Mon dieu, welche Auswahl! Was in den einzelnen Regionen Frankreichs neben Bier und Wein zum Apéro geboten wird, ist beeindruckend. Nahezu jede Region hat ihren eigenen Aperitif, der tief verwurzelt ist im Terroir und den Traditionen. Viele dieser Spezialitäten lassen sich auch hierzulande in einem gut sortierten getränkeshop finden, um ein Stück französischer Lebensart nach Hause zu holen.
Gerne wird auch zum Apéro dînatoire gegen 19 Uhr geladen. Dann wird der Apéro zu einem legeren, gemütlichen Abendessen, bei dem zum Wein lauter leckere Kleinigkeiten gegessen werden – Tartes und Tapas, Oliven, Käse und Charcuterie, gefolgt von einem Dessert und einem Kräutertee oder Café. Werden nicht nur kalte, sondern auch warme Speisen zum Imbiss beim Wein gereicht, wird ein solcher Apéro dînatoire auch gerne Dînette genannt. Solche geselligen Abende sind eine wunderbare Möglichkeit, Frankreichs Genusskultur zu erleben.
Unausgesprochen bedeutet solch eine Einladung, dass jeder Gast neben einem Getränk auch etwas zu essen mitbringt – ganz im Stil einer Auberge espagnole. Genießt die süffige Reise durchs Land!
Regionale Aperitif-Klassiker aus Frankreich
Frankreichs Vielfalt spiegelt sich nicht nur in seiner Landschaft, sondern auch in den regionalen Aperitifs wider. Von spritzigen Schaumweinen bis zu herzhaften Likören – jede Region hat ihre eigene Spezialität, die perfekt auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmt ist. Viele dieser einzigartigen Tropfen sind auch bei uns erhältlich oder können online bestellt werden, um sie zu Hause zu genießen oder für die nächste Feier die passenden getränke in der nähe zu finden.
Nordfrankreich & Lothringen: Picon-Bière
Im Norden und Osten Frankreichs liebt man zum Apéro Bier. Um es aufzupeppen, kippen die Einheimischen den bitteren Orangenlikör Picon in den Gerstensaft, der so süßer, süffiger und hochprozentiger wird. Dieser unkonventionelle Bier-Mix ist ein echtes Erlebnis für Liebhaber außergewöhnlicher Geschmackskombinationen.
Picon-Bier, ein beliebter Aperitif in Nordfrankreich und Lothringen
Landesweit beliebt ist auch der Biermix Monaco zum Apéro. Dafür paart sich im Tulpenglas ein Pils oder leichtes Blondes mit Grenadinesirup, was für eine fruchtig-süße Note sorgt.
Elsass: Crémant d’Alsace
Wie in der Bourgogne, so wird auch im Elsass ein Schaumwein nach Champagnerart hergestellt. Seit 1976 trägt er die geschützte Herkunftsbezeichnung AOC Crémant d’Alsace. Dieser feinperlende Genuss ist die perfekte Begleitung zu Brezeln oder anderen kleinen Snacks und bietet eine elegante Alternative zu Champagner.
Crémant d'Alsace, oft als Rosé, mit Brezeln – eine köstliche Kombination für den Apéro
Crémant d’Alsace gibt es von verschiedenen renommierten Herstellern, darunter Arthur Metz, Wolfberger und Cave de Turckheim.
Normandie: Cidre (Calvados & Pommeau eher als Digestif)
Normandie und Bretagne sind die Apfelparadiese von Frankreich. Aus den Früchten keltern die Apfelbauern im normannischen Pays d’Auge und in den bretonischen Anbaugebieten Cornouaille und Côtes-d’Armor aus alten, genau festgelegten Sorten einen süffigen Cidre, mal doux, mal brut.
Wird Apfelmost zu Cidre vergoren und zweimal gebrannt, habt ihr Calvados im Glas. Je älter, desto samtiger und aromatischer ist der Geschmack des bernsteinfarbenen bis cognacbraunen Apfelbrandes. Als Trou Normand, als kleiner Aufräumer zwischendurch, wird er auch durchaus beim Apéro dînatoire genossen. Doch eigentlich ist Calvados ein Digestif.
