Die Diskussion um die Reform der deutschen Fußball-Regionalligen brodelt seit Jahren. Kern des Problems: Es gibt derzeit fünf Regionalligen, aber nur vier Aufstiegsplätze in die 3. Liga. Diese Ungleichheit führt zu Frustration und Wettbewerbsverzerrung, insbesondere für Vereine aus dem Osten Deutschlands, die sich benachteiligt fühlen. Die DFB-Arbeitsgruppe arbeitet intensiv an einer Lösung, die eine Reduzierung der Staffeln auf vier vorsieht, doch hinter den Kulissen gibt es weiterhin Widerstand und Intrigen, die den Prozess erschweren. Der Weg zu einer gerechten und zukunftsfähigen Struktur für den deutschen Amateurfußball ist steinig und von Interessenskonflikten geprägt.
Die Bedeutung dieser Reform reicht über die direkten Aufstiegsfragen hinaus. Sie betrifft die Attraktivität des gesamten Ligensystems unterhalb der Profiligen und hat weitreichende Konsequenzen für die Entwicklung junger Talente und die finanzielle Stabilität der Vereine. Während Deutschland sich auf Großereignisse wie die fussball wm 2026 vorbereitet, ist es entscheidend, auch die Basis des Fußballs zu stärken.
Die aktuelle Situation: Fünf Ligen, vier Aufsteiger
Die derzeitige Struktur mit fünf Regionalligen (Nord, Nordost, West, Südwest, Bayern) führt zu einer unfairen Situation, bei der nicht alle Meister direkt aufsteigen dürfen. Dies zwingt die Staffelsieger zu zusätzlichen Relegationsspielen, was oft als Lotterie empfunden wird und die Planungsunsicherheit für die Vereine erheblich erhöht. Viele Vereine fordern seit langem eine Anpassung, um gleiche Bedingungen für alle Meister zu schaffen und den sportlichen Wert der Regionalligen zu erhöhen.
Peter Frymuths Widerstand gegen die Reform
Ein zentraler Akteur in diesem Reformprozess ist DFB-Vize-Präsident Peter Frymuth, der gleichzeitig Präsident des Westdeutschen Fußball-Verbands (WDFV) ist. Obwohl nicht Teil der offiziellen Arbeitsgruppe, wird ihm vorgeworfen, im Hintergrund Fäden zu ziehen und den Reformprozess zu blockieren. Frymuth hat sich stets dafür eingesetzt, die Regionalliga West in ihrer aktuellen Form zu erhalten, was viele als Haltung gegen eine gesamtdeutsche Lösung interpretieren.
Fußballfunktionär Peter Frymuth
Kürzlich sorgte ein Artikel des Magazins “Sport Bild” für erhebliche Unruhe im DFB. Interna der vergangenen Sitzung Ende November 2025 wurden dort so verzerrt dargestellt, dass alte Narrative bedient und die Aufspaltung der Regionalliga Nordost ins Spiel gebracht wurde. Dies wurde von vielen als Versuch gewertet, Fortschritte in Zweifel zu ziehen und die Machbarkeit einer Vier-Staffel-Lösung generell als problematisch darzustellen. Die nächste nächste wm 2026 mag in weiter Ferne scheinen, doch die Weichen für die Zukunft des deutschen Fußballs werden heute gestellt.
Dynamische Ligen-Bildung: Ein Win-Win-Vorschlag?
Trotz des Widerstands hat die DFB-Arbeitsgruppe eine innovative Lösungsidee vorgestellt: die dynamische Ligen-Bildung. Dieses Modell würde sich jedes Jahr anhand der qualifizierten Viertligisten neu entscheiden, wie diese geografisch auf vier Staffeln verteilt werden. Dabei sollen ein maximaler Kilometerradius für Auswärtsspiele und gleichzeitig Rücksicht auf lokale Derbys genommen werden. Dieser Vorschlag wird als Win-Win-Situation für alle Seiten betrachtet, da er das alte Argument langer Fahrtwege entkräftet und an die Strukturen der Oberligen anpassungsfähig ist. Statt 90 würde es künftig wohl 80 Regionalligisten geben, was zu einer kompakteren und wettbewerbsfähigeren Liga führen könnte.
Die Bedenken und der “Maulwurf”-Verdacht
Offenbar gibt es im Lager von Peter Frymuth Bedenken, dass der DFB die Reform im Sinne einer fairen, gesamtdeutschen Lösung tatsächlich umsetzen will. Der WDFV-Boss und auch der Bayerische Fußball-Verband (BFV) möchten ihre jeweiligen Regionalligen um jeden Preis erhalten. Es wird gemutmaßt, dass aus diesen Kreisen ein “Maulwurf” das DFB-Konzept durchgestochen haben könnte, um es zu torpedieren und die Einführung einer gerechten Aufstiegsregelung zu verhindern.
Wandel an der Basis: Rot-Weiss Essen rückt von Frymuth ab
Parallel zu den internen Querelen scheint sich die Stimmung an der Basis zu drehen. Rot-Weiss Essen (RWE), ein traditionsreicher Verein aus dem Westen, der zunächst einen Beitritt zur Aufstiegsreform-Initiative ablehnte, steht nun kurz davor, seine Meinung zu ändern. Auf einer Mitgliederversammlung von RWE gab es bereits Anträge zum Thema. Der Essener Vorstandsvorsitzende Marc-Nicolai Pfeifer hat nach Gesprächen und der Zusicherung, dass die 3. Liga von den Reformplänen unberührt bleibt, seine ablehnende Haltung aufgegeben. Es gilt als sicher, dass RWE das Anliegen für eine Regionalliga-Reform bald öffentlich unterstützen wird. Bisher zählen bereits 57 Vereine deutschlandweit zu den Unterstützern dieser Initiative.
Die Diskussion um die Regionalliga-Reform bleibt ein spannendes Kapitel im deutschen Fußball. Eine faire Lösung ist nicht nur im Interesse der Vereine, sondern auch für die Glaubwürdigkeit und Attraktivität des gesamten Ligensystems von entscheidender Bedeutung. Es bleibt abzuwarten, ob die konstruktiven Kräfte sich durchsetzen und eine moderne, gerechte Struktur für die Regionalligen schaffen können. Die Lehren aus vergangenen Turnieren, wie dem wm 2014 spielplan, zeigen, wie wichtig Zusammenhalt und Weitblick für den Erfolg im Fußball sind.
