Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) ist eine weit verbreitete, hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Kinder unter zehn Jahren betrifft, aber auch bei Erwachsenen auftreten kann. Verursacht wird sie hauptsächlich durch Enteroviren der Gruppe A, wobei Coxsackie-Viren und Enterovirus 71 die häufigsten Auslöser sind. Diese winzigen, robusten RNA-Viren sind weltweit verbreitet und können durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Stuhl oder kontaminierten Oberflächen übertragen werden. In Deutschland ist die HFMK zwar nicht meldepflichtig, jedoch ist es wichtig, sich über Symptome, Ansteckungswege und Präventionsmaßnahmen zu informieren, um die Ausbreitung einzudämmen und mögliche Komplikationen zu vermeiden.
Erreger und Vorkommen
Die Erreger der HFMK gehören zur Familie der Picornaviridae und sind besonders widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und vielen Desinfektionsmitteln. Dies begünstigt ihre weltweite Verbreitung. Während die Krankheit in Deutschland ganzjährig vorkommt, sind die Infektionszahlen im Spätsommer und Herbst typischerweise erhöht. Insbesondere im westpazifischen Raum treten regelmäßig größere Ausbrüche auf, bei denen insbesondere Enterovirus 71 zu schweren Verläufen mit neurologischen Komplikationen führen kann. Da die HFMK in Deutschland nicht bundesweit meldepflichtig ist, liegen keine exakten Daten zur Verbreitung vor. Das einzige Reservoir der Erreger ist der Mensch, und es ist wichtig, die HFMK nicht mit der Maul- und Klauenseuche bei Tieren zu verwechseln.
Übertragung und Inkubationszeit
Die Übertragung der HFMK erfolgt hauptsächlich von Mensch zu Mensch durch direkten Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten wie Speichel, Nasen- und Rachensekreten, Bläscheninhalt oder Stuhl. Auch die Berührung kontaminierter Oberflächen, gefolgt von einer Berührung des Gesichts, spielt eine wichtige Rolle. In der Anfangsphase der Infektion kann das Virus auch durch Tröpfcheninfektion verbreitet werden. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 10 Tage, kann aber auch bis zu 30 Tage betragen.
Dauer der Ansteckungsfähigkeit und Symptome
Infizierte Personen sind besonders in der ersten Krankheitswoche hoch ansteckend. Die Viren können jedoch auch nach Abklingen der Symptome über mehrere Wochen im Stuhl ausgeschieden werden. Ein erheblicher Anteil der Infektionen, insbesondere bei Erwachsenen, verläuft asymptomatisch, was die Kontrollmaßnahmen erschwert.
Die Krankheit beginnt typischerweise mit Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen. Kurz darauf entwickeln sich schmerzhafte rote Flecken im Mund, die sich zu Bläschen und Geschwüren entwickeln können, vor allem an Zunge, Zahnfleisch und Mundschleimhaut. Etwa ein bis zwei Tage nach Fieberbeginn tritt häufig ein nicht juckender Hautausschlag auf, der typischerweise die Handflächen und Fußsohlen betrifft. Atypische Verläufe, oft verursacht durch Coxsackie-Viren vom Typ 6, können auch andere Körperbereiche wie das Gesäß oder die Genitalien betreffen und mit stärkerem Juckreiz und systemischen Symptomen einhergehen, die eine stationäre Behandlung erfordern können. Die Mehrheit der Infektionen verläuft mild und heilt innerhalb von 5 bis 7 Tagen ohne ärztliche Behandlung aus. Schwere Komplikationen wie aseptische Meningitis oder polioartige Lähmungen sind selten. Bei atypischen Verläufen kann es Wochen nach der Infektion zum Verlust von Finger- und Zehennägeln kommen (Onycholyse).
Schwangere können sich ebenfalls infizieren, wobei die meisten Infektionen mild verlaufen oder asymptomatisch bleiben. Eine Übertragung auf das Neugeborene ist um den Geburtstermin herum möglich, was in seltenen Fällen zu schweren, systemischen Verläufen beim Säugling führen kann, insbesondere in den ersten beiden Lebenswochen.
Diagnostik und Therapie
Aufgrund des meist milden und klinisch gut erkennbaren Verlaufs ist eine Labordiagnostik in der Regel nicht notwendig. Falls erforderlich, kann eine Virusnachweis mittels Enterovirus-PCR aus Stuhlproben, Rachenabstrichen oder Bläscheninhalt erfolgen. Bei Verdacht auf ZNS-Beteiligung kann auch Liquor untersucht werden. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht; die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome. In einigen Regionen, insbesondere im westpazifischen Raum, sind Impfstoffe gegen Enterovirus 71 verfügbar.
Prävention und Hygienemaßnahmen
Die wichtigste Maßnahme zur Prävention der HFMK ist eine konsequente Händehygiene. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife, insbesondere nach dem Toilettengang und dem Windelwechsel, ist entscheidend. Oberflächen und Gegenstände, die häufig berührt werden (z. B. Türklinken, Spielzeug), sollten regelmäßig gereinigt werden. Enger Körperkontakt wie Küssen oder Umarmen sollte vermieden und Utensilien wie Besteck oder Tassen nicht gemeinsam genutzt werden.
In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen wird in der Regel kein genereller Ausschluss von infizierten Kindern empfohlen, solange sie fieberfrei sind und sich wohlfühlen. Das zuständige Gesundheitsamt kann jedoch unter bestimmten Umständen Maßnahmen anordnen, um Ausbrüche einzudämmen. Nach Abklingen der Symptome und dem Eintrocknen der Bläschen ist eine Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen meist ohne ärztliches Attest möglich. Für medizinische Einrichtungen gelten besondere Hygieneempfehlungen, die Desinfektionsmittel mit nachgewiesener viruzider Wirksamkeit gegen unbehüllte Viren vorschreiben. Die RKI-Liste geprüfter und anerkannter Desinfektionsmittel sowie die VAH-Liste bieten hier Orientierung.
Rechtliche Grundlagen und Beratung
In Deutschland besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht für die HFMK gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Es gibt jedoch ergänzende Verordnungen in einigen Bundesländern. Das Robert Koch-Institut (RKI) bietet keine individuelle medizinische Beratung an. Bei Fragen zu Klinik, Therapie oder Impfungen sollten sich Betroffene an Ärzte oder spezialisierte Kliniken wenden. Informationen und Ansprechpartner zu Infektionsschutz und -prävention sind beim zuständigen Gesundheitsamt erhältlich.
Das Nationale Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren am RKI steht für spezifische Anfragen zur Verfügung. Weiterführende Literatur, wie Informationen des CDC oder das DGPI Handbuch, bieten zusätzliche Einblicke in die Thematik. Eine gute Aufklärung und die Beachtung von Hygienemaßnahmen sind der Schlüssel zur Minimierung des Risikos und zur Eindämmung der HFMK in Deutschland.
