Fredi Bobic: Von Frankfurt nach Berlin – Ein Wechsel, der die Bundesliga aufmischt

Die Gerüchte schwebten bereits seit Anfang Februar durch die deutsche Fußballlandschaft, verdichteten sich seit Wochen und wurden am Dienstagabend unerwartet bestätigt: Fredi Bobic wird Eintracht Frankfurt nach fünf prägenden Jahren verlassen. Der 49-jährige Sportdirektor, der eigentlich zu Gast beim “Sportschau Club” war, um auf “ein Jahr Fußball während Corona” zurückzublicken, gab auf Nachfrage zu seiner eigenen Zukunft überraschend offen Auskunft.

“Ich muss da nicht drumherum reden. Wir waren auf die Situation vorbereitet, dass ich den Verein im Sommer 2021 verlasse”, gestand Bobic und fügte hinzu, dass er ursprünglich bereits im Sommer 2020 habe gehen wollen. “Aber dann wurde ich gebeten, noch zu bleiben, um dem Verein durch die Corona-Saison zu helfen, was ich dann auch getan habe, mehr aus moralischen Gründen als allem anderen. Ich habe gesagt, ich mache noch ein Jahr, dann wussten alle Bescheid.”

Bobic’s gefiederte Erfolgsgeschichte in Frankfurt

Bobic’s wahrscheinlichstes Ziel ist das ambitionierte, aber bisher wenig erfolgreiche Hertha BSC. Die Berliner, derzeit auf dem 15. Tabellenplatz der Bundesliga, stecken tief im Abstiegskampf. Im Gegensatz dazu steht Eintracht Frankfurt unter Bobic auf einem beeindruckenden vierten Platz, drei Punkte vor Borussia Dortmund, und kämpft ernsthaft um die Qualifikation für die Champions League – ein Traum, der seit dem verlorenen Finale 1960 gegen Real Madrid unerfüllt blieb.

Diese potenzielle Qualifikation wäre der Höhepunkt einer bemerkenswerten fünfjährigen Ära für die Frankfurter Eintracht unter Bobic, der 2016 übernahm, als der Verein gerade noch über die Relegation dem Abstieg entronnen war. Nur ein Jahr später stand man im DFB-Pokalfinale, verlor dieses zwar gegen Dortmund, doch ein Jahr darauf folgte der große Triumph: der Gewinn des DFB-Pokals mit einem Sieg gegen den FC Bayern München, gefolgt von der Qualifikation für die Europa League, in der man bis ins Halbfinale vorstieß. Eine Champions-League-Teilnahme würde Frankfurt mindestens 15 Millionen Euro einbringen und somit einen Teil des durch die Pandemie verursachten Einnahmeverlusts von bis zu 70 Millionen Euro kompensieren.

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Berlin ruft: Ein neues Projekt für Bobic?

Trotz der sportlichen Erfolge könnte Bobic das Gefühl haben, in Frankfurt sein Máximum erreicht zu haben, sowohl finanziell als auch sportlich. Der in Jugoslawien geborene ehemalige deutsche Nationalspieler, der 2010 seine Trainerkarriere beim VfB Stuttgart begann, gilt als Mann, der “Projekte” liebt und möglicherweise das Gefühl hat, dieses in Frankfurt abgeschlossen zu haben.

Obwohl Hertha BSC in den letzten Saisons eher durch Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam machte, gibt es mehrere Faktoren, die für Bobic, der zwischen 2003 und 2005 61 Spiele für Hertha absolvierte, immer noch Vereinsmitglied ist und dessen Familie in Berlin lebt, äußerst attraktiv sein könnten.

Neben familiären Gründen reizen Bobic die potenziell grenzenlosen finanziellen Möglichkeiten in der Hauptstadt. Der Investor Lars Windhorst wird bis Ende Juni insgesamt 374 Millionen Euro in Hertha investieren. Bislang zahlte sich diese Investition noch nicht aus, doch der Unternehmer beginnt nun, langfristige strukturelle Veränderungen voranzutreiben, um die “Alte Dame” zu Berlins “Big City Club” zu machen.

Nach dem gescheiterten Experiment mit Jürgen Klinsmann in der Vorsaison verließ im Januar auch der langjährige Geschäftsführer Michael Preetz den Verein. Arne Friedrich, ehemaliger Kapitän, übernahm im Sommer die Position des Sportdirektors, und Carsten Schmidt, Ex-Chef von Sky Deutschland, wurde im Dezember zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Schmidt soll Bobic als Wunschkandidaten für die sportliche Leitung ins Auge gefasst haben und damit angeblich auch Interessen aus England von Manchester United und West Ham United ausgestochen haben.

“Die Zukunft gehört Berlin” – Und Bobic?

In Frankfurt herrscht laut Berichten interne Bestürzung über Bobic’s Entscheidung, insbesondere da er nach dem Pokalsieg 2018 seinen Vertrag bis 2023 verlängert hatte. Die Eintracht hätte den Sportdirektor gerne zur Planung einer möglichen ersten Champions-League-Saison dabeigehabt.

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“Fredi Bobic hat uns vor drei Wochen seine Überlegungen zu einer Vertragsauflösung mitgeteilt”, bestätigte Aufsichtsratschef Philip Holzer in einer Erklärung Bobic’s Wechselwunsch. “Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen und werden Mitte Mai fortgesetzt.” Alle Beteiligten werden bestrebt sein, Klarheit zu schaffen und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Dem aktuellen Marketing-Slogan von Hertha BSC folgend: “Die Zukunft gehört Berlin.” Die Hertha wird hoffen, dass diese Zukunft auch Fredi Bobic einschließt.