Die frühen Lebensjahre sind entscheidend für die gesamte Entwicklung eines Menschen. In dieser prägenden Phase werden die Grundlagen für lebenslanges Lernen, soziale Kompetenzen und persönliche Entfaltung gelegt. Daher ist die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) in Deutschland ein zentrales Thema von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Sie umfasst alle Maßnahmen von der Gesundheitsfürsorge über vielfältige Betreuungsangebote wie Krippen und Kindergärten bis hin zu umfassenden Bildungs- und Beratungsangeboten für Eltern. Das Ziel ist es, jedem Kind den bestmöglichen Start in ein erfülltes Leben zu ermöglichen und Chancengerechtigkeit von Anfang an zu fördern.
Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Qualität und Zugänglichkeit der frühkindlichen Bildung kontinuierlich zu verbessern. Dabei agieren Bund, Länder und Kommunen Hand in Hand, unterstützt von zahlreichen Stiftungen und Fachorganisationen, die sich der Bedeutung dieser Phase bewusst sind. Die Relevanz von Investitionen in die frühe Kindheit ist unbestreitbar und wird als bildung und wissenschaft für eine starke Gesellschaft verstanden.
Wissenschaftliche Grundlagen und politische Impulse
Die Entwicklung der frühkindlichen Bildung in Deutschland basiert maßgeblich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ähnlich wie in anderen Ländern wurde auch hier die Notwendigkeit erkannt, den Forschungsstand zu evaluieren und daraus Empfehlungen für Praxis und Politik abzuleiten.
Ein entscheidender Meilenstein war die NUBBEK-Studie (Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit), deren erste Ergebnisse 2012 vorgestellt wurden. Diese erste bundesweite Untersuchung analysierte systematisch die pädagogische Qualität in Kindergärten, Krippen, altersgemischten Gruppen und Tagespflegestellen in acht Bundesländern. Sie offenbarte eine durchschnittlich mittlere pädagogische Qualität, aber auch erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Einrichtungen. Die Studie, gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die Jacobs Foundation und die Robert Bosch Stiftung, betonte die dringende Notwendigkeit, den quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung mit intensiven Anstrengungen zur Verbesserung der pädagogischen Qualität zu begleiten.
Die NUBBEK-Studie und weitere wissenschaftliche Arbeiten bilden die Grundlage für eine evidenzbasierte Politikgestaltung. Sie bestätigten, dass gut konzipierte und qualitativ hochwertige Angebote positive Effekte auf die kognitive und soziale Entwicklung von Kindern haben und langfristig den Schulerfolg beeinflussen.
Von Empfehlungen zu konkreten Maßnahmen
Die Erkenntnisse aus der Forschung mündeten in wichtige politische Weichenstellungen. Ein früher Impuls war der “Gemeinsame Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen” aus dem Jahr 2004, der die Basis für die Entwicklung länderspezifischer Bildungspläne legte. Diese Bildungspläne präzisieren den Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen und definieren Bildung und Erziehung als einheitliches Geschehen im sozialen Kontext.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) spielt eine zentrale Rolle in der Förderung der frühkindlichen Bildung. Unter verschiedenen Ministerinnen wurden bedeutende familienpolitische Meilensteine gesetzt:
- Ursula von der Leyen (2005-2009): Führte das einkommensabhängige Elterngeld ein und forcierte den Ausbau der Kinderbetreuung.
- Franziska Giffey (2018-2021): Brachte das wegweisende „Gute-KiTa-Gesetz“ (KiQuTG) auf den Weg, das am 1. Januar 2019 in Kraft trat. Mit einem Fördervolumen von 5,5 Milliarden Euro unterstützte der Bund die Bundesländer dabei, die Qualität der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sowie die Teilhabe an der Kindertagesbetreuung zu verbessern.
Das Gute-KiTa-Gesetz definierte zehn Handlungsfelder, die den Ländern als Orientierung für ihre Investitionen dienten:
- Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels
- Gewinnung und Sicherung qualifizierter Fachkräfte
- Stärkung der Kita-Leitung
- Förderung sprachlicher Bildung
- Entlastung der Eltern bei Gebühren
- Bedarfsgerechte Angebote schaffen
- Gestaltung kindgerechter Räume
- Gesundes Aufwachsen (Ernährung, Bewegung)
- Stärkung der Kindertagespflege
- Nutzung der Potenziale des Sozialraums (Zusammenarbeit mit Familien und Trägern)
Dieses Gesetz, welches seit 2023 durch das KiTa-Qualitätsgesetz fortgesetzt wird, hat maßgeblich dazu beigetragen, die Chancengleichheit in der frühen Bildung zu verbessern und sicherzustellen, dass kein Kind aufgrund finanzieller Mittel vom Zugang ausgeschlossen wird. Es ist eine wichtige innovationsstiftung für bildung für die gesamte Bildungslandschaft Deutschlands.
Vernetzung und Praxisverbesserung
Die Umsetzung der politischen Strategien erfordert eine starke Vernetzung zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis. Zahlreiche Verbände und Organisationen engagieren sich in Deutschland für die Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung. Institutionen wie die Bertelsmann Stiftung, die Auridis Stiftung und Fachverbände wie der Pestalozzi-Fröbel-Verband e.V. leisten wichtige Beiträge durch Forschung, Projektarbeit und die Unterstützung von Fachkräften. Sie fördern den Austausch bewährter Praktiken und setzen sich für die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Familien ein.
Kinder spielen und lernen in einer bunten Umgebung
Trotz der erzielten Fortschritte stehen die frühkindliche Bildung in Deutschland weiterhin vor Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die Belastung der Fachkräfte und die Sicherstellung einer durchgängig hohen pädagogischen Qualität. Die Bemühungen um stiftung bildung und wissenschaft und kontinuierliche Verbesserung bleiben daher von entscheidender Bedeutung. Es geht darum, die Einrichtungen so zu stärken, dass sie ihrem umfassenden Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsauftrag gerecht werden können und jedem Kind die bestmöglichen Entwicklungschancen bieten.
Fazit
Die frühkindliche Bildung in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Pfeiler des Bildungssystems entwickelt. Durch fundierte Forschung, engagierte Politik und die Zusammenarbeit vielfältiger Akteure wurden bedeutende Erfolge erzielt, die den Kindern in Deutschland einen besseren Start ins Leben ermöglichen. Programme wie das Gute-KiTa-Gesetz und Studien wie NUBBEK unterstreichen das anhaltende Engagement, Qualität und Chancengleichheit in der frühen Kindheit zu gewährleisten. Die kontinuierliche Investition in diesen Bereich ist nicht nur eine Investition in die individuellen Entwicklungschancen unserer Kinder, sondern auch in die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Es ist eine innovationsstiftung bildung und eine stiftung wirtschaftsbildung in einem, die sich langfristig auszahlt. Die weitere Stärkung und Weiterentwicklung dieses Bereichs bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, um sicherzustellen, dass Deutschland auch zukünftig ein Land ist, in dem jedes Kind seine Potenziale voll entfalten kann.
