Fondsgebundene Lebensversicherungen (Fonds-LV) sind in Deutschland eine weit verbreitete Form der Altersvorsorge und des Vermögensaufbaus. Sie kombinieren die Vorteile einer Lebensversicherung mit den Renditechancen von Investmentfonds. Doch die Komplexität und die vielschichtigen Kostenstrukturen erfordern eine genaue Betrachtung. Bisherige Erhebungen zeigten, dass die meisten Anbieter von fondsgebundenen Lebensversicherungen Prozent-Angaben zu Abschlusskosten, laufenden Kosten und Abzügen bei vorzeitiger Vertragsauflösung liefern. Für Verbraucher ist es entscheidend, diese Aspekte genau zu verstehen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.
1. Kostentransparenz und die „versteckten“ Gebühren
Die Transparenz von Kosten ist bei fondsgebundenen Lebensversicherungen ein zentrales Anliegen. Verpflichtend sind die Angaben von Modellrechnungswerten mit 0-prozentiger Wertentwicklung in den Vertragsunterlagen, um die Kosten für die Konsumenten transparent zu machen. Diese Werte zeigen, welchen Betrag man am Ende der Laufzeit erhält, wenn der ausgewählte Fonds keinen Ertrag erwirtschaftet, aber während der Laufzeit sämtliche Belastungen – wie Versicherungssteuer, Abschluss-, Verwaltungs-, Risiko- und Managementkosten – abgezogen werden. Bisherige Versicherungsvergleiche haben ergeben, dass es bei Männern in der Regel zu etwas niedrigeren Beträgen kommt als bei Frauen, da statistisch ein höheres Ablebensrisiko bei Männern besteht. Dies wirkt sich direkt auf die Risikokosten der Versicherung aus.
2. Todesfallschutz und seine Auswirkung auf die Kosten
Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen kann der Mindestschutz im Todesfall frei gewählt werden. Im Ablebensfall wird die Mindesttodesfallsumme ausbezahlt bzw. der Fondswert, wenn dieser darüber liegt (plus vereinbartem Aufschlag). Diese Flexibilität ist ein Vorteil, birgt aber auch eine Kostenkomponente: Je höher der Mindestschutz gewählt wird, desto besser ist zwar die Absicherung für die Hinterbliebenen, aber umso höher sind auch die anfallenden Risikokosten. Eine sorgfältige Abwägung zwischen dem gewünschten Schutz und der Prämienlast ist hier unerlässlich.
3. Das oft unterschätzte Veranlagungsrisiko
Ein kritischer Punkt bei fondsgebundenen Lebensversicherungen ist das Veranlagungsrisiko. Bisherige Vergleiche lieferten oft wenig erfreuliche Ergebnisse, da sich viel zu selten klare Aussagen zu Risiko und potenziellem Verlust in den Angebots- und Antragsunterlagen finden. Eindeutige Hinweise liefert vor allem das „Kleingedruckte“ in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Es ist von größter Bedeutung zu verstehen, dass ohne zusätzlich vereinbarte Garantien die Gefahr eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals besteht. Fondsgebundene Lebensversicherungen eignen sich daher primär für risikobereite Anleger, die sich mögliche Verluste leisten können.
4. Flexibilität – Ein zweischneidiges Schwert
Viele Wahlmöglichkeiten sind kostenlos, wenn sie bereits bei Vertragsabschluss vereinbart werden. Dazu gehören beispielsweise der Fondswechsel für zukünftige Beiträge oder bereits veranlagtes Vermögen, die Möglichkeit, zeitweise mit der Prämienzahlung auszusetzen, zwischenzeitlich Kapital zu entnehmen und eine lebenslange Rente zu wählen. Die Möglichkeit, am Ende der Laufzeit statt einer Geldleistung die Wertpapiere übertragen zu lassen, wird von vielen Versicherern auch ohne zusätzliche Gebühren angeboten. Allerdings muss der Kunde die anfallenden Übertragungskosten selbst tragen.
Zusätzlich können bei vielen Anbietern kostenpflichtige Zusatzleistungen wie Unfall-, Pflege- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, Partnerversicherungen, Ablaufmanagement und Beitrags- oder Höchststandsgarantien vereinbart werden. Diese völlig unterschiedliche Produktgestaltung macht es für Konsumentinnen und Konsumenten schwierig, die Angebote zu vergleichen und eine wirklich geeignete fondsgebundene Lebensversicherung auszuwählen.
5. Eine Alternative in Betracht ziehen: Das reine Fondsinvestment
Als Alternative zu einer fondsgebundenen Lebensversicherung kann ein direktes Fondsinvestment in Betracht gezogen werden. Flexibilität und Transparenz sind dabei selbstverständlich. Eine separate Ablebensversicherung kann bei Bedarf gesondert abgeschlossen werden. Wenn Sie eine lebenslange Rente wünschen, können Sie Ihr erworbenes Fondsvermögen auch erst bei Pensionsantritt in eine axa rentenversicherung einzahlen. Eine direkte Investmentfondsveranlagung ist in der Regel kostengünstiger, da viele der bei Versicherungen anfallenden Gebühren entfallen. Vergessen Sie jedoch nicht: Auch beim Fondsinvestment gibt es grundsätzlich keine Garantien, und Kapitalverluste sind jederzeit möglich!
6. Expertentipps für Ihre Entscheidung
- Risikobewusstsein schärfen: Unterschätzen Sie keinesfalls das Risiko einer fondsgebundenen Lebensversicherung. Ohne zusätzlich vereinbarte Garantien besteht die Gefahr des Totalverlustes. Fondsgebundene Lebensversicherungen eignen sich nur für risikobereite Anleger, die sich Verluste leisten können.
- Zeit nehmen und Ziele definieren: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung und legen Sie vorher fest: Wie viel wollen Sie für wie lange veranlagen? Welche Optionen sind für Sie sinnvoll? Welche Verluste können Sie sich schlimmstenfalls leisten? Danach holen Sie mehrere Angebote ein, die Ihren Anforderungen entsprechen, und wählen das kostengünstigste aus.
- Laufzeit und Prämie klug wählen: Wählen Sie keine längere Laufzeit oder höhere Prämie, als Sie eigentlich wollen. Das nutzt nur Ihrem Vermittler, denn Abschlusskosten berechnen sich aus der Nettoprämiensumme (Prämienhöhe x Laufzeit). Vorzeitige Vertragsauflösungen sind trotz der erreichten gesetzlichen Verbesserungen für Konsumenten nachteilig. Starten Sie lieber mit kürzerer Laufzeit und geringeren Prämien und erhöhen Sie später bei Bedarf.
- Ablaufmanagement berücksichtigen: Wertschwankungen und Kursverluste treffen Sie umso härter, je höher Ihr bereits erworbenes Guthaben ist. Überlegen Sie daher am Ende der Laufzeit den Wechsel in risikoärmere Fondsvarianten und Garantieprodukte oder wählen Sie schon zu Beginn ein entsprechendes Ablaufmanagement.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass fondsgebundene Lebensversicherungen ein komplexes Finanzprodukt sind, das sowohl Chancen als auch erhebliche Risiken birgt. Eine umfassende Information über Kosten, Risiken und Flexibilität sowie der Vergleich mit alternativen Anlagemöglichkeiten sind unerlässlich, um eine Entscheidung zu treffen, die Ihren individuellen Bedürfnissen und Ihrer Risikobereitschaft entspricht. Informieren Sie sich sorgfältig und lassen Sie sich gegebenenfalls professionell beraten, um die beste Wahl für Ihre finanzielle Zukunft zu treffen.
