Gallensteine, medizinisch Cholelithiasis genannt, sind eine weit verbreitete Erkrankung, die oft erhebliche Beschwerden verursachen kann. Sie entstehen aus auskristallisierten Bestandteilen der Gallenflüssigkeit, die sich in der Gallenblase oder den Gallengängen ablagern. Ähnlich wie feiner Sand kann sich zunächst Gallengrieß bilden, der dann zu größeren Steinen heranwachsen kann. Die Gallenflüssigkeit, täglich etwa 700 ml von der Leber produziert, wird in der Gallenblase gespeichert und spielt eine entscheidende Rolle bei der Verdauung von Fetten sowie der Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Ein Ungleichgewicht in dieser empfindlichen Zusammensetzung kann die Bildung von Gallensteinen begünstigen. Das Verständnis der Ursachen, Symptome und insbesondere präventiver sowie therapeutischer Ernährungsansätze ist entscheidend, um dieser Erkrankung effektiv zu begegnen.
Was sind Gallensteine und Gallengrieß?
Gallengrieß und Gallensteine sind feste Ablagerungen, die sich in den Gallenwegen oder der Gallenblase bilden. Sie entstehen, wenn bestimmte Stoffe in der Gallenflüssigkeit, wie Cholesterin oder Bilirubin, in zu hoher Konzentration vorliegen oder wenn das Verhältnis der Gallenflüssigkeitsbestandteile aus dem Gleichgewicht gerät. Die Gallenblase ist ein kleines, birnenförmiges Organ unterhalb der Leber, das als Reservoir für die Gallenflüssigkeit dient. Nach einer fettreichen Mahlzeit zieht sich die Gallenblase zusammen und gibt Galle in den Dünndarm ab, um die Fettverdauung zu unterstützen. Wenn sich in diesem System Steine bilden, können sie den Abfluss der Galle behindern und eine Reihe von Symptomen und Komplikationen hervorrufen.
Risikofaktoren für Gallensteine
Die Entstehung von Gallensteinen wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die oft zusammenwirken:
- Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer, insbesondere ab dem 40. Lebensjahr.
- Übergewicht / Adipositas: Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) und insbesondere bauchbetonter Fettansatz sind signifikante Risikofaktoren.
- Ernährungsgewohnheiten: Eine hohe Zufuhr von Energie, Fett und Zucker sowie ein niedriger Ballaststoffgehalt der Nahrung fördern die Steinbildung. Eine ballaststoffarme und cholesterinreiche Ernährung ist ebenfalls ungünstig.
- Schwangerschaften: Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft können die Gallenblasenfunktion beeinträchtigen.
- Einnahme weiblicher Geschlechtshormone: Hormonersatztherapien in den Wechseljahren oder orale Kontrazeptiva können das Risiko erhöhen.
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und erhöhte Blutfettwerte (Fettstoffwechselstörungen) sind mit einem erhöhten Gallensteinrisiko verbunden.
- Entzündliche Darmerkrankungen: Erkrankungen wie Morbus Crohn, besonders nach Entfernung bestimmter Darmabschnitte, können zu einem Gallensäurenverlustsyndrom führen.
- Medikamente: Die Einnahme bestimmter Antibiotika kann die Steinbildung begünstigen.
- Lebererkrankungen: Beeinträchtigungen der Leberfunktion können die Zusammensetzung der Galle verändern.
- Infektionen der Gallenwege: Bakterielle oder parasitäre Infektionen können Entzündungen und Steinbildung fördern.
- Hämolytische Anämie: Blutarmut durch erhöhten Zerfall roter Blutkörperchen führt zu einem Überschuss an Bilirubin, einem Ausgangsstoff für bestimmte Gallensteine.
- Extrem schnelle Gewichtsabnahme: Diäten mit sehr geringer Kalorienzufuhr und einem Gewichtsverlust von über 1,5 kg pro Woche können die Steinbildung auslösen.
Arten von Gallensteinen
Gallensteine lassen sich hauptsächlich in zwei Kategorien einteilen, basierend auf ihrer chemischen Zusammensetzung:
- Cholesteringrieß / -steine: Diese machen den Großteil (etwa 80 %) aller Gallensteine aus. Sie bestehen hauptsächlich aus Cholesterin, das in der Gallenflüssigkeit auskristallisiert.
