Das neue EU-Energielabel für Kühl- und Gefriergeräte: Was Verbraucher wissen müssen

Seit den 1990er Jahren sind Energielabel ein fester Bestandteil vieler Elektrogeräte, die auf dem europäischen Markt vertrieben werden. Sie sollen Verbrauchern eine einfache Orientierung bieten, um effiziente Geräte zu erkennen und eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen. Doch mit dem technischen Fortschritt konzentrierten sich immer mehr Kühl- und Gefriergeräte in den obersten “Plus”-Klassen, was die Unterscheidung zwischen den Modellen erschwerte und den ursprünglichen Zweck des Labels zunehmend untergrub. Angesichts dieser Entwicklung hat die Europäische Kommission eine umfassende Reform des Energielabels eingeleitet, um wieder mehr Transparenz und Klarheit zu schaffen und den Anreiz für Hersteller, noch energieeffizientere Geräte zu entwickeln, zu verstärken.

Die Reform des EU-Energielabels: Ein Überblick

Mit Wirkung zum 1. März 2021 wurde für Kühl- und Gefriergeräte ein neues EU-Label eingeführt, das eine vereinfachte Skala von A bis G verwendet. Diese Umstellung basiert auf der Verordnung (EU) 2019/2016, die am 5. Dezember 2019 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurde und die vorherige Verordnung (EU) 1060/2010 ablöst. Ziel dieser Neuerung ist es, die Energieeffizienzklassen wieder übersichtlicher und verständlicher zu gestalten, indem die zuvor verwendeten „Plus“-Klassen wie A+, A++ oder A+++ vollständig abgeschafft werden. Das neue System orientiert sich an einem klaren Ampelsystem: Dunkelgrün steht für die beste Energieeffizienzklasse „A“, während Rot die schlechteste Klasse „G“ kennzeichnet.

Die neuen Energieeffizienzklassen A bis G

Die Einstufung eines Geräts in die jeweilige Energieeffizienzklasse erfolgt basierend auf dem Energieeffizienzindex (EEI). Dieser Wert wird mithilfe einer komplexen Formel ermittelt, die verschiedene Faktoren berücksichtigt. Dazu gehören das Funktionsprinzip des Geräts (z.B. Kompressor oder Absorbergerät), die spezifische Geräteart, die Anzahl und Größe der einzelnen Fächer sowie korrigierende Faktoren, die beispielsweise für Einbaugeräte relevant sind. Der tatsächliche Energieverbrauch wird durch standardisierte Prüfungen bei Umgebungstemperaturen von 16 °C und 32 °C ermittelt, um realitätsnahe Werte zu gewährleisten.

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Die Europäische Kommission hat die Klassengrenzen so festgelegt, dass die beste Klasse A zum Zeitpunkt der Einführung nicht von der Mehrheit der Modelle erreicht wird. Dies soll sicherstellen, dass über die nächsten zehn Jahre hinweg Raum für weitere technologische Entwicklungen und Verbesserungen in der Energieeffizienz besteht. Die Skala ist so konzipiert, dass der Abstand zwischen zwei benachbarten Klassen einheitlich 20 Prozent beträgt, was eine klare Abstufung und Vergleichbarkeit ermöglicht (Quelle: ZVEI).

EnergieeffizienzklasseEnergieeffizienzindex (EEI)
AEEI ≤ 41
B41 < EEI ≤ 51
C51 < EEI ≤ 64
D64 < EEI ≤ 80
E80 < EEI ≤ 100
F100 < EEI ≤ 125
GEEI > 125

Detaillierte Angaben auf dem Energielabel

Neben der Energieeffizienzklasse bietet das neue Energielabel weitere wichtige Informationen, die Verbrauchern bei der Auswahl helfen sollen. Dazu gehören der Jahres-Energieverbrauch in Kilowattstunden (kWh), der einen direkten Vergleich der Betriebskosten ermöglicht. Des Weiteren sind das Gesamtvolumen aller Kühlfächer sowie, falls vorhanden, das Volumen der Tiefkühlfächer in Litern angegeben. Diese Angaben sind entscheidend, um ein Gerät zu finden, das dem individuellen Platzbedarf entspricht.

Eine weitere Neuerung ist die Ergänzung der Luftschallemissionsklasse, die in Klassen von A bis D eingeteilt ist. Diese gibt Aufschluss über die Lautstärke des Gerätes im Betrieb, was besonders in offenen Wohnküchen oder kleinen Wohnungen eine wichtige Rolle spielen kann.

LuftschallemissionsklasseLuftschallemission, in dB(A) re 1 pW
A< 30
B≥ 30 und < 36
C≥ 36 und < 42
D≥ 42

Spezielle Kennzeichnung für Weinkühlschränke

Die Reform des Energielabels umfasst nicht nur Kühl- und Gefriergeräte, sondern auch Weinkühlschränke. Diese Geräte werden seit dem 1. März 2021 ebenfalls auf die neuen Energieeffizienzklassen A bis G umgestellt. Für Weinkühlschränke sind auf dem Label spezifische Informationen zu finden, darunter ein QR-Code, der zu einer europäischen Produktdatenbank (EPREL) führt, die Luftschallemissionsklasse, der Jahres-Energieverbrauch in kWh sowie die Anzahl der Standardweinflaschen, für die das Gerät ausgelegt ist. Dies ermöglicht Weinliebhabern, auch bei der Lagerung ihrer Weine eine energieeffiziente Wahl zu treffen.

