Die echte Grippe, medizinisch als Influenza bekannt, ist weit mehr als nur eine Erkältung. Es handelt sich um eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, die insbesondere für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen einen schweren, manchmal sogar tödlichen Verlauf nehmen kann. Aus diesem Grund raten Fachleute den sogenannten Risikogruppen dringend zur Grippeimpfung. Die Grippesaison 2024/25 zeigte sich beispielsweise als ungewöhnlich lang und verzeichnete eine deutlich höhere Anzahl laborbestätigter Influenzafälle als in den zehn Saisons zuvor, was teilweise auf eine niedrige Impfquote in Deutschland zurückzuführen ist – in der Altersgruppe der über 60-Jährigen lag diese bei nur 38,2 Prozent, weit entfernt von den 75 Prozent, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen werden.
Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland spricht klare Empfehlungen für die Grippeimpfung aus, die sich primär an bestimmte Risikogruppen richten. Zu diesen zählen Menschen ab 60 Jahren sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, da ihr Immunsystem oft weniger robust ist und die Wahrscheinlichkeit für schwere Komplikationen bei einer Grippeinfektion steigt. Auch Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel sollten sich impfen lassen, um sich selbst und ihr ungeborenes Kind zu schützen.
Darüber hinaus ist die Impfung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen von großer Bedeutung. Hierzu gehören Personen mit Diabetes, Asthma, Herz- und Kreislaufleiden, chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen sowie neurologischen Krankheiten wie Multiple Sklerose. Ebenso ist sie empfohlen für Menschen mit angeborenen oder erworbenen Krankheiten, die das Immunsystem schwächen. Für diese Gruppen ist das Risiko, bei einer Grippeinfektion schwerwiegende Komplikationen zu entwickeln, besonders hoch.
Wer beruflich viel Kontakt zu anderen Menschen hat, wie zum Beispiel Krankenhaus- oder Altenheimpersonal, sollte ebenfalls geimpft sein, um sowohl sich selbst als auch vulnerable Personen zu schützen. Dies gilt auch für Personen, die mit Risikopatienten zusammenleben oder diese betreuen.
Wie läuft die Grippeimpfung ab?
Die Grippeimpfung ist ein unkomplizierter Vorgang, der meist als Spritze in den Oberarmmuskel verabreicht wird. Der kleine „Pieks“ ist schnell vorüber und erfordert lediglich eine einmalige Anwendung pro Grippesaison. Nach der Impfung beginnt das Immunsystem des Körpers, Antikörper gegen die abgeschwächten Viren oder deren Bestandteile zu bilden. Dieser Prozess dauert etwa zehn bis 14 Tage, wonach ein vollständiger Impfschutz aufgebaut ist.
Da sich Influenzaviren ständig genetisch verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr an die voraussichtlich zirkulierenden Virusvarianten angepasst. Diese Anpassung ist entscheidend, um einen effektiven Schutz zu gewährleisten. Durch die Impfung lernt das Immunsystem, die Viren zu erkennen und gezielt zu bekämpfen, wodurch eine Grippeerkrankung verhindert oder deren Verlauf erheblich abgemildert werden kann.
Wann ist die beste Zeit für die Grippeimpfung?
Die Erkältungssaison beginnt typischerweise im Herbst, doch die eigentliche Grippewelle, verursacht durch Influenzaviren, erreicht ihren Höhepunkt in Deutschland meist erst nach der Jahreswende. Laut Robert Koch-Institut (RKI), der zentralen Einrichtung für Infektionskrankheiten, breiten sich die Viren bei tiefen Temperaturen vermutlich besonders gut aus, zudem verbringen Menschen in den kälteren Monaten mehr Zeit in geschlossenen Räumen und haben engeren Kontakt.
Die ideale Zeit für die Grippeimpfung ist daher im Herbst, genauer gesagt im Oktober oder November. „Idealerweise lassen Sie sich im Oktober oder November impfen“, empfiehlt Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut, da der Impfschutz in der Regel über die gesamte Grippesaison hinweg anhält. Als spätester Impfzeitpunkt wird Mitte Dezember genannt. Es kann jedoch auch zu Beginn oder während einer bereits laufenden Grippewelle noch sinnvoll sein, sich impfen zu lassen, da die Dauer einer Grippewelle nicht genau vorhersehbar ist. So kam es in der Saison 2022/23 noch im März zu einer zweiten Welle durch eine andere Virusvariante, und die Saison 2024/25 hielt auffällig lange an, da mehrere Virusvarianten das Infektionsgeschehen zu unterschiedlichen Zeitpunkten dominierten.
Apotheken bieten Grippeschutzimpfungen an, oft auch ohne Termin.
Ein praktischer Hinweis für viele: Die Grippeimpfung wird inzwischen auch in einigen Apotheken angeboten, was den Zugang zur Impfung erleichtern kann. Informieren Sie sich bei Ihrer Apotheke vor Ort über die Möglichkeiten.
Weshalb ist jedes Jahr eine erneute Grippeimpfung nötig?
