Der Begriff „Equal Pay“ – gleiche Leistung, gleicher Lohn für Männer und Frauen – prägt seit Jahren viele gesellschaftliche Debatten und ist auch im Sport ein zentrales Thema. Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen in England hat eindrücklich gezeigt, wie relevant diese Diskussion ist und warum jetzt der ideale Zeitpunkt ist, sie zu führen. Die öffentliche Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit für den Frauenfußball verändern sich spürbar und nehmen stetig zu.
Die Europameisterschaft erlebte einen bemerkenswerten Zuschauerzuspruch. So verfolgten das Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien rund 8 Millionen Menschen vor den Bildschirmen, und in den Stadien feierten bis zu 16.000 Fans mit. Solche Zahlen beeindrucken auch die Spielerinnen, denn noch vor wenigen Jahren waren selbst bei großen Turnieren die Ränge nicht so gut gefüllt. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sogar Bundeskanzler Olaf Scholz die Frauen-EM aufmerksam verfolgte. Er äußerte sich politisch klar und forderte: „Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften.“
Olaf Scholz fordert in einem Tweet Equal Pay im Sport für Frauen und Männer
Olaf Scholz fordert Gleichstellung im Sport
Bundeskanzler Scholz unterstreicht die Notwendigkeit von Equal Pay im Profisport, insbesondere im Hinblick auf Nationalmannschaften. Seine Forderung spiegelt einen wachsenden gesellschaftlichen Konsens wider, dass Ungleichheiten in der Bezahlung zwischen Geschlechtern nicht mehr zeitgemäß sind. Die hohe Reichweite seiner Botschaft über soziale Medien unterstreicht die politische und öffentliche Relevanz dieses Themas. Die gestiegene Popularität des Frauenfußballs, befeuert durch Erfolge und mediale Präsenz, schafft eine ideale Plattform, um diese Forderungen nachhaltig voranzutreiben. Es zeigt, dass das Interesse am Fußball, ob männlich oder weiblich, in Deutschland groß ist und immer wieder hoffenheim gegen vfb stuttgart Fans begeistert.
Vorreiterrolle: Spanien und die USA im Kampf um Equal Pay
Als leuchtendes Beispiel für Equal Pay nennt Kanzler Scholz die Regelungen in Spanien. Dort erhalten Spielerinnen und Spieler der Nationalmannschaften gleiche Prämien und Bonuszahlungen. Zudem wurden die Budgets für Reisekosten angepasst, um eine umfassende Gleichbehandlung zu gewährleisten. Ein weiteres Vorbild sind die Vereinigten Staaten, wo die Spielerinnen erfolgreich für eine bessere Bezahlung gekämpft haben. Nach einer Sammelklage wegen Diskriminierung gegen den US-amerikanischen Fußballverband einigten sich die Parteien außergerichtlich: Turnierprämien wurden angeglichen, die Spielerinnen erhielten einen Bonus von 22 Millionen US-Dollar, und es wird mehr Geld in die Förderung junger Fußballerinnen investiert. Starspielerin Megan Rapinoe wurde für ihren leidenschaftlichen Einsatz für Equal Pay im US-Fußball sogar mit der Freiheitsmedaille von US-Präsident Joe Biden ausgezeichnet. Diese Beispiele zeigen, dass ein Wandel möglich ist und positiven Einfluss auf die Sportwelt hat.
Die deutsche Debatte: Rekordprämien versus Realität
Für die Europameisterschaft der Frauen in diesem Jahr hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Prämien zwar auf „Rekordprämien“ angehoben, doch an die der Männer reichen sie weiterhin nicht heran. Der Hauptgrund hierfür liegt in den unterschiedlichen Einnahmen, die Männer- und Frauenfußball generieren. Es gibt deutlich weniger Sponsoring, geringere Werbeeinnahmen und weniger Erlöse durch Ticketverkäufe und Fanartikel. Dies wirft die Frage auf, ob Equal Pay im deutschen Fußball, insbesondere im Profibereich, überhaupt realistisch und umsetzbar ist, solange die wirtschaftlichen Grundlagen so stark voneinander abweichen. Die Debatte in Deutschland dreht sich daher nicht nur um die bloße Forderung nach gleicher Bezahlung, sondern auch um die zugrundeliegenden strukturellen Probleme, die zu dieser Ungleichheit führen.
Mehr als nur Geld: Die Forderung nach “Equal Play”
Interessanterweise fordern nicht alle Spielerinnen eine sofortige Gleichbezahlung. Viele sehen darin nicht die alleinige Lösung für die bestehenden Probleme. Stattdessen wünschen sie sich angepasste Bedingungen auf dem Platz und eine verstärkte Förderung des Sports im Allgemeinen. Schon vor einigen Jahren forderte die damalige Bundestrainerin „Equal Play“, also gleiche Spiel- und Trainingsbedingungen. Dies bedeutet konkret: Zugang zu gutem Material, gepflegten Plätzen und einer exzellenten Infrastruktur, sowohl für die Frauen- als auch für die Nachwuchsmannschaften.
