Blähungen, medizinisch als Flatulenz bekannt, sind ein weitverbreitetes Phänomen, das die meisten Menschen früher oder später erleben. Während Kinder sie oft amüsant finden, empfinden Erwachsene sie meist als peinlich und unangenehm. Dass im Laufe des Verdauungsprozesses Darmgase entweichen, ist völlig normal. Problematisch wird es jedoch, wenn ständig Winde abgehen oder der Bauch stark aufgebläht ist. Oft liegt die Ursache in der Ernährung, doch manchmal können auch ernsthaftere Erkrankungen dahinterstecken.
Blähungen – Das Wichtigste in Kürze
Blähungen sind zwar unangenehm, in den meisten Fällen aber harmlos. Im Durchschnitt entledigt sich der Darm etwa acht- bis fünfundzwanzigmal pro Tag überschüssiger Luft. Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn die Blähungen ständig auftreten oder von weiteren Beschwerden begleitet werden.
Ursachen: Wie entstehen Blähungen?
Darmwinde entstehen nicht im Magen, sondern hauptsächlich im Dickdarm. Hier bilden sich täglich mehrere Liter Gas, die von den Darmbakterien während der Verdauung produziert werden. Zusätzlich gelangt Luft, die wir beim Essen und Trinken schlucken, in den Darm. Ein Großteil dieses Gas-Luft-Gemisches wird über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen, gelangt in die Lungen und wird ausgeatmet. Der restliche Teil verlässt den Körper über den After. Von Blähungen spricht man, wenn sich zu viel Wind im Bauch ansammelt und sich den Weg nach draußen bahnt. Ob eine Blähung geräuschvoll ist, hängt vom Druck ab, mit dem sie entweicht: Je höher der Druck der Gase auf den Schließmuskel, desto lauter der entweichende Pups.
Symptome: Welche Arten von Flatulenz gibt es?
Ein grummelnder oder harter Bauch ist ein deutliches Anzeichen für zu viel Luft im Darm. Diese kann entweder portionsweise entweichen oder sich ansammeln und zu einem sogenannten Blähbauch führen.
Festsitzende Blähungen schmerzen
Sind die Blähungen stark und hartnäckig, spricht man von festsitzenden Blähungen. Die eingeschlossene Luft kann nicht entweichen, der Bauch ist aufgebläht, fühlt sich hart an und kann Schmerzen verursachen. Begleiterscheinungen können ein Völlegefühl, Übelkeit, Krämpfe oder Durchfall sein. Bei solchen Symptomen sollten Sie an eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Darmerkrankung wie das Reizdarmsyndrom denken.
Ständige Blähungen bei Frauen
Viele Frauen leiden unter einem aufgeblähten Bauch, besonders während der Periode, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren. Dies ist auf weibliche Hormone wie Östrogen und Progesteron zurückzuführen. Progesteron verlangsamt unter anderem den Verdauungsprozess, was zur Ansammlung von Gasen im Darm führt. Hinzu kommt, dass Frauen unter dem Einfluss dieser Hormone – beispielsweise vor der Periode – oft zu ungesünderen Essgewohnheiten neigen, da sie vermehrt Heißhungerattacken bekommen. Zuckerhaltige und fettreiche Lebensmittel fördern Blähungen zusätzlich.
Blähungen mit Gluckern im Bauch
Wenn Sie festsitzende Blähungen oder ständig gluckernde Geräusche im Bauch haben, sind die häufigsten Ursachen:
- Gas erzeugende Nahrungsmittel (zum Beispiel Kohl)
- Ungesunde Ernährung (zu viel Zucker)
- Hastiges Essen, bei dem zu viel Luft geschluckt wird
- Kohlensäurehaltige Getränke
Blähbauch: Dicker Bauch durch Flatulenz
Ein übermäßiges Luftvolumen kann dazu führen, dass der Bauch sich nach vorne wölbt, spannt und hart anfühlt – ein sogenannter Blähbauch (Meteorismus) entsteht. Oft treten dabei auch Verstopfung, Durchfall oder Bauchschmerzen auf. Ein ständig aufgeblähter Bauch kann auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hindeuten. Auch der übermäßige Verzehr blähender Lebensmittel wie kohlensäurehaltiger Getränke oder bestimmte Medikamente können Blähungen begünstigen. Für eine gesunde Verdauung und einen flachen Bauch kann es hilfreich sein, sich mit Strategien zum langfristig abnehmen auseinanderzusetzen.
