Gesundheit ist weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Sie ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Die Gesundheitsförderung verfolgt einen umfassenden Ansatz, um diesen Zustand zu erreichen und zu erhalten. Sie geht über die rein medizinische Behandlung hinaus und integriert präventive Maßnahmen mit der Gestaltung gesunder Lebensbedingungen. Dieser ganzheitliche Blickwinkel ist entscheidend, um nachhaltige Verbesserungen für Einzelne und Gemeinschaften zu erzielen. Sie befasst sich mit den tieferen Ursachen von Gesundheit und Krankheit und schafft Rahmenbedingungen, die ein gesundes Leben fördern.
Die Konzepte der Gesundheitsförderung, wie sie beispielsweise in der Ottawa-Charta festgelegt wurden, betonen die Notwendigkeit, Gesundheit als eine Ressource des alltäglichen Lebens zu begreifen. Es geht darum, Menschen zu befähigen, mehr Kontrolle über ihre eigene Gesundheit zu erlangen und diese aktiv zu gestalten. Dabei spielen verschiedene Handlungsebenen eine Rolle, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Berücksichtigung der individuellen Widerstandsfähigkeit und der Mechanismen, die Gesundheit trotz Belastungen ermöglichen, ein Konzept, das oft im Zusammenhang mit der Salutogenese diskutiert wird.
Die fünf Säulen der Gesundheitsförderung
Die Gesundheitsförderung basiert auf fünf vorrangigen Handlungsebenen, die eine integrierte Strategie für ein gesünderes Gemeinwesen bilden:
1. Gesundheitsfördernde Gesamtpolitik gestalten
Gesundheitsförderung ist eine Aufgabe, die alle Politikbereiche betrifft. Sie geht über das Gesundheitswesen hinaus und erfordert, dass politische Entscheidungen auf allen Ebenen – von der Kommune bis zum Bund – die gesundheitlichen Auswirkungen berücksichtigen. Eine Politik, die Gesundheit fördert, nutzt vielfältige Ansätze, darunter Gesetzesinitiativen, steuerliche Maßnahmen und organisatorische Veränderungen, um die Rahmenbedingungen für ein gesundes Leben zu schaffen. Dies bedeutet, Gesundheit als Leitprinzip in der Stadtplanung, Bildungspolitik, Wirtschaftsförderung und vielen anderen Feldern zu verankern.
2. Gesundheitsförderliche Lebenswelten schaffen
Die Umgebung, in der Menschen leben, arbeiten und lernen, hat einen maßgeblichen Einfluss auf ihre Gesundheit. Gesundheitsförderung zielt darauf ab, sichere, anregende und befriedigende Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dies schließt den Schutz der natürlichen und sozialen Umwelt sowie die Erhaltung natürlicher Ressourcen ein und fördert Konzepte der Nachhaltigkeit und nachhaltigen Gesundheitsförderung. Eine positive Lebenswelt unterstützt Menschen dabei, sich körperlich, geistig und sozial zu entfalten und gesund zu wachsen. Es geht darum, Umgebungen zu gestalten, die gesunde Entscheidungen erleichtern und die Lebensqualität steigern.
3. Gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen unterstützen
Die Stärkung der Gemeinschaft ist ein zentrales Anliegen der Gesundheitsförderung. Dies beinhaltet die Unterstützung von Nachbarschaften, bürgerschaftlichen Aktivitäten und Selbsthilfeinitiativen, um die Selbstbestimmung und Kontrolle über die eigenen Gesundheitsbelange zu fördern. Partizipation und die Stärkung sozialer Netzwerke sind dabei Schlüsselelemente. Die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Gestaltung ihrer Gesundheitsthemen schafft ein Gefühl der Eigenverantwortung und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Internationale Aktionen wie der Weltgesundheitstag rücken die Bedeutung gemeinschaftlicher Gesundheitsanstrengungen ins globale Bewusstsein.
4. Persönliche Kompetenzen entwickeln
Gesundheitsförderung befähigt Menschen, ihre eigenen gesundheitlichen Entscheidungen zu treffen und positive Verhaltensänderungen zu initiieren. Dies geschieht durch umfassende Informationen, gesundheitsbezogene Bildung und die Verbesserung sozialer sowie lebenspraktischer Fähigkeiten. Ziel ist es, die Gesundheitskompetenz (Health Literacy) zu steigern, damit Menschen die Kontrolle über ihre eigene Gesundheit und ihre Lebenswelt übernehmen können. Dies umfasst auch die Fähigkeit, mit verschiedenen Lebensphasen, chronischen Erkrankungen und Behinderungen umzugehen. Wissen über Themen wie personalisierte Ernährung kann hierbei eine entscheidende Rolle spielen, indem es individuelle Gesundheitsstrategien ermöglicht.
