Jeden Tag produziert unsere Leber etwa einen halben Liter Gallensaft, der in der Gallenblase gespeichert wird. Dieser Gallensaft spielt eine entscheidende Rolle bei der Verdauung von Fetten im Dünndarm. Er enthält wichtige Stoffe wie Cholesterin und Bilirubin. Wenn jedoch das Gleichgewicht dieser Stoffe in der Gallenflüssigkeit gestört ist und sie nicht mehr richtig gelöst werden, können sich Gallensteine bilden. Diese Ablagerungen können sich in der Gallenblase selbst oder in den Gallenwegen festsetzen und zu vielfältigen Beschwerden führen.
Umgangssprachlich als Gallensteine bezeichnet, handelt es sich meistens um zwei Haupttypen: Cholesterinsteine und Pigmentsteine. Cholesterinsteine, die etwa 80 % der Fälle ausmachen, bestehen hauptsächlich aus Cholesterin. Pigmentsteine hingegen bilden sich um einen Cholesterinkern, an den sich Bilirubin anlagert. Die Größe dieser Steine kann stark variieren, von wenigen Millimetern bis zur Größe eines Hühnereis. Obwohl viele Menschen Gallensteine haben, ohne es zu wissen, können sie bei einigen Patienten heftige Schmerzen verursachen und ernsthafte Komplikationen nach sich ziehen.
Risikofaktoren für Gallensteine
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, Gallensteine zu entwickeln. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer, was auf den Einfluss weiblicher Geschlechtshormone zurückgeführt wird. Insbesondere die Einnahme von Östrogenen zur Schwangerschaftsverhütung oder während der Wechseljahre sowie Schwangerschaften selbst können das Risiko steigern. Ab dem 40. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Gallensteinen ebenfalls an.
Weitere wesentliche Risikofaktoren umfassen Übergewicht, Diabetes sowie eine schnelle Gewichtsabnahme. Ein ungesunder Lebensstil mit falscher Ernährung, Übergewicht und mangelnder Bewegung ist für mindestens 70 Prozent der Gallensteinbildungen verantwortlich. Darüber hinaus gibt es eine genetische Veranlagung, bei der Menschen mit einer spezifischen Genmutation ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko aufweisen. Ein bewusster Umgang mit diesen Faktoren ist daher entscheidend für die Vorbeugung.
Symptome: Wann machen sich Gallensteine bemerkbar?
Erstaunlicherweise bemerken etwa drei Viertel aller Menschen mit Gallensteinen diese überhaupt nicht. Oftmals kann der Körper kleine Gallensteine eigenständig auflösen, woraufhin sie unbemerkt in den Dünndarm abgehen. Bei etwa 25 Prozent der Betroffenen verursachen Gallensteine jedoch Beschwerden, die anfangs unspezifisch sein können, wie ein Völle- und Druckgefühl im Oberbauch, begleitet von Sodbrennen und Blähungen. Diese Symptome treten häufig nach dem Verzehr fetthaltiger Speisen auf, und bestimmte Lebensmittel wie Kaffee können schlechter vertragen werden.
Die meisten Gallensteine befinden sich in der Gallenblase. Beginnen sie jedoch zu wandern und blockieren den Ausgang der Gallenblase oder den Übergang in den Zwölffingerdarm, versucht die Muskulatur der Gallengänge, den Stein zu entfernen. Dies führt zu extrem starken, kolikartigen Schmerzen im rechten Oberbauch, die bis in den Rücken und die Schulter ausstrahlen können – eine sogenannte Gallenkolik. Wer eine solche Kolik erlebt hat, wird die Intensität kaum vergessen. Gallengangssteine können zusätzlich zu einer Gelbsucht (Ikterus) führen, da sie den Abfluss des Gallenfarbstoffs Bilirubin behindern. Dieser gelangt dann ins Blut, was zu einer Gelbfärbung der Haut führt. Begleitend können sich der Urin dunkel und der Stuhl hell verfärben.