Calvados vom Manoir d’Apreval, ein beliebter Apfelbrand aus der Normandie
Steht auf dem Etikett VO oder Vieille Réserve, ist der Calvados vier Jahre alt. Für einen VSOP muss er mehr als fünf Jahre ins Fass, für einen Napoléon oder X.O., sprich Extra Old, sogar mehr als sechs Jahre.
Seinen spanischen Namen verdankt der Apfelbrand einem Schiffsunglück. Als 1588 die Armada gegen England segelte, zerschellte ein Schiff, die El Calvador, an der normannischen Küste und gab dem Landstrich seinen Namen.
Kleiner Tipp: Wem der Calvados pur zu stark ist, der mischt sich den Brand mit frisch gepresstem Apfelsaft zum Pommeau, einem süßen Apfelwein.
Pommeau, eine Mischung aus frisch gepresstem Apfelsaft und jungem Calvados
Bretagne: Cidre und Chouchen, Kir Breton und Godinette
Eine zweite Hochburg des Cidre ist die Bretagne. Dort trinkt man ihn nicht aus dem Glas, sondern großen Tonschalen. Und das nicht nur zum Aperitif, sondern auch zu Crêpes und Galette – und nimmt gerne auch einen erfrischenden Schluck Cidre zwischendurch. Beim Kir Breton paart sich der Cidre mit Johannisbeerlikör, was ihm eine fruchtige Note verleiht.
Traditioneller Cidre aus der Bretagne, genossen aus großen Tonschalen
Chouchen nennt sich ein Aperitif aus der Bretagne, der aus Honig und Apfelwein hergestellt wird. Dazu wird Wasser erhitzt, der Honig darin aufgelöst, Apfelsaft zugefügt und die Mischung mehrere Wochen oder Monate vergoren. Das leichte prickelnde Getränkt hat einen Alkoholgehalt von ca. 12-14% und wird auch Hydromel genannt.
Neben den vielen klassischen Bieren und neuen lokalen Craft Bieren trinkt der Bretone auch gerne eine Godinette. Erfunden wurde der hochprozentige Aperitif zum Apéro in Plougastel. Seit 1740 wird dort auf ton- und schieferreichen Böden im milden, regennassen Klima des Finistère mit der Fragoria Chiloe eine leckere Erdbeere gezüchtet, die aus Südamerika ihren Weg nach Europa fand.
La Godinette, ein fruchtiger Frühsommergenuss mit Erdbeeren aus Plougastel
Sie wandert in die bretonische Sangria. Zusammen mit bretonischem Eau-de-Vie und Weißwein bilden sie einen köstlichen Frühsommerdrink. Dieser steigt schnell zu Kopf. Dann seid ihr pompette, beschwipst!
Jura: Macvin
Macvin, der Aperitif der Jura-Region, in Besançon
Rot oder weiß? Den Aperitif des Jura gibt es in zwei Farben. Doch immer paart sich der Marc (Trester) mit Traubensaft. In den roten Macvin wandern Pinot Noir, Trousseau oder Poulsard, in den weißen die Trauben von Chardonnay und Savagnin. Dieser komplexe Wein aperitif ist ein echtes Geschmackserlebnis für Kenner.
Vendée: Troussepinette & Chouanette
Die Troussepinette aus der Vendée, erhältlich mit verschiedenen Aromen
Im Sommer kalt auf Eis, im Winter warm, so wird der beliebteste Aperitif der Vendée genossen: la Troussepinette. Gewürzte und aromatisierte Weine, die den Geschmack eines minderwertigen Weines aufwerten sollen, gibt es seit der Antike.
Im Mittelalter waren besonders Honig und/oder Kräuter dafür beliebt. Die Troussepinette indes soll erst um 1910 ein Zimmermann aus Pouzauges erfunden haben. Jede Familie variierte den Trunk. So gibt es nicht nur ein, sondern viele Rezepte für Troussepinette. Doch immer werden die Blattknospen der wilden Schlehdornbäume kurz nach der Blüte im Mai geerntet.
Trouspinette, der Aperitif der Vendée, mit Aromen von Portwein, Früchten und Gewürzen
Sie werden mit Zucker in Wein (Rot oder Weiß) und Trester oder Branntwein eingelegt, der die jungen Triebe mit den Blüten völlig bedeckt. Drei bis sechs Wochen mazerieren sie und geben ihre Aromen ab. Filtern, bei Bedarf noch nachsüßen und genießen!