5. Gesundheitsdienste neu ausrichten
Die Neuorientierung der Gesundheitsdienste ist notwendig, um ein Versorgungssystem zu entwickeln, das über die kurativen medizinischen Leistungen hinausgeht und sich stärker auf die Förderung von Gesundheit konzentriert. Dies bedeutet, dass Gesundheitsdienste die Menschen als ganzheitliche Persönlichkeiten betrachten und ihre Bedürfnisse umfassend berücksichtigen. Die Koordination zwischen dem Gesundheitssektor und anderen gesundheitsrelevanten sozialen, politischen und ökonomischen Kräften muss verbessert werden. Eine gute Erreichbarkeit von Informationen, wie die Gesundheitsamt Telefonnummer, ist hier ein wichtiger Aspekt, um Menschen den Zugang zu präventiven und beratenden Angeboten zu erleichtern. Krankenhäuser können sich beispielsweise zu “gesundheitsfördernden Krankenhäusern” entwickeln, die aktiv präventive Angebote integrieren.
Diese Handlungsebenen bilden einen „Mehrebenenansatz“ der Gesundheitsförderung, ein integratives Konzept, in dem alle Bereiche miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen.
Der Mehrebenenansatz und der Settingansatz
Ein zentrales Element der Gesundheitsförderung ist der Settingansatz (oder Lebensweltansatz). Dieser fokussiert die Gesundheitsförderung auf die Lebensbereiche, Systeme und Organisationen, in denen Menschen einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Dazu gehören Städte, Gemeinden, Schulen, Hochschulen, Betriebe oder Kindertageseinrichtungen. Die sozialen Strukturen, Organisationskulturen und physischen Gegebenheiten dieser Settings beeinflussen maßgeblich die Gesundheit der Einzelnen. Gesundheit wird im Alltag hergestellt und aufrechterhalten, weshalb Gesundheitsförderung genau dort ansetzen muss.
Eng verbunden mit dem Settingansatz ist die Organisationsentwicklung als Methode der Gesundheitsförderung. Sie initiiert und unterstützt geplante organisatorische Veränderungen in diesen Settings, um sie gesundheitsförderlicher zu gestalten. Der Settingansatz hat sich als wirksame Umsetzungsstrategie erwiesen und wurde in internationalen Gesundheitsprogrammen, wie “Gesundheit21” für Europa, als besonders bedeutsam hervorgehoben.
Die Jakarta-Erklärung und der Gesundheitsgewinn
Die Vierte Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung in Jakarta 1997 würdigte die Fortschritte seit der Ottawa-Charta und entwickelte Perspektiven für das 21. Jahrhundert. Die Jakarta-Erklärung benannte als Hauptziel der Gesundheitsförderung, “den größtmöglichen Gesundheitsgewinn für die Bevölkerung zu erreichen, maßgeblich zur Verringerung der bestehenden gesundheitlichen Ungleichheiten beizutragen, die Menschenrechte zu stärken und soziale Ressourcen aufzubauen.” Letztendlich geht es darum, die Gesundheitserwartung zu erhöhen und die Kluft zwischen Ländern und Bevölkerungsgruppen zu verringern.
Der neu eingeführte Begriff des Gesundheitsgewinns ermöglicht es, die Verbesserung von Gesundheitsergebnissen zu messen und verschiedene Interventionen hinsichtlich ihres Potenzials für den größten Gesundheitsgewinn zu vergleichen. Gesundheitsergebnisse sind dabei Veränderungen im Gesundheitszustand eines Individuums, einer Gruppe oder einer Bevölkerung, die einer gezielten Intervention zugeschrieben werden können. Hurrelmann hat diesen Fokus auf den Gesundheitsgewinn als Unterscheidungsmerkmal zwischen Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention beleuchtet (Hurrelmann 2006, 99).
Fazit: Ein Weg zu nachhaltiger Gesundheit
Gesundheitsförderung ist ein komplexer, aber unerlässlicher Prozess, der die aktive Beteiligung aller erfordert – von Einzelpersonen über Gemeinschaften bis hin zu politischen Entscheidungsträgern. Sie ist keine Aufgabe allein des Medizinsystems, sondern ein interdisziplinäres und intersektorales Bemühen, das auf die Schaffung umfassender gesundheitsförderlicher Bedingungen abzielt. Durch die konsequente Umsetzung der fünf Handlungsebenen, ergänzt durch den Settingansatz und das Streben nach Gesundheitsgewinn, können wir eine Zukunft gestalten, in der Gesundheit nicht nur bewahrt, sondern aktiv gefördert wird. Engagieren Sie sich in Ihrer Gemeinde, informieren Sie sich über gesundheitsfördernde Angebote und tragen Sie dazu bei, ein gesünderes Umfeld für alle zu schaffen.
Literaturhinweis
- Hurrelmann, Klaus (2006): Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.): Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Köln: BZgA, S. 99.
