Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) ist eine weit verbreitete Infektionskrankheit, die meist harmlos verläuft. Obwohl sie vorwiegend Kinder unter zehn Jahren betrifft, kann sie auch bei Erwachsenen auftreten und teilweise atypische Verläufe zeigen. Dieser Ratgeber bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Präventionsmaßnahmen der HFMK, basierend auf den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Informieren Sie sich, wie Sie sich und Ihre Liebsten schützen können.
Was ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit?
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) wird hauptsächlich durch Enteroviren der Gruppe A (EV-A) verursacht. Dazu gehören verschiedene Coxsackie-A-Viren (CVA2 – A8, A10, A12, A14, A16) sowie EV-A71 und neuere Virustypen. Besonders häufig sind CVA6 und CVA16 die Auslöser. Es ist möglich, dass während eines Ausbruchs mehrere Virusstämme gleichzeitig zirkulieren. hand mund fuß krankheit erwachsene symptome
Enteroviren sind kleine, unbehüllte RNA-Viren, die zur Familie der Picornaviridae gehören. Sie sind bemerkenswert stabil bei niedrigem pH-Wert, was ihnen ermöglicht, den Magen-Darm-Trakt zu passieren. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen und vielen Desinfektionsmitteln macht ihre Bekämpfung zu einer Herausforderung.
Verbreitung und Vorkommen
Enteroviren sind weltweit verbreitete Erreger mit einer hohen Übertragbarkeit. Die HFMK wird ganzjährig diagnostiziert, wobei sich besondere Häufungen in den Spätsommer- und Herbstmonaten zeigen.
Während die Krankheit in Deutschland meist mild verläuft, kommt es insbesondere im westpazifischen Raum (z. B. Malaysia, Singapur, China, Japan) regelmäßig zu großen Ausbrüchen. Dort können vor allem EV-A71-Viren schwere Verläufe verursachen, die das zentrale Nervensystem beeinträchtigen, zu Lungenödemen führen und im schlimmsten Fall tödlich enden können. Da die HFMK in Deutschland nicht bundesweit meldepflichtig ist, gibt es keine verlässlichen bundesweiten Daten über ihre genaue Häufigkeit.
Reservoir und Abgrenzung
Das einzige Reservoir für die Erreger der HFMK ist der Mensch. Es ist wichtig, die Hand-Fuß-Mund-Krankheit nicht mit der Maul- und Klauenseuche zu verwechseln, die Nutztiere wie Rinder, Schafe und Schweine befällt. Die beiden Krankheiten haben trotz ähnlicher Namen keinerlei Bezug zueinander, da sie durch Viren unterschiedlicher Gattungen innerhalb derselben Familie der Picornaviridae verursacht werden.
Wie wird die Hand-Fuß-Mund-Krankheit übertragen?
Die Übertragung der HFMK-Erreger erfolgt von Mensch zu Mensch. Der Hauptübertragungsweg ist der direkte Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Nasen- und Rachensekreten, Speichel und Flüssigkeit aus den Bläschen oder Stuhl. Auch der Kontakt mit viruskontaminierten Oberflächen spielt eine wesentliche Rolle, wobei die Hände eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung spielen. Neben dieser dominierenden fäkal-oralen Übertragung kann das Virus in den ersten Tagen nach der Infektion, aufgrund der primären Virusvermehrung im Rachenepithel, auch durch Tröpfcheninfektion übertragen werden.
Inkubationszeit und Ansteckungsfähigkeit
Die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) liegt in der Regel zwischen 3 und 10 Tagen, kann aber auch 1 bis 30 Tage betragen.
Infizierte Personen sind während der ersten Krankheitswoche hochkontagiös, insbesondere durch die Flüssigkeit in den Bläschen. Die Ansteckungsgefahr nimmt erst mit dem Eintrocknen der Bläschen ab. Allerdings können die Viren auch nach dem Abklingen der Symptome noch über mehrere Wochen im Stuhl ausgeschieden werden, wodurch Patienten sehr lange ansteckend bleiben können. Ein hoher Anteil der Infektionen, insbesondere bei Erwachsenen, verläuft asymptomatisch, was die Verbreitung zusätzlich begünstigt. hand fuß mund krankheit erwachsene
Klinische Symptomatik: Wie äußert sich die Krankheit?
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit beginnt typischerweise mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen. Ein bis zwei Tage nach Fieberbeginn entwickeln sich schmerzhafte Enantheme (Ausschläge auf Schleimhäuten) im Mundraum. Diese zeigen sich als kleine rote Flecken, die sich zu Bläschen und oft zu schmerzhaften Geschwüren (Ulcera) entwickeln. Zunge, Zahnfleisch und die Mundschleimhaut sind dabei besonders betroffen.
