In einer Zeit, in der Datenschutz und Privatsphäre im digitalen Raum immer wichtiger werden, verspricht der “Firefox Klar” Browser, ein sicherer Hafen für Nutzer von iOS-Geräten zu sein. Beworben als datenschutzfreundlicher Browser mit eingebautem Tracking-Schutz, entpuppt sich diese App bei genauerer Betrachtung jedoch als Datenkraken, die sensible Informationen sammelt und an externe Dienstleister weiterleitet. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und die fragwürdige Praxis hinter dem vermeintlichen Datenschutz-Tool.
Der vermeintliche Datenschutz-Champion
Der Firefox Klar Browser, erhältlich als kostenlose App für iOS, wird von der Mozilla Foundation als Lösung für Nutzer präsentiert, die privat, werbefrei und vor Tracking geschützt im Internet surfen möchten. Die offizielle Darstellung auf den Supportseiten von Mozilla hebt hervor, dass Firefox Klar einen Browser mit eingebautem Schutz vor Aktivitätenverfolgung bietet und auch das Blockieren von Inhalten ermöglicht. Nutzer hätten die Wahl, Firefox Klar als eigenständigen Browser zu nutzen oder die Inhaltsblockierungsfunktion in Safari zu integrieren. Die App verspricht eine einfache, schnelle Browser-Erfahrung ohne Tabs, Menüs und Pop-ups, ideal für alle, die keine digitalen Spuren hinterlassen möchten. Quelle: Mozilla Support
Die Schattenseiten: Tracking und Datenweitergabe
Entgegen der propagierten Datenschutzfreundlichkeit deckte eine Untersuchung des Journalisten Peter Welchering, unterstützt durch den Datensicherheitsexperten Hermann Sauer, auf, dass Firefox Klar weitreichende Nutzerdaten sammelt. Diese Daten, die das Surfverhalten und besuchte Webseiten umfassen, werden nicht nur gesammelt, sondern auch an den Big-Data-Spezialisten Adjust GmbH weitergeleitet. [Quelle: Borncity.com] Dies erinnert stark an frühere Datenskandale, bei denen Datenbroker fehlerhaft anonymisierte Informationen erhielten.
Die Mozilla-Entwickler gaben an, anonymisierte Nutzungsdaten zu sammeln, um das Produkt zu verbessern. Welchering argumentiert jedoch, dass eine solche Funktion niemals standardmäßig aktiviert sein dürfe und Nutzer die Wahl haben sollten, ob sie ihre Daten teilen möchten. Das Hauptproblem liege darin, dass die gesammelten Daten nicht anonymisiert seien, sondern persönliche Informationen enthielten, die direkt an Adjust gesendet würden. [Quelle: Borncity.com] Die Adjust GmbH, ein Unternehmen, das im Tracking-Geschäft tätig ist, macht unklar, was genau mit diesen Daten geschieht, was eine “Black Box” darstellt.
Das Tracking-Framework als Ursache
Die Ursache für diese Datenweitergabe liegt in der Nutzung eines Drittanbieter-Tracking-Frameworks namens “Adjust”, das als SDK in Firefox Klar integriert ist. [Quelle: Borncity.com] Dieses Framework sammelt standardmäßig Daten wie die Werbe-ID, IP-Adresse, Zeitstempel, Land, Sprache, Betriebssystem und App-Version. [Quelle: Borncity.com] Zusätzlich werden Daten über die Nutzungshäufigkeit und die aktivierten Funktionen der App erhoben.
Obwohl die Mozilla-Entwickler die Möglichkeit bieten, dieses Tracking in den Einstellungen unter der Option “Anonyme Nutzungsdaten senden” zu deaktivieren, bleibt ein ungutes Gefühl zurück. Die standardmäßige Aktivierung und die unzureichende Kommunikation dieser Funktion werfen erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Datenschutzversprechens von Firefox Klar auf.
Fazit und Handlungsaufforderung
Für Nutzer, denen ihre Privatsphäre am Herzen liegt, stellt Firefox Klar eine potenziell trügerische Wahl dar. Die Kritik, dass das Tracking deutlich kommuniziert und die Funktion standardmäßig deaktiviert hätte sein müssen, ist berechtigt. Die Frage, ob man einer App vertrauen kann, die solche Praktiken anwendet und ob zukünftige Updates das Tracking nicht wieder aktivieren könnten, bleibt offen. Es ist ratsam, sich über datenschutzfreundliche Alternativen zu informieren und die eigenen Datenschutzeinstellungen kritisch zu prüfen.
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