- Bilirubin-(Pigment-)grieß oder -steine: Diese Steine (ca. 20 %) haben oft einen Cholesterinkern, an den sich Bilirubin angelagert hat. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin.
Symptome und Beschwerden bei Gallensteinen
Die Symptome von Gallensteinen können sehr unterschiedlich sein und hängen von der Lage und Größe der Steine ab. Viele Menschen leben jahrelang mit Gallensteinen, ohne Beschwerden zu haben, während andere unter heftigen Anfällen leiden.
Mögliche Symptome umfassen:
- Schmerzen im rechten Oberbauch: Dies ist das häufigste Symptom, das oft nach fettreichen Mahlzeiten auftritt.
- Heftige Gallenkoliken: Plötzlich einsetzende, krampfartige und sehr starke Schmerzen, die oft in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen können. Sie entstehen, wenn ein Gallenstein den Gallengang blockiert.
- Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis): Wenn ein Stein den Ausgang der Gallenblase dauerhaft blockiert, kann es zu einer Entzündung kommen, die mit Fieber, Schüttelfrost und starken Schmerzen einhergeht.
- Gallenstau und Entzündung der Gallengänge (Cholangitis): Verstopft ein Stein einen der Hauptgallengänge, kann sich die Galle stauen und eine bakterielle Entzündung der Gallengänge hervorrufen, was ein ernsthafter medizinischer Notfall ist.
- Gelbsucht (Ikterus): Wenn der Abfluss der Galle behindert ist, kann sich Bilirubin im Blut anreichern, was zu einer Gelbfärbung der Haut und Augen sowie dunklem Urin und hellem Stuhl führt.
- Entzündung weiterer Organe: In seltenen Fällen können Gallensteine eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) auslösen, wenn sie den Ausgang des gemeinsamen Gangs blockieren.
Gallensteine trotz entfernter Gallenblase?
Selbst nach einer Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) ist die Bildung von Gallensteinen nicht vollständig ausgeschlossen. Gallensteine können sich überall dort bilden, wo Galle vorhanden ist. Das bedeutet, dass sie sich auch in den Gallengängen innerhalb der Leber oder in den Gallengängen außerhalb der Leber, die zur Gallenblase führten, neu bilden können. Dies kann zu ähnlichen Symptomen wie Druck im Oberbauch und kolikartigen Schmerzen führen. Ein gestörter Gallenabfluss oder ein Ungleichgewicht der Hauptbestandteile der Galle (Gallensäuren, Bilirubin und Cholesterin) können dazu führen, dass die Galle auskristallisiert und neue Steine oder Grieß bildet, die anfangs unentdeckt bleiben können.
Die Bedeutung der Ernährungstherapie bei Gallensteinen
Eine gezielte Ernährungstherapie spielt eine wesentliche Rolle sowohl in der Prävention von Gallengrieß und Gallensteinen als auch im Management bestehender Beschwerden.
- Prävention: Eine angepasste Ernährung kann das Risiko der erstmaligen Steinbildung oder der Neubildung von Steinen deutlich senken.
- Verhinderung von Komplikationen: Bei bereits vorhandenem Gallengrieß oder kleinen Gallensteinen kann eine entsprechende Ernährung dazu beitragen, die Entstehung schmerzhafter Gallenkoliken oder schwerwiegender Gallenblasenentzündungen zu verhindern.
- Chirurgische Intervention: Gallensteine, die keine Beschwerden verursachen, werden in der Regel nicht entfernt. Treten jedoch wiederkehrende Koliken oder andere Komplikationen auf, ist die Entfernung der Gallenblase oft der ratsamste Schritt.
Das Ziel der Ernährungstherapie ist es, alle für den Körper wichtigen Fettsäuren, Mikronährstoffe (Vitamine und Mineralstoffe), Energie und Eiweiß in optimaler Menge zuzuführen, um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Dabei liegt der Fokus auf der Meidung entzündungsfördernder Lebensmittel und dem reichlichen Verzehr entzündungshemmender Nahrungsmittel. Bei Übergewicht oder Adipositas ist eine Gewichtsreduktion essenziell, da dies das Gallensteinrisiko signifikant senkt und den Gesundheitszustand insgesamt verbessert. Die früher häufig praktizierte strikte “Gallenschonkost” mit starker Fettrestriktion wird heute nicht mehr empfohlen, stattdessen steht eine ausgewogene, antientzündliche und individuell angepasste Ernährung im Vordergrund.