Stinkende Blähungen: Warum riecht der Pups?
Darmgase können nach faulen Eiern riechen oder nahezu geruchlos sein. Der Geruch der Blähungen hängt maßgeblich von der Art der aufgenommenen Nahrung ab. Bei der Verdauung von ballaststoff- und eiweißreicher Kost entstehen schwefelhaltige Gase. Nach dem Verzehr von Eiern, Milchprodukten oder Fleisch riechen Pupse oft besonders intensiv. Auch ballaststoffreiches Gemüse wie Kohl oder Zwiebeln können übelriechende Gase erzeugen.
Wenn Blähungen und Durchfall gemeinsam auftreten
Blähungen in Kombination mit Durchfall können Anzeichen eines Magen-Darm-Infekts sein oder nach einer sehr fettreichen Mahlzeit auftreten. Auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit sollte in Betracht gezogen werden. Tritt Durchfall und Blähungen ständig auf, kann dies auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn hindeuten. Ein Reizdarmsyndrom ist ebenfalls eine mögliche Ursache. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Leber oder Gallenblase können ebenfalls zugrunde liegen.
Blähungen und Darmgeräusche nach dem Essen
Das häufige Bedürfnis zu pupsen unmittelbar nach den Mahlzeiten deutet meist auf harmlose Ursachen wie den Verzehr von Erbsen oder Bohnen hin. Es könnte jedoch auch eine Nahrungsunverträglichkeit dahinterstecken, die oft von Völlegefühl und Durchfall begleitet wird.
Welche Nahrungsmittel verursachen Blähungen?
Viele Lebensmittel können Blähungen hervorrufen. Besonders stark fördernd wirken:
- Kohlsorten (Brokkoli, Rosenkohl, Blumenkohl, Rotkohl, Weißkohl, Chinakohl, Wirsing) und Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Erbsen): Sie enthalten viele Ballaststoffe, deren Abbau im Darm Gase erzeugt.
- Rohes Gemüse führt generell eher zu Gärungsprozessen im Darm und damit zu Blähungen. Tipp: Gekochtes Gemüse ist leichter verdaulich und verursacht weniger Flatulenzen.
- Auch Zwiebeln, Knoblauch und Lauch können blähend wirken.
- Fruchtzucker in Obst kann Blähungen verursachen, besonders bei Beeren, Kirschen, Aprikosen oder Pflaumen.
- Üppige, süße und fette Speisen verstärken die Gasbildung im Bauch. Die vorhandenen Enzyme können die Nährstoffe oft nicht ausreichend zerlegen, sodass die Darmbakterien aktiv werden und vermehrte Darmwinde produzieren. Eine bewusste Ernährung, die hilft, abnehmen leicht gemacht zu gestalten, kann hier Linderung verschaffen.
Blähungen durch Nahrungsmittelunverträglichkeit
Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit kann der Körper bestimmte Stoffe wie Fructose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker) oder Gluten (Klebereiweiß) nicht richtig verarbeiten. Bei einer Fructoseunverträglichkeit fehlt beispielsweise ein Protein, das die Fructose in die Darmzelle transportiert. Die Fructose gelangt unverdaut in den Dickdarm, wird dort von Bakterien “vergoren” und verursacht Blähungen. Bekannte Unverträglichkeiten sind Laktoseintoleranz, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Fructose- oder Saccharoseintoleranz. Eine ausgewogene Eiweiß Diät kann in manchen Fällen helfen, Verdauungsprobleme zu reduzieren, insbesondere wenn sie auf eine Unverträglichkeit zurückzuführen sind.
Zuckerersatz Sorbit ist häufiger Auslöser von Flatulenz
Sorbit, auch Sorbitol genannt, ist ein Zuckeraustauschstoff, der Blähungen verursachen kann. Als Lebensmittelzusatzstoff E420 findet man es in Produkten wie Ketchup, Mayonnaise, Kaugummi oder Toastbrot. Auch Light-Produkte enthalten oft Sorbit. Ein Hinweis wie “kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken” auf der Verpackung deutet auf Sorbit hin. Natürlich kommt Sorbit in frischen Früchten (Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen, Erdbeeren, Aprikosen) und Trockenfrüchten vor.
Medikamente als Ursache
Bestimmte Medikamente können Blähungen verursachen, insbesondere Antibiotika, Antidiabetika oder Diätmittel wie Lipasehemmer.
