TV-Nutzung in Deutschland 2022: Nachrichten, Frauenfußball & Streaming-Boom

TV-Zuschauer gesamt Top 5 Sendungen 2022

Das Jahr 2022 war von globalen Ereignissen geprägt, die auch die Medienlandschaft in Deutschland maßgeblich beeinflussten. Von den fortwährenden Auswirkungen des Ukraine-Krieges über die bemerkenswerte Euphorie um den Frauenfußball bis hin zum Abschied von Queen Elizabeth II. – die deutschen Haushalte erlebten eine Verschiebung in ihren Fernsehgewohnheiten. Dieser Artikel beleuchtet die zentralen TV-Momente und Nutzungstrends des Jahres 2022, basierend auf den umfassenden Analysen der AGF Videoforschung, und gibt Aufschluss darüber, wie sich die deutsche Mediennutzung in Zeiten des Wandels entwickelt.

Nachrichten dominieren die Bildschirme

Die anhaltend angespannte Weltlage sorgte dafür, dass Informationsprogramme im Jahr 2022 erneut einen Spitzenwert in der TV-Nutzung erreichten. Mit einem Nutzungsanteil von 36,0 Prozent bestätigten Nachrichten, Magazine, Reportagen, Dokumentationen, Talkshows und Wettersendungen ihre Relevanz für das deutsche Publikum. Das Interesse an aktuellen Geschehnissen wurde maßgeblich vom Ukraine-Krieg, der daraus resultierenden Energie- und Wirtschaftskrise sowie der steigenden Inflation angetrieben. Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung, betont: „Die Bedeutung von Information im Fernsehen bleibt hoch. Wer einschaltet, der sucht vermehrt nach Nachrichten.“ Dies zeigt sich auch in den gestiegenen Jahresmarktanteilen von Nachrichtensendern wie Welt und N-TV, insbesondere in der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, die sich von 1,2 auf 1,3 Prozent steigerten. In der Kalenderwoche des russischen Angriffs auf die Ukraine stiegen die Marktanteile von Welt sogar auf 2,5 Prozent und von N-TV auf 3,1 Prozent. Auch etablierte Nachrichtensendungen wie die „Tagesschau“ im Ersten, „heute“ im ZDF und „RTL Aktuell“ konnten 2022 höhere Marktanteile als im Vor-Corona-Jahr 2019 verzeichnen.

Fernsehkonsum im Wandel: Rückgang der linearen TV-Nutzung

Trotz der Dominanz von Informationsprogrammen ist die gesamte TV-Nutzungsdauer im vergangenen Jahr gesunken. Bei Zuschauern ab drei Jahren betrug die durchschnittliche tägliche Nutzung 195 Minuten (2021: 213 Minuten), während die 14- bis 49-Jährigen im Schnitt 101 Minuten pro Tag fernsahen (2021: 121 Minuten). Dies markiert eine Normalisierung nach den pandemiebedingten Sondereffekten der Jahre 2020 und 2021. „Während der Corona-Jahre haben wir erhebliche Sondereffekte beobachtet: Nahezu jeder war von den Maßnahmen betroffen und hat sich tagesaktuell darüber informiert. Während der Lockdowns gehörte Fernsehen zu den wenigen noch möglichen Freizeitaktivitäten. Dies hat sich in einer außergewöhnlich hohen TV-Nutzung widergespiegelt. Wir sehen nun eine Normalisierung im langfristigen Trend“, erklärt Niederauer-Kopf. Das ungewöhnlich warme Wetter und die fehlenden Corona-Beschränkungen dürften 2022 dazu beigetragen haben, dass vermehrt aushäusige Freizeitaktivitäten wahrgenommen und somit weniger TV konsumiert wurde.