Innerhalb von ein bis zwei Tagen folgt ein nicht juckender Hautausschlag, der sich als ebene oder leicht erhabene rote Flecken, manchmal mit Blasenbildung, äußert. Am häufigsten sind die Handflächen und Fußsohlen betroffen. Bei atypischen Verläufen, die oft durch das Coxsackie-A6-Virus (CVA6) verursacht werden, kann das Exanthem jedoch auch am Gesäß, im Genitalbereich, an den Knien oder Ellenbogen auftreten und sich als stark juckender Ausschlag präsentieren. Solche atypischen Verläufe können mit systemischen Symptomen einhergehen und eine stationäre Behandlung erforderlich machen.
Normalerweise verläuft die Krankheit mild, und fast alle Erkrankten erholen sich innerhalb von 5 bis 7 Tagen ohne spezifische ärztliche Behandlung. Die Mehrzahl der Infektionen (über 80 %) verläuft sogar asymptomatisch, wobei der Körper dennoch schützende virustypspezifische Antikörper bildet.
Komplikationen und Risikogruppen
Komplikationen wie aseptische Meningitis/Enzephalitis (Hirnhaut- oder Gehirnentzündung) oder polioartige Paresen (Lähmungserscheinungen) treten sehr selten auf. Bei atypischen Verläufen kann es innerhalb weniger Wochen nach der Infektion zum Verlust von Finger- und Zehennägeln kommen (Onycholyse), was jedoch reversibel ist.
Schwangere sind, insbesondere in den Sommer- und Herbstmonaten, häufig Enteroviren ausgesetzt. Die meisten Enterovirusinfektionen während der Schwangerschaft verursachen milde Symptome oder verlaufen asymptomatisch. Evidenzbasierte Hinweise auf schwere Komplikationen durch Enterovirusinfektionen in der Schwangerschaft sind sehr selten. Jedoch können Schwangere, die um den Geburtstermin herum Symptome einer Enterovirusinfektion zeigen, das Virus auf das Neugeborene übertragen. Die meisten infizierten Neugeborenen zeigen einen milden Krankheitsverlauf. In sehr seltenen Fällen kann sich jedoch eine systemische Infektion entwickeln, oder die Infektion lebenswichtiger Organe wie Leber und Herz kann zu fulminanten, also sehr schweren Verläufen führen. Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes ist bei Neugeborenen in den ersten beiden Lebenswochen am höchsten.
Diagnostik und Therapie
Diagnosestellung
In den meisten Fällen wird die Diagnose der HFMK aufgrund der charakteristischen klinischen Symptome gestellt und eine Labordiagnostik ist aufgrund des milden Verlaufs nicht erforderlich.
Für eine weiterführende Labordiagnostik kann ein Virusnachweis erfolgen. Zur molekularen Schnelldiagnostik wird eine Enterovirus-PCR durchgeführt, die Viren im Erbgut nachweist. Eine genauere Typisierung des Virusstammes kann durch weitere PCR-Analysen und anschließende Sequenzierung erfolgen. Hierfür eignen sich vorwiegend Stuhlproben, Rachenabstriche oder Bläscheninhalt. Bei einer Beteiligung des Zentralnervensystems kann auch Liquor (Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) untersucht werden. Der Erregernachweis aus Stuhlproben ist in den ersten 1 bis 2 Wochen der Erkrankung in etwa 80 % der Fälle erfolgreich. Der Nachweis von Antikörpern (serologischer Nachweis) spielt aufgrund der Vielzahl der möglichen Erreger und der hohen Durchseuchung mit Enteroviren keine Rolle für das Patientenmanagement.
Behandlung der Hand-Fuß-Mund-Krankheit
Eine spezifische antivirale Therapie gegen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit existiert derzeit nicht. Die Behandlung beschränkt sich daher auf die Linderung der Symptome (symptomatische Therapie). Dies kann beispielsweise die Gabe von fiebersenkenden Mitteln bei 42 grad fieber oder schmerzlindernden Gels für die Mundschleimhaut umfassen.
Im westpazifischen Raum stehen jedoch mehrere Impfstoffe gegen das EV-A71-Virus zur Verfügung, das dort häufig für schwere Ausbrüche verantwortlich ist.
Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen
Die Einhaltung grundlegender Hygienemaßnahmen ist entscheidend, um die Verbreitung der Hand-Fuß-Mund-Krankheit zu verhindern.
Präventive Maßnahmen
Das Infektionsrisiko lässt sich durch konsequente und gute Händehygiene erheblich reduzieren. Regelmäßiges und sorgfältiges Händewaschen mit Seife, insbesondere nach dem Windelwechsel bei Kleinkindern und nach dem Toilettengang, spielt eine zentrale Rolle. Oberflächen und Gegenstände, die kontaminiert sein könnten – dazu gehören Spielzeug und Türgriffe –, sollten gründlich und gemäß den Hygienevorschriften des jeweiligen Umfelds gereinigt werden. Zudem sollte enger Körperkontakt mit Erkrankten vermieden werden, etwa Küssen, Umarmen oder das Teilen von Besteck, Tassen und ähnlichen persönlichen Gegenständen.
