Vor dem mit Spannung erwarteten Nordduell in der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Holstein Kiel und Hannover 96 am heutigen Sonntag um 13:30 Uhr herrschte in den Tagen zuvor eine bemerkenswerte Gelassenheit. Statt hitziger Debatten tauschten die beiden Cheftrainer, Marcel Rapp von Holstein Kiel und Christian Titz von Hannover 96, gegenseitig Komplimente aus und würdigten die Arbeit des jeweils anderen. Dies zeugt von Respekt in einer Liga, in der jeder Punkt zählt.
Marcel Rapp, der 46-jährige Coach der “Störche”, eröffnete den Reigen der Lobeshymnen. Er betonte die unverkennbare Spielweise des Gegners: “Ich sage immer so: Christian-Titz-Fußball. Ich glaube, das ist das größte Kompliment, das man einem Trainerkollegen machen kann, wenn man einfach den Namen sagt und jeder kann sich etwas darunter vorstellen.” Rapp hob insbesondere die aggressiven Verteidigungsmethoden der “Roten” hervor und die bekannte Vorliebe der Titz-Mannschaften für hohen Ballbesitz. Ein Blick auf den Bundesliga Spielplan zeigt, dass solche taktischen Duelle oft spielentscheidend sind.
Auf der Pressekonferenz von Hannover 96 nahm Christian Titz die Worte seines Kollegen mit einem Lächeln entgegen. “Ich bin hier der Trainer von Hannover 96. Wir spielen daher Hannover-96-Fußball”, stellte der 54-Jährige klar, bevor er seinerseits lobende Worte für die Kieler fand: “Bei Holstein Kiel erkennt man eine klare Spielidee. Es ist eine physisch spielende, sehr laufstarke Mannschaft. Sie ist enorm gefährlich bei sämtlichen Formen von Standards.”
Formkurve und Herausforderungen für die Störche
Für die “Störche” lief es in den letzten Wochen jedoch nicht ganz nach Wunsch. In der 2. Bundesliga treten sie aktuell im Mittelfeld der Tabelle auf der Stelle. Nach einem überzeugenden 2:0-Heimsieg gegen den Aufstiegskandidaten SC Paderborn im ersten Spiel des neuen Jahres folgte eine ernüchternde 1:2-Niederlage im Holsteinstadion gegen das damalige Schlusslicht Greuther Fürth. Zusätzlich mussten die Kieler unter der Woche im Viertelfinale des DFB-Pokals trotz langer guter Leistung eine 0:3-Niederlage gegen Titelverteidiger VfB Stuttgart hinnehmen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die SC Freiburg Spieler, die in der Liga für Furore sorgen.
Zudem plagen die Kieler vor dem Nordduell arge Personalsorgen. Kapitän Steven Skrzybski zog sich im Training einen Muskelbündelriss in den Adduktoren zu und fällt längerfristig aus. Auch Vize-Kapitän Alexander Bernhardsson steht aufgrund einer Verletzung seit mehreren Wochen nicht zur Verfügung. Diese Ausfälle könnten die taktische Ausrichtung von Marcel Rapp maßgeblich beeinflussen und die Mannschaft vor zusätzliche Herausforderungen stellen.
Hannover 96 auf Aufstiegskurs: Ambitionen und Hindernisse
Auf der anderen Seite präsentiert sich Hannover 96 in starker Verfassung. Die Niedersachsen konnten ihre letzten beiden Partien gewinnen und gehen vom vielversprechenden Tabellenplatz fünf in den 21. Spieltag. Mit lediglich drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang drei und den direkten Aufstiegsplatz zwei sowie nur vier Zählern hinter Spitzenreiter FC Schalke 04 sind die Aufstiegsränge für die “Roten” in greifbarer Nähe. Ein Sieg gegen Holstein Kiel könnte die Ambitionen auf einen Platz in der Bundesliga entscheidend befeuern. Die Situation ist ähnlich spannend wie bei Schalke gegen Augsburg.
Allerdings muss auch Hannover 96 einen schmerzlichen Ausfall hinnehmen. Benedikt Pichler, ein ehemaliger Kieler, der der Partie mit großer Vorfreude entgegengefiebert hatte, ist verletzungsbedingt nicht einsatzfähig. “Es ist sehr schade, dass er ausfällt. Weil ‘Pichi’ für uns ein Spieler ist, der wichtig ist mit seiner Mentalität, mit seiner Persönlichkeit und seiner Art, wie er sich hier in das Team einbringt”, bedauerte Trainer Titz. Pichler zog sich beim 2:1-Erfolg der Hannoveraner bei Titz’ Ex-Club 1. FC Magdeburg eine Oberschenkelverletzung zu.
Zusätzlich gilt es für Hannover 96, einen unangenehmen Trend zu durchbrechen: Die letzten beiden Heimspiele gegen die KSV gingen mit 1:5 und 1:2 verloren. Diesmal soll sich das Blatt wenden, ganz gleich ob mit “Christian-Titz-Fußball” oder “Hannover-96-Fußball”. Doch auch Kiel benötigt dringend jeden Punkt, um nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten, was eine intensive Partie verspricht.
Mögliche Aufstellungen und die Taktik
Die voraussichtlichen Aufstellungen für das Duell könnten wie folgt aussehen:
Hannover 96: Noll – Ghita, Tomiak, Nawrocki – Leopold – Neubauer, Oudenne – Aseko Nkili – Yokota, Saad – Källman
Holstein Kiel: Krumrey – Rosenboom, Zec, Ivezic, Komenda – Meffert – Niehoff, Tohumcu, Tolkin – Kelati, Kapralik
Beide Teams werden versuchen, ihre Stärken auszuspielen. Hannover 96 wird voraussichtlich auf Ballbesitz und eine aggressive Spielweise setzen, während Holstein Kiel versuchen wird, die physische Stärke und die Gefahr bei Standardsituationen zu nutzen. Es bleibt abzuwarten, welche taktische Ausrichtung sich durchsetzen wird. Fans können sich auch auf andere Sonntagsspiele Bundesliga freuen.
Fazit und Ausblick auf ein packendes Nordduell
Das bevorstehende Nordduell zwischen Holstein Kiel und Hannover 96 verspricht eine Begegnung voller Spannung und Brisanz. Beide Mannschaften stehen unter Druck, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Kiel kämpft darum, den Anschluss nach oben nicht zu verlieren und sich von der Abstiegszone fernzuhalten, während Hannover 96 fest entschlossen ist, seine Aufstiegsambitionen zu untermauern und den Sprung auf die vorderen Tabellenplätze zu schaffen. Die freundlichen Worte der Trainer im Vorfeld täuschen nicht darüber hinweg, dass auf dem Platz ein harter Kampf um jeden Ball und jeden Punkt erwartet wird. Wer sich am Ende durchsetzen wird, ist völlig offen. Verpassen Sie nicht dieses spannende Duell und verfolgen Sie die neuesten Entwicklungen rund um Eintracht Braunschweig aktuell und die 2. Bundesliga!
