Gylfi Sigurdsson, der einst als einer der größten Fußballer Islands gefeiert wurde, hat nach einer turbulenten Zeit in England eine bemerkenswerte Rückkehr in seine Heimat angetreten. Nach Jahren des Glanzes in der Premier League, wo er für Vereine wie Everton und Tottenham Hotspur spielte und einen Rekordtransferwert von 45 Millionen Pfund erzielte, hat Sigurdsson seinen Weg zurück zu seinen Wurzeln gefunden. Seine aktuelle Station ist Valur in Reykjavík, der nördlichsten Hauptstadt der Welt. Diese Entscheidung wirft ein Schlaglicht auf die Komplexität seiner Karriere und die besonderen Umstände, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben.
Die Rückkehr in die Heimat: Ein Schritt zurück, um neu zu beginnen
Nachdem Sigurdsson im Jahr vor Vertragsablauf bei Everton nicht mehr im Kader stand – ein Schritt, dessen Gründe nie öffentlich erläutert wurden – entschied er sich, nach Reykjavík zurückzukehren. Diese Entscheidung traf er, obwohl Angebote aus der MLS von Wayne Rooney und ein Engagement beim dänischen Erstligisten Lyngby vorlagen. Stattdessen wählte er den Weg zurück nach Island, wo er von der Presse und der heimischen Fußballgemeinschaft unterstützt wird. “Er ist bei weitem der größte Name im isländischen Fußball”, erklärt Vidar Halldorsson, ehemaliger Kapitän der isländischen Nationalmannschaft. “Jeder hier hat sich gefreut, ihn wieder im Fußball zu sehen.”
Valur, einer der erfolgreichsten und reichsten Vereine Islands mit 23 Meistertiteln und 11 Pokalsiegen, war die logische Wahl. Sigurdssons Rückkehr in die isländische Liga, die von April bis Oktober ausgetragen wird, wurde mit großer Vorfreude aufgenommen. Doch die Saison verlief nicht wie erhofft. Valur liegt derzeit auf dem dritten Tabellenplatz, elf Punkte hinter dem Spitzenreiter Breidablik. “Natürlich wollten wir Erster werden”, gesteht Borkur Edvardsson, der Vorsitzende von Valur. “Wir haben Gylfi und ein paar andere Spieler verpflichtet, aber es war ein wenig mühsam. Wir sind damit nicht ganz zufrieden. Aber wir können nur daran arbeiten, sehen, was schief gelaufen ist, und uns auf die nächste Saison vorbereiten.”
Fußball als Therapie und Rückhalt
Die Gründe für Sigurdssons Rückkehr sind vielfältig. Fußball kann, wie der isländische Nationaltrainer Age Hareide erklärt, eine Form der Therapie sein. “Wenn man Fußball spielt, denkt man an nichts anderes. Man konzentriert sich darauf, das Spiel zu gewinnen, sein Bestes zu geben und hart zu arbeiten”, sagt Hareide. Diese mentale Stärke und der Fokus auf das Spiel können in schwierigen Zeiten Halt geben. Sigurdsson, der am 2. Mai 1990 geboren wurde, hat trotz seiner Auszeit von zweieinhalb Jahren nichts von seinem Können verloren. Sein Ballgefühl und seine Spielintelligenz sind nach wie vor auf höchstem Niveau, wie seine Leistungen in der isländischen Nationalmannschaft beweisen.
Sein 81. Länderspiel bestritt er kürzlich in der Nations League gegen Montenegro, und er ist auf dem besten Weg, die 100 Länderspiele zu überschreiten. Sein Torinstinkt ist nach wie vor vorhanden, auch wenn bei einem Elfmeter gegen Montenegro eine VAR-Entscheidung knapp gegen ihn ausfiel. Dennoch bereitete er das zweite Tor des Spiels vor und wurde unter tosendem Applaus ausgewechselt. Die Unterstützung der Fans, bekannt als “Tolfan”, war ihm sicher.
Ein Blick auf die isländische Fußballkultur
Die idyllische Atmosphäre im Hlidarendi-Stadion von Valur, mit seiner Kapazität von 2.465 Zuschauern, steht im starken Kontrast zur Glamourwelt der Premier League. Der Kunstrasenplatz und die einfache Tribüne spiegeln die pragmatische Natur des isländischen Fußballs wider. Doch gerade diese Bodenständigkeit und der familiäre Zusammenhalt scheinen Sigurdsson anzuziehen. Die Statue von Albert Gudmundsson vor dem Nationalstadion Laugardalsvollur ehrt Islands ersten Profispieler und symbolisiert die tiefe Verbundenheit, die die Isländer mit ihren Fußballhelden pflegen.
Während Sigurdssons Karriere auf dem Höhepunkt war, wurde er oft von der Presse und den Fans intensiv beobachtet. Seine Rückkehr nach Island scheint ihm jedoch die Möglichkeit zu geben, ein “normales Leben” zu führen und sich auf seine Familie zu konzentrieren. Trotz der sportlichen Herausforderungen bei Valur, die Ibben den Meistertitel verpassten, ist Sigurdsson glücklich. “Ich bin sicher, er könnte immer noch in der Premier League spielen – so gut ist er”, sagt Edvardsson. “Aber er ist zufrieden und glücklich bei Valur. Er möchte bei seiner Familie in Island sein und ein normales Leben führen.” Gylfi Sigurdsson mag zwar den Glanz der großen europäischen Ligen hinter sich gelassen haben, doch in seiner Heimat hat er eine neue Art von Erfüllung und Wertschätzung gefunden.