Wann Gallensteine gefährlich werden können
Ein länger anhaltender Stau von Gallenflüssigkeit kann zu einer Entzündung der Gallenblase führen. Die überdehnte Gallenblasenwand und die gereizte Schleimhaut bieten dann einen idealen Nährboden für Bakterien. Wird eine solche akute Gallenblasenentzündung nicht umgehend behandelt, kann sich die Entzündung auf benachbarte Organe wie Leber und Bauchspeicheldrüse ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen, die sofortiger medizinischer Versorgung bedarf. Symptome einer akuten Gallenblasenentzündung sind starke, anhaltende Schmerzen im Oberbauch, die bis in die Schulter ausstrahlen können, Fieber und Schüttelfrost.
In seltenen Fällen kann eine chronische Entzündung der Gallenblase zu einer sogenannten Porzellangallenblase führen, bei der die Gallenblasenwand verkalkt und verdickt ist. Obwohl dies selten ist, erhöht es das Risiko für ein Gallenblasenkarzinom erheblich, weshalb in solchen Fällen die Entfernung der Gallenblase empfohlen wird. Generell erhöhen Gallensteine das Risiko für eine Krebserkrankung nur geringfügig; etwa fünf von 1.000 Menschen mit Gallensteinen entwickeln Gallenblasenkrebs.
Diagnose: Wie Gallensteine festgestellt werden
Die Diagnose von Gallensteinen in der Gallenblase ist meist unkompliziert und erfolgt durch eine Ultraschalluntersuchung. Gallengangssteine hingegen sind schwieriger zu erkennen. Bei Verdacht auf solche Steine kommt häufig die endoskopisch-retrograde Cholangiografie (ERC) zum Einsatz. Hierbei wird ein Endoskop über Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm bis zur Mündung des Gallengangs vorgeschoben. Ein Kontrastmittel macht die Steine auf einem Röntgenbild sichtbar. Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass Gallensteine im Rahmen der Untersuchung direkt entfernt werden können.
Alternativ können eine Magnetresonanz-Cholangiografie (MRC) oder eine endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonografie) durchgeführt werden. Die MRC erstellt Schichtbilder des Gallengangsystems ohne Endoskopie, ermöglicht aber keine gleichzeitige Entfernung der Steine. Die Endosonografie bietet eine sehr präzise Darstellung der Gallengänge. Die Wahl der Diagnosemethode hängt von der individuellen Situation und dem Verdacht des Arztes ab.
Behandlung: Was tun bei Gallensteinen?
Die Behandlung von Gallensteinen verfolgt zwei Hauptziele: die Linderung von Schmerzen und gegebenenfalls die Auflösung der Steine. Bei kolikartigen Schmerzen werden nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sowie krampflösende Medikamente (Spasmolytika) eingesetzt. Um die gereizten Gallenwege zu schonen, sollte nach einer Gallenkolik bis zu 24 Stunden nichts gegessen werden.
Nur bei kleinen, neu entstandenen Cholesterinsteinen kann eine medikamentöse Auflösung versucht werden. Hierbei kommen Tabletten mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure (UDCA), einer Gallensäure, zum Einsatz. UDCA gleicht den Cholesterinüberschuss aus und muss über mehrere Monate eingenommen werden. Diese Therapie ist jedoch nur für Menschen mit leichten Beschwerden geeignet.
Eine akute Gallenblasenentzündung ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch zu Komplikationen führen. In der Regel wird daher eine operative Entfernung der Gallenblase empfohlen, idealerweise innerhalb der ersten drei Tage nach Symptombeginn. Im Krankenhaus erhalten Patienten zunächst Antibiotika und Schmerzmittel; vor dem Eingriff ist oft eine eingeschränkte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nötig, die durch Infusionen ausgeglichen wird.
