Genesenenachweis: So erhalten Sie ihn und die Rolle der Apotheken

In Zeiten anhaltender globaler Gesundheitsherausforderungen bleibt der Nachweis einer überstandenen Covid-19-Erkrankung, der sogenannte Genesenenachweis, ein zentrales Dokument für viele Menschen. Er bestätigt den „Genesen“-Status und ermöglicht unter bestimmten Umständen Erleichterungen im öffentlichen Leben. Angesichts der hohen Fallzahlen und der damit verbundenen Belastung der Gesundheitsämter hat sich die Zuständigkeit für die Ausstellung dieser wichtigen Dokumente in vielen Regionen Deutschlands verlagert. Immer häufiger übernehmen nun Apotheken diese Aufgabe, was sowohl Entlastung als auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Voraussetzungen, den Ablauf der Ausstellung und die kontroversen Diskussionen, die diese Entwicklung in der Apothekerschaft auslöst.

So erhalten Sie Ihren digitalen Genesenenachweis: Voraussetzungen und Ablauf

Um einen digitalen Genesenenachweis zu erhalten, müssen Sie bestimmte Kriterien erfüllen, die den Status einer überstandenen Covid-19-Infektion klar belegen. Die wichtigste Grundlage ist der Nachweis eines positiven PCR-Testergebnisses. Ein Antigen-Schnelltest reicht hierfür in der Regel nicht aus. Nachdem Sie die erforderliche Quarantänezeit vollständig überstanden haben, können Sie den Genesenenachweis beantragen.

Der Prozess ist wie folgt geregelt: Zunächst muss ein positiver PCR-Laborbefund vorliegen. Dieser ist der definitive Nachweis für eine Infektion. Weiterhin muss die Quarantäne entweder vollständig beendet sein (meist nach zehn Tagen ab dem positiven PCR-Test) oder durch einen zertifizierten negativen Schnelltest offiziell verkürzt worden sein. Es ist wichtig zu beachten, dass der Status „Genesen“ nicht sofort nach Beendigung der Quarantäne beginnt, sondern erst 28 Tage nach dem ursprünglich positiven PCR-Testergebnis. Dieser Status ist aktuell für 90 Tage gültig. Für die Beantragung in der Apotheke benötigen Kund:innen üblicherweise ihren Personalausweis und den positiven PCR-Testbefund. Apotheken prüfen dann anhand dieser Dokumente, ob alle Vorgaben erfüllt sind, und stellen das digitale Zertifikat aus, das beispielsweise in der Corona-Warn-App oder der CovPass-App hinterlegt werden kann.

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Herausforderungen für Apotheken: Kritik und Entlastung

Die Übertragung der Ausstellung von Genesenenachweisen auf Apotheken wird in der Branche unterschiedlich bewertet. Während einige Apotheker die Maßnahme als notwendigen Schritt zur Entlastung der Gesundheitsämter begrüßen, äußern andere erhebliche Bedenken hinsichtlich der zusätzlichen Arbeitslast und der damit verbundenen Verantwortung.

Die Bedenken der Apotheker

Apotheker wie Stefan Renner aus Landstuhl, Inhaber der Kur-Apotheke, stehen dieser Entwicklung kritisch gegenüber. Er bemängelt, dass er nun die Einhaltung der Vorgaben eigenständig prüfen muss, was eine große Verantwortung darstellt. Renner befürchtet zudem, dass diese Aufgabe zu unnötigen Diskussionen mit den Kund:innen führen könnte, die er in seinem Arbeitsalltag nicht gebrauchen kann. Die zusätzlichen Prüf- und Beratungsaufgaben binden wertvolle Kapazitäten, die in den bereits stark ausgelasteten Apotheken oft fehlen. Dies kann die ohnehin schon hohe Arbeitsdichte für das Personal weiter erhöhen und die Kernaufgaben der Arzneimittelversorgung beeinträchtigen.

Die Entlastung der Gesundheitsämter und die politische Bedeutung

Andererseits sehen einige Apotheker:innen, wie Stephanie Weinmann-Paul von der Lutrina-Apotheke in Kaiserslautern, die Vorteile dieser Aufgabenverlagerung. Sie begrüßt das Vertrauen, das die Behörden in die Apotheken setzen, und betont die Praktikabilität aufgrund der langen Öffnungszeiten der Apotheken. Weinmann-Paul hebt hervor, dass die Gesundheitsämter bereits in der Vergangenheit bei der Ausstellung von Genesenen- und Impfnachweisen an ihre Grenzen stießen und Apotheken als wichtige Ansprechpartner in der Pandemie fungieren. Sie betont die Rolle der Apotheken als „wichtiger Grundpfeiler der Gesellschaft“, der im Lockdown seine unverzichtbare Funktion unter Beweis gestellt hat. Weinmann-Paul wünscht sich, dass diese Bedeutung auch politisch stärker anerkannt und Apotheker:innen sowie ihre Angestellten entsprechend honoriert werden. Die Entlastung der Gesundheitsämter, die für die Stadt und den Landkreis Kaiserslautern zuständig sind, sei in der aktuellen Lage von großer Bedeutung.

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Bundesweite Entwicklung: Andere Kreise folgten dem Beispiel

Die Überlastung der Gesundheitsämter ist kein regionales Phänomen, sondern eine bundesweite Herausforderung. In vielen Regionen Deutschlands haben Behörden bereits reagiert und die Ausstellung von digitalen Genesenen- und Impfnachweisen an Apotheken und Arztpraxen delegiert. So haben beispielsweise in Hessen mehrere Regionen diese Aufgabe abgegeben. Ein prominentes Beispiel ist der Lahn-Dill-Kreis, der bis Ende Januar 2022 einen separaten Nachweis an infizierte Bürger:innen versandt hatte. Dieses Vorgehen wurde jedoch aufgrund der hohen Fallzahlen eingestellt. Landrat Wolfgang Schuster erklärte, dass das freiwillige Angebot des Landkreises nun ebenfalls auf die Apotheken und Hausarztpraxen übertragen wird, um das Gesundheitsamt administrativ zu entlasten. Er merkte an, dass andere Gesundheitsämter diese Zusatzleistung bereits Wochen zuvor eingestellt hatten. Dies unterstreicht einen klaren Trend zur Dezentralisierung dieser Dienste, um die Effizienz zu steigern und die Funktionsfähigkeit der öffentlichen Gesundheitsdienste in Krisenzeiten zu sichern. Für die Apotheken ist die Ausstellung digitaler Genesenenzertifikate seit August möglich und wird – ähnlich wie bei den anderen Zertifikaten – mit einer Vergütung von 6 Euro pro Nachweis vergütet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Übertragung der Ausstellung von Genesenenachweisen auf Apotheken eine pragmatische, wenn auch diskutierte, Lösung für die Herausforderungen der Pandemie darstellt. Während sie die Gesundheitsämter entlastet und den Bürger:innen einen leichteren Zugang zu ihren Dokumenten ermöglicht, stellt sie Apotheken vor neue organisatorische Aufgaben. Diese Entwicklung unterstreicht einmal mehr die zentrale und oft unterschätzte Rolle der Apotheken als wichtige Säule des Gesundheitssystems. Für Bürger:innen ist es essenziell, sich vor dem Gang zur Apotheke über die genauen Voraussetzungen und die benötigten Dokumente zu informieren, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

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