Nationalspielerin Melanie Leupolz bestätigt, dass Vereine oft finanziell für Frauenteams aufkommen müssen, da die Einnahmen der Teams zu gering sind. Das erklärte Ziel hinter „Equal Play statt Equal Pay“ ist es, durch bessere Rahmenbedingungen qualitativ hochwertigen Fußball zu ermöglichen und dadurch selbst mehr Einnahmen durch Sponsoren und ein größeres Publikum zu generieren. Besonders im Jugendbereich sind diese verbesserten Rahmenbedingungen dringend notwendig. Vanessa, eine 19-jährige Fußballerin aus Wiesbaden, beschreibt die ungleiche Situation in ihrer Heimatstadt: „Hier sind wir der einzige Verein, der sich ausschließlich auf die Förderung von Frauen konzentriert. Bei den Männern und Jungen sieht das anders aus.“ Fällt die Förderung junger Spielerinnen weg, macht sich das auch in höheren Ligen bemerkbar – die Unterfinanzierung ist ein sich verstärkender Teufelskreis.
Bewusstsein schaffen: Die Macht der Sprache
Um mehr Einnahmen, Zuschauer und Sponsoren zu gewinnen, bedarf es einer größeren Anerkennung für Frauen, die Fußball spielen. Mit einem großen TV-Publikum, gefüllten Stadien und einer eigenen Doku-Reihe über die Spielerinnen (zu sehen in der ARD) hat sich in dieser Hinsicht bereits einiges getan. Doch Bewusstsein beginnt auch mit der Sprache. „Frauen spielen Fußball. #KeinFrauenfußball“ lautet der Slogan der aktuellen VW-Kampagne zur EM, der auch auf Bannern am Spielfeldrand zu sehen ist. Der Kern dieser Botschaft ist klar: Frauenfußball ist keine andere Sportart, Frauenturniere sind keine anderen Turniere. Auch wissenschaftliche Untersuchungen zum Gendern zeigen, wie Sprache das Bewusstsein psychologisch beeinflusst und ein Spiegel des gesellschaftlichen Wandels ist. Der bewusste Umgang mit Sprache kann dazu beitragen, Stereotypen abzubauen und eine gleichberechtigtere Wahrnehmung zu fördern.
Fazit: Die Zukunft des Frauenfußballs gestalten
Die Debatte um Equal Pay und Equal Play im Frauenfußball verdeutlicht, dass es um mehr als nur finanzielle Gleichstellung geht. Es geht um Anerkennung, um gleiche Chancen und um die Schaffung optimaler Bedingungen für alle Sportlerinnen. Die Beispiele aus Spanien und den USA zeigen, dass Fortschritte möglich sind, während Deutschland noch einen Weg vor sich hat. Eine umfassende Förderung von der Basis bis zur Spitze, die Beseitigung struktureller Ungleichheiten und ein bewusster Umgang mit Sprache sind entscheidend, um den Frauenfußball langfristig zu stärken und ihm die Wertschätzung zukommen zu lassen, die er verdient.
Besuchen Sie doch einmal ein Spiel einer Frauenmannschaft in Ihrer Stadt oder Region. Vielleicht kommt ja auch die Nationalmannschaft einmal in Ihre Nähe? Kommen Sie vorbei und erleben Sie Fußball – und zwar nicht nur Frauenfußball, sondern einfach nur Fußball!
Quellen:
Tagesschau: Kanzler Scholz will mit Bierhoff über Geld sprechen unter https://www.tagesschau.de/sport/sportschau/sportschau-story-58029.html
Sportschau: Kahn preist „pure Effizienz“ – Spanien sieht ein EM-„Ungeheuer“ unter https://www.sportschau.de/fussball/frauen-em/fussball-em-england-deutschland-spanien-reaktionen-100.html
ZDF: Equal Pay: Erfolg für US-Fußballerinnen unter https://www.zdf.de/nachrichten/sport/frauenfussball-usa-equal-pay-100.html
ZDF: Melanie Leupolz: Equal Pay nicht passend unter https://www.zdf.de/nachrichten/sport/frauenfussball-bezahlung-melanie-leupolz-100.html
Sportschau: Spaniens Frauen erhalten gleiche Bezahlung wie Männer unter https://www.sportschau.de/fussball/mehr-frauenfussball/spaniens-fussballerinnen-gleiche-bezahlung-100.html
