Die Begriffe “Grippe” und “Erkältung” werden im alltäglichen Sprachgebrauch oft synonym verwendet, doch medizinisch betrachtet handelt es sich um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder. Während eine echte Grippe (Influenza) durch spezifische Influenzaviren verursacht wird und zu plötzlichen, schweren Symptomen führen kann, ist die sogenannte “grippale Infektion” oder Erkältung ein milderes Leiden, das durch eine Vielzahl anderer Viren ausgelöst wird. Das Verständnis der Unterschiede ist entscheidend, um die richtige Behandlung zu wählen und präventive Maßnahmen effektiv zu ergreifen.
Was ist eine Erkältung (grippaler Infekt)?
Eine Erkältung, umgangssprachlich auch “grippaler Infekt” genannt, ist eine akute Infektionskrankheit der oberen Atemwege. Sie wird von über 30 verschiedenen Virenstämmen verursacht, darunter Rhino- und humane saisonale Coronaviren, respiratorische Synzytialviren (RSV) oder Parainfluenzaviren. Zu den typischen Symptomen einer Erkältung zählen Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. Seltener treten auch erhöhte Temperaturen oder leichtes Fieber auf. Diese Symptome entwickeln sich in der Regel schleichend und sind meist weniger stark ausgeprägt als bei einer echten Grippe.
Sommergrippe: Eine besondere Form der Erkältung
Unter einer “Sommergrippe” versteht man Erkrankungen, die gehäuft in den Sommermonaten oder im Herbst auftreten und ähnliche Erkältungssymptome hervorrufen. Diese werden meist durch Infektionen mit Rhinoviren oder Enteroviren verursacht. Die Übertragung erfolgt hierbei häufiger fäkal-oral oder durch Tröpfcheninfektion.
Impfung gegen Erkältungsviren und RSV
Gegen die meisten Viren, die Erkältungen verursachen, existiert keine Impfung. Seit 2023 ist jedoch eine Impfung gegen RSV für ältere Menschen zugelassen. Seit 2024 wird Neugeborenen und Säuglingen eine RSV-Prophylaxe empfohlen, um schwere Verläufe zu verhindern.
Was ist die echte Grippe (Influenza)?
Die Influenza, gemeinhin als Grippe bezeichnet, wird spezifisch durch Influenzaviren ausgelöst. Obwohl sich die Symptome mit denen einer Erkältung überschneiden können, ist für eine echte Grippe das plötzlich einsetzende Krankheitsgefühl charakteristisch. Dieses äußert sich in hohem Fieber, starken Halsschmerzen und trockenem Husten. Hinzu kommen oft ausgeprägte Muskel-, Glieder-, Rücken- oder Kopfschmerzen. Erkrankte fühlen sich sehr schwach und leiden unter starkem Krankheitsgefühl. Ein unkomplizierter Verlauf der Influenza dauert in der Regel etwa fünf bis sieben Tage.
Verlaufsformen der Influenza
Es ist wichtig zu wissen, dass der typische, schwere Verlauf der Grippe nur bei etwa einem Drittel der Infizierten auftritt. Bei einem weiteren Drittel verläuft die Erkrankung milder und möglicherweise ohne Fieber. Beezeichnenderweise zeigt ein weiteres Drittel der Infizierten gar keine Krankheitsanzeichen, kann aber dennoch andere Personen anstecken.
Komplikationen und Risiken
Bei Personen mit Vorerkrankungen, Schwangeren und älteren Menschen birgt eine Grippeerkrankung ein erhöhtes Risiko für schwere, potenziell lebensbedrohliche Komplikationen. Die gefürchtetste Komplikation ist die Lungenentzündung (Pneumonie). Bei Kindern können sich als Folge einer Grippe auch Mittelohrentzündungen entwickeln. In seltenen Fällen können Entzündungen des Gehirns oder des Herzmuskels auftreten.
Abgrenzung zu COVID-19
Auch COVID-19, verursacht durch das Coronavirus SARS-CoV-2, kann alle Symptome einer akuten Atemwegsinfektion aufweisen und in seiner Schwere variieren, ähnlich wie bei der Grippe.
Diagnostik bei unklaren Symptomen
Eine Unterscheidung zwischen Grippe, COVID-19 oder einer Erkältung allein anhand der Symptome ist oft nicht möglich. Daher ist es für Ärzte von Bedeutung zu wissen, welche Viren gerade in der Bevölkerung zirkulieren. Bei Personen mit einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe wird bei akuten Atemwegssymptomen eine Labordiagnostik für SARS-CoV-2 und Grippeviren empfohlen, um Klarheit zu schaffen und die bestmögliche Behandlung einzuleiten.
Vorbeugung und Schutzmaßnahmen
Um sich vor Grippe und schweren Erkältungen zu schützen, sind verschiedene Maßnahmen ratsam. Die wichtigste präventive Maßnahme gegen die echte Grippe ist die jährliche Grippeimpfung, insbesondere für Risikogruppen. Eine gute Händehygiene, das Vermeiden von engem Kontakt mit Erkrankten und das Lüften von Räumen können helfen, die Übertragung von Viren zu reduzieren. Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung oder Grippe ist es ratsam, sich auszuruhen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei Verdacht auf eine echte Grippe oder bei schweren Symptomen sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.
Bleiben Sie informiert und schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen.
Stand: 29. September 2025
