding-Spanne.

Die Bardividende ist die effektiv an Aktionäre ausbezahlte Dividende. Zusätzlich kann ein Bonus ausgeschüttet werden, z.B. anlässlich eines Firmenjubiläums oder bei einem sehr guten Geschäftsjahr.

Die Börsenzulassung ist notwendig, damit ein Wertpapier an der Börse gehandelt werden kann. Hierfür sind bestimmte gesetzliche Voraussetzungen zu erfüllen, die je nach Börsensegment variieren. Ein Börsenprospekt muss veröffentlicht werden, der Informationen über die Unternehmensentwicklung, den Verwaltungsrat und die letzte Bilanz enthält. Nach der Zulassung bestehen bestimmte Pflichten, wie die Verbreitung von Ad-hoc-Meldungen und die Veröffentlichung von Zwischenberichten.

Risiko und Bewertung

Die Bewertung von Wertpapieren und die Einschätzung von Risiken sind zentrale Aspekte im Finanzwesen. Hierfür gibt es spezifische Instrumente und Richtlinien.

Die Bonität bezeichnet die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners. Entsprechend ist die Bonitätsprüfung die Überprüfung der Kreditwürdigkeit vor der Vergabe eines Kredites. Der Beleihungswert von Wertpapieren, etwa als Sicherheit bei einer Bank, variiert je nach Art des Wertpapiers: Sparguthaben können zu 100 % des Kurswerts beliehen werden, Anleihen zu 75-80 % und Aktien zu 50-60 %.

Der Basispreis, auch Strike Price genannt, ist der Preis, zu dem der Käufer oder Verkäufer einer Option verpflichtet ist, die Aktie bei Bedarf des Optionsscheinbesitzers zu kaufen bzw. zu verkaufen. Ein Basket ist eine Zusammenstellung von Aktien eines Landes oder einer Branche zu einem „Korb“, dessen Preis sich mit den Kursen der enthaltenen Aktien ändert.

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Der Benchmark dient als Referenzwert, um die Performance von Investments oder Fonds zu messen, wobei oft wichtige Indizes als Vergleich herangezogen werden. Der Beta-Faktor misst als Sensitivitätsmaß die Auswirkungen einer Kursveränderung des Gesamtmarktes auf den Kurs einer Aktie oder eines Wertpapier-Portfolios und zeigt deren Kursschwankungspotenzial an.

Die Richtlinien Basel I (1988) und Basel II (überarbeitet) des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht legen Standards für die Eigenkapitalausstattung und das Risikomanagement der Banken fest. Basel II erweiterte diese um detailliertere Vorgaben für Risikomanagement, Aufsichtsbehördenkontrolle und Offenlegung.

Der Break-even-Preis ist der Punkt, an dem der Erlös aus dem Verkauf eines Wertpapiers alle zuvor entstandenen Kosten, einschließlich Bankgebühren, abdeckt. Eine Bandbreitenoption gewährt dem Besitzer für jeden Stichtag, an dem sich das Papier innerhalb einer festgelegten Bandbreite befindet, einen festen Betrag.

Aufträge und Kurse

Die Ausführung von Transaktionen an der Börse folgt bestimmten Regeln und Auftragsarten.

Ein Börsenauftrag oder eine Order ist der Auftrag zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Optionen und ähnlichem. Bei einem Kaufauftrag wird der Begriff Billigst verwendet, um anzuzeigen, dass das Wertpapier zum geringstmöglichen Kurs – unlimitiert – gekauft werden soll. Umgekehrt bedeutet Bestens bei einem Verkaufsauftrag, dass das Wertpapier zum höchstmöglichen Kurs – unlimitiert – verkauft werden soll.

Der Begriff Brief oder der Kurszusatz „B“ hinter dem aktuellen Kurs steht für ein Verkaufsangebot einer bestimmten Aktie zu einem bestimmten Kurs. Steht lediglich „B“ dahinter, wurden noch keine Käufer gefunden. Bei „bB“ (bezahlt Brief) wurden bereits erste Verkäufe getätigt, es stehen aber noch weitere Aktien zum Verkauf. Der Briefkurs ist der Kurs, zu dem Wertpapiere verkauft werden.

Fazit: Die Komplexität meistern

Das Verständnis dieser grundlegenden Finanzbegriffe ist entscheidend für jeden, der in Deutschland in die Finanzmärkte eintauchen möchte. Ob als privater Anleger, Student oder Fachkraft – ein solider Wortschatz erleichtert die Analyse von Markttrends, das Treffen fundierter Anlageentscheidungen und das Erkennen von Chancen und Risiken. Die Finanzwelt mag komplex erscheinen, doch mit den richtigen Kenntnissen lässt sie sich erfolgreich navigieren und “erkunden”. Bleiben Sie informiert, um Ihre finanziellen Ziele zu erreichen und aktiv am Marktgeschehen teilzunehmen.