Der deutsche Profifußball hat eine Vorreiterrolle im Breiten- und Spitzensport. Doch während die 1. und 2. Bundesliga der Herren in Sachen Nachhaltigkeit bei Getränkebechern bereits vorbildlich agieren, hinkt die 3. Liga noch deutlich hinterher. Eine aktuelle Recherche der Deutschen Umwelthilfe (DUH) enthüllt, dass mindestens sieben Vereine der dritthöchsten Spielklasse weiterhin auf umweltschädliche Einwegbecher setzen und somit riesige Mengen Plastikmüll produzieren. Diese alarmierende Situation steht im krassen Gegensatz zur gesetzlichen Mehrwegangebotspflicht und wirft Fragen nach der ernsthaften Umsetzung von Umwelt- und Klimaschutz im Profifußball auf.
Die Ergebnisse der DUH-Untersuchung, die kurz nach dem Saisonstart der 3. Liga veröffentlicht wurden, zeichnen ein ernüchterndes Bild. Besonders kritisiert werden Borussia Dortmund II und der 1. FC Saarbrücken, die ihre Getränke nach wie vor ausschließlich in Einwegbechern ausschenken. Dieses Vorgehen ignoriert nicht nur die Umweltaspekte, sondern auch die seit Januar 2023 geltende Mehrwegangebotspflicht. Doch auch andere Vereine tragen zur Problematik bei: Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden bieten zwar Mehrwegoptionen an, dominieren jedoch weiterhin mit Einweg-Plastikbechern. Jahn Regensburg, der FC Viktoria Köln und der SC Verl setzen überwiegend auf Mehrweg, haben aber immer noch einen erheblichen Einweganteil in ihren Stadien. Lediglich Preußen Münster hat angekündigt, in Kürze vollständig auf Mehrweg umzustellen. Die anderen Vereine der Liga nutzen bereits durchweg Mehrwegsysteme.
Einwegbecher und Müll nach einem Fußballspiel im Stadion
Die Mehrwegangebotspflicht und ihre Lücken
Seit dem 1. Januar 2023 schreibt eine gesetzliche Regelung vor, dass Betreiber von Gastronomiebetrieben, einschließlich Caterern in Fußballstadien, Mehrwegalternativen für Getränke und Speisen anbieten und bewerben müssen. Die Intention dahinter ist klar: die Reduzierung von Einwegmüll und die Förderung nachhaltiger Konsumgewohnheiten. Allerdings bemängelt die DUH, dass die aktuelle Regelung zu zahnlos ist. Es fehlen konkrete Vorgaben, wie hoch der Anteil an Mehrwegprodukten sein muss oder ob die Nutzung von Mehrweg durch Anreize gefördert werden soll. Diese Lücken ermöglichen es den kritisierten Vereinen, die Pflicht zwar formal zu erfüllen, in der Praxis aber weiterhin hauptsächlich auf Einweg zu setzen.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, äußert sich in scharfen Worten zur aktuellen Situation: „Einige Fußballclubs der dritten Herren-Liga haben den Schuss noch nicht gehört. Trotz einer gesetzlichen Mehrwegangebotspflicht setzen der FC Saarbrücken und Borussia Dortmund II weiterhin auf Einweg-Becher. Dafür erhalten sie von uns die rote Karte.“ Sie fordert ein konsequentes Umdenken und mahnt die Vereine zu mehr Verantwortungsbewusstsein. „Wenn Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden es ernst mit Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz meinen, dann müssen auch sie Mehrweg konsequent und ernsthaft einsetzen“, so Metz weiter. Die Vermüllung von Stadien und angrenzenden Grünflächen mit Tausenden von Einwegbechern sei inakzeptabel und mache deutlich, dass ein “Alibi-Angebot” nicht ausreiche.
Forderung nach einer Einweg-Abgabe: Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit
Um die Wirksamkeit der Mehrwegangebotspflicht zu erhöhen und die Vereine stärker in die Pflicht zu nehmen, fordert die DUH von Umweltministerin Steffi Lemke die Einführung einer Einweg-Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg-Geschirr. Eine solche Abgabe würde die Attraktivität von Mehrwegalternativen deutlich steigern und einen finanziellen Anreiz für Verbraucher und Vereine schaffen, umzudenken. Dies würde nicht nur die Müllberge in den Stadien reduzieren, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten. Die DUH ist überzeugt, dass eine solche Maßnahme die “Einweg-Vereine bei Mehrweg ganz sicher von der Defensive in die Offensive umschalten” würde.
DUH: Langjähriges Engagement für Mehrweg im Profifußball
Die Deutsche Umwelthilfe engagiert sich bereits seit vielen Jahren intensiv für den Einsatz von Mehrwegbechern bei Großveranstaltungen, insbesondere im deutschen Profifußball. Durch jährliche Umfragen bei den Vereinen sammelt der Umwelt- und Verbraucherschutzverband wichtige Daten über die anfallenden Müllmengen und identifiziert Handlungsbedarfe. Die Forschung zeigt, dass Mehrwegbecher bereits nach dem fünften Gebrauch umweltfreundlicher sind als gängige Einwegbecher aus Materialien wie Polymilchsäure (PLA), PET oder Polystyrol. Dieses Engagement unterstreicht die Dringlichkeit des Themas und die Notwendigkeit, auch im Sportbereich verstärkt auf nachhaltige Lösungen zu setzen.
Fazit: Zeit für eine grüne Wende in der 3. Liga
Die aktuelle Situation in der 3. Herren-Fußballbundesliga zeigt, dass es trotz gesetzlicher Vorgaben und eines wachsenden Bewusstseins für Umweltschutz noch erheblichen Nachholbedarf gibt. Während die Top-Ligen bereits mit gutem Beispiel vorangehen, müssen die Vereine der 3. Liga ihrer Verantwortung gerecht werden und konsequent auf umweltfreundliche Mehrwegsysteme umstellen. Eine Einweg-Abgabe könnte hier als entscheidender Katalysator wirken. Es ist an der Zeit, dass alle Vereine des deutschen Profifußballs aktiv zu einem nachhaltigeren Sport beitragen und ihre Stadien zu Orten machen, die nicht nur für spannende Spiele, sondern auch für vorbildlichen Umwelt- und Klimaschutz stehen. Unterstützen Sie die Forderung nach mehr Mehrweg im Fußball und tragen Sie dazu bei, dass unsere Stadien sauberer und unsere Umwelt geschützt wird!