Die Notwendigkeit einer jährlichen Grippeimpfung ergibt sich aus der einzigartigen Fähigkeit der Influenzaviren, ihre Oberflächenstruktur ständig zu verändern. Dieser Prozess, bekannt als Antigendrift und Antigenshift, ermöglicht es dem Virus, dem Immunsystem als ein vermeintlich neuer Erreger zu erscheinen. Selbst wenn der Körper bereits Antikörper gegen frühere Varianten gebildet hat, muss das Immunsystem bei einer neuen Variante erst nach komplexen Abläufen eine passende Immunantwort entwickeln.
Weltweit sammeln zuständige Gesundheitsbehörden kontinuierlich Informationen über die aktuell zirkulierenden Grippeerreger und leiten diese an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter. Basierend auf diesen Daten entscheidet die WHO, wie sich der Grippeimpfstoff für die kommende Saison idealerweise zusammensetzen muss, um den bestmöglichen Schutz zu bieten. Hinzu kommt, dass der Impfschutz einer Grippeimpfung laut RKI nach sechs bis zwölf Monaten allmählich nachlässt, was eine erneute Impfung für einen fortlaufenden Schutz unabdingbar macht.
Kann man sich trotz Grippeimpfung anstecken?
Trotz einer erfolgten Grippeimpfung besteht die Möglichkeit, sich mit Influenzaviren anzustecken und diese auch auf andere zu übertragen. Daher wird die Impfung auch Personen empfohlen, die in engem Kontakt mit Risikopersonen stehen, um eine indirekte Schutzwirkung zu erzielen. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Grippeimpfung keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Erkrankung bietet.
Dennoch ist die Impfung äußerst wertvoll: Geimpfte Personen durchlaufen im Falle einer Infektion in der Regel einen milderen Krankheitsverlauf mit deutlich weniger Komplikationen. Das RKI schätzt, dass in der Altersgruppe der über 60-Jährigen jährlich rund 400.000 Fälle einer Influenza-Erkrankung durch die Impfung verhindert werden können. Die Tatsache, dass der Schutz nicht absolut ist, kann verschiedene Gründe haben: Es könnte eine Virusvariante zirkulieren, die nicht vollständig vom aktuellen Impfstoff abgedeckt ist, oder die Ansteckung erfolgt, bevor der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Zudem kann es vorkommen, dass das Immunsystem mancher Menschen nicht ausreichend auf die Impfung anspricht. Ungeachtet dessen trägt die Grippeimpfung maßgeblich dazu bei, schwere Verläufe und potenziell gefährliche Komplikationen zu verhindern.
Gemeldete Grippefälle in den letzten zehn Grippesaisons
| Grippesaison | Grippemeldungen (laborbestätigt) |
|---|---|
| 2015/16 | 58.304 |
| 2016/17 | 93.700 |
| 2017/18 | 263.529 |
| 2018/19 | 184.163 |
| 2019/20 | 191.319 |
| 2020/21 | 755 |
| 2021/22 | 21.875 |
| 2022/23 | 296.969 |
| 2023/24 | 218.002 |
| 2024/25 | 393.998 |
Datenstand: 05.05.2025. Hinweis: Aufgrund vermehrter Diagnostik sind die Zahlen aus den vorpandemischen Jahren nicht direkt vergleichbar. Quelle: Grippereport 2024/25
Warum sollten sich vor allem ältere Menschen impfen lassen?
Mit zunehmendem Alter arbeitet das Immunsystem weniger effektiv, ein Phänomen, das als Immunseneszenz bekannt ist. „Aus diesem Grund schlägt die Impfung bei Älteren teilweise nicht so gut an“, erklärt Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut, dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Trotz dieser potenziell geringeren Ansprechrate empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung explizit für diese Altersgruppe.
Der Hauptgrund dafür ist, dass selbst eine Influenza-Infektion bei geimpften älteren Menschen häufig milder verläuft. „Wer geimpft ist und trotzdem an der Influenza erkrankt, bei dem verläuft die Infektion häufig milder“, erläutert Stöcker. Dies ist besonders kritisch für Hochbetagte, da bei ihnen eine Grippe zu sehr schweren Komplikationen führen kann. Ein drastisches Beispiel hierfür ist die Entwicklung einer Lungenentzündung parallel zur Virusgrippe, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein kann.
Um den Schutz für ältere Menschen zu optimieren, empfiehlt die STIKO spezielle Impfstoffe. Dazu gehören sogenannte Hochdosis-Grippeimpfstoffe, die sich durch eine höhere Menge an Antigenen von Standardimpfstoffen unterscheiden. Darüber hinaus werden adjuvierte Impfstoffe empfohlen, die Wirkverstärker (Adjuvantien) enthalten, welche die Immunreaktion des Körpers intensivieren. Laut RKI zeigen diese speziellen Impfstoffe bei Personen ab 60 Jahren eine geringfügig, aber signifikant bessere Wirksamkeit. Als mögliche, meist vorübergehende Nebenwirkungen können etwas häufiger lokale Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle sowie allgemeine Symptome wie Fieber oder Kopfschmerzen auftreten.
