Alex „Po Atan“ Pereira, ein Name, der in der Welt des Kampfsports für Dominanz und zerstörerische Kraft steht, hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Im Jahr 2017 krönte er sich zum GLORY-Weltmeister im Mittelgewicht und legte damit den Grundstein für eine der beeindruckendsten Regentschaften in der Geschichte dieses Sports. Seine Siege, oft durch spektakuläre Knockouts, hätten für jeden durchschnittlichen Kämpfer einen Höhepunkt seiner Karriere dargestellt. Ende 2019 schrieb Pereira Geschichte, indem er als erster Kämpfer in der GLORY-Historie gleichzeitig zwei Gürtel in verschiedenen Gewichtsklassen hielt, als er die vakante Interims-Halbschwergewichtsmeisterschaft gewann.
Pereiras Aufstieg ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass ihn die Straßen von São Paulo, Brasilien, beinahe verschlungen hätten, noch bevor er seine Teenagerjahre erreichte. Im Alter von 12 Jahren entschied er, dass die Schule nichts für ihn war. Er fand eine Anstellung in einer Reifenfirma, die nebenbei auch Mechanikdienstleistungen anbot, was ihn wesentlich mehr interessierte. Fortan verbrachte der junge Brasilianer täglich bis zu zehn Stunden damit, Reifen zu schleppen, bedeckt mit Öl und Schmutz.
Es war eine geschäftige Werkstatt mit einer recht großen Belegschaft, die den Arbeitstag mit einem stetigen Fluss von eiskaltem Cachaça – brasilianischem Rum aus Zuckerrohr – bewältigte. Zunächst vom Geschmack des Alkohols abgestoßen, gewöhnte sich Pereira allmählich daran und entwickelte schließlich einen Geschmack dafür. Bald trank er genauso viel wie seine Kollegen. „Als ich etwa 16 war, trank ich bei der Arbeit ungefähr einen Liter Rum am Tag, meistens noch mit ein paar Bieren dazu“, erzählt er. „Ich war Alkoholiker, ein ausgewachsener Alkoholiker. Das war einfach der Lebensstil an diesem Ort. Ich kannte es nicht anders. Es schlich sich einfach an mich heran.“
Das Trinken setzte sich auch nach der Arbeit fort. Ob mit Arbeitskollegen, Freunden oder allein, Pereira verbrachte seine Abende oft damit, noch mehr Alkohol in sich hineinzuschütten. Häufig geriet er dabei in Schlägereien und Konfrontationen. Meistens konnte er sich aufgrund seiner natürlichen Kraft und Instinkte behaupten, doch der Gedanke, dass er vielleicht lernen sollte, richtig zu kämpfen, kam ihm allmählich. So fand er sich im Alter von 21 Jahren zum ersten Mal in einem Kickbox-Gym wieder. Es war eine Entscheidung, die sein Leben verändern und dabei zuvor unbekannte Aspekte seiner Herkunft und Identität freilegen sollte.
„Ich bin zu 100 % brasilianischer Ureinwohner“, sagt Pereira. „Es gibt kein europäisch-brasilianisches oder afrikanisch-brasilianisches Erbe in mir. Meine Eltern stammen beide von den indigenen Stammesvölkern, die in Brasilien lebten, bevor jemand anderes hierher kam.“ Indigenes Erbe und Traditionen waren keine Themen, die in der dichten urbanen Umgebung, in der Pereira aufwuchs, oft zur Sprache kamen. Doch als er seinem ersten Kickbox-Gym beitrat, stellte sich heraus, dass es ein Team war, das aus indigenen Brasilianern bestand. So lernte Pereira nicht nur die Kunst und Wissenschaft des Kickboxens, sondern auch etwas über seine eigenen Wurzeln und seine Herkunft. „Als ich anfing, etwas darüber zu erfahren, wollte ich immer mehr lernen. Es faszinierte mich. Und es hat mich spiritueller gemacht, mehr in Kontakt mit meinen Vorfahren.“
In der brasilianischen Tupi-Sprache bedeutet „Po“ „Hand“ und „Atan“ etwas Festes, Dichtes, Steinartiges. Pereiras Spitzname „Po Atan“ bedeutet daher „Steinhand“ und wird durch eine tätowierte Sammlung von Felsen und Kieselsteinen auf seiner linken Hand symbolisiert. Das Geheimnis der Herkunft des Spitznamens ist keines: Pereira hat Menschen schon immer ausgeknockt, seit er zum ersten Mal an Wettkämpfen teilnahm. Als Amateur hatte er eine Bilanz von 25-3, wobei alle 25 Siege durch Knockout erzielt wurden. „Die drei Niederlagen waren nicht einmal echte Niederlagen, die Punktrichter gaben dem Gegner einfach den Sieg, weil er den Kampf überhaupt überlebt hat“, scherzt er.
Die Geschichte von Alex Pereira ist ein beeindruckendes Zeugnis der Überwindung von Widrigkeiten und der Entdeckung des eigenen Potenzials. Sein Weg vom jungen Alkoholiker in São Paulo zum gefeierten Doppel-Weltmeister im Kampfsport und seine tiefere Verbindung zu seiner indigenen Herkunft machen ihn zu einer wahren Inspiration. Sein Spitzname „Po Atan“ ist nicht nur eine Bezeichnung, sondern ein Symbol für die unerschütterliche Kraft und Entschlossenheit, die ihn zu einer Legende gemacht haben.
