Rückkaufswert: Ein kritischer Blick auf Ihre Altersvorsorge

Jedes Jahr erhalten Sie pünktlich zum Hauptfälligkeitstermin eine Wertmitteilung zu Ihrem Versicherungsvertrag. Viele legen dieses Dokument schnell zur Seite, doch es lohnt sich, die Zahlen genau zu betrachten. Die Mitteilung enthält entscheidende Daten wie Vertragsbeginn, -ende, den aktuellen Beitrag und dessen Aufteilung. Besonders wichtig ist der ausgewiesene Rückkaufswert. Ein Vergleich dieses Wertes mit Ihren bisher eingezahlten Beiträgen kann überraschende Ergebnisse zutage fördern: Oftmals haben Sie mehr eingezahlt, als aktuell als Guthaben ausgewiesen ist. Auch die Wertentwicklung Ihres Guthabens im Vergleich zur Entwicklung des zugrunde liegenden Fonds ist ein wichtiger Indikator für die Rentabilität Ihres Vertrages.

Warum ist das Guthaben geringer als die eingezahlten Beiträge?

Mehrere Faktoren können dazu führen, dass Ihr Guthaben niedriger erscheint als Ihre Einzahlungen:

  • Vertragslaufzeit unter 5 Jahren: In den ersten fünf Vertragsjahren werden die Abschluss- und Vertriebskosten ratierlich beglichen. Die Wertentwicklung wird dadurch verzerrt, und der Vertrag kann in dieser Anfangsphase im Minus liegen.
  • Zusatzbausteine: Beinhaltet Ihr Vertrag Zusatzleistungen wie eine Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit, eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung oder eine Todesfall- bzw. Pflegeabsicherung, sind diese Risikobeiträge nicht Teil des reinen Sparanteils. Nur der Sparanteil des Hauptvertrages darf in die Berechnung einbezogen werden.
  • Negative Fondsentwicklung: Die im Vertrag hinterlegten Fonds können eine negative Wertentwicklung aufweisen.
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Selbst wenn diese Punkte nicht zutreffen, kann es vorkommen, dass Sie auch nach vielen Jahren noch im Minus sind, obwohl die Fonds eine gute Performance erzielt haben oder die Wertentwicklung des Guthabens stark von der des Fonds abweicht. Dies deutet auf weitere, möglicherweise intransparente Kosten hin. Eine Altersvorsorge in Form einer Rentenversicherung dient primär der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos und ist nicht reine Geldanlage. Jede Form des Sparens verursacht Kosten, die sich auf die Rendite auswirken. Dennoch sollte sich das Vermögen bestmöglich entwickeln.

Rentiert sich mein Vertrag? Eine Kostenanalyse

Um die Rentabilität eines Vertrages zu bewerten, muss man die Produkt- und Fondskosten genau betrachten. Nehmen wir als Beispiel einen 27-jährigen Kunden, der 40 Jahre lang monatlich 200 EUR in eine Rentenversicherung einzahlen möchte.

1. Kosten der Versicherungsgesellschaft

Abschluss- und Vertriebskosten werden, wie erwähnt, über die ersten fünf Jahre verteilt abgebucht. Hinzu kommen jährliche Verwaltungskosten für die Vertragsführung. Diese Informationen finden sich im Produktinformationsblatt.

Bei einem Beitrag von 200 EUR monatlich können die laufenden Verwaltungskosten beträchtlich sein. Im Beispiel eines Tarifs der Generali Deutschland Lebensversicherung (ehemals Aachen Münchener Lebensversicherung) fallen monatlich 44,82 EUR an Verwaltungskosten an, was 22,41% des Sparbeitrags entspricht. Diese Kosten müssen erst durch die Fondsentwicklung wieder “hereingeholt” werden. Diese laufenden Kosten sind im Vergleich zu anderen Anbietern für diesen Tarif außerordentlich hoch.

2. Kosten der Fondsgesellschaft

Zusätzlich zu den internen Kosten des Versicherers werden oft kostspielige, aktiv gemanagte Fonds angeboten, wie beispielsweise die der DWS. Aktiv gemanagte Fonds verursachen hohe Gebühren, da Fondsmanager versuchen, den Markt zu schlagen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass dies auf Dauer oft nicht gelingt.