Mögliche Folgen unbehandelter Gallensteine
Werden Gallensteine nicht behandelt oder bleiben sie lange unbemerkt, können sie schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben:
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis): Wenn ein Gallenstein den gemeinsamen Ausführungsgang von Galle und Bauchspeicheldrüsensekret blockiert, kann dies zu einer gefährlichen Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen.
- Verletzung der Gallenblasenwand: Durch chronischen Druck oder Entzündungen kann die Gallenblasenwand verletzt werden, was zum Austritt von Gallenflüssigkeit in den Bauchraum und einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen kann.
- Erhöhtes Krebsrisiko: Langjährige Gallensteine und chronische Entzündungen erhöhen das Risiko für die Entwicklung von Gallenblasen- und Gallengangkrebs.
Gewichtsmanagement: Der Body-Mass-Index (BMI)
Das Körpergewicht spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gallensteinen. Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein Maß zur Einordnung des Gewichts im Verhältnis zur Körpergröße und wird nach folgender Formel berechnet: Körpergewicht in kg : (Körpergröße in m)².
BMI und Interpretation (für Erwachsene):
- Untergewicht: < 18,5
- Normalgewicht: 18,5 – 24,9
- Übergewicht (Präadipositas): 25 – 29,9
- Adipositas Grad I: 30 – 34,9
- Adipositas Grad II: 35 – 39,9
- Adipositas Grad III (Adipositas per magna): > 40
Für Kinder und Jugendliche gelten spezielle Perzentilkurven, bei denen der BMI nicht einfach in dieser Form angewendet werden kann, da sich ihr Körpergewicht und ihre Körperzusammensetzung mit dem Wachstum ändern.
Umfassende Ernährungstherapie bei Gallensteinen
Eine individuelle und ganzheitliche Ernährungstherapie ist der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung und Prävention von Gallensteinen. Sie berücksichtigt nicht nur die Gallensteine selbst, sondern auch mögliche Begleiterkrankungen und den gesamten Lebensstil.
Individuelle antientzündliche Ernährung
Die Basis bildet eine antientzündliche Ernährung, die speziell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist:
- Ganzheitliche Therapie: Berücksichtigung von Begleiterkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder entzündlichen Darmerkrankungen.
- Fettauswahl: Gezielte Auswahl gesunder Fette, die entzündungshemmend wirken und die Galle nicht übermäßig belasten.
- Tierische Lebensmittel: Empfehlungen zur Menge und Art von tierischen Produkten wie Fleischwaren, Milch- und Milchprodukten, Käse, Fischwaren und Eiern, mit Fokus auf Qualität und schonende Zubereitung.
- Entzündungsprozessen entgegenwirken: Strategien zur Reduktion von Entzündungen im Körper durch die Ernährung.
Gewichtsreduktion und Stoffwechselmanagement
- Körpergewicht: Bei Übergewicht oder Adipositas ist eine nachhaltige Gewichtsreduktion empfehlenswert, um das Gallensteinrisiko zu senken und die Stoffwechsellage zu verbessern.
- Insulinresistenz & Fettstoffwechselstörungen: Diese werden ebenfalls ernährungstherapeutisch behandelt, um die Gesamtsituation zu optimieren.
Mikronährstoffe, Ballaststoffe und Flüssigkeitszufuhr
- Mikronährstoff- und Mineralstoffmangel: Vermeidung von Defiziten und gegebenenfalls gezielter Ausgleich durch Nährstoffpräparate nach Rücksprache.
- Proteinmangel: Sicherstellung einer ausreichenden Proteinzufuhr zur Erhaltung der Muskelmasse und Unterstützung des Stoffwechsels.
- Ballaststoffe: Ausreichende Zufuhr von über 30 g Ballaststoffen pro Tag über natürliche Lebensmittel; bei Bedarf kann eine Ballaststoffsubstitution sinnvoll sein.