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TV-Zuschauer gesamt Top 5 Sendungen 2022TV-Zuschauer gesamt Top 5 Sendungen 2022

Streaming auf dem Vormarsch

Parallel zum Rückgang der linearen TV-Nutzung setzte sich der Aufwärtstrend bei der Streaming-Nutzung fort, auch wenn dieser die Rückgänge im traditionellen Fernsehen noch nicht vollständig kompensieren konnte. Bei den von der AGF gemessenen Angeboten der Broadcaster stieg die Sehdauer bei Zuschauern ab drei Jahren auf etwas über 4 Minuten pro Tag, was einem Plus von 9,5 Prozent zum Vorjahr entspricht. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es knapp 5 Minuten pro Tag (+4,9 Prozent). Hinzu kommt die Nutzung großer Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon und Co., deren Sehdauer an Smart-TV-Geräten im Dezember 2022 bei Erwachsenen ab 14 Jahren durchschnittlich 22 Minuten und bei den 14- bis 49-Jährigen sogar 32 Minuten erreichte. Dieser Anstieg unterstreicht die wachsende Bedeutung von On-Demand-Inhalten in der deutschen Medienlandschaft.

Sport-Ereignisse im Fokus: WM-Boykott & Frauenfußball-Euphorie

Sportgroßereignisse sind traditionell Garanten für hohe Einschaltquoten, doch 2022 zeigte sich ein differenziertes Bild.

Männer-WM in Katar: Getrübte Stimmung trotz Livestream-Erfolg

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, die eigentlich als „Straßenfeger“ galt, konnte die üblichen Begeisterungswellen nicht vollständig auslösen. Diskussionen um Menschenrechtsverletzungen, die Vergabemodalitäten und Boykottaufrufe sowie die ungewohnte Verschiebung des Turniers in die Winterzeit dämpften das „WM-Feeling“. Kerstin Niederauer-Kopf fasst zusammen: „Durch die Diskussionen […] ist das WM-Feeling jedoch in großen Teilen ausgeblieben.“ Trotz des geringeren Zuspruchs im Vergleich zu früheren Männer-Turnieren verzeichneten insbesondere Spiele mit deutscher Beteiligung sowie das Halbfinale und Finale hohe Livestream-Nutzungen. Die Partie Deutschland gegen Japan am 23. November 2022 wurde von insgesamt 10,419 Millionen Zuschauern verfolgt, wobei der Livestream 1,159 Millionen Zuschauer hinzufügte. Auch das Finale zwischen Argentinien und Frankreich am 18. Dezember erreichte eine Gesamtsehbeteiligung von 14,723 Millionen, mit 0,839 Millionen Zuschauern via Livestream. Insgesamt sahen 60,466 Millionen Zuschauer mindestens einmal ein WM-Spiel im TV oder Livestream.

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Triumph des Frauenfußballs: Ein neues Kapitel für die Europameisterschaft der Frauen 2022

Ganz anders präsentierte sich der frauenfussball em 2022 im Sommer. Die übertragenen Spiele, insbesondere das Halbfinale und Finale, begeisterten ein Millionenpublikum und übertrafen die Einschaltquoten vieler Männer-WM-Spiele. „Die Begeisterung für Frauen-Fußball ist spürbar angestiegen“, so Niederauer-Kopf. Das Endspiel der Europameisterschaft der Frauen zwischen England und Deutschland am 31. Juli 2022 war mit einer Sehbeteiligung von 17,952 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 64,5 Prozent die stärkste TV-Sendung des gesamten Jahres. Dies zeigt das enorme Potenzial und die wachsende Beliebtheit des Frauenfußballs in Deutschland. Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft und das spannende Finale haben sicherlich dazu beigetragen, dass die Popularität des Sports einen neuen Höhepunkt erreicht hat und möglicherweise auch die Diskussion um den bester fußballer aller zeiten um weibliche Legenden erweitert. Zum Vergleich: Das Männer-WM-Spiel zwischen Costa Rica und Deutschland erreichte mit 17,495 Millionen Zuschauern Platz 2 der Jahrescharts.

Die erfolgreichsten TV-Momente des Jahres 2022

Das Jahr 2022 bot eine Vielzahl von TV-Momenten, die das Publikum fesselten. Die Hitlisten wurden maßgeblich von Sport, Nachrichten und Krimis dominiert.