Welche Nebenwirkungen sind bei der Grippeimpfung möglich?
Nach einer Grippeimpfung können, wie bei vielen Impfungen üblich, verschiedene Reaktionen auftreten, die jedoch in der Regel harmlos und vorübergehend sind. An der Einstichstelle im Oberarm können sich Rötungen bilden, Schmerzen auftreten und eine leichte Schwellung ist ebenfalls möglich.
Neben diesen lokalen Beschwerden können auch allgemeine Symptome auftreten, die einem leichten Krankheitsgefühl ähneln. Dazu gehören Müdigkeit, Gliederschmerzen und Frösteln. Diese Beschwerden klingen normalerweise innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst wieder ab. Obwohl einige Menschen bei solchen Symptomen vermuten könnten, durch die Impfung selbst die Grippe bekommen zu haben, ist dies nach Expertenmeinung falsch. Susanne Glasmacher vom RKI beruhigt hierzu: „Der Impfstoff besteht aus Bruchstücken von abgetöteten Viren, die keine Erkrankung mehr hervorrufen können.“ Die beobachteten Symptome sind vielmehr ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem auf den Impfstoff reagiert und aktiv Antikörper bildet.
Wann sollte man sich nicht impfen lassen?
Obwohl die Grippeimpfung für viele Menschen eine wichtige Schutzmaßnahme darstellt, gibt es bestimmte Situationen, in denen eine Impfung verschoben oder von ihr abgesehen werden sollte. Wer Fieber hat oder einen schwereren akuten Infekt durchmacht, sollte den Impftermin verschieben und sich erst impfen lassen, wenn er wieder vollständig genesen ist. Im Zweifelsfall ist eine Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt ratsam.
Personen, die gegen bestimmte Bestandteile von Grippeimpfstoffen, wie zum Beispiel Hühnereiweiß, allergisch sind, sollten unbedingt ihren Arzt informieren, um eine alternative Impfmöglichkeit zu besprechen. Für gesunde Schwangere empfiehlt die STIKO, den Impftermin erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel wahrzunehmen. Bei werdenden Müttern, die unter einem chronischen Leiden wie Diabetes leiden, kann eine frühere Impfung sinnvoll sein; dies sollte jedoch stets individuell mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt abgeklärt werden.
Was kostet die Grippeimpfung, zahlen die Krankenkassen?
Für alle Personen, denen die Grippeimpfung von den medizinischen Fachgesellschaften und der STIKO empfohlen wird, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten vollständig. Ähnliche Regelungen gelten in der Regel auch für Privatversicherte; hier empfiehlt es sich jedoch, im Vorfeld mit dem jeweiligen Versicherer Kontakt aufzunehmen, um die genauen Bedingungen zu klären.
Zusätzlich zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen wird die Grippeimpfung manchmal auch von Arbeitgebern finanziert. Dies ist eine sinnvolle Maßnahme zur Prävention von Grippewellen in Betrieben und zur Reduzierung von Arbeitsausfällen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist zudem darauf hin, dass auch gesunde Menschen unter 60 Jahren, für die keine explizite Impfempfehlung besteht, in einigen Fällen eine Kostenerstattung bei ihrer Krankenkasse beantragen können. Hierbei kann jedoch eine Zuzahlung fällig werden. Es lohnt sich also, die individuellen Möglichkeiten bei der eigenen Krankenkasse zu erfragen.
Kann gleichzeitig gegen Grippe und Covid-19 geimpft werden?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen dahingehend angepasst, dass kein zeitlicher Abstand zwischen einer Schutzimpfung gegen Influenza und einer Impfung gegen Covid-19 erforderlich ist. Dies ermöglicht eine effiziente und gebündelte Schutzstrategie, insbesondere für Risikogruppen. Es wird jedoch empfohlen, die Impfungen an unterschiedlichen Gliedmaßen zu verabreichen.
Das Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass Patienten, die beide Impfungen gleichzeitig erhalten, über „vermehrte, vorübergehende lokale und systemische Impfreaktionen“ aufgeklärt werden sollten. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für typische Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder leichtes Fieber geringfügig höher sein kann, wenn beide Impfungen gleichzeitig erfolgen. Diese Reaktionen sind jedoch in der Regel mild und klingen schnell wieder ab.
Fazit
Die Grippeimpfung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsvorsorge, insbesondere für Risikogruppen wie ältere Menschen, Schwangere und Personen mit chronischen Erkrankungen. Sie schützt nicht nur vor einem schweren Krankheitsverlauf und potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen, sondern trägt auch zur Reduzierung der Krankheitslast in der gesamten Bevölkerung bei. Angesichts der jährlichen Veränderungen der Influenzaviren und des nachlassenden Impfschutzes ist eine jährliche Auffrischung im Herbst von entscheidender Bedeutung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, um sich umfassend beraten zu lassen und Ihren persönlichen Schutzplan für die kommungende Grippesaison zu erstellen. Ihre Gesundheit ist es wert.