Maßnahmen bei Einzelfällen
Bei einer festgestellten Infektion ist die konsequente Einhaltung der Basishygiene essenziell. Im häuslichen Umfeld ist eine besonders gründliche Händehygiene der infizierten Person wichtig. Handtücher sollten nicht gemeinsam benutzt werden. Eine regelmäßige und sorgfältige Reinigung von Oberflächen, insbesondere im Badezimmer, mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln wird empfohlen.
Ein genereller Ausschluss infizierter Kinder aus Kinderbetreuungseinrichtungen oder Schulen ist nicht pauschal notwendig. Unter bestimmten Umständen kann das Gesundheitsamt jedoch ein Betretungsverbot für Kinder mit HFMK anordnen, um einen Ausbruch einzudämmen. Nach klinischer Genesung und wenn die Bläschen eingetrocknet sind, ist eine Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen in der Regel ohne ärztliches Attest möglich. Da die HFMK meist mild verläuft, können Kinder die Gemeinschaftseinrichtung weiterhin besuchen, solange sie kein Fieber mehr haben und sich gesund fühlen. Bei einem komplizierteren Verlauf kann nach Ermessen des behandelnden Arztes auch eine Krankschreibung für einige Tage erforderlich sein. ab wann haben erwachsene fieber
Für medizinische Einrichtungen gibt es weiterführende, spezifische Empfehlungen zur Infektionsprävention, beispielsweise von der Kommission für Infektionsprävention (KRINKO) des RKI. Für eine sichere Virusinaktivierung in medizinischen Umgebungen sind ausschließlich Desinfektionsmittel mit viruzider Wirksamkeit (gegen unbehüllte Viren) geeignet, die auf den Listen des RKI oder des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH) zu finden sind.
Umgang mit Kontaktpersonen
Bei strenger Einhaltung einer guten Händehygiene sind für Kontaktpersonen in der Regel keine weiteren Maßnahmen oder ein Ausschluss aus Gemeinschaftseinrichtungen notwendig.
Maßnahmen bei Ausbrüchen
Bei Ausbrüchen außerhalb von medizinischen Einrichtungen, zum Beispiel in Schulen oder Kindergärten, sollte die Anwendung von Hände- und Flächendesinfektionsmitteln mit viruzider Wirksamkeit stets mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt werden. Eine fachgerechte Beratung zur korrekten Anwendung (Dosierung, Einwirkzeit) ist hier oft unerlässlich. Das Gesundheitsamt kann basierend auf einer Risikobewertung weitere Maßnahmen festlegen, darunter:
- Intensivierung der Hände- und Flächendesinfektion mit viruziden Produkten.
- Minimierung der fäkal-oralen Übertragung und der Übertragung durch Körperflüssigkeiten (z. B. durch hygienischen Windelwechsel, Vermeidung gemeinsamer Handtücher, separate Nutzung von Besteck und Geschirr, gründliche Reinigung von Spielsachen).
- Gegebenenfalls die Anordnung eines Betretungsverbotes für erkrankte Personen in der Einrichtung. durchfall hausmittel
Gesetzliche Grundlagen und Beratung
In Deutschland besteht für die Hand-Fuß-Mund-Krankheit keine bundesweite Meldepflicht gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Es gibt jedoch ergänzende Verordnungen in einzelnen Bundesländern, wie in Sachsen zur HFMK oder zur Virusmeningitis in Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Das Robert Koch-Institut bietet keine individuelle medizinische Beratung zu Klinik, Therapie oder Impfungen an. Bei entsprechenden Fragen wenden Sie sich bitte an Ärztinnen und Ärzte oder Kliniken in Ihrer Nähe, idealerweise mit Spezialisierung auf Infektionskrankheiten. Für Fragen zum Infektionsschutz und zur Prävention ist Ihr zuständiges Gesundheitsamt der richtige Ansprechpartner. Sie können dieses über das PLZ-Tool des RKI finden.
Für spezielle Diagnostik und weiterführende Informationen steht das Nationale Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren am Robert Koch-Institut zur Verfügung.
Weiterführende Literatur
- Informationen des CDC zur HFMK: https://www.cdc.gov/hand-foot-mouth/
- DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, 7. Auflage (2018), 464-456
- RKI-Ratgeber Hand-Fuß-Mund-Krankheit: https://www.rki.de/SiteGlobals/ShortLinks/R/ratgeber.html?nn=16777040