Top 5 TV-Formate 2022: Zuschauer gesamt (ab 3 Jahren)

  1. Fußball-EM Frauen: England – Deutschland (Das Erste, 31.07.2022): 17,952 Mio. | 64,5% Marktanteil
  2. Fußball-WM 2022: Costa Rica – Deutschland (Das Erste, 01.12.2022): 17,495 Mio. | 53,1% Marktanteil
  3. Sportstudio Live – FIFA WM 2022: Spanien – Deutschland (ZDF, 27.11.2022): 17,064 Mio. | 48,6% Marktanteil
  4. Tatort: Des Teufels langer Atem (Das Erste, 16.01.2022): 14,569 Mio. | 41,1% Marktanteil
  5. Fußball-WM 2022: Argentinien – Frankreich (Das Erste, 18.12.2022): 13,884 Mio. | 53,3% Marktanteil

Top 5 TV-Formate 2022: 14-49 Jahre

  1. Sportstudio Live – FIFA WM 2022: Spanien – Deutschland (ZDF, 27.11.2022): 5,955 Mio. | 57,7% Marktanteil
  2. Fußball-WM 2022: Costa Rica – Deutschland (Das Erste, 01.12.2022): 5,852 Mio. | 63,1% Marktanteil
  3. Fußball-EM Frauen: England – Deutschland (Das Erste, 31.07.2022): 5,400 Mio. | 70,7% Marktanteil
  4. Sportstudio Live – FIFA WM 2022: Moderation (ZDF, 27.11.2022): 4,494 Mio. | 49,5% Marktanteil
  5. Fußball-WM 2022: Argentinien – Frankreich (Das Erste, 18.12.2022): 4,059 Mio. | 59,1% Marktanteil
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Weitere Highlights: Shows und die Europa League

Neben den großen Sport- und Nachrichtenereignissen sorgten auch Shows für beachtliche Einschaltquoten. Die Wiederauflage von „Wetten, dass …?“ im ZDF am 19. November 2022 zog 10,442 Millionen Zuschauer gesamt und 2,808 Millionen in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen an. Auch der „Eurovision Song Contest 2022“ im Ersten erreichte in der jüngeren Zielgruppe 2,743 Millionen Zuschauer.

Im Bereich des Club-Fußballs sorgte Eintracht Frankfurt mit dem überraschenden Gewinn der Europa League für Begeisterung. Das Finale gegen die Glasgow Rangers, inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen auf RTL, verfolgten insgesamt 9,047 Millionen Zuschauer gesamt und 3,309 Millionen zwischen 14 und 49 Jahren. Auch ohne direkte Beteiligung der kroatische fussballnationalmannschaft oder eine Erwähnung des aktuellen bundesliga spielplan 22 23, zeigt dies die breite Fußballbegeisterung in Deutschland.

Abschied von einer Ära: Queen Elizabeth II.

Ein besonders bewegender TV-Moment des Jahres war der Tod von Queen Elizabeth II. am 8. September 2022. Die Berichterstattung rund um ihren Tod und die Beerdigung am 19. September fesselte Millionen von Menschen. Insgesamt 34,486 Millionen Menschen verfolgten die Abschiedszeremonie via TV und Livestream, die über mehrere Stunden hinweg von zahlreichen Sendern übertragen wurde. In den zwei Wochen nach dem Tod der Königin sahen 50,306 Millionen Zuschauer mindestens einmal eine Sendung, die sich mit dem Leben und Wirken der Monarchin beschäftigte. Dieser Moment unterstrich die tiefe Verbundenheit und das weltweite Interesse an der britischen Königsfamilie, auch in Deutschland.

Fazit: Mediennutzung im Wandel und die Bedeutung von Live-Ereignissen

Das Jahr 2022 war ein Jahr des Übergangs in der deutschen Medienlandschaft. Während die lineare TV-Nutzung nach den Höhepunkten der Pandemie eine Normalisierung erfuhr, setzte sich der Aufstieg des Streamings unaufhaltsam fort. Die anhaltende Dominanz von Informationsprogrammen unterstreicht den Bedarf an verlässlichen Nachrichten in unsicheren Zeiten. Gleichzeitig zeigten Live-Ereignisse, insbesondere der Erfolg des Frauenfußballs und der Abschied von Queen Elizabeth II., ihre immense Kraft, das Publikum zu versammeln und emotionale Momente zu teilen. Die Fähigkeit, relevante Inhalte über verschiedene Plattformen hinweg anzubieten, wird für Anbieter entscheidend sein, um die Zuschauer weiterhin zu erreichen und zu binden. Bleiben Sie dran für weitere Einblicke in die deutsche Medienlandschaft und spannende Entwicklungen!