Wann sind Blähungen ein Anzeichen für Krankheiten?
Häufiges Pupsen ist meist harmlos. Dennoch sollte man einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, wenn neben den Blähungen weitere Beschwerden auftreten, wie Völlegefühl, Übelkeit, Bauchschmerzen, Krämpfe oder Veränderungen im Stuhlgang (plötzlicher Durchfall oder Verstopfung).
Ständige Blähungen können ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung sein. Dazu gehören chronische Verstopfung, Reizdarm, Reizmagen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Magen-Darm-Infekte, entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Darmkrebs, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder der Galle sowie Lebererkrankungen wie Leberzirrhose. Zur Abklärung der Ursachen wird man in der Regel an einen Gastroenterologen überwiesen.
Hausmittel gegen Blähungen
Die meisten Blähungen sind unbedenklich und kein Grund zur Sorge, besonders nach einem üppigen Essen. Wirksame Hausmittel sind Tees mit Fenchel, Kümmel, Pfefferminze, Melisse oder Anis. Ingwer entspannt die Darmmuskulatur und lindert Beschwerden: Einfach ein Stück Ingwerknolle schneiden oder reiben und als Tee aufgießen. Eine Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen beruhigt den Dickdarm und löst Krämpfe. Wichtig ist auch, Blähungen nicht zu verkneifen, sondern nach Möglichkeit entweichen zu lassen.
Massage entspannt Bauch bei Blähungen
Viele schwören bei Blähungen auf eine Bauchmassage. Mit der flachen Hand im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel massieren. Dies regt die Darmbewegungen sanft an, erleichtert das Abgehen der Darmwinde und entspannt den Bauch.
Medikamente gegen Blähungen
Es gibt natürliche Arzneimittel auf Basis von Pfefferminzöl, Süßholzwurzel oder Kümmelöl. Entblähende Medikamente enthalten oft die Wirkstoffe Simeticon oder Dimeticon. Diese sogenannten Entschäumer sollen die schaumigen Gasblasen im Dickdarm zum Platzen bringen und so Blähungen reduzieren. Sie sind rezeptfrei in der Apotheke als Kautabletten oder Tropfen erhältlich. Auch Säuglinge leiden oft unter Blähungen und bekommen entschäumende Medikamente verschrieben. Bei schmerzhaften “eingeklemmten Winden” können krampflösende Mittel mit Wirkstoffen wie Butylscopolamin (z.B. Buscopan) helfen, indem sie die Muskulatur des Verdauungstrakts entspannen.
Blähungen in der Schwangerschaft: Was tun?
Schwangere Frauen mit Blähproblemen sollten auf die Wahl des Gemüses achten: Karotten, Fenchel oder Tomaten sind leichter verdaulich als Kohl und Hülsenfrüchte. Auch der Verzicht auf Kohlensäure kann hilfreich sein. Tees mit Fenchel, Anis oder Kümmel unterstützen das Lösen der Blähungen. Eine sanfte Bauchmassage kann ebenfalls Linderung bringen. Bleiben die Beschwerden bestehen, kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt ein geeignetes Medikament (z.B. Entschäumer) empfehlen. Die Beiträge der Ernährungs Docs gesund und schlank durch Intervallfasten können weitere wertvolle Tipps für eine darmfreundliche Ernährung liefern.
Fazit: Wenn der Bauch drückt – Was hilft wirklich?
Blähungen sind ein normales, wenn auch oft unangenehmes Verdauungssymptom, das in den meisten Fällen durch Ernährung und Lebensstil beeinflusst wird. Indem Sie blähende Lebensmittel meiden, langsamer essen, auf kohlensäurehaltige Getränke verzichten und natürliche Hausmittel wie Kräutertees oder Bauchmassagen anwenden, können Sie oft selbst Abhilfe schaffen. Achten Sie auf Ihren Körper und experimentieren Sie mit Ihrer Ernährung, um herauszufinden, welche Lebensmittel Ihnen guttun. Bei anhaltenden, starken oder von weiteren Symptomen begleiteten Blähungen sollten Sie jedoch unbedingt einen Arzt aufsuchen, um mögliche ernstere Ursachen abzuklären. Ein gesunder Darm ist der Schlüssel zu einem guten Wohlbefinden – hören Sie auf die Signale Ihres Körpers.