- Flüssigkeit: Eine Gesamtflüssigkeitszufuhr von 30-35 ml pro kg Körpergewicht und Tag wird angestrebt. Dies bedeutet in der Regel eine Trinkmenge von ca. 1,3-2 Litern reiner Trinkflüssigkeit, da ca. 500-800 ml bereits über feste Nahrung aufgenommen werden.
Praktische Umsetzung im Alltag
Die Ernährungstherapie umfasst auch detaillierte Hinweise zur praktischen Umsetzung:
- Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe: Gezielte Zufuhr wertvoller, antikanzerogener (krebsschützender) sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe.
- Lebensmittelauswahl: Eine für Sie angepasste Lebensmittelauswahl mit koch- und küchentechnischen Hinweisen für Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Mittag- und Abendessen.
- Flexible Essgewohnheiten: Individuelle Berücksichtigung Ihrer Essgewohnheiten, zum Beispiel wenn Sie Ihre warme Mahlzeit gerne abends essen, um die vollwertige Ernährung praktikabel in Ihren Alltag zu integrieren.
- Fette und Öle: Empfehlungen zu gesunden Ölen und Streichfetten (Butter, Margarine, Pflanzenfett) im Rahmen einer entzündungshemmenden Kost.
- Omega-3-Fettsäuren: Sicherstellung einer ausreichenden Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und essentiellen Fettsäuren.
- Stoffwechsel anregen: Tipps, wie Sie Ihren Stoffwechsel mit natürlichen Lebensmitteln ankurbeln und unterstützen können.
- Mahlzeitenhäufigkeit: Abstimmung einer sinnvollen Mahlzeitenhäufigkeit für Ihren individuellen Fall.
- Gewichtsstabilisierung: Definition des angestrebten Zeitraums für eine Gewichtsstabilisierung oder -Normalisierung.
- Getränke und Alkohol: Hinweise zum Umgang mit Getränken und alkoholischen Getränken.
- Bewegung: Aufzeigen, wie sich Bewegung positiv auf Ihren Körper und Ihre Ernährung auswirkt.
- Blutzuckerschwankungen: Strategien zur Vermeidung von Blutzuckerschwankungen.
- Süßen von Lebensmitteln: Informationen zu Süßstoffen, Glucose, Fruktose, Zucker und Zuckeraustauschstoffen, deren Einsatzmöglichkeiten und Süßkraft.
- Kochen und Backen: Praktische Hinweise für die Zubereitung von Speisen.
- Günstige Zwischen- und Hauptmahlzeiten: Ideen für gesunde Mahlzeiten.
- Essen außer Haus und Reisen: Was ist bei Restaurantbesuchen, Urlauben oder Klinikaufenthalten zu beachten?
- Umgang mit Verdauungsbeschwerden: Strategien gegen Blähungen, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen, Sodbrennen, Inappetenz und Schmerzen in Bezug zum Essen.
- Tagespläne: Beispielhafte Tagespläne zur praktischen Umsetzung im Alltag.
- Genusstraining und Essenssituation: Optimierung des Essverhaltens und der Freude am Essen.
- Langfristige Gewichtsstabilisierung: Unterstützung beim langfristigen Halten eines gemeinsam definierten Gewichts.
- Magen und Darm stärken: Mit natürlichen Lebensmitteln die Verdauungsorgane unterstützen.
Zusätzliche Therapieoptionen und Nahrungsergänzung
- Diätetische Produkte: Einsatz diätetischer Produkte zur Unterstützung der Ernährungstherapie, falls sinnvoll.
- Nahrungsergänzungsmittel: Unter Umständen kann eine Ergänzung mit bestimmten Nährstoffen sinnvoll sein.
Eine fundierte Ernährungstherapie ist ein wichtiger Baustein für Ihre Gesundheit und kann Ihnen helfen, ein beschwerdefreieres Leben mit Gallensteinen zu führen oder diese gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie bietet einen individuellen und ganzheitlichen Ansatz, der weit über einfache Diätempfehlungen hinausgeht.
Sie haben Fragen zu Gallensteinen, deren Prävention oder einer individuellen Ernährungstherapie? Zögern Sie nicht, Kontakt aufzunehmen. Ich freue mich über Ihren Anruf oder Ihre E-Mail.