Entfernung der Gallenblase per Bauchspiegelung (Laparoskopie)
Die Laparoskopie ist das bevorzugte Verfahren zur Entfernung der Gallenblase, da sie ohne großen Bauchschnitt auskommt und somit das Komplikationsrisiko minimiert. Unter Vollnarkose werden drei bis vier kleine Einschnitte in die Bauchdecke gemacht, über die eine Kamera und feine Operationsinstrumente zur Gallenblase geführt werden. Die Gallenblase wird vollständig über den Schnitt nahe des Bauchnabels entfernt. In Ausnahmefällen, etwa bei schweren Entzündungen oder Verwachsungen, kann ein offener Bauchschnitt notwendig sein. Eine Laparoskopie kann oft ambulant durchgeführt werden, sodass Patienten noch am selben Tag nach Hause gehen können.
Entfernung von Gallengangssteinen
Gallengangssteine werden meist im Rahmen einer endoskopisch-retrograden Cholangiografie (ERC) entfernt, wie bereits unter der Diagnose beschrieben. Dabei wird ein Endoskop durch Mund, Magen und Zwölffingerdarm bis in die Gallengänge vorgeschoben, ein Kontrastmittel injiziert und die Steine dann entfernt. Experten raten inzwischen von der Zertrümmerung der Gallensteine mit Stoßwellen oder Laser ab, da dies keine ursächliche Therapie darstellt und die Steine in der Regel wiederkehren.
Nach der Behandlung: Warum wir die Galle nicht “vermissen”
Da die Gallenblase lediglich als Speicher für die in der Leber produzierte Gallenflüssigkeit dient, ist ein Leben ohne sie problemlos möglich. Die Gallenflüssigkeit wird nach der Entfernung der Gallenblase direkt von der Leber über den Gallengang in den Dünndarm gespült. Manche Menschen bemerken danach einen etwas häufigeren und weicheren Stuhlgang. Sollten bestimmte Lebensmittel nach der Gallenblasenentfernung schlechter vertragen werden, kann es sinnvoll sein, die Ernährung auf fettärmere und ballaststoffreichere Kost umzustellen, um das Verdauungssystem zu entlasten und das Wohlbefinden zu verbessern.
Gallensteinen vorbeugen
Ein gesunder Lebensstil ist die beste Vorbeugung gegen Gallensteine, die zu etwa 70 Prozent durch ungesunde Gewohnheiten gefördert werden. Eine fettarme, ballaststoffreiche und cholesterinarme Ernährung kann der Steinbildung entgegenwirken. Es empfiehlt sich, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, um die Gallenblase nicht zu überlasten.
Die Vermeidung von Übergewicht und ein kontrolliertes Abnehmen sind ebenfalls entscheidend. Schnelles Fasten oder extremer Gewichtsverlust können dazu führen, dass die Gallenflüssigkeit mit Cholesterin übersättigt wird und sich Steine bilden. Ähnliches gilt für die ersten Monate nach einer Magenbypass-Operation. Neben einer “steingesunden” Ernährung ist auch regelmäßige Bewegung ein wichtiger Faktor, um der Entstehung von Gallensteinen vorzubeugen und die allgemeine Gesundheit zu fördern. Wer sich um sein Verdauungssystem kümmern möchte, findet nützliche Hinweise zur Linderung von Beschwerden wie schluckauf hausmittel.
Hausmittel gegen Gallensteine
Bestimmte pflanzliche Mittel und Vitamine wie Vitamin C, Apfelessig, Mariendistel, Löwenzahn und Pfefferminze werden oft als Hausmittel zur Vorbeugung von Gallensteinen genannt. Vitamin C soll überschüssiges Cholesterin wasserlöslich machen und dessen Abbau unterstützen, ähnlich wie die Apfelsäure im Apfelessig. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Wirksamkeit dieser Hausmittel wissenschaftlich nicht durch Studien belegt ist. Bei starken Oberbauchschmerzen und dem Verdacht auf Gallensteine sollte immer umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um eine professionelle Diagnose und Behandlung zu erhalten.
Beitrag von Ursula Stamm, ergänzt und optimiert von Shock Naue Redaktion