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Selbst bei einer Bruttorendite des Fonds von 6% p.a. können nach Abzug der Kosten (TER – Total Expense Ratio) nur etwa 4,55% netto beim Sparer ankommen. Berücksichtigt man alle tatsächlichen Kosten aktiv gemanagter Fonds, die oft bei pauschal ca. 3% liegen, verbleiben bei einer Bruttorendite von 6% netto nur 3%.

Die Grafik verdeutlicht, wie die hohen Kosten aktiv gemanagter Fonds die Rendite schmälern. Während der Markt über einen Zeitraum von etwa 16 Jahren um ca. 499% stieg, erreichte der DWS Vermögensbildungsfonds I nur etwa 313% – ein Unterschied von rund 186% weniger Rendite für den Sparer. Die Wahl zwischen einem Investmentdepot und einem Versicherungsmantel ist hier entscheidend.

Die Auswirkungen der Kosten auf Ihr Vermögen

Die Generali (AachenMünchener) weist sowohl in ihrem Produkt als auch in ihrer Fondsauswahl eine hohe Kostenbelastung auf, was zu einer unterdurchschnittlichen Performance im Vergleich zum Markt führt. Eine finanzmathematische Untersuchung zeigt, wie sich der Tarif der Generali im Vergleich zu einer kosteneffizienteren Alternative entwickelt.

Alternative Vermögensaufbau & Sicherheitsplan

Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr Geld kosteneffizienter anlegen. Bei einer angenommenen jährlichen Wertentwicklung der Fonds von 6% und Gesamtkosten von 2,5% p.a. (inklusive Berücksichtigung von möglichen Kickbacks der Generali) ergeben sich deutliche Unterschiede.

Während der Generali-Vertrag über 83 Jahre eine Ablaufleistung von gut 28.000 EUR erzielt, erreicht die kosteneffiziente Alternative über 40 Jahre Laufzeit rund 314.000 EUR – selbst nach Abzug von Honoraren für Beratung. Dies verdeutlicht, dass eine Reduzierung der Kosten zu einer erheblich höheren Ablaufleistung führen kann, ohne dass Versprechungen über unrealistisch hohe Renditen gemacht werden.

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Vorsicht vor optimierten Angeboten!

Prognostizierte Ablaufleistungen in Angeboten sind oft geschönt und berücksichtigen nicht alle Kosten. Bei der Generali könnte dies bedeuten, dass die Fondskosten nicht vollständig eingerechnet werden, während nicht garantierte Überschüsse berücksichtigt werden. Dies macht einen fairen Vergleich von Angeboten nahezu unmöglich. Eine genaue finanzmathematische Untersuchung ist unerlässlich, um die tatsächliche Ablaufleistung eines Vertrages zu ermitteln.

Lohnt sich die Kündigung eines bestehenden Vertrages?

Ist Ihr Musterkunde noch ohne Altersvorsorge, ist die Ausgangslage klar. Haben Sie jedoch bereits bestehende Renten- oder Lebensversicherungen, ist eine sorgfältige Prüfung vor einem Wechsel unerlässlich. Faktoren wie die verbleibende Vertragslaufzeit, ob der Vertrag noch steuerfrei ist (Abschluss vor 2004) und ob die Abschlusskosten bereits beglichen sind, spielen eine wichtige Rolle.

Bei der Generali Rentenversicherung, insbesondere dem VASP, zeigt die Erfahrung, dass ein Wechsel oft wirtschaftlich sinnvoll ist, je länger die Restlaufzeit des Vertrages ist – selbst wenn erneute Abschlussgebühren anfallen.

Fazit: Ein kritischer Blick auf die Generali Deutschland Vermögensaufbau & Sicherheitsplan

Dieser Artikel soll keine bestimmte Gesellschaft schlechtreden. Als unabhängiger Honorarberater ist es meine Aufgabe, Kunden über die tatsächlichen Ablaufleistungen ihrer Verträge aufzuklären. Da Angebote oft optimiert sind, ist ein Vergleich für Laien schwierig.

Es ist ratsam, die Entscheidung für oder gegen die Generali Deutschland Lebensversicherung sorgfältig abzuwägen. Die variierenden Kostenstrukturen bei Altersvorsorgeverträgen sind enorm. Provisionsfreie Tarife mit minimaler Kostenbelastung bieten für den Kunden oft den größten Vorteil.

Benötigen Sie Unterstützung bei der Überprüfung Ihrer bestehenden Altersvorsorgeverträge? Kontaktieren Sie mich gerne für ein Erstgespräch!

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