Ein echter Sommerdrink zum Apéro ist la Chouanette. Für den Obstwein werden rote Gartenfrüchte bunt gemischt: schwarze und rote Johannisbeeren, Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Gut gekühlt schmeckt er am besten. Und auch als Kir mit oder ohne Prickeln im Glas!
Anjou: Soupe Angevine
Angers ist seit 1849 Heimat des beliebten Orangenlikörs Cointreau. Für eine Soupe Angevine paart er sich mit kühl prickelndem Crémant von der Loire, einigen Spritzern Zitrone und etwas Zuckerrohrsirup. Diese erfrischende Kreation ist ein Genuss für warme Tage und lässt sich einfach zubereiten.
Trésor-Crémant von Bouvet Ladubay reift in unterirdischen Kellern zur Vollendung
Zu den beliebtesten AOC Crémant de la Loire gehören Bouvet Ladubay Brut Blanc Excellence und Rosé Brut Méthode Traditionelle sowie Gratien & Meyer Crémant Brut.
Bourgogne: Kir & Co.
Félix Kir, von 1945 bis 1968 Bürgermeister von Dijon, gab einem Cocktail, der schon vor seiner Amtszeit beliebt war, den heutigen Namen. Ihr kennt ihn bestimmt. Es ist… der Kir! Komponiert wird er aus 1/3 Crème de Cassis und 2/3 Weißwein, eine klassische und zeitlose Kombination.
Gougères, kleine Käsewindbeutel, passen hervorragend zum Kir
Für den einen Blanc-Cassis kommen nur 1/5 Crème de Cassis und 4/5 des Weißweins ins Glas – da sieht der Mix deutlich blasser aus. Zum Kir Royal wandelt er sich, wenn ihr statt Weißwein den feinperligen Schaumwein Crémant de Bourgogne oder Champagner hinzu fügt. Königlich!
Viel weniger bekannt, aber nicht minder köstlich, ist Le Communard. Mischt dazu den Pinot Noir der Bourgogne mit Crème de Cassis!
Ratafia
Ratafia, mit Kirschsaft hergestellt, rund um Augy
Ein typisch burgundischer Aperitif ist auch der Ratafia, den es in Rot und Weiß gibt. Er wird als Mischung von Marc de Bourgogne oder Fine de Bourgogne und dem Most von Trauben hergestellt.
Dazu wird aus den jungen gepressten Trauben der Lese ein süßer Traubensaft gewonnen, der, wenn man ihn gären ließe, Wein würde. Um die Gärung zu stoppen, werden 2/3 Traubensaft mit 1/3 Trester oder Fine de Bourgogne gemischt. Rund um Augy ist der Ratafia de cerises daheim, Ratafia mit Kirschen.
Charente-Maritime: Pineau des Charentes
Pineau des Charentes am Kamin, eine gemütliche Art, den Aperitif zu genießen
Was ist das für eine Legende, die das Comité national du Pineau des Charentes erzählt! Angeblich haben einst Winzer versehentlich Traubenmost in ein Cognacfass geschüttet. Ob es stimmt oder nicht: Der lokale Aperitif Pineau des Charentes ist köstlich.
Seit 1945 trägt er das Qualitätssiegel einer Appellation d’Origine Contrôlée (AOC). Weiß, Rosé oder Rot, reift er in Eichenfässern bis zur Vollendung. Und das mitunter nicht nur fünf, sondern auch zehn Jahre lang. Ein Muss für jeden, der die Region besucht oder die Aromen Frankreichs zu Hause genießen möchte.
Périgord, Isère: Vin de Noix
Vin de Noix, der nussige Wein aus dem Périgord und Isère
Grüne, unreife Walnüsse geben dem Vin de Noix seinen unvergleichlichen Geschmack. Vollmundig entströmen die Aromen. Ein erster Schluck… Portwein, denk ich, nur nussiger. Erst fruchtig, mit samtiger Süße.
Im Abgang dann angenehm bitter. Lecker, was da im Périgord, in Isère und anderen Bergregionen Frankreichs mit Nusshainen hergestellt wird. Ein Franzose dort verriet mir das Rezept. Es ist kinderleicht.
Corrèze: Vin de paille / Vin paillé
Limousin-Rinder grasen neben dem Vin-paillé-Weinberg von Queyssac
Im 14. Jahrhundert tranken die Päpste in Avignon Wein aus
