Die Wettervorhersage für Hannover am kommenden Sonnabend spricht Bände: Um die Mittagszeit werden Temperaturen um ein Grad Celsius unter Null erwartet. Doch das “gefühlte” Empfinden wird laut einschlägigen Wetter-Websites bei eisigen fünf bis sechs Grad Minus liegen. Warm anziehen ist also das Gebot der Stunde für alle Besucher des Duells von Hannover 96 gegen Fortuna Düsseldorf. Rund 35.000 Zuschauer werden erwartet, die den widrigen Temperaturen trotzen und das Spiel live im WM-Stadion am Maschsee verfolgen wollen, wie 96-Pressesprecher Christoph Heckmann mitteilte.
Heckmanns Bericht über die Wetterlage gab, wenn auch ungewollt, eine kleine Vorlage für die sportliche Situation der “Roten”. Sollte das Team von Trainer Christian Titz auch gegen Düsseldorf sieglos bleiben, könnten die ohnehin schon klirrend kalten Temperaturen in Hannover für alle 96-Protagonisten noch frostiger werden. Ein Blick auf die 2. Bundesliga zeigt, dass die Liga extrem eng ist und jeder Punkt zählt.
Die aktuelle sportliche Lage: Eine Formkurve im Sinkflug
Nur zwei Siege aus den letzten acht Partien – diese ernüchternde Bilanz begleitet Trainer Titz und sein Team. Kritik an der Taktik und an Personalentscheidungen machen dem im Sommer teuer vom 1. FC Magdeburg verpflichteten Coach zu schaffen. Erstmals in seiner noch jungen Amtszeit bei Hannover 96 muss sich Titz unbequemen Fragen stellen. Nach einem überragenden Saisonstart mit vier Siegen in Folge schien der Aufstieg bereits zum Greifen nah. Doch dann folgten erste Rückschläge, die oft aus individuellen Fehlern in der Arbeit gegen den Ball resultierten. Diese Patzer waren wohl auch ein Produkt der insgesamt sehr offensiven Ausrichtung der Mannschaft. Kurz gesagt: Das im Sommer neu formierte Team von Hannover 96 muss in Sachen Defensivverhalten noch dringend zulegen. Es ist eine ähnliche Situation, wie sie auch andere Traditionsvereine wie Eintracht Frankfurt Dortmund oder Leverkusen gegen Schalke kennen, wenn die Ergebnisse ausbleiben.
Trainer Christian Titz fordert mehr Konzentration
Doch deshalb alles infrage stellen? Seine Ideale aufgeben? Für Titz ist das keine Option. “Wir sollten nicht an den Sachen rütteln, die uns stark machen”, betonte der Coach. Das bedeutet: Hannover 96 wird weiterhin auf hohes Pressing und Ballbesitz-Fußball setzen. Die Handschrift des Trainers ist klar erkennbar, und das Team spielt oft dominant. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Dominanz auch in zählbare Erfolge umzumünzen.
Ein wenig wachsamer sollen seine Schützlinge ab sofort sein, wenn der Gegner den Ball am Fuß oder auf dem Kopf hat. “Wir haben verschiedene einzelne Situationen nicht gut verteidigt. In diesen Situationen müssen wir noch konzentrierter sein”, forderte Titz. Nur mit höchster Konzentration über 90 Minuten kann die Mannschaft die individuellen Fehler minimieren und die Defensive stabilisieren.
Personelle Situation: Fast in Bestbesetzung ins Duell
Personell kann der Coach, mit Ausnahme des Gelb-Rot-gesperrten Waniss Taïbi sowie der verletzten Hayate Matsuda und Husseyn Chakroun, aus dem Vollen schöpfen. Der breite Kader bietet dem Übungsleiter Woche für Woche diverse Optionen. So stellt sich beispielsweise vor jedem Spieltag die Frage, ob er Benedikt Pichler oder Benjamin Källmann als Stoßstürmer von Beginn an aufstellt. Auch die anderen Positionen sind nahezu alle doppelt gut besetzt. Es muss eben nur ganz schnell zusammenwachsen und auf dem Rasen harmonieren, was im Sommer zusammengeholt und im Winter noch einmal ergänzt wurde. Dieses Zusammenwachsen ist entscheidend, um die ambitionierten Ziele des Vereins zu erreichen und den Fans von Hertha gegen Köln oder FC Bayern Liveticker zu zeigen, dass in der 2. Bundesliga spannender Fußball geboten wird.
Der Weg aus der Krise: Drei Punkte als Ziel
Außerhalb des Platzes, so versicherte Titz, sei die Stimmung trotz der anhaltenden Durststrecke weiterhin sehr gut. Es fehlt eigentlich nur noch ein Sieg, um auch wieder mit einem Lächeln im Gesicht auf die Tabelle schauen zu können. “Wir wollen uns mit drei Punkten wieder ins richtige Fahrwasser bewegen”, so der Coach. Ein Blick auf die Liga-Tabelle nach einer Gelb-Roten Karte und zwei Gegentreffern in der Nachspielzeit, wie zuletzt bei der 1:3-Niederlage in Kaiserslautern, zeigt, wie schnell sich die Situation ändern kann.
Noch ist es mit seiner Mannschaft wie dem Wetter: Es gibt eine Diskrepanz zwischen den Zahlen und der Wahrnehmung. Die “Roten” überzeugen fußballerisch fast immer, sind aber zu selten siegreich. Doch sollten sie auch gegen Düsseldorf patzen, könnte sich das, was auf dem Papier schon mehr als eine Leistungsdelle ist, schnell wie eine ausgewachsene Krise anfühlen. Ein Sieg ist daher nicht nur wichtig für die Tabelle, sondern auch für die Moral der Mannschaft und die Stimmung im gesamten Umfeld von Hannover 96.
Mögliche Aufstellungen:
Hannover 96: Noll – Allgeier, Tomiak, Ghita – Leopold – Neubauer, Oudenne – Aseko Nkili – Yokota, Weißhaupt – Pichler
Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier – Oberdorf, Egouli, Daland – Iyoha, Tanaka, El Azzouzi, Muslija – Rasmussen, Suso – Itten