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Die Ökodesign-Vorschriften: Mehr als nur Effizienz

Parallel zur neuen Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung für Kühl- und Gefriergeräte hat die Europäische Kommission eine ergänzende Ökodesign-Verordnung (EU) 2019/2019 erlassen. Diese wurde ebenfalls am 5. Dezember 2019 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und ersetzt die bisherige Verordnung (EG) 643/2009. Die Ökodesign-Verordnung legt Mindestanforderungen an die Energieeffizienz und andere Aspekte der Ressourceneffizienz fest, die in zwei Stufen verschärft werden.

Verschärfung der Energieeffizienz-Mindestanforderungen

Seit dem 1. März 2021 darf der Energieeffizienzindex (EEI) bei Kühlgeräten maximal 125 betragen, was bedeutet, dass Geräte der Klasse G nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Für Weinlagerschränke mit durchsichtigen Türen liegt der maximale EEI bei 190, während für sonstige Weinlagerschränke ein Wert von maximal 155 gilt. Für geräuscharme Kältegeräte gelten dabei höhere Werte, um deren spezielle Bauweise zu berücksichtigen.

Eine weitere Verschärfung tritt ab dem 1. März 2024 in Kraft: Dann darf der EEI bei Kühlgeräten maximal 100 betragen, wodurch zusätzlich die Klasse F wegfällt und nur noch Geräte der Klasse E oder besser auf den Markt gebracht werden dürfen. Für Weinlagerschränke mit durchsichtigen Türen sinkt der maximale EEI auf 172 und für sonstige Weinlagerschränke auf 140. Diese schrittweisen Anpassungen sollen den Herstellern Zeit geben, ihre Produkte weiter zu optimieren und den Markt kontinuierlich in Richtung höherer Effizienz zu bewegen.

Ressourceneffizienz und Langlebigkeit

Neben der reinen Energieeffizienz legt die Ökodesign-Verordnung auch großen Wert auf die Ressourceneffizienz, um die Lebensdauer der Geräte zu verlängern und das Recycling zu verbessern. Seit dem 1. März 2021 gelten folgende Vorgaben:

  • Verfügbarkeit von Ersatzteilen: Wichtige Ersatzteile wie Thermostate, Temperatursensoren, Leiterplatten und Lichtquellen müssen bis mindestens sieben Jahre nach dem letzten Inverkehrbringen des Modells verfügbar sein. Türgriffe, Türscharniere, Einlegeböden, Einschübe und Türdichtungen müssen sogar für Endnutzer mindestens sieben Jahre bzw. für Türdichtungen mindestens zehn Jahre nach dem letzten Inverkehrbringen erhältlich sein.
  • Reparaturfreundlichkeit: Diese Ersatzteile müssen mit allgemein verfügbaren Werkzeugen und ohne dauerhafte Beschädigung am Gerät auswechselbar sein, um Reparaturen zu erleichtern und die Lebensdauer der Geräte zu verlängern.
  • Schnelle Lieferung: Die Lieferzeit für Ersatzteile darf maximal 15 Arbeitstage betragen, um schnelle Reparaturen zu gewährleisten.
  • Zugang für Fachkräfte: Gewerbliche Reparateure erhalten Zugang zu Reparatur- und Wartungsanleitungen, wobei Nachweise der fachlichen Kompetenz und einer abgeschlossenen Berufshaftpflichtversicherung verlangt werden können.
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Wichtige Informationen für den Endnutzer

Um die effiziente Nutzung der Geräte durch Endnutzer zu fördern, müssen zusätzliche, frei zugängliche Informationen bereitgestellt werden, beispielsweise in der Gebrauchsanweisung. Dazu gehören klare Hinweise zur effizienten Nutzung des Kühl- und Gefriergerätes, wie detaillierte Anleitungen zur Lagerung von Lebensmitteln in den verschiedenen Fächern und empfohlene Temperatureinstellungen für jedes Fach. Darüber hinaus müssen Anweisungen für die ordnungsgemäße Installation und Wartung, einschließlich der Reinigung des Gerätes, enthalten sein.

Das neue EU-Energielabel und die Ökodesign-Vorschriften stellen einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit dar. Sie erleichtern Verbrauchern die bewusste Entscheidung für umweltfreundlichere und langlebigere Geräte und tragen maßgeblich zur Reduzierung des Energieverbrauchs in europäischen Haushalten bei. Informieren Sie sich vor dem Kauf gründlich über die neuen Label, um die beste Wahl für Ihre Bedürfnisse und die Umwelt zu